Kurzbericht zur Veranstaltung BiG & Gemeinde am 10.April 24 zum Thema ABWASSER
Liebe Alle,
hier ein erster Kurzbericht zu unserer Veranstaltung gestern Abend [1]. Ein ausführlicher Bericht folgt die Tage [2].
Das BiG-Team WASSER hat sich seit Mai 23 intensiv mit der Frage der Wasserversorgung der Gemeinde Schöneck unter Einbeziehung des ganzen Main-Kinzig Kreises beschäftigt. Das Ziel ist es, eine Service für die Bürger bereit zu stellen, über den jeder jederzeit abfragen kann, wie es mit der Verfügbarkeit von Wasser in einem gewünschten Zeitabschnitt bestellt ist. Dazu entwickelt das Team auf der Basis der verfügbaren Daten ein Simulationsmodell, das jeder einsehen kann.[3]
Dabei ist uns aufgefallen, dass wir über das Wasser, das nach dem Austritt aus dem Wasserhahn dann wieder im Abfluss verschwindet, so gut wie nichts wissen. Wir haben dann die zuständige Abteilung bei der Gemeinde angefragt — die Fachabteilung für Stadtplanung — und trafen auf ein großes Entgegenkommen, dazu eine Informationsveranstaltung anzubieten. Mit Günter Rauch, dem Leiter der Fachabteilung, und Hans-Jürgen Merget, dem stellvertretenden Leiter, kam es dann zur gemeinsamen Veranstaltung BiG & Gemeinde am 10.April 24 Abends zum Thema Abwasser in Schöneck.
Mit seiner Präsentation entführte Hans-Jürgen Merget alle Teilnehmer:innen in die unbekannte Welt des Abwassers. Schon während der Präsentation konnten Fragen gestellt werden, was zur Vervollständigung des Gesamtbildes beitrug. Zusätzlich konnte Günter Rauch weitere interessante Aspekte beisteuern, so z.B. auch mit Ausblicken auf die im Bau befindlichen Erweiterungen der bisherigen Kläranlage (zusammen mit Niederdorfelden). Bei Fertigstellung Ende Mai 2025 wird sie zu den modernsten Anlagen in ganz Deutschland gehören und das mit nur der Hälfte der Kosten, die eine Gemeinde mit vergleichbaren Rahmenbedingungen für einen Neubau ausgegeben hat.
Also, Schöneck kann auch innovativ sein 🙂
Die Fachabteilung hat auch angeboten, noch in diesem Jahr eine Informationsveranstaltung in der Kläranlage vor Ort zu organisieren, was auf große Zustimmung traf. Wir werden darüber berichten.
Vorankündigung : BIG-WALD – Bürgerbefragung zum Wald, So 26.Mai 2024, 11-15 Uhr
Wer seit Dezember 2023 im Wald Büdesheim-Kilianstädten den Wald besucht hat, der wird nicht wenige Bürger getroffen haben, die sich über den Zustand des Waldes entsetzt zeigten. Formulierungen wie „So war der Wald noch nie“, „Die da oben“ konnte man hören. Nun weiß jeder aus dem Alltag, dass Profis Sachverhalte oft anders bewerten als ‚Laien‘. Vielleicht trifft dies auch auf die Besucher des Waldes zu, dass sie das, was sie sehen und erleben, unangemessen beurteilen. Vielleicht aber auch nicht. Da der Wald ja der Gemeinde gehört und damit letztlich uns Bürgern, sollten die vielen negativen Gefühle der Bürger nicht isoliert im Raum stehen bleiben.
Das BiG-Team Wald (Moderatorin: Yvonne Heil, praktizierende Tierärztin und ausgewiesene Naturschutzexpertin) hat daher den Beschluss gefasst am So 26.Mai 2024 von 11 – 15h eine Bürgerbefragung zum Thema Wald im Wald selbst durchzuführen. Stützpunkt soll das Haus der Vogelschutzfreunde sein, wo Kaffee und Kuchen zur Stärkung eingeplant sind. Von dort werden Freiwillige, bestückt mit einem Fragebogen durch den Wald gehen und Mitbürger ansprechen, ob Sie sich zu ihrem Wald äußern möchten.
Die Ergebnisse der Befragung werden auf Webseiten des Teams BiG-WALD veröffentlicht. In einer Folgeveranstaltung am So 30.Juni 2024 werden die Ergebnisse diskutiert. Natürlich werden dazu auch unsere gewählten Vertreter im Gemeindeparlament und die Bürgermeisterin eingeladen. Natürlich auch so viele Experten wie möglich. Das BiG-Team WALD ist sich sehr bewusst, wie vielschichtig das Thema Wald ist und dass es nicht einfach DIE Antwort zu allen Fragen gibt.
Vorankündigung das große BiG-Waldprojekt 2024 – 2026
Dass es dem BiG-Team WALD mit der Befragung nicht nur um eine Einzelaktion geht, kann man daran sehen, dass das Team nach ca. 1 Jahr Vorlauf jetzt das Große Waldprojekt 2024 – 2026 beschlossen hat.
Wir haben gelernt, dass alle 10 Jahre (!) eine Forsteinrichtung zwischen der Gemeinde und einem Dienstleister ausgehandelt wird, worin festgelegt wird, was tatsächlich mit dem gemeindeeigenen Wald geschehen soll. Die letzte Forsteinrichtung wurde für den Zeitraum 2017 – 2026 beschlossen. Es gibt also die Möglichkeit, dass die Bürger der Gemeinde sich bis 2026 ihr eigenes Bild vom Wald und den verschiedenen Bedürfnissen machen können. Dazu möchte das BiG-Team WALD beitragen.
Dazu gibt es zwei Themenkreise: (i) Die Interessen des Waldes, der aber nicht direkt für sich sprechen kann, und (ii) die Interessen der Bürger, die sehr vielfältig sind. Beide sollen bearbeitet werden.
Wie weiter?
In den nächsten Wochen wird es weitere Informationen über diesen Rundbrief geben.
Natürlich kann jeder Leser des Rundbriefs diese Vorankündigungen auch weiter erzählen.
Ankündigung: ABWASSER – Das Wunder unter unseren Füßen, Mi 10.April 2024, 19:00h
Lageplan: Dorfgemeinschaftshaus Schöneck-Oberdorfelden, Weidenweg 1 (Parken ca. 50 m entfernt).
Für Mittwoch, 10.April 2024, um 19:00 Uhr lädt die Initiative Bürger im Gespräch (BiG) zusammen mit der Fachabteilung Stadtplanung von Schöneck ein zu einem Informations- und Gesprächsabend ein zum Thema ABWASSER – Das Wunder unter unseren Füßen.
Durch den Abend führt Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch, Moderator von BiG. Als Experte wird Hans-Jürgen Merget, stellvertretender Fachbereichsleiter der Stadtentwicklung mit Schwerpunkt Abwasser, eine Einführung in die Thematik geben. Für das anschließende Gespräch steht zusätzlich auch der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Günter Rauch, zur Verfügung.
Wer als Bürger fachkundige Informationen aus erster Hand zum Thema Abwasser bekommen möchte, findet hier also eine wunderbare Gelegenheit, Fragen und Kommentare loszuwerden.
Praktischer Hinweis: Da es am Abend keine Bewirtung gibt, wird empfohlen, dass jeder sich selbst etwas zum Trinken mitbringt.
Einige Stichworte vorab
Aus dem Alltag weiß jeder, dass wir unser Wasser aus dem Wasserhahn bekommen, und dann entschwindet es in diversen Abflüssen und ward nicht mehr gesehen …. aber — das werden wir an diesem Abend fachkundig erfahren — ab dem Abfluss in den Rohren unter der Erde und dann später in der Kläranlage beginnt ein ganz neues Leben für das Wasser. Hier einige Fragen vorab:
Wird Trinkwasser aus Abwasser hergestellt?
Was sollte nicht in den Ausguss kommen?
Was kann man aus Abwasser gewinnen?
Wird Abwasser ungeklärt in Bäche geleitet?
Wie funktioniert eine Kläranlage?
Was kann jeder einzelne für den Umweltschutz im Zusammenhang mit Abwasser tun?
Was kostet solch eine Anlage der Gemeinde jährlich? Was davon tragen die Bürger?
Womit wird in der Zukunft zu rechnen sein: z.B. Stichwort Starkregen?
