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ANWENDUNG – WASSER

(Letzter Eintrag: 6.Okt 2022)

KONTEXT

Diese Wasser-Anwendung ist Teil des Themas Anwendungen.

Dies ist das Start-Logo des Wasserprojekts vom 18.Juli 2022

Video-Konferenz

Die nächste Konferenz findet am Montag, 7.November 2022, 19:00 statt. Weitere Details siehe HIER.

Alle Unterlagen

(Letzte Änderung: 6.Okt 2022)

Anwendungs Konzept

(Letzte Änderung: 13.September 2022)

KONTEXT

Dieser Beitrag ist teil des übergeordneten Themasa ANWENDUNGEN.

Inhaltsübersicht

  1. Bürger zusammen
  2. Zusammenfinden
  3. Kommunikation
  4. Worüber sprechen wir?
  5. Was trifft zu?
  6. Ausgangslage, ‚geerdet‘
  7. Veränderung
  8. Erste Prognosen
  9. Einschätzungen: Wollen wir das?
  10. Sollten wir etwas tun? Was?
  11. Alternative Szenarien durchspielen
  12. So kann eine Bewegung entstehen
  13. Zusammenfassung
    1. Von der Beobachtung zur Prognose (Schaubild)
    2. Vorwissen (Schaubild)

Bürger zusammen …

Im Verständnis von oksimo.org sind ‚Anwendungen‘ Produktionen von Bürgern, die zusammen versuchen, sich ein Bild von ihrer aktuellen Situation und möglichen Veränderungen zu machen: Was zeichnet unsere Situation aus? Was sind wichtige Faktoren, die die Situation beeinflussen? Worauf läuft das hinaus? Geht es uns in der Zukunft ‚besser‘ oder ’schlechter‘? Wer ist außer mir noch da, mit dem ich reden kann? Muss ich irgendwie aktiv werden? Was sollte ich tun? Mit wem kann ich das tun?

Zusammenfinden …

Was immer jemand tun will, er/sie/x wird andere finden müssen, die mitmachen wollen. Gemeinsamkeit ist die Wurzel jeder möglichen Veränderung. Damit dies geschieht, muss jeder erfindungsreich sein und ein bisschen aktiv werden. oksimo.org ist vielleicht eine solche Möglichkeit, wenn man will.

Kommunikation

Zusammen etwas erreichen, verlangt nach Kommunikation. Wenngleich es viele Möglichkeiten gibt, zu kommunizieren, ist die sprachliche Kommunikation letztlich unser stärkstes Mittel, um uns zu verständigen. Ideal ist, wenn alle Beteiligten die gleiche Sprache sprechen. In einer multikulturellen Gesellschaft ist dies nicht immer ganz einfach, aber letztlich wird man sich auf eine ‚Arbeitssprache‘ einigen müssen, auf die sich alle beziehen können. Am geeignetsten erweist sich hier die jeweilige ‚Muttersprache‘ der Beteiligten, oft auch ‚Alltagssprache‘ oder ’normale Sprache‘ genannt. In der heutigen Welt gibt es zusätzlich viele ‚Spezialsprachen‘, die die Technik und Wissenschaften hervorgebracht haben. Diese verstehen nur entsprechende ‚Spezialisten‘. Um ‚alle im Boot‘ zu haben sollte man auf solche Spezialsprachen zunächst verzichten und die ’normale Sprache‘ als ‚gemeinsame Sprache‘ wählen.[1]

Worüber sprechen wir?

Hat sich also irgendwie eine Gruppe von Menschen gebildet, die den Eindruck gewonnen haben, dass es Aspekte ihrer Welt (ein Thema, ein Problem, …) gibt, die sie gemeinsam haben, die sie ‚mehr als normal‘ beschäftigen, dann besteht die Herausforderung darin, genauer zu klären, was hat es mit diesen Themen auf sich (Wasser, Energie, Wohnen, Ernährung, Mobilität, Arbeit, Gesundheit, …).

Da bislang noch niemand in den Kopf eines anderen hineinschauen kann, wird es eine Phase geben müssen, in der sich alle Beteiligten sprachlich soweit austauschen, bis ihnen gemeinsam klar genug geworden ist, in welcher Lage (IST-Situation) sie sich befinden, welche Veränderungen sich andeuten, und worauf das Ganze hinaus zu laufen scheint. Vermutlich ist es dieser letzte Aspekt ‚Worauf läuft das Ganze hinaus?‘, welcher am meisten elektrisieren kann. Denn wenn z.B. sichtbar würde, dass wir in 1-2 Jahren nicht mehr genug Trinkwasser hätten, dann wäre das maximal katastrophal für alle (Menschen, Pflanzen, Tiere, …). Oder wenn klar würde, dass wir in den nächsten Jahren schlicht ‚zu wenig Energie‘ hätten, und diese dazu noch zu Preisen, die die meisten nicht bezahlen könnten, dann wäre dies genauso verheerend. Usw.