…
Nach der Veranstaltung
Nach der Veranstaltung wird es einen Bericht über die Veranstaltung geben, HIER: https://www.oksimo.org/2024/03/27/bericht-von-big-wasser-abt-stadtplanung-schoeneck-abwasser-das-wunder-unter-unseren-fuessen-mi-10-april-2024-1900h/
Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ausländerbeirats Schöneck
Der Mann mit dem Koffer
Bei einer Kundgebung in Schöneck am 17.Febr 2024 trat ein Mann mit einem Koffer, Kerzen, und einem großen Blumenstrauß auf. Statt eine politische Rede zu halten erzählte er eine Geschichte, die Geschichte von dem Brief an alle Mitbürger in Hessen mit einem Migrationshintergrund, dass Sie sich am Mo 19.2.2033 am Frankfurter Flughafen einfinden sollten mit dem Ziel, in ihre Herkunftsländer zurück zu reisen. Und in dieser Geschichte taten Sie alle dies: sie brachen auf und versuchten zum Flughafen zu reisen. Aus Schöneck waren dies ca. 3000 Mitbürger aus 90 Nationen, fast ein Viertel aller Bürger von Schöneck. Lokale mussten schließen, Geschäfte ebenfalls, Dienstleistungen gab es nicht mehr, und die Fahrt zum Flughafen wurde zum Problem: nahezu das ganze Personal von Bussen, S-Bahn, U-Bahn, Eisenbahn … sie alle reisten auch ab. Und am Flughafen — wer ihn denn erreichte — ging auch nichts mehr. Schalter waren nicht mehr besetzt, die Infrastruktur im Flughafen, stand still, nichts ging mehr … Dazwischen legte er die Blumen am Friedhof Schöneck nieder und zündete die Kerzen an für die ermordeten Migranten.
Allen Zuhörer wurden schnell klar, dass diese humorvolle Geschichte ein sehr ernstes Thema enthielt: eine sich langsam ausbreitende Stimmung in manchen Schichten der Bevölkerung gegen ‚zu viele Ausländer‘. Das Unwort ‚Remigration‘ hat leider erste Spuren hinterlassen.
Konfrontiert mit dieser Geschichte hat vielleicht so mancher für sich festgestellt, dass er gar kein so klares Bild von der Zusammensetzung der Einwohner in seiner Kommune, im Landkreis, im Land Hessen und gar in ganz Deutschland hat. Und so auch der Autor dieses Textes.
Ich habe dann einen Tag später diesen ‚Mann mit dem Koffer‘, Klearchos Aliferis, den Vorsitzenden des Ausländerbeirats Schöneck, per Mail angefragt, ob ich Ihn für BiG interviewen könne. Ich wollte mehr wissen. Glücklicherweise hat er sehr positiv reagiert und wir fanden uns dann am So 25.Febr 2024, um 15h zu einem Interview zusammen, das dann tatsächlich fast mehr ein Gespräch war denn ein klassisches Interview. Wir haben das gesamte Gespräch auch aufgenommen.
MIGRANTENKIND
Herr Klearchos Aliferis ist ein Migrantenkind in der 2.Generation . Die Eltern sind unabhängig voneinander in den 1960iger Jahren im Rahmen von Gastarbeiterverträgen aus Griechenland nach München ausgewandert. Vater bei Fa. Metzeler, Mutter bei der Fa. Siemens. Beide lernten sich in München kennen, heirateten und Herr Aliferis kam 1969 dort zur Welt. Er wuchs in München auf. Studierte an der LMU (Ludwig-Maximilian Universität) Betriebswirtschaftslehre, wechselte dann aber nach Lüneburg, um dort seine Perspektive zu erweitern mit Wirtschaft und Sozialwissenschaften. Dort machte er auch Bekanntschaft mit dem Fach Industriepsychologie, das er dann im weiteren Verlauf vertiefen konnte. Nach dem Studium kam er zur Europäischen Kommission und zwar zum Institut für Schiffsbetrieb, Simulation und Seeverkehr in Hamburg. Das jugendliche Traumziel, Kapitän zu werden, wurde auf diese Weise zwar nicht erreicht, er war aber ‚gefühlt‘ der See sehr nahe :-). Herr Aliferis lernte dort im Studium auch seine Frau kennen, auch eine Migrantin der 2.Generation. Seine Frau ist Lehrerin. Ihr Vater war schon in den 1950iger Jahren aus dem Iran gekommen, hatte in Tübingen Medizin studiert, lernte dort seine Frau kennen , und hat sich dann in Ostfriesland niedergelassen.
2000 wechselte Herr Aliferis dann von der Forschung zum Flughafen in Frankfurt am Main. 2005 kamen sie dann nach Schöneck. Sie haben zwei Söhne die mittlerweile 16 und 19 Jahre alt sind. Der Ältere macht gerade sein Abitur.
AUSLÄNDERBEAUFTRAGTER
Seit 2006 hat Herr Aliferis den Vorsitz im Ausländerbeirat in Schöneck und er sagte, dass für ihn das Thema Migration erst seitdem so richtig ins Bewusstsein trat. Als Kind kannte er das gar nicht. Während seiner Kindheit und Jugend in den 1970igern in Bayern wurde man quasi integriert, ohne dass darüber gesprochen wurde; man war einfach Teil des Alltags wie alle anderen auch.
AUSLÄNDER, GASTARBEITER, FLÜCHTLINGE …
GASTARBEITER
(Vergleiche zum Folgenden ergänzend auch [1])
Im Gespräch traten dann immer mehr Aspekte des Themas Migration hervor. Ausgelöst durch die Diskussionen seit 2005 wurde Ihm langsam bewusst, dass das Thema ‚Ausländer‘ in Deutschland spätestens seit den 1960iger Jahren eine Realität besaß. Aufgrund des Wirtschaftswunders in Deutschland in den 1950iger Jahren fehlten plötzlich überall Arbeitskräfte. Beginnend mit der 1950iger Jahre mit Italien schloss die Bundesrepublik mit immer mehr Ländern des Südens Anwerbeabkommen. Der millionste Gastarbeiter 1964 wurde sogar vom damaligen Bundesinnenminister begrüßt und bekam ein Moped als Geschenk. Alle gingen damals von einem befristeten Aufenthalte aus, deshalb Gast-Arbeiter. An Integration dachte niemand. Als es dann 1973 wegen Schwächen in der Wirtschaft zu einem Anwerbestopp kam, begannen sich viele Gastarbeiter umzuorientieren. Von den 14 Mio Gastarbeitern, die bis 1973 nach Deutschland gekommen waren, sind 11 Mio wieder zurück in ihre Heimatländer gegangen, der Rest wurde einfach ‚Bürger‘; von ‚Gastarbeiter‘ redet heute niemand mehr.
EUROKRISE
Zwischendurch gab es unterschiedliche Ereignisse. Herr Aliferis erinnerte an die Eurokrise (ca. 2010 -2013) in deren Zusammenhang südliche Länder (Griechenland, Italien, Spanien, Portugal) wegen ihrer Schulden die Diskussion in Deutschland befeuerte, bis dahin, dass gefragt wurde, ob diese Ländern noch zur Euro-Zone gehören können.
EIN-/AUSWANDERUNG
(Vergleiche zum Folgenden ergänzend auch [2])
Es gab bis 2010 schon immer eine Einwanderung nach Deutschland, wie auch eine Auswanderung. Erst ab 2010 nahm der Anteil der Zuwanderung aber stärker zu. Bedenklich war, dass es im Fall er Auswanderung vor allem jüngere und überdurchschnittlich qualifizierte Menschen waren, die auswanderten. So war das Verhältnis 2018 schon sehr bemerkenswert: Es gab 1,6 Millionen Zuwanderer gegenüber 1,2 Millionen Auswanderern. Während die Regierung in den 1950iger und 1960iger Jahren direkte Anwerbeabkommen mit verschieden Ländern geschlossen hatte, verabschiedete sie im März 2020 ein Fachkräftezuwanderungsgesetz, um die die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland zu verstärken.
Mit der Zunahme der Einwanderung verstärkte sich die Vielfalt deutlich: kamen damals ca. 75% der Gastarbeiter aus nur fünf Ländern ( Italien, Spanien, Griechenland, Türkei und Jugoslawien), waren es 2020 schon 80 Herkunftsländer (in Stuttgart und Frankfurt waren es seit den 2000er Jahren konstant sogar schon immer um die 170 verschiedene Länder!). Die höchsten Ausländeranteile hatten 2020 Frankfurt mit 30,3% und Offenbach mit 41,8% . Aus dieser Vielfalt resultieren große Schwierigkeiten in vielen Bereichen, besonders im Bildungsbereich.
FLÜCHTLINGSKRISE 2015/16 UND DIE FOLGEN: Mit Migrationshintergrund
(Vergleiche zum Folgenden ergänzend auch [3])
Im Rahmen der allgemeinen Einwanderung/Auswanderung nahm die Flüchtlingswelle 2015/2016 eine Ausnahmestelle ein, zumal sie ganz Europa berührte und die letztlich bis heute nicht wirklich zum Stillstand kam. Zugleich wächst die Erkenntnis, dass diese Form einer unkontrollierten Migration eine Gesellschaft real destabilisieren kann, wenn es nicht gelingt, sie entsprechend zu gestalten. Der weiterhin anhaltende und sich verschärfende Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften wird überlagert durch den zunehmenden Zustrom von wenig bis kaum qualifizierten Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Seit 2005 [5,5b] hat das Wort Integration Eingang in die Politik gefunden. Spätestens seit der großen Flüchtlingswelle 2015/16 wird Integration aber zu einem großen brennenden Thema. Eine eindeutige Definition ist aber bis heute nicht zu finden.
Als außergewöhnliches Ereignis, was die Gesellschaft stark betroffen hat, ist auch die Covid-19-Pandemie 2020-2023 in Deutschland zu berücksichtigen.[6]
Ebenfalls die ungewöhnlich hohe Inflationsrate in Deutschland [7]
8,67
3,21
0,37
2022 – 2021 – 2020
Ein zusätzlicher Faktor für das Thema Migration bildet der Ukraine-Krieg, der eine eigene Migrationsbewegung erzeugte. [4a,b]
In diesem Zusammenhang machte Herr Aliferis darauf aufmerksam, dass in den letzten Jahren die neue Formulierung ‚mit Migrationshintergrund‘ den Unterschied zwischen jenen, die nach Deutschland kamen, um zu arbeiten und die sich letztlich über den Alltag voll integriert haben (immer mehr haben zudem auch einen Deutschen Pass; Herr Aliferis hat ihn seit 2018/19, obwohl er 1969 in München geboren wurde), und jenen die als Flüchtlinge kamen, als Migranten:innen, verwischt! Der wachsende Widerstand in den europäischen Ländern — auch Deutschland — gegen die unkontrollierte Migration überträgt sich durch die neue Formulierung ‚mit Migrationshintergrund‘ fast unbemerkt auch auf die gewollte Zuwanderung, auf jene Menschen, die die Deutsche Gesellschaft dringend braucht.
FRAGEN, DIE SICH STELLEN
Bis zu diesem Punkt im Gespräch zeigten sich immer mehr Aspekte des großen Themas Ausländer in Deutschland, die dazu motivieren, das ganze Thema doch vielleicht viel mehr zu differenzieren, als es bislang geschieht. Nicht beruhigend wirkt der Umstand, dass die Bevölkerungsproblematik mit dem Teilaspekt Migration sich über viele Jahre, ja Jahrzehnte erstreckt, begleitet mit vielfältigen Auswirkungen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. Die Politik aber wirkt durch die kurzen Wahlperioden von vier Jahren verglichen damit wie eine ‚Getriebene‘, deren Handlungen eher an ‚Aktionismus‘ erinnern statt an ‚weitsichtiges strategisches Handeln‘. Idealerweise gäbe es in den Ministerien Experten:innen, die über die kurzen Wahlperioden hinaus zu den verschiedenen Themen strategisch Wissen und Erfahrungen aufbauen, das ein echtes strategisches Verhalten ermöglicht. Doch die letzten Jahre erwecken eher den Eindruck, dass die Ministerien immer mehr zu kurzfristigen politischen Werkzeugen instrumentalisiert werden. Zu beachten: das nicht ganz unwichtige Thema der anhaltenden Auswanderung tritt gegenüber dem Migrationsthema fast ein wenig in den Hintergrund.
Und, was vielen noch kaum bewusst ist: die Attraktivität von Deutschland als Arbeitsmarkt hat schon stark gelitten. Während früher die Menschen gerne nach Deutschland kamen überlegen sich jetzt viele dreimal, ob sie nach Deutschland kommen sollen: Mobbing im Land und fremdenfeindliche Parolen wirken schon jetzt als eine Bremse, die für unser Land schon jetzt gefährlich sind. Wenn in solch einer schwierigen Situation Mitglieder einer politischen Partei öffentlich verkünden, wir könnten in Deutschland locker auf ein Drittel der Bevölkerung verzichten — oder sogar von Deportationen sprechen –, dann sollten überall die Alarmglocken schrillen; damit würden wir Deutschland voll an die Wand fahren. Welcher Mensch, der Deutschland liebt, kann so etwas ernsthaft wollen?[8]
Was sollte man tun?
Je länger das Gespräch dauerte, umso mehr Aspekte des Themas wurden sichtbar und es war auch klar, dass man alle diese Themen im Gespräch nicht ausreichend behandeln konnte.
Es entstand aber der Wunsch auf beiden Seiten, dem Thema weiter nach zu gehen und das Gespräch auch zu öffnen für viele andere Bürger. Das Thema betrifft uns alle sehr direkt, besitzt eine große gesellschaftliche und politische Sprengkraft, und es sollte unser aller Interesse sein, an einer Beantwortung der offenen Fragen mit zu wirken.
Beide Gesprächsteilnehmer fassten den Beschluss, das Gespräch — auch öffentlich — fortzusetzen.
ERGÄNZENDE QUELLEN
Abkürzung: wkp-de: Deutsche Wikipdia (de.wikipedia.org)
[1] WDR-online, Planet Wissen: Von Gabriele Trost und Malte Linde, Gastarbeiter. Thema: In den 1950er-Jahren fehlten in Deutschland Arbeitskräfte, deshalb warb die Regierung im Ausland Arbeitnehmer an. Die meisten wollten eigentlich später in ihre Heimat zurückkehren. Doch viele blieben für immer., URL: https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/geschichte_der_gastarbeiter/index.html
[2] WDR-online, Planet Wissen: Von Alexandra Stober, Migration in Deutschland. Thema: Zuwanderer und ihre Nachfahren prägen die Gesellschaft Deutschlands: Millionen von ihnen kamen in der Nachkriegszeit als so genannte „Gastarbeiter“ in die Bundesrepublik und blieben für immer. Auch Flüchtlinge und Spätaussiedler ließen sich nieder, URL: https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/migrationsland_deutschland/index.html
[3] Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 in wkp-de, https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCchtlingskrise_in_Deutschland_2015/2016 (Sehr ausführlich!)
[4a] Ukraine-Krieg, Flüchtlinge in Deutschland ,destatis.de, 2022, https://www.destatis.de/DE/Im-Fokus/Ukraine/Gesellschaft/_inhalt.html Anmerkung: Sehr ausführliche Statistiken mit Erläuterungen!)
[4b] Ukraine-Krieg, Flüchtlinge in Deutschland ,destatis.de, 2023, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/02/PD24_065_12411.html
[5] Integration von Zugewanderten, wkp-de: https://de.wikipedia.org/wiki/Integration_von_Zugewanderten, siehe besonders: [5b] https://de.wikipedia.org/wiki/Integration_von_Zugewanderten#Deutschland
[6] Covid-19-Pandemie in Deutschland, Jan 2020 – Mai 2023, wkp-de, https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland
[7] Inflationsraten weltweit und Deutschland 2017 – 2022, wkp-de: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Inflationsrate
[8] Anteil Deutscher mit Migrationshintergrund 2022, differenziert nach Umständen, destatis: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/04/PD23_158_125.html
Der BiG-WASSER Workshop am 10.März 2024 begann im Teil 1 mit einem Überblick über den aktuellen Sachstand und die Vorgehensweise, und im Teil 2 wurden konkrete Beispiele gezeigt, wie im Stile einer Alltagstheorie und einer neuartigen Software einzelne Teile des Problems begrifflich analysiert und dann zugleich automatisch in Simulationen verwandelt werden können. Alle benutzten Simulationen sind öffentlich zugänglich über die Adresse: https://oksimo.com/public_theories. Umfassende Erklärung zu allem finden sich außerdem auf der Seite MODELL (THEORIE) Nr.1.
SACHSTAND
Die Recherchen seit Mai 2023 haben mittlerweile einen ersten Gesamtüberblick über den Gegenstandsbereich ermöglicht, so dass es jetzt möglich ist, die Analyse schrittweise zu verfeinern.