Also, das gemeinsame Sprechen ‚über die aktuelle Situation‘ wird erst dann fruchtbar werden, wenn sich darin ‚Veränderungen‘ erkennen lassen, und über diese Veränderungen dann ‚mögliche Prognosen für die Zukunft‘ ableitbar sind.

Was trifft zu?

Bevor man über eine mögliche Zukunft redet, muss man es erst mal schaffen, sich gemeinsam darüber zu verständigen, wie man dann die ‚gemeinsame Lage‘ sieht. Jeder, der schon mal versucht hat, dies mit anderen zu tun, wird schnell merken, dass dies nicht so einfach ist, wie man sich dies zunächst ausgemalt hat. Unsere natürlich Sprache ist ein wahres ‚Wunderwerkzeug‘, aber man kann mit jedem Werkzeug auch scheitern: man kann z.B. mit einem Hammer ziemlich daneben hauen, mit einem Kugelschreiber unleserlich schreiben, mit einer App ein Chaos anrichten, usw. So können wir mit unserer Sprache anderen ‚wahrheitsgetreu‘ berichten oder sie ‚anlügen‘, ‚Märchen‘ erzählen, einen Krimi schreiben, Gedichte verschenken oder ein Protokoll anfertigen, und vieles mehr. Also, die ‚Worte als solche‘ (die ‚Buchstaben‘ auf dem Papier, der ‚Sprachschall in der Luft‘) sind neutral, aber die ‚Bedeutungen‘, die wir ihnen ‚zuordnen‘, die entsteht in unseren Köpfen, (genauer: in unserem Gehirn), und diese ‚Bedeutungen‘ haben es in sich.

Jeder kennt das Allerweltsbeispiel dass das Wort ‚Bank‘ eine Gelegenheit meinen kann, sich hinzusetzen, oder etwa Geldgeschäfte abzuwickeln. Weniger offensichtlich sind unterschiedliche Bedeutungen, wenn im Alltag die eine von dem ‚Brief gestern‘ spricht, und unterstellt, dass der andere ja weiß, worum es geht, und der andere an eine ‚Rechnung‘ denkt, die gestern kam, sie aber an den Gruß von Familie Otto. Natürlich könnte man nachfragen „Welchen Brief meinst Du?“, dann würde sich die unterschiedliche ‚Bedeutungszuordnung‘ schnell aufklären, aber wenn jeder meint, ‚es sei doch klar‘ und deswegen nicht nachfragt, ist das spätere Erstaunen vorprogrammiert.

Noch schwieriger wird es, wenn wir von der ‚Flasche im Kühlschrank‘ sprechen, sich dort aber mindestens zwei Flaschen befinden. Welche von beiden ist gemeint? Im Alltag entscheiden wir solche Situation anhand von ‚wahrnehmbaren Eigenschaften‘ (Farbe, Form, Aufschrift, …). Wenn aber beide Flachen ‚grün‘ sind und dann auch noch die gleiche Form haben …. dann bleibt nur noch das ‚Hinzeigen‘ mit der Botschaft ‚diese da‘. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht, dass unsere Alltagssprache durchgehen mit ‚Allgemeinbegriffen‘ arbeitet, die fallweise durch zusätzliche ‚Eigenschaften‘ ’spezialisiert‘ werden. In Grenzfällen bleibt dann aber bisweilen nur das ‚direkte Zeigen’… oder es lässt sich aktuell nicht entscheiden, was ‚gemeint‘ ist.

Aus diesen einfachen Beispielen kann man aber schon zwei wichtige Grundprinzipien in er Nutzung unserer Alltagssprache herauslesen:

  1. In gemeinsam geteilten Situationen können Gesprächsteilnehmer sich durch Bezug auf die konkreten Eigenschaften einer Situation ‚im Normalfall‘ darüber verständigen, ob die ‚gemeinte Bedeutung‘, die die Teilnehmer mit einem ’sprachlichen Ausdruck‘ verbinden, in der aktuell gegebenen Situation im Rahmen der Alltagswahrnehmung ‚zutreffen‘ oder nicht. Philosophen würden in einer solchen Situation dann vielleicht sogar sagen, dass ein sprachlicher Ausdruck A von den Sprachteilnehmern als ‚wahr‘ bezeichnet wird, wenn jeder für sich zum Urteil kommt, dass die von jedem ‚intendierte Bedeutung B‘ als ‚zutreffend‘ bezeichnet wird. Niemand kann zwar ’sehen‘ welche konkrete Bedeutung B der jeweils andere ‚in seinem Kopf‘ hat, aber er bildet pragmatisch die ‚Deutungshypothese‘, dass der andere wohl die gleiche Bedeutung B ‚im Kopf‘ hat, wie er selbst. Ganz sicher kann er natürlich nicht sein. Folgen weitere Situationen, in denen eine ‚Übereinstimmung‘ durch Bezugnahme auf konkrete Aspekte einer Situation sich ‚wiederholen‘, dann wird sich die Überzeugung bei den meisten verfestigen, dass man das gleiche ‚meine‘.
  2. Fehlt eine gemeinsam geteilte Situation, hat also jeder ’nur‘ seine jeweilige ‚intendierte Bedeutung‘ in seinem Kopf, dann können sprachliche Ausdrücke von einem zum anderen zwar jeweils ‚gelernte Bedeutungen‘ im Kopf der anderen ‚hervorrufen‘, aber keiner der Beteiligten kann zweifelsfrei klären, ob der andere tatsächlich auch die Bedeutung im Kopf hat, wie er/sie/x selbst.