Eine wichtige Erkenntnis besteht in der Unterscheidung des lokalen Wassersystems, das dort beginnt, wo die Niederschläge auf den Boden des MKK auftreffen, und des globalen Wassersystems, das dafür verantwortlich, ob, wie viel und wann es Niederschläge gibt, immer begleitet durch den Faktor Temperatur und Wolken-Windverhältnisse.
Zentraler Punkt: Ohne Niederschläge gibt es überhaupt kein Wasser auf dem Festland (von den seltenen Fällen abgesehen, dass es aus früheren Zeiten Wassereinschlüsse in den Bodenschichten gibt, die nicht abfließen konnten).
Insoweit der Gegenstandsbereich sich geklärt hat, stellt sich die Frage, was wollen wir Bürger zum Thema genau wissen? Sofern wir die Auffassung teilen, dass Wasser grundlegend ist für alles Leben im MKK (und nicht nur dort) — und darüber hinaus für viele andere Zusammenhänge — und wir zugleich wissen, dass Änderungen in der Versorgungslage mit Wasser vielerlei Veränderungen in unserem alltäglichen Leben sowohl einzeln wie kommunal wie auch für den ganzen MKK bedeuten könnten, wäre es klug, sich rechtzeitig zu informieren, was auf uns zukommt, vor allem auch, in welchen Zeiträumen. Da davon auszugehen ist, dass die gewählten Vertreter der Bürger in den Parlamenten diese Aufgabe nicht allein werden bewältigen können, sondern nur mit einer starken Unterstützung aller Bürger, wird es wichtig sein, dass alle Bürger rechtzeitig und hinreichend informiert sind.
Damit stellen sich zwei Fragen:
Mit welchen begrifflichen Mitteln kann man die Sachverhalte so darstellen, dass sie für alle verständlich sind, überprüfbar, und so verfasst sind, dass man mit ihnen belastbare Prognosen erstellen kann für das, womit wir zu rechnen haben?
Wie kann man die begriffliche Analyse möglichst 1-zu-1 und ohne Mehraufwand in ein Simulationsprogramm verwandeln, das für alle völlig transparent bleibt und das die notwendigen Berechnungen vornehmen kann?
Von Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch wurde in den letzten ca. 20 Jahren das konzeptuelle Format einer Alltagswissenschaft entwickelt, die alle Anforderungen einer wissenschaftlichen Theorie erfüllt, dazu parallel auch das Format einer Simulationssoftware, die Alltagstheorien direkt, 1-zu-1 abbilden kann. Das BiG-WASSER Projekt ist ein Test, ob und wieweit sich beide Werkzeuge für das Problem tatsächlich nutzen lassen.
Der Umfang des Projektes verbietet es, alles auf einmal anzugehen. Im nachfolgenden Schaubild liegt der Fokus auf dem lokalen Wassersystem. Und hier sind von den vielen wichtigen Faktoren einige wenige herausgegriffen, die aber alle eine tragende Rolle haben. Schon mit diesen Faktoren kann man grundlegende Zusammenhänge verdeutlichen. Zugleich zeigt die Arbeit mit diesen Faktoren, dass für die viele bislang wenig bis gar keine Daten verfügbar sind und dass vor allem die Wechselwirkung zwischen diesen Faktoren auch wenig bis gar nicht erfasst sind. Dies stellt nicht nur für die Bürger ein Problem dar, sondern auch für die gewählten Vertreter in den Parlamenten, da diese rechtlich die Verantwortung für das Wohlergehen der Bürger tragen. Ein Interesse für umfassende und richtige Daten sollte daher bei jedem vorhanden sein.
Obwohl die Modellbildung samt den weiteren notwendigen Recherchen noch ziemlich am Anfang steht, kann man schon jetzt einige kritische Punkte identifizieren:
Die Einwohnerzahlen samt deren mögliche Entwicklung spielen eine fundamentale Rolle. In dem Maße, wie die verfügbare Menge an Wasser abnehmen sollte (aktuell ist davon auszugehen), kann eine Kommune nicht mehr so ohne weiteres beliebig wachsen.
Am Beispiel des Wasserbedarfs von Schöneck wird dies schon deutlich: die eigenen Brunnen reichen deutlich nicht aus, um die Einwohner von Schöneck zu versorgen. Dies gelingt nur durch Bereitstellung von zusätzlichem Wasser aus dem Wasser-Netz der MKK Wasserwerke. Ferner sollte man wissen, dass die Einwohner von Niederdorfelden an der gleichen Versorgung wie Schöneck hängen, da Niederdorfelden über keine eigene Wassererzeugung verfügt. Der Fehlbedarf von Schöneck + Niederdorfelden gemessen am Grad der Eigenversorgung ist erheblich.
Was die noch vorhandenen Brunnen in Schöneck angeht, so sind diese natürlich abhängig vom Grundwasserspiegel, der laut Landesamt Hessen seit 20 Jahren um 27% gesunken ist, und zwar stetig. Dazu kommt dass diese Brunnen deutliche Schwachstellen aufweisen: Hellerborn Brunnen ist baufällig; der Wolfsbrunnen liegt in einem Gebiet, das nicht (!) als Wasserschutzgebiet ausgewiesen ist (Schadstoffbedroht); der Brunnen Oberdorffelden kämpft seit Jahren mit z.T. erheblichen Nitratbelastungen.
Glücklicherweise bekommt Schöneck (und Niederdorffelden) das fehlende Wasser aus dem Wasser-Netz der MKK Wasserwerke. Doch muss man wissen, dass dieses Wasser-Netz in der Zeit 2009 – 2020 durchschnittlich zu 40% auf externe Lieferungen angewiesen war, d.h. das Wasser-Netz der MKK Wasserwerke ist nicht autark. 2021 musste z.B. einer der Zulieferer, die OVAG, erhebliche Kürzungen vornehmen, weil die OVAG selbst nicht mehr genug Wasser hatte. Auch muss man im Blick haben, dass die Nutzung von Oberflächenwasser — z.B. in Form einer Talsperre — in den letzten Jahren gezeigt hat, dass diese sehr schnell an ihre Grenzen kommen können.
Wie aus privaten Recherchen bekannt ist, müssen wir davon ausgehen, dass es im MKK über 5.000 private Brunnen gibt; einzelne mit Brunnentiefen bis zu 80 oder gar im Einzelfall bis zu 200 m. Diese Brunnen werden nicht kontrolliert. Der normale private Brunnen darf pro Jahr 3.600 m3 Wasser fördern. Angenommen jeder Brunnnen würde diese Kapazität tatsächlich ausnutzen, dann wären dies 18 Mio m3 Wasser im Jahr aus dem Grundwasserkörper des MKK; das wäre das 4.7-fache der Menge, die das Wasser-Netz der MKK Wasserwerke im Jahr 2020 gefördert hat. Abgesehen von dem großen Gefährdungspotential, welches von unkontrollierten Brunnen ausgeht, sollte man den Faktor private Brunnen möglicherweise aktiv in das Lagebild Wasser im MKK einbeziehen.
FAZIT WASSER-VORSORGE
Aus Sicht einer Gemeinde wie Schöneck (im Duett mit Niederdorfelden) ist es auf den ersten Blick beruhigend, dass die eigenen Brunnen mit ihrer Begrenztheit und Gefährdetheit über das Wasser-Netz der MKK Wasserwerke ausgeglichen werden können. Die Abhängigkeit des Wasser-Netzes der MKK Wasserwerke von externen Lieferanten zu ca. 40% lässt aber aufmerken (dazu die unkontrollierten privaten Brunnen). Da externe Lieferanten ja auch auf dem gleichen Planeten leben, auch in Deutschland, auch in Hessen, und hier bekannt ist, dass der Zustand des globalen Wassersystems seit Jahren erheblichen Änderungen unterliegt, die auch den externen Lieferanten zusetzen, sollte der Fremdbezug mit 40% Anlass sein, sehr kritische zu prüfen, wie es denn mit der Zuverlässigkeit dieses Fremdbezugs bestellt ist. Das Beispiel OVAG ist real.
Bürger im Gespräch (BiG) Themengruppe WASSER
Wir werden weiterhin versuchen, im Gespräch mit allen Beteiligten — auch mit unseren gewählten Vertretern in den Parlamenten — die künftige Verfügbarkeit von genügend Wasser zu klären und wir werden dazu moderne Werkzeuge benutzen wie Alltagswissenschaft und entsprechende Simulationswerkzeuge.
Hier findet sich ein ausführliches Beispiel, wie man ausgehend von den Daten von Schöneck und dem MKK eine Theorie formulieren kann, die zugleich eine Simulation ermöglicht.
Ergebnisse bisher: das lokale und das globale Wassersystem.
Vorgehen: Wissenschaftlicher Ansatz mit Simulation
Das erste Modell (die erste Theorie)
Vom Ereignis zum Konzept
Von Statik zur Dynamik: Veränderungen
Beispiel 1: Schöneck mit Einwohnern 2011-2023
Beispiel 2: Schöneck mit Einwohnern 2011-2023 & Privatem Wasserbedarf
Bsp.3 : Die Brunnen von Schöneck (mit Grundwasserpegel)
Bsp.4: Schöneck – Einwohner – Wasserbedarf – Wasserangebot
Bsp.5: Netzeinspeisung Schöneck
Bsp.6: Wassermenge im MKK-Wassernetz
Bsp.7: Private Brunnen im MKK
Was jetzt zu tun ist
1. Ergebnisse bisher: lokales und globales Wassersystem
Auf der ‚Suche nach dem Wasser‘ hat sich der Gegenstandsbereich für mögliche Daten immer weiter ausgedehnt. Eine aktuelle Skizze des Datenbereichs sieht wie folgt aus:
Wie man schon ahnen kann, ist das Thema Wasser ’nicht so ganz ohne‘. Verfolgt man den Weg zurück vom Wasserhahn über das Wasserrohr-System hin zu Hochbehältern und dann Brunnen, dann stößt man unweigerlich auf den schwer fassbaren Grundwasserkörper, der sich im Untergrund auf vielfältige Weise verteilt. Dazu das Oberflächenwaser. In der Zeichnung wird dies alles zum lokalen System gerechnet, da wir es mehr oder weniger unter Kontrolle haben. Was wir fast gar nicht unter Kontrolle haben, das sind die Niederschläge und die Temperatur. Da alles Wasser letztlich aus den Niederschlägen resultiert, hängen wir über die Niederschlägen an einem globalen System, das komplexer nicht sein kann.[4-11]
Im geplanten Erklärungs-Modell soll beides berücksichtigt werden: einmal das lokale System des Wassers und seine Wechselwirkung mit dem globalen System.
Heute geht es zunächst nur mal um die Einführung eines ersten kleinen Modells, anhand dessen man verstehen kann, wie das Ganze überhaupt funktionieren kann.
2. Wissenschaftliches Vorgehen
Das folgende Schaubild gibt einen in Form einer Skizze einen Überblick über das Vorgehen, um zu verstehen, wie alles mit allem zusammenhängt und wie hier Prognosen möglich sein können.
Das oberste Ziel des Projektes ist die Bereitstellung wichtigen Informationen zur aktuellen Lage der Wasserversorgung wie auch eine Prognose, wie sich die Versorgungslage für einen gewählten Zeitabschnitt entwickeln kann.
Eine solche Information ist eine unverzichtbare Voraussetzung für einen Bürger, als Staatsbürger verantwortlich handeln zu können, insbesondere in der Frage der Wasserverfügbarkeit. Diese betrifft nicht nur einzelne Personen, sondern nahezu alle gleichzeitig. Außerdem kann die Versorgungslage ein Handeln erfordern, das langfristige Prozesse erfordert, die möglichst frühzeitig eingeleitet werden müssen.
Damit diese wichtige Information für den Bürger bereit gestellt werden kann, müssen alle Daten erfasst werden, die dafür einschlägig sind. Um hier die ‚Spreu vom Weizen‘ trennen zu können, benötigt man leistungsfähige Konzepte, welche Daten man wie sammelt, aufbereitet und im Rahmen eines Modells/ einer Theorie verarbeitet.
Konzepte/ Theorien können zwar die Dinge klären, real ausrechnen und prognostizieren kann man damit aber nicht. Dazu braucht es eine geeignete Software, die ein Modell/ eine Theorie vollständig repräsentiert und real ausführbar macht.
Der folgende Text zu Modell/ Theorie Nr.1 soll dazu dienen, dieses Konzept samt einer passenden Simulationssoftware vorzustellen.
Dieser Text kann nur eine Einführung bieten. Die vollständige Ausarbeitung und Umsetzung der Theorie samt Simulationssoftware wird sicher einige Monate dauern. Der schwierigste Part ist dabei nicht einmal die Theorie, sondern die Bereitstellung aller notwendigen Daten.
3. Das erste Modell/ die erste Theorie
Im folgenden Text wird gezeigt, wie man für wichtige Größen aus dem Datenbereich Schöneck und MKK ein erstes Modell (eine erste Theorie) bauen kann.
Ausgangspunkt ist der zuvor beschriebene Datenbereich, der ein lokales und ein globales Wasser-System unterscheidet. Das erste Modell fokussiert sich auf das lokale Wasser-System und benutzt vom globalen Wasser-System nur den Output in Form von Niederschlägen und Temperatur.
Innerhalb des lokalen Wasser-Systems werden im ersten Anlauf die folgenden Größen berücksichtigt:
Die Einwohner von Schöneck (Anzahl, Einbeziehung einer ersten einfachen Dynamik)
Der Wasserbedarf der Einwohner von Schöneck (nur privater Verbrauch, Mittelwerte)
Die drei Brunnen von Schöneck (idealisierte Kapazitäten, einfache Dynamik über Grundwasserpegel, abhängig von Niederschlägen und Temperatur)
Die Netzeinspeisung für Schöneck (reale Werte aktuell unbekannt, aber deutlich größer Null)
Die Wassermenge, die sich im MKK-Wassernetzwerk befindet (reale Werte aktuell unbekannt, stark schwankend; teilweise auch Nutzung von Oberflächenwasser)
Private Brunnen (mehr als 5000 im MKK; Verbrauch unbekannt; hohes Gefährdungspotential für Grundwasser)
Vom Ereignis zum Konzept
Das folgende Schaubild illustriert die wichtigsten Elemente einer Beschreibung von Beobachtungen, wenn diese für eine Prognose nutzbar gemacht werden sollen.
BILD : Skizze zu den Elementen, die für eine Prognose benötigt werden.
Ausgangspunkt für eine Prognose sind Bürger, die sich darauf einigen können, welchen Ausschnitt ihres Alltags sie betrachten wollen. Für eine Auswahl spielt die Zeit eine Rolle, und zwar genauer, ein Zeitfenster. Bürger sind in der Lage, in einem vereinbarten Ausschnitt in einem bestimmten Zeitfenster Sachverhalte und Ereignisse zu beobachten. All das, was sie im Rahmen ihrer Beobachtungen wahrnehmen können, können sie auch mit den Mitteln ihrer Alltagsspracheaussprechen und aufschreiben. Jener Teil der Beschreibung, der keine mathematischen AusdrückeM enthält, sondern nur normale Ausdrücke der Alltagssprache T, wird hier der Textteil ST der Beschreibung S genannt, und jener Teil, der mathematische Ausdrücke M enthält, der mathematische Teil SM der Beschreibung S.
Wie gesagt, das Zeitfenster einer Beobachtung ist wichtig, da beim Voranschreiten der Zeit Veränderungenbeobachtet werden können.
Von Statik zu Dynamik: Veränderungen
Der Übergang von rein statischen Beschreibungen zu dynamischen Beschreibungen wird im folgenden Schaubild illustriert.
In diesem Schaubild wird angenommen, dass das erste Zeitfenster im Jahr t=2011 liegt, und das nächste Zeitfenster im Folgejahr t=2012.
Während der Textteil ST(2012) der gleiche ist wie ST(2011), also keine Veränderung erkennbar sind, kann man sehen, dass im mathematischen TeilSM() bei der Anzahl der Einwohner ein neuer Wert vorliegt: SM(2012): Einw = 11698 Anzahl.
Während die einzelnen Situationsbeschreibungen S(2011) und S(2012) für sich genommen keine Veränderungen erkennen lassen, so enthüllt der Vergleich, dass es Veränderungen gibt.
Fragt sich, wie kann man Veränderungen beschreiben, wenn die Situationsbeschreibungen jeweils für sich statisch sind?
Wir Menschen sind im Alltag in der Lage, nicht nur aktuelle Situationen wahrzunehmen, wir können auch vergangene Situationen erinnern. Zusätzlich sind wir in der Lage Gegenwärtiges und Erinnertes zu vergleichen. Und das, was wir durch einen Vergleich an Veränderungen erkennen, können wir aussprechen oder aufschreiben.