Die Klärung von ‚gemeinten Bedeutungen‘ in den Köpfen der Beteiligten wird umso schwieriger, je ‚abstrakter‘ die Bedeutung eines Wortes ist. ‚Alltagsnahe‘ Begriffe wie ‚Auto‘, ‚Tasse‘, Tisch‘, Haus‘ usw. lassen sich zwar mit Bezug auf eine konkrete Situation meistens soweit klären, dass ein ‚Zutreffen‘ auf eine reale Gegebenheit ‚entscheidbar‘ ist, aber je abstrakter eine Bedeutung wird (‚Sitzgelegenheiten‘, ‚Fahrzeuge‘, ‚Fortbewegungsmittel‘, ‚Trinkgefäße‘, ‚Behälter‘, …) um so aufwendiger kann ein Verständigungsprozess werden. Solange ein Bezug zu einer konkreten Situation hergestellt werden kann (Behälter –> Flaschen –> Wasserflasche –> Wasserflasche im Kühlschrank …) kann es funktionieren, wenn aber sprachliche Ausdrücke benutzt werden, die ‚vom Alltag weiter entfernt‘ sind (‚Liebe‘, ‚Demokratie‘, ‚Landkreis‘, ‚Bevölkerung‘, ‚Sprache‘, ‚Freiheit‘, …) wird es zunehmen schwieriger, diese in der ‚erfahrbaren Realität‘ zu verankern. Jeder mag sich zwar bei solchen sprachlichen Ausdrücken trotzdem ‚irgend etwas‘ noch ‚für sich vorstellen‘, ob diese eigenen Vorstellungen dann aber mit jenen im Kopf eines anderen Menschen ‚irgend etwas‘ gemeinsam haben, das ist eine offene, meist nur aufwendig entscheidbare Frage.[2]

Ausgangslage, ‚geerdet‘

Wenn es eine Gruppe schafft, eine gemeinsame Situation mit Hilfe von normaler Sprache so zu beschreiben, dass alle Beteiligten darin ‚übereinstimmen‘, dass der gemeinsame Text auf die Situation ‚zutrifft‘, dann kann die Gruppe diesen Text als ihre Beschreibung einer ‚Ausgangslage‘ zu einem bestimmten “Zeitpunkt‘ (oder, etwas ungenauer: in einem bestimmten ‚Zeitfenster‘ z.B. 20.8.2022 – 23.8.2022) akzeptieren. Normalerweise bildet solch eine Situationsbeschreibung nur einen Ausschnitt der ganzen Wirklichkeit ab, da man ja nur solche Aspekte beschreiben will, die die Gruppe für ihre Interessen als ‚relevant‘ einstuft. Aufgrund der Übereinkunft, dass der Text der Situationsbeschreibung ‚zutrifft‘, kann man auch etwas ‚blumiger‘ sagen, dass dieser Text ‚geerdet‘ ist; er besitzt eine Verankerung in der gemeinsam erfahrbaren Alltagswelt.[3]

Veränderungen

Die Beschreibung eines Augenblicks — oder eines begrenzten Zeitraums — mag im Detail aufschlussreich sein, aber ‚für sich genommen‘ ist jede Momentaufnahme ’statisch‘. Anders gesagt „Es tut sich nichts“. Nur mit Blick auf einen Moment, einen Augenblick, auf ein JETZT, ist unsere Erkenntnis über die uns umgebenden Welt (und wie Menschen gehören dazu) sehr eingeschränkt.

Spannend wird es erst, wenn wir mehrere Augenblicke beschreiben, die ‚zeitlich‘ aufeinander folgen. Eben war es trocken, jetzt regnet es. Eben führte mein Fußballverein 2:0, jetzt steht es plötzlich 2:2. Noch vor einer Woche war die Wiese grün und saftig, jetzt ist alles gelb, vertrocknet. Vor einem Jahr war der Pegel des Brunnes noch bei Marke -3 m, dieses Jahr ist er plötzlich bei -5 m …. Es sind diese Veränderungen im Alltag, die mögliche Hinweise auf Faktoren liefern können, die auf unsere Situation ‚einwirken‘ und sie ‚verändern‘.[4]