Im Beispiel hat sich die Anzahl der Einwohner von 2011 zu 2012 verändert. Man könnte also schreiben:
Dies bedeutet, dass aus der Menge der mathematischen Ausdrücke zum Zeitpunkt t=2011 der Ausdruck Einw=11640Anzahlentfernt und ersetzt wird durch den Ausdruck Einw=11698Anzahl, der dann in der neuen Beschreibung S(2012) sichtbar wird.
Man kann aus diesem einfachen Beispiel schon entnehmen, dass man unterscheiden muss zwischen solchen Beschreibungen, die statische Situationen zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiben (hier abgekürzt mit S), und solchen Beschreibungen, in denen Veränderungen beschrieben werden (hier abgekürzt mit V). Es deutet sich damit an, dass wir bei der Beschreibung unseres Alltags mindestens diese zwei Komponenten brauchen werden: S und V. Fragt sich nur, wie man diese beiden Komponenten zusammenbringen kann?
Erinnern wir uns für einen Moment an Spiele, genauer Brettspiele, und hier an das Spiel Mensch ärgere dich nicht.
Beim Spiel ‚Mensch ärgere dich nicht‘ besteht eine Situation aus dem Spielbrett mit Symbolen und Spielsteinen, dazu die Spieler und ein Würfel. Mögliche Veränderungen werden in den Spielregeln beschrieben. Die Spielregeln alleine sagen aber nicht, wer wann welche Regel wie anwenden darf. Dazu gibt es eine Spielanleitung, die genau das beschreibt. Diese Spielanleitung (samt den Regeln) muss jederkennen, sonst kann das Spiel nicht stattfinden.
Daraus ergibt sich, man benötigt zu einem Spielprozess in der Zeit eine Ausgangslage (Brett, Spielsteine, Spieler, Würfel) (S), dazu Spielregeln (V), die jeder kennen muss, und eine Anwendungsvorschrift (ANW) anhand deren man weiß, wer wann was tun darf. Man könnte also auch sagen, die Spieler müssen wissen, wie sie eine aktuelle Situation S mit Hilfe von Spielregeln V in eine neue Situation transformieren können. Diese Transformation geschieht durch die Umsetzung einer Anwendungsvorschrift ANW. Man könnte auch schreiben:
SPIELER: ANW(S(t),V) = S(t‘)
Umschrieben: SPIELER sind in der Lage, mit Hilfe einer Anwendungsvorschrift ANW eine Situation S zum Zeitpunkt t mit Hilfe von Veränderungsregeln in eine neue Situation S zum Zeitpunkt t‘ zu transformieren.
In einer normalen wissenschaftlichen Theorie nennt man die Anwendungsvorschrift ANW meistens Folgerungsbegriff oder Ableitungsvorschrift oder Folgerungsmechanismus und bedient sich dazu der Logik. Im Kontext der Logik benutzt man statt der Abkürzung ANW eher das Zeichen ⊢. Dann könnte man schreiben:
SPIELER: (S(t),V) ⊢S(t‘)
Das Ergebnis einer Folgerung ist heißt dann meistens Ableitung oder Folgerung oder Prognose.
Im Fall von zeitlich geordneten Situationen geht man davon aus, dass man das Ergebnis einer Ableitung — z.B. S(t2) — wieder zum Gegenstand einer Anwendung machen kann, also
SPIELER: ANW(S(t1),V) = S(t2)
SPIELER: ANW(S(t2),V) = S(t3)
usw.
was natürlich voraussetzt, dass die benutzten Veränderungsregeln V dies auch hergeben. Wie man beim Spiel ‚Mensch ärgere Dich nicht‘ sehen kann, geht dies sehr wohl.
Den Fall einer mehrfachen Anwendung ANW einer Anwendungsvorschrift nennt man normalerweise Simulation. Kürzt man die Anwendungsvorschrift ANW ab mit SIM und fügt noch die Anzahl N der gewünschten Simulationsrunden hinzu, dann könnte man verkürzt auch schreiben:
SPIELER: SIM(N)(S(t0)
was ausgeschrieben dann heißen würde
SPIELER: SIM(N)(S(t0),V) = S(t1)
SPIELER: SIM(N)(S(t1),V) = S(t2)
…
SPIELER: SIM(N)(S(tN-1),V) = S(tN)
Beispiel 1: Schöneck mit Einwohnern 2011-2023
Anhand des hessischen statistischen Landesamtes kann man die Einwohnerzahlen von Schöneck für die Zeitpunkte 2011-2022 bekommen. Dabei ist zu beachten, dass die Einwohnerzahl immer am 31. Dezember des betreffenden Jahres festgemacht wird.
Zeitscheiben
Einwohner insgesamt
Diff
%
2011
11.640
2012
11.698
58
,5
2013
11.625
-73
-,6
2014
11.668
43
,4
2015
11.812
144
1,2
2016
11.926
114
1,0
2017
11.902
-24
-,2
2018
11.864
-38
-,3
2019
11.918
54
,5
2020
11.900
-18
-,2
2021
11.853
-47
-,4
2022
11.986
133
1,1
2023
12.700
714
6,0
Quelle: Tabelle AI2_2011-j2022_Bevoelkerung_Tabelle_8_kA.xlsx vom hessischen statistischen Landesamt.
Die Zeitreihe der prozentualen Veränderung als Kurve:
Diese Zeitreihe ist nicht uninteressant: Würde man nur die Jahre 2011 – 2022 betrachten, dann käme man auf einen Mittelwert der prozentualen Veränderung über die Jahr von 0,27 %. Betrachtet man aber die Zeitreihe 2011 – 2023 dann würde sich der Mittelwert nur aufgrund des einen Jahres 2023 auf 0,74% erhöhen. Für eine Prognose würden sich damit deutlich verschiedene Werte ergeben. Welcher Wert wäre der ‚bessere‘?
Da Prognosen Mittelwerte voraussetzen, werden Prognosen im Falle einer unregelmäßigen Zeitreihe schwierig bis unmöglich. Der Fall des Ausreißers im Jahr 2023 deutet an, dass es Faktoren gibt, die die Entwicklung stark beeinflussen können. Dies sei kurz illustriert.
Einen Startzustand S(t=2011) könnte man wie folgt beschreiben:
Veränderungsregeln V für den mathematischen Teil des Zustands S(t=2011) könnten wie folgt aussehen:
V1: Einw=Einw+(Einw*Zuwachs) V2: Jahr=Jahr+1
Wie man hier sehen kann, kann man im mathematischen Teil mehr als eine Veränderungsregel angeben.
Fall Zuwachs 0.27% pro Jahr:
(Zum selber ausprobieren gehe auf https://oksimo.com/public_theories und wähle die Theorie aus: demo-theorie-bsp1 )
Man kann klar erkennen, dass bei dem durchschnittlichen Zuwachs von 0.27% pro Jahr die Voraussage für das Jahr 2022 ziemlich genau ist, aber noch im Jahr 2030 mit der Einwohnerzahl deutlich unter dem Wert liegt, den Schöneck schon 2023 erreicht hatte.
Mir den gleichen Veränderungsregeln kann man auch den Fall simulieren, in dem sich die Größe Zuwachs geändert hat:
Fall Zuwachs 0.74% pro Jahr:
(Zum selber ausprobieren gehe auf https://oksimo.com/public_theories und wähle die Theorie aus: T-einwohner-schoeneck-2011-2023-p0-7 )
Man kann klar erkennen, dass bei dem durchschnittlichen Zuwachs von 0.74% pro Jahr die Voraussage für das Jahr 2023 ziemlich genau ist, und im Jahr 2030 mit der Einwohnerzahl deutlich über dem Wert liegt, den Schöneck schon 2023 erreicht hatte.
Beispiel 2: Schöneck mit Einwohnern 2011-2023 & Privatem Wasserbedarf
Annahmen über den Startzustand S(t=2011)
VERÄNDERUNGSREGELN
V1: Einw=Einw+(Einw x Zuwachs)
V2: Wasserbedarf=(Einw x ProKopf*365)/1000
V3: Jahr=Jahr+1
Ausgabe der Werte als Tabelle:
(Zum selber Simulieren auf https://oksimo.com/public_theories gehen und die Theorie demo-theorie-bsp2-einw-wasserbedarf-v1 auswählen.)