Allerdings, Veränderungen werden nur dann sichtbar, wenn wir unsere Beschreibungen ‚erden‘, sie möglichst ’nah am beobachtbaren Alltag‘ orientieren. Wenn eine Gruppe schreibt „Am 2.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ grün“ mit der Bemerkung, wir haben sie gesehen und fotografiert, und diese Gruppe schreibt zu einem späteren Zeitpunkt „Am 20.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ vertrocknet“ ebenfalls mit der Bemerkung, wir haben sie gesehen und fotografiert, dann sind dies nicht nur ‚irgendwie zwei sprachliche Ausdrücke‘, sondern diese sprachlichen Ausdrücke ‚repräsentieren‘ für alle Beteiligten sprachliche Bedeutungen in den Köpfen der Mitglieder der Gruppe, die berichten, dass diese sprachlichen Bedeutungen in ihrer wahrnehmbaren Umgebung zutreffen. Und da die Bedeutung vom Ausdruck am 2.August anders ist als die Bedeutung vom 20.August liegt hier eine Veränderung vor.

Aufgrund unseres Alltagswissens wissen wir, dass die Pflanzen einer Wiese Wasser benötigen und genau dieses Wasser bei hohen Temperaturen ohne Regen knapp wird; man könnte die Situationsbeschreibung daher beispielsweise auch so erweitern, dass man sagt:

Situation 1:

Am 2.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ grün.

Die Sonne scheint mehr als 8 Stunden pro Tag.

Die Temperaturen liegen über 33 Grad.

Es regnet nicht.

Situation 2:

Seit dem 2.August hat es nicht geregnet.

Die Temperaturen lagen die ganze Zeit bei über 30 Grad.

Am 20.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ vertrocknet.

Bei dieser Sachlage gibt es als ‚Neuigkeit‘, dass die Wiese jetzt vertrocknet ist während sonst anderen Faktoren (Temperatur, Regen) ‚gleich‘ geblieben sind.

Daraus lässt sich auf eine erste einfache Weise die Hypothese formulieren, dass eine grüne Wiese, bei gleichbleibend hohen Temperaturen über 30 Grad und ohne Regen vertrocknet.

Eine solche einfache Hypothese wird niemanden besonders beeindrucken, aber dieses einfache Beispiel macht dennoch das allgemeine Schema sichtbar, wie wir aufgrund von Veränderungen im Alltag — falls wir sie wahrnehmen! — auf Zusammenhänge aufmerksam werden können, die uns sonst möglicherweise entgehen, und es sind gerade solche Veränderungen, die Hinweise auf solche Faktoren liefern können, die auf eine aktuelle Situation einwirken.

Erste Prognosen

Also, eine Beschreibung einer Situation für einen bestimmten Zeitraum zu erstellen, in dem sich — aus Sicht der Beobachter — nichts Nennenswertes verändert hat, die von allen Beteiligten als ‚zutreffend‘ bezeichnet wird, ist nicht selbstverständlich, aber führt uns für das Verstehen einer möglichen Zukunft noch nicht sehr weit.

Gibt es hingegen mehrere solche ‚zutreffenden‘ Situationsbeschreibung aus verschiedenen — zeitlich aufeinander folgenden — Situationen, und man entdeckt zwischen diesen Beschreibungen ‚Veränderungen‘, dann können diese Veränderungen Anhaltspunkte für Veränderungen in der beobachteten — als real unterstellten — Situation sein.

Schließt man sich der Sichtweise des späten Karl Popper an (siehe [4.1], [4.2]) und tut das, was eigentlich jeder im Alltag tut, nämlich zu ‚vermuten‘, dass diese beobachteten Veränderungen mögliche ‚Hinweise auf mögliche realen Faktoren‘ sein können, deren reale Wirkungen sich im Format dieser beobachteten Veränderungen manifestieren. Solche Vermutungen kann man dann in Form einer ‚Hypothese‘ formulieren, die dann den Ausgangspunkt für eine ‚Prognose‘ bilden kann.

Wenn ich — siehe den vorausgehenden Abschnitt — beobachte, dass eine grüne Wiese nach einer bestimmten Zeit ohne Regen und unter hohen Temperaturen verwelkt, gelb wird, abstirbt, dann kann ich per ‚Vermutung‘ [5] einen Zusammenhang herstellen zwischen den Phänomenen ‚Kein Regen‘ und ‚Temperaturen über 30 Grad‘ einerseits und dem Phänomen ‚Wiese verwelkt‘ andererseits. Salopp formuliert: „Wenn eine grüne Wiese über x Tage kein Regen bekommt und über y Tage über 30 Grad Temperatur herrscht, dann wird die Wiese verwelken.“ Verwendet man diese Vermutung dann aktiv als ‚Hypothese‘, dann kann man die ‚Prognose‘ wagen, dass jede grüne Wiese unter den genannten Bedingungen verwelken wird.

Wenn man dann aufgrund anderer zutreffender Beschreibungen zusätzlich weiß, dass die Temperaturen in einer bestimmten Region über viele Monate sehr hoch sein werden und dass es zusätzlich fast keinen Regen geben wird, dann kann man diese Informationen mit der neuen Hypothese verknüpfen und voraussagen, dass alle grünen Wiesen in der besagten Region verwelken werden. Bauern mit Viehhaltung verlieren dadurch die Möglichkeit, über die Wiesen Futter für den Winter zu gewinnen und zu speichern. Dies vermindert das verfügbare Futter und zwingt den Bauer, stattdessen woanders die entsprechende Menge von Futter zu kaufen (falls es überhaupt genügend gibt!). Dies wiederum erhöht seine ‚Produktionskosten‘ für Milch.

Man kann erkennen, dass (i) zutreffende Beobachtungen, festgehalten in Texten, dazu (ii) Erkenntnisse von Veränderungen im Beobachtungszeitraum, zu (iii) Vermutungen führen können, die Hypothesen ermöglichen, mit denen man (iv) erste Prognosen wagen kann, die eine erste grobe Orientierung über eine mögliche nahe Zukunft liefern können. Die Frage ist, ob die Bauern der betroffenen Region dann überhaupt so schnell reagieren können.

Einschätzungen: Wollen wir das?

Verfügt man über Prognosen, die einen Blick in eine mögliche Zukunft — oder gar in viele alternative mögliche Zukünfte — erlauben, dann können sich alle, die von dieser möglichen Zukunft betroffen sind, darüber Gedanken machen, was sie von dieser sich andeutenden Zukunft halten. Erscheint die sich andeutende Zukunft ‚positiv‘ (in welchem Sinne positiv?) oder ’negativ‘ (in welchem Sinne negativ?)? Alle Betroffenen können sich dann Gedanken machen, ob sie auf diese Perspektive reagieren wollen, und wenn ja: wie. Sich wegducken, nichts tun, kann in vielen Fällen verheerend sein. Wenn sich z.B. anhand der verfügbaren Daten andeutet, dass eine große Stadt in Deutschland (eigentlich nicht nur eine große Stadt) in nur wenigen Jahren (3-5?) 70% (oder gar mehr) weniger Trinkwasser haben wird als 2022, dann würde das auf eine kommende Katastrophe hindeuten.

Sollten wir etwas tun? Was?

Schafft es eine Gruppe von Menschen, über erste Beobachtungen, Veränderungsfeststellungen, Hypothesen und Prognosen soweit zu kommen, dass sich bei ihr der Eindruck verfestigt, dass sie als Gruppe etwas tun sollte, dann stellt sich natürlich immer die Frage, was man denn tun sollte und was man denn von dem ‚gesollt Gewollten‘ tatsächlich auch tun kann. Hier einige Ansatzpunkte, an denen man anknüpfen kann/ sollte:

  1. In der Regel stellen sich im Bereich der Berichte oft viele Fragen zu den verfügbaren Beschreibungen. Die Daten von Behörden können ‚fragmentarisch‘ sein, nicht wirklich ‚transparent‘, ‚veraltet‘, oder gar ‚lückenhaft‘. Wichtige unterstützende Gesetze ‚fehlen gänzlich‘ oder passen nicht wirklich zum Problem.
  2. Verfügbare politische Programme oder Planungsdokumente von Landkreisen, Regierungsbezirken, Landesministerien, einschlägigen Behörden fehlen oder sind unvollständig oder bieten keine klaren, belastbaren Prognosen.
  3. Die verschiedenen politischen Ebenen und Behörden können wenig koordiniert sein.
  4. Bekannte Ergebnisse aus den Wissenschaften werden zu wenig berücksichtigt.
  5. Die Bedürfnisse von Bürgern vor Ort finden zu wenig Beachtung.
  6. Wichtige gesellschaftliche Bereiche (Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Handwerk und Industrie, usw.) werden zu wenig berücksichtigt.
  7. Die Vernetzung der unterschiedlichen Faktoren ist zu wenig erkennbar, wird zu wenig in Rechnung gestellt.

Vor diesem Hintergrund könnte es sinnvoll sein, die allgemeine Datenbasis durch direkte Interaktion mit den verantwortlichen Stellen zu verbessern; diese dann öffentlich für alle verfügbar zu machen; und über eine bessere Vernetzung der Faktoren und bessere Prognosen für alle Betroffene wichtige Zukunftsszenarien herzustellen, anhand deren alle Betroffenen eine bessere Einschätzung gewinnen können als bisher.

Alternative Szenarien durchspielen

Vielleicht erkennt der Leser anhand dieser Überlegungen, dass die Fähigkeit, mit allen relevanten Daten und Faktoren solche Hypothesen/ Prognosen bilden zu können, dass wahrscheinliche Zukunftsszenarien sichtbar werden, der Schlüssel ist für einen verantwortlichen Umgang mit der Zukunft.

Wer es mit Nachhaltigkeit ernst meint, der wird um die Möglichkeit und Fähigkeit nicht herumkommen, belastbare Zukunftsszenarien hochrechnen zu können. Diese werden aus verschiedenen Gründen niemals eine ‚exakte Voraussage‘ sein können, aber als ‚Hilfsmittel des gemeinsamen Nachdenkens‘ über eine nachhaltige Zukunft sind sie alternativlos.

So kann eine Bewegung entstehen

Wenn es einer Gruppe von Menschen — oder vielen, die sich vernetzen — gelingt, öffentlich belastbare Daten und Hypothesen für eine bestimmte Region zusammen zu tragen, so dass jeder nachvollziehen kann, wie diese Daten zustande kommen, so kann dies sehr wohl die ‚Keimzelle‘ für eine Bewegung von Bürgern werden, die zusammen mit anderen ihre Erfahrungen und ihr Wissen für das gemeinsame Ganze einbringen möchten.

Analog zu Wikipedia, und doch darüber hinausgehend, können Bürger von überall her Wissens-Fragmente als Theorie-Fragmente beisteuern, die sich beliebig simulieren und beliebig zu größeren Fragmenten vereinigen lassen…. und so entsteht oksipedia.org: das Wissen von allen, als ein riesiges Netzwerk von Teil-Theorien, die dann doch als eine Theorie funktionieren können.[6]

ZUSAMMENFASSUNG

Skizze des Ablaufmodells von der zutreffenden Beobachtung über Veränderungen, Hypothesen, dann Prognosen zu einem möglichen zukünftigen Szenario. Daran anknüpfend die Frage: wollen wir das? Wenn wir das nicht wollen, dann haben wir hier die Gelegenheit zum zielgerichteten politischen Handeln…

Am Beispiel grüner Wiesen im Vogelsberg, die nach einer gewissen Zeit verwelken und schließlich verdorren, kann man durchspielen, dass begleitende Faktoren, wie mangelnder Regen und hohe Temperaturen, als Ursachen hypothetisch angenommen werden können. Mit diesen Hypothesen könnte man dann Prognosen wagen, die für alle Bauern mit grünen Wiesen voraussagen, dass und ab wann sie für ihre Tiere Futter hinzukaufen müssten (falls es überhaupt woanders Futter gibt, und zu welchen Preisen?), dazu aufwendig Wasser besorgen müssten (woher?), um die Tiere am Leben zu erhalten. Mit den vertrockneten Wiesen eines Jahres würde ca. 50% des gesamten Futters ausfallen, was dann im Winter fehlt. Wo soll das dann herkommen, und zu welchem Preis?

Vorwissen

Beim Durchlaufen des Wissensprozesses von der Beobachtung über Veränderungen zu Hypothesen und Prognosen kann jeder feststellen, dass in allen Phasen das mit hineinspielt, was oft ‚Vorwissen‘ genannt wird: all das, was wir bis zum Beobachtungszeitpunkt und während der Hypothesenbildung schon alles ‚wissen‘. Im Fall des Wassers gibt es z.B, mehr oder weniger klare ‚Vorstellungen‘ darüber, wie das ‚Klima‘ zusammenhängt mit Temperaturen und Niederschlägen, diese wiederum irgendwie mit Oberflächengewässern, Versickerungen im Boden, Grundwasser, Quellen und Brunnen. ‚Irgendwie‘. Dann haben wir Vorstellungen darüber, wie Wälder, Felder, Wiesen, Tiere und Menschen Zugang zu Wasser haben. ‚Irgendwie‘. Dann wissen wir — irgendwie — wie Landwirtschaft Wasser nutzt, die privaten Haushalte, die verschiedenen Gewerbe, die Industrie, hier speziell die Energieerzeuger…. Vorwissen ist im Alltag überlebensnotwendig. Leider kann es auch ‚falsch‘ sein; schwierig wird es, wenn das Vorwissen die Form des ‚Vor-Urteils‘ hat; dann will man in der Regel nicht wirklich wissen, sondern sich vor Wissen ’schützen’…

Ausgehend von dem vorausgehenden Wiesen-Beispiel: Würde wir aufgrund unseres ‚Vorwissens‘ weitere Faktoren in diese Überlegungen einbeziehen, wie z.B. das Versiegen vieler Quellen und Brunnen im Vogelsberg, die dazu führen, dass die Bauern ihr Vieh nicht mehr normal tränken können, dann müsste man sich zusätzlich fragen, warum z.B. eine Stadt wie Frankfurt durch ihre langjährige Wasserentnahme im Vogelsberg dort das Wasser verschwinden lässt, selbst aber bislang nichts tut, um Wasser zu sparen. In wenigen Jahren wird es auch für Frankfurt kein Trinkwasser mehr geben, und was dann?

KOMMENTARE

[1] WISSENSCHAFTSPHILOSOPHIE: Wissenschaftsphilosophisch setzt jede ‚Spezialsprache‘ die normale Sprache als ‚Meta-Sprache‘ voraus. Die scheinbare ‚Beschränkung‘ auf die Normalsprache ist daher nicht wirklich eine Beschränkung. Jede Spezialsprache ist hingegen eine Beschränkung. Wurde eine Spezialsprache als Erweiterung der Normalsprache eingeführt, gehört sie letztlich auch zur Normalsprache. In der Praxis des Sprachgebrauchs behält man aber meistens die Abgrenzung einer Spezialsprache zu allen anderen Sprachen bei.