Bsp.3 : Die Brunnen von Schöneck
Im folgenden Text wird die Gesamtkapazität der Brunnen von Schöneck beschrieben. [13] Dabei wird zusätzlich der Faktor der Abhängigkeit der Brunnen vom Grundwasserspiegel angenommen.[14,15] Für den Grundwasserpegel gilt die Aussage des Hessischen Landesamtes HLNUG vom Mai 2023, dass der Grundwasserpegel in Hessen in den letzten Jahren um 27% gefallen ist.[12]
Für das erste Modell mit Namen demo-theorie-bsp3ges-brunnen wird mit folgenden Annahmen gearbeitet:
Eine Simulation der Theorie demo-theorie-bsp3ges-brunnen zeigt folgende Werte auf:
Man kann deutlich sehen, wie die Gesamtkapazität mit diesen Modellannahmen schon in vier Jahren deutlich sinken würde. Allerdings fehlen dringend reale Messwerte der Brunnen und der Grundwasserpegelstände (In der Nachbargemeinde Maintal gibt es seit Jahren 42 Grundwassermessstellen, die alle online sind und in nahezu Echtzeit Grundwasserpegel anzeigen.)
Zum selber ausprobieren der Simulation kann man auf die Seite oksimo.com gehen, dort den Reiter Public Theories anklicken, und dort in der Liste den Namen des Modells anklicken.
Bsp.4: Schöneck – Einwohner – Wasserbedarf – Wasserangebot
Nach diesen Vorarbeiten kann man jetzt die Faktoren Einwohner von Schöneck, Wasserbedarf anhand eines Pro-Kopf-Verbrauchs, und Wasserangebot durch die Brunnen (ohne externe Einspeisung) darstellen.
Das folgende Schaubild illustriert die wichtigste Botschaft: Mit den aktuellen Annahmen verkleinert sich der Abstand zwischen Wasser-Angebot und Wasser-Bedarf innerhalb von 6 Jahren auf eine Differenz von 120.000 m3 . Umgelegt auf die Bürger wären das nur noch ca. 21 von 13.151 Bürger, die dann noch versorgt werden könnten.
Da die Differenz zwischen Nachfrage und Angebot so abstrakt aussieht, hier eine Veranschaulicht umgerechnet in die Anzahl der Personen, die durch die Reserve noch versorgt werden könnten:
Innerhalb von vier Jahren ab 2024 würde sich die Reserve von ca. 4.000 Bürgern auf ca. 2.900 Bürger von dann 13.000 Einwohnern reduzieren.
Diese Berechnung ist mit der leicht erweiterten Theorie demo-theorie-bsp4b-anz-buerger-noch-wasser möglich.
Regel-Hierarchien in der Theorie ‚demo-theorie-einw-wasser-prokopf‘
In der Demo-Theorie ‚demo-theorie-einw-wasser-prokopf‘ wird von einer interessanten Eigenschaft der Software Gebrauch gemacht.
Einige der mathematischen Größen, die in der Theorie benutzt werden (wie z.B. ‚Einw‘, ‚GesamtBedarf‘) können untereinander in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. So etwa in der Formel:
Dies bedeutet, damit der Wert der Größe ‚GesamtKapazitaet‘ berechnet werden kann, müssen zuvor die Werte der Größen ‚Brunnenoberdorffelden, Wolfsbrunnen, BrunnenHellerborn‘ berechnet worden sein.
Da aber der Folgerungsbegriff der Software oksimo alle Regeln gleichwertig behandelt und sie mit einem Zufallsverfahren anordnet und dann anwendet, kann es passieren, dass erst die Größe GesamtKapazitaet berechnet würde, bevor die Werte Brunnenoberdorffelden, Wolfsbrunnen, BrunnenHellerborn berechnet worden sind.
Um solche Verwirrungen von vornherein auszuschließen, kann man entsprechend den Abhängigkeiten unter den Größen Hierarchie-Ebenen (oder Level) bilden. Dies geschieht z.B. dadurch, dass man eine Glag-Variable einführt — hier flagBBB — die verschiedene Werte annehmen kann — hier: 0,1,2 –, die für einen Level stehen. Dann kann man sagen, welche Regeln sollen bei flag==0, bei flag==1 usw. ausgeführt werden. Auf diese Weise kann man beliebig große Hierarchien einführen. Bei der Wertanzeige in der Tabelle oder im Graph erkennt man das daran, dass eine Simulationsrunde sich über mehrere Positionen erstreckt. Für den Anwender kann dies ein wenig unangenehm sein, für die Konstruktion einer komplexen Theorie ist es aber ungeheuer angenehm.
In den bisherigen Annahmen wurde idealisierend davon ausgegangen, dass Schöneck nur über die drei genannten Brunnen verfügt und dass diese maximal liefern. Beides ist unrealistisch. Real liefern die drei Brunnen weniger Wasser (genau Daten müssen erhoben werden) und über die Wasser-Netz-Verbindungen ist Schöneck mit dem gesamten Netz der MKK-Wasserwerke verbunden (siehe Schaubild aus [16], S.15).
Genaue aktuelle Zahlen liegen nicht vor. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Gemeinde Niederdorffelden mit der Gemeinde Schöneck als Einheit zu sehen ist, da Niederdorffelden keinerlei eigene Wasserwerke besitzt.
Hier besteht erheblicher Klärungsbedarf.
Bsp.6: Wassermenge im MKK-Wassernetz
Dadurch, dass die Wasserversorgung von Schöneck mit Niederdorffelden aus eigenen Mittel nicht ausreicht, stellt die Verbindung zum MKK Wassernetzwerk einen essentiellen Faktor dar. Daraus stellt sich die Frage, in welchem Umfang denn die verfügbare Menge Wasser für das MKK Wassernetzwerk (i) für die Versorgung von Schöneck-Niederdorffelden gesichert ist und (ii) für welchen Zeitraum.
Wenn man weiß, dass das MKK Wassernetzwerk in den Jahren 2009 – 2020 zu ca. 40% von externen Lieferungen abhing [16, S.16], dann kann das entweder beruhigend wirken, weil es eine Unterstützung gibt, es kann aber auch beunruhigen, da hier eine große Unbekannt vorliegt.
Die Frage der verfügbaren Wassermenge des MKK Wassernetzwerks sollte also geklärt werden.
Bsp.7: Private Brunnen im MKK
Aufgrund von privaten Recherchen muss davon ausgegangen werden, dass es im Bereich des MKK über 5000 private Brunnen gibt. Diese werden weder hinsichtlich der tatsächlichen Entnahmen noch hinsichtlich von Sicherheitsmaßnahmen gegen Verschmutzungen kontrolliert. Während viele Brunnen (wie viele?) nur kleine Brunnen für den privaten Gebrauch sind, gibt es auch größere Brunnen (es soll Brunnen mit Tiefen bis zu 200 m geben), die für den Grundwasserkörper erhebliche Gefahren darstellen können. Da private Brunnen bis zu 3.600 m3/Jahr fördern dürfen, könnten dies immerhin 18 Mio m3 Wasser/ Jahr sein. Bedenkt man, dass das MKK Wassernetzwerk in 2020 selbst nur 3.8 Mio m3 gefördert hat, würde die private Förderung ca. das 4.7fache der offiziellen Förderung ausmachen. Bei einer zunehmenden Knappheit der Grundwasserverfügbarkeit muss man sich möglicherweise die Frage stellen, wie der Main-Kinzig Kreis mit diesem Faktor umgeht. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, dass aus den Brunnen — zumindest auch bei den größeren Brunnen — erheblich mehr Volumen als 3.600 m3 gefördert werden.
[4] Victor Gorshkov , V.V. Gorshkov , A.M. Makariev, Biotic Regulation of the Environment. Key Issues of Global Changes. Springer, 2000
[4b] Fernsehbeitrag: arte.de, 8.Dez 2023, Die fliegenden Flüsse des Amazonas – Zum Film heißt es: Die Wolkenansammlungen über dem Regenwald des Amazonas enthalten riesige Wassermassen, mehr als der Amazonas selbst. Wenn diese „fliegenden Flüsse“ auf die Anden treffen, werden sie in Richtung Süden gedrängt und regnen über den Städten Südamerikas ab. Seit mehr als 20 Jahren erforscht Professor Antonio D. Nobre das Geheimnis dieser Wasserströme in der Atmosphäre. URL: https://www.arte.tv . Anmerkung: Noble benutzt die Theorie von [1]!