[2] FORMALE SPRACHEN: Um den Verwicklungen normal sprachlicher Bedeutungen zu entgehen, begannen die moderne Logik und Mathematik zum Ende des 19.Jahrhunderts — und im Gefolge davon auch wissenschaftliche Disziplinen — sogenannte ‚formale Sprachen‘ zu benutzen. In einer formalen Sprache lassen sich die ‚formalen Ausrücke‘ ‚rein formal‘, ohne Bezug auf eine konkrete Bedeutung, so konstruieren, dass ‚in den meisten Fällen‘ ‚entscheidbar‘ ist, ob der Ausdruck ein ‚zulässiger Ausdruck‘ in der formalen Sprache ist. In komplexen Fällen (die entstehen im Bereich des Formalen sehr schnell), ist dies aber ohne Zuhilfenahme eines Hilfsmittels (z.B. Computer) rein praktisch kaum entscheidbar (bzw. theoretisch sogar teilweise ‚unentscheidbar‘). Möchte man auch im Zusammenhang von formalen Sprachen Bedeutungen verwenden, wie wir sie im Kontext der normalen Sprache kennen, dann müssen solche ‚Bedeutungszuordnungen‘ separat, extra vorgenommen werden. Sieht man von ‚Pseudo-Bedeutungszuordnungen‘ ab, die wiederum aus formalen Konstrukten bestehen, muss eine Bedeutungszuordnung zur ‚realen Alltagswelt‘ mit Hilfe von normaler Sprache in eigenen Prozessen ‚hergestellt‘ werden. Dies ist sehr aufwendig und führt bei ‚anspruchsvollen‘ empirischen Theorien (wie z.B. der Physik) genauso zu Bedeutungsproblemen wie in der Normalsprache.

[3] MESSEN: Neben den alltäglichen Verfahren, wie man sich darauf einigt, ob eine Aussage in der aktuellen Situation ‚zutrifft‘ oder nicht, gibt es auch solche Verfahren, die wir als ‚Messen‘ kennen. Für diese Messverfahren hat man besondere Vereinbarungen getroffen. Sei X die Sache/ Eigenschaft, die ‚gemessen‘ werden soll, dann braucht man beim offiziellen Messen eine ’speziell vereinbarten Referenzsachverhalt‘ Y, so dass man X mit Y ‚vergleichen‘ kann. Zusätzlich ist festgelegt, wie man die Vergleichsoperation konkret vornehmen muss. Bekannt sind z.B. das Längenmaß ‚Meter [m]‘ (X ist 3 m lang), das ‚Kilogramm [kg]‘ (X wiegt 3.3 kg), usw. Diese vereinbarten Maße sind mittlerweile weltweit vereinbart. In jedem Land gibt es dazu eine Behörde, die über die Korrektheit der Referenzsachverhalte wacht. In Deutschland ist dies die Physikalisch-Technische Bundesanstalt: https://www.ptb.de/cms/ .

[4] Der Rückschluss von einzelnen Ereignissen auf eine ‚verborgene Gruppe von wirkenden Faktoren‘ wird ausdrücklich in einigen Arbeiten des späten Karl Popper diskutiert. Siehe [4.1], [4.2]

[4.1] Gerd Doeben-Henisch, 2022, „(SPÄTER) POPPER – WISSENSCHAFT – PHILOSOPHIE – OKSIMO-DISKURSRAUM„, , URL: https://www.cognitiveagent.org/2022/02/22/popper-wissenschaft-philosophie-oksimo-paradigma/

[4.2] Gerd Doeben-Henisch, 2022, „POPPER: FRÜH – MITTEL – SPÄT. Empirische Theorie„, URL: https://www.cognitiveagent.org/2022/03/13/popper-frueh-mittel-spaet-empirische-theorie/

[5] VERMUTUNGEN erscheinen hier als ‚kreative Akte‘ unseres Denkens, das im Gehirn stattfindet. Kreative Akte sind schwer planbar, kaum voraussagbar, aber sie bilden den Ausgangspunkt für mögliche wichtige neue Erkenntnisse.

[6] VISION: Unter der Rubrik ‚Vision‘ gibt es eine erste Beschreibung einer oksipedia.org-Vision; dies ist sicher noch nicht die letzte Version. Möglicherweise muss der ‚Entwicklungsprozess‘ von oksimo.org noch eine Weile voranschreiten, bis die Vision hinrechend greifbar wird.

WASSERPROJEKT – TAGEBUCH: KONFERENZ 15.AUG 2022

(Letzte Änderung: 18.August 2022, 22:53h)

Kontext

Dieser Bericht ist Teil des Tagebuchs vom Wasser-Projekt.

SITZUNG 15.August 2022, 19:00 – 21:00

AUFGABENSTELLUNG

Nach zwei ideenreichen Sitzungen sollte jetzt zum ersten Mal das Beispiel einer echten — wenngleich noch sehr einfachen — Theorie vorgestellt werden, damit jeder mal ein Gefühl dafür entwickeln kann, was das genau ist eine ‚Theorie, die zusätzlich von der oksimoR Software‘ unterstützt wird; außerdem sollte dabei geklärt werden, ob und wieweit sich damit Probleme im Umfeld des Wasserprojektes überhaupt oder gar ‚besser‘ behandeln lassen als ohne.

VORFELDGEFLÜSTER

Nach den ersten beiden Sitzungen war die Stimmung leicht ‚angespannt‘, da sowohl durch die Teamgespräche wie aber auch durch die dynamisch wachsende Link-Liste langsam sichtbar wurde, welch große Vielfalt an Informationen zum Thema im öffentlichen Raum verfügbar ist, und diese Liste ist ja sogar nur einen winzigen Ausschnitt von noch viel mehr.

Die Reaktionen aus dem Team waren unterschiedlich. Die ‚Unübersichtlichkeit‘ dieser vielen Informationen, ihre nicht zu übersehende ‚Inkompatibilität‘ untereinander, kann erschreckend wirken (in Abwandlung eines Filmtitels: ‚Lost in Information‘ (Sven)). Dass aber genau diese Komplexität die große Herausforderung sei und unser Ansatz mit oksimoR inspirierten Theorien vielleicht der Beginn einer eine Lösung sein könnte, stand auch im Raum (Hans-Jürgen). Andere sahen in dem verstärkten Theoretisieren eher keinen Beitrag zu Praxis (Arnulf). Aber tatsächlich ist ja die klare Orientierung an einem starken Theoriebegriff, der sich mittels Software von jedem anwenden lässt, quasi der ‚Markenkern‘ des ‚Bürgerwissenschaft 2.0-Projektes‘ (Gerd). Was stimmt jetzt?

GESPRÄCHSVERLAUF

Generell kann wohl sagen, dass dieser Abend in der jungen Geschichte des Bürgerwissenschaft 2.0 Projektes irgendwie ‚historisch‘ war. Zum ersten Mal wurde in einem öffentlichen Gespräch der Theoriebegriff mittels eines ein fachen Beispiels ins Zentrum des Gesprächs gerückt. Wer es genau wissen will, der muss sich halt Zeit nehmen, und die Mitschnitte zur Gänze anhören.

Grob ging es erst um die Ausgangslage für diesen Abend (Einleitung), dann sehr lange und ausführlich, was man sich denn unter einer Theorie überhaupt vorstellen sollte, und dann abschließend zu der nicht ganz trivialen Frage, wie man eine bestehende Theorie auf Dauer konstruktiv erweitern kann.

Als Ergebnis dieses langen konstruktiven Gesprächs wird es eine Überarbeitung des ersten kleinen Beispiels der Version V1 bis zum 5.September 2022 als Version 1.1 geben.

Unabhängig von den Theoriebeispielen V1 und V1.1 hat Gerd mittlerweile in seinem Philosophieblog einen längeren Beitrag veröffentlicht, in dem am Beispiel einer Konferenz im INM illustriert wird, wie man eine Prozessbeschreibung als empirische Theorie erstellen kann, die nur mit normaler Sprache auskommt, und die auch durch die oksimoR Software simuliert werden kann. Vielleicht hilft dieses Beispiel wegen seiner ganz anderen Sicht auch zum Verstehen.

VIDEOMITSCHNITT DES ABENDS

Da der Videomitschnitt sehr lang ist, wird das Video entlang der behandelten Themen in — unterschiedlich — lange Teile aufgeteilt. Vom ursprünglichen Material wurden nur kleine Ausschnitte herausgeschnitten, die technisch bedingte Längen beinhaltete, oder das Hinzukommen oder das sich Verabschieden einzelner Teilnehmer.

Einleitung

Teil 1: Einleitung zur Sitzung

Hier stichwortartig Hinweise zum Inhalt:

  1. Begrüßung
  2. Einführung
  3. Bezugnahme auf Ankündigungsemail
  4. Viele Anwendungen – eine neue Methode zum Integrieren
  5. Raum der öffentlichen Informationen eher verwirrend
  6. Gibt es eine einzige integrierende Methode?
  7. Theoretischer Anspruch
  8. Macht der Ansatz Sinn?
  9. Dazu soll ein einfaches Beispiel einer oksimo-Theorie zur Einschätzung vorgestellt werden
  10. Offene Aussprache dazu.
  11. Beginn mit dem Betreten der oksimo.org Seite
  12. … Liste von Theorien …
  13. Aktuell eine einzige
  14. Was im Vorfeld der Theorie die Tage so diskutiert wurde
  15. Theorieentwicklung muss man als einen Prozess sehen: Anfangshypothese – Gewinnen