[5] DWD: Klimawandel – ein Überblick. Klimaänderungen können auf natürliche sowie auf menschliche Einflüsse zurückgeführt werden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich die oberflächennahen Luftschichten der Kontinente und Ozeane der Erde deutlich erwärmt. Der Klimawandel zeigt sich in den letzten Jahrzehnten unter anderem in der Zunahme von heißen Temperaturextremen, dem stetigen Anstieg des Meeresspiegels und der mancherorts veränderten Häufigkeit von extremen Niederschlägen. Anthropogene Aktivitäten sind hierfür die Hauptursache.
[9] Pierre L. Ibisch, Heike Molitor, Alexander Conrad, Heike Walk, Vanja Spoo (geb. Mihotovic), Juliane Geyer, 2022, Der Mensch im globalen Ökosystem. Eine Einführung in die nachhaltige Entwicklung. 2. Auflage. Zusammenfassung: Als Begriff ist Nachhaltigkeit heute in aller Munde, doch mit der Umsetzung nachhaltiger Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen tun wir uns nach wie vor schwer. Dieses Buch ist gedacht als Überblick über relevante Diskurse – aber auch und vor allem als Denkangebot mit neuen Vorschlägen für die Verteidigung und weitere Ausgestaltung des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung. Es widmet sich der Position der Menschheit im globalen Welt(öko)system und versteht Nachhaltigkeit disziplinübergreifend. Die Problemanalyse steht dabei ebenso im Zentrum wie Lösungsansätze und die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) widmet sich dem Thema der Nachhaltigkeit in Lehre, Forschung, Transfer und Betrieb umfassend und in seiner ganzen Komplexität. Sie war die erste deutsche Hochschule, die ein ausgewiesenes Profil der nachhaltigen Entwicklung in einem breiten Beteiligungsprozess mit den Hochschulangestellten und Studierenden umgesetzt hat und gilt als eine der Leuchtturmhochschulen in Deutschland. Dieses Lehrbuch ist aus einer fachbereichsübergreifenden Grundvorlesung zur nachhaltigen Entwicklung an der HNEE entstanden. Auf ihrer Grundlage haben die Herausgeber*innen das Buch konzipiert und es mit weiteren Kolleg*innen ausgestaltet.
[10] Kurt Lechner, Hans-Peter Lühr, Ulrich V.E.Zanke (Hrsg.), Taschenbuch der Wasserwirtschaft. Grundlagen – Maßnahmen – Planung, 10.Aufl., 2021, Springer Verlag
[11] Hamburger Bildungsserver, Der globale Wasserkreislauf, https://bildungsserver.hamburg.de/themenschwerpunkte/klimawandel-und-klimafolgen/wasserkreislauf-global-254514
Aus früheren Projekten gab es verschiedene Link-Sammlungen. Eine der größten findet sich hier. Weitere kleinere Linksammlungen verteilen sich auf unterschiedliche Berichtsseiten. Geplant ist, eine neue Sammlung anzulegen, die mehr strukturiert ist. Dies wird aber einige Zeit dauern.
Eine ältere Einführung in das Projekt findet sich HIER.
(Letzte Änderung: 6.Febr 2024)
Diese ältere Einführung ist nicht ‚falsch‘ sondern zeigt den Erkenntnis- und Reflexionsstand zu einem früheren Zeitpunkt und kann auf jeden Fall hilfreich sein, zu verstehen, wie das zustande gekommen ist, was danach folgt.
Ankündigung der Sitzung BiG-WASSER am 10.März 2024, 11 – 13h, Brendelsaal, Altes Schloss Büdesheim
Programm-Entwurf
Die folgenden Angaben können im Detail leicht variieren.
BEGINN
ENDE
DAUER
INHALT
11:00:00
11:10:00
00:10:00
Begrüßung
11:10:00
11:25:00
00:15:00
Kurzer Rückblick: Was war bisher
11:25:00
11:30:00
00:05:00
ZIEL: Bürgerservice Wasserverfügbarkeit als Prognose
11:30:00
11:45:00
00:15:00
Vorstellung eines ersten Modells
11:45:00
12:10:00
00:25:00
Umsetzung als simulierbare Theorie mit Simulationen online
12:10:00
12:30:00
00:20:00
Was bleibt zu tun?
Welche Daten brauchen wir noch? Welche Rolle spielt hier (i) die Gemeinde, (ii) die Wasserwerke, (iii) der Landkreis, (iv) das Land Hessen ?
12:30:00
12:40:00
00:10:00
Wissen und Politik: Wo und wie unsere gewählten Vertreter quer durch alle Parteien gefordert sind
12:40:00
12:50:00
00:10:00
Ausblick: die nächsten Schritte
Nach der Begrüßung wird es einen kurzen Rückblick geben auf all die Punkte, die für die aktuelle Sitzung am 10.März 24 bedeutsam sind.
Unverändert gilt das Ziel, dass für die Bürger (und natürlich auch für alle gewählten Bürgervertreter) ein Info-Service bereit gestellt werden soll, der rund um die Uhr über eine Webseite angeben kann, mit welcher Wasserversorgung in einem gewünschten Zeitintervall zu rechnen ist. Diese Prognose soll auf offiziellen Messergebnissen der Wasserwerke und des Landkreises basieren.
Aufgrund der engen Verzahnung von Schöneck mit dem Landkreis wird diese Prognose sowohl für Schöneck gelten wie auch den ganzen Main-Kinzig Landkreis (MKK).
Eine solche Prognose ist möglich, weil ein dynamisches Modell erstellt wird, dass alle wichtigen Parameter in sich vereint, die auch regelmäßig aktualisiert werden.
Während die Formulierung des Modells vergleichsweise einfach ist, stellt die Bereitstellung der notwendigen Daten die größte Herausforderung dar, ist aber machbar, wenn alle zusammen wirken.
Das beste Modell nützt aber nur dann etwas, wenn man es auch simulieren kann. Dazu benutzt das BiG-Team WASSER eine neuartige Software, die als Software das Format einer nachhaltigen empirischen Theorie abbildet, die als Text in Alltagssprache vorliegt, und die jeder Bürger einsehen und verändern kann.
Wie angemerkt, besteht die größte Herausforderung in der Bereitstellung der Daten. Es wird erläutert, welche Partner hier zusammen wirken müssen.
Am Beispiel Wasser-Prognose wird wunderbar deutlich, was auf der einen Seite Alltagswissenschaft leisten kann, wie aber deren Umsetzung gewählte Vertreter quer durch alle politischen Parteien braucht, damit die Konzepte auch real umgesetzt werden können.
Zum Schluss wird ein kurzer Ausblick versucht.
Hinweis
Ab 10.März 24 werden alle Daten, theoretische Modelle und Simulationen über die Seite Modelle (Theorien) kommuniziert. Beginnend mit einem einfachen Modell wird dieses schrittweise ausgebaut. Parallel läuft die Datenerhebung. Empfehlenswert ist, sich den Bericht zu Modell (Theorie) Nr.1 anzuschauen. Dort wird einleitend auch der Gesamtzusammenhang geschildert. Viel Spaß beim Lesen 🙂
Aus Sicht einer Gemeinde wie Schöneck (im Duett mit Niederdorfelden) ist es auf den ersten Blick beruhigend, dass die eigenen Brunnen mit ihrer Begrenztheit und Gefährdetheit über das Wasser-Netz der MKK Wasserwerke ausgeglichen werden können. Die Abhängigkeit des Wasser-Netzes der MKK Wasserwerke von externen Lieferanten zu ca. 40% lässt aber aufmerken (dazu die unkontrollierten privaten Brunnen). Da externe Lieferanten ja auch auf dem gleichen Planeten leben, auch in Deutschland, auch in Hessen, und hier bekannt ist, dass der Zustand des globalen Wassersystems seit Jahren erheblichen Änderungen unterliegt, die auch den externen Lieferanten zusetzen, sollte der Fremdbezug mit 40% Anlass sein, sehr kritische zu prüfen, wie es denn mit der Zuverlässigkeit dieses Fremdbezugs bestellt ist. Das Beispiel OVAG ist real.
Bürger im Gespräch (BiG) Themengruppe WASSER
Wir werden weiterhin versuchen, im Gespräch mit allen Beteiligten — auch mit unseren gewählten Vertretern in den Parlamenten — die künftige Verfügbarkeit von genügend Wasser zu klären und wir werden dazu moderne Werkzeuge benutzen wie Alltagswissenschaft und entsprechende Simulationswerkzeuge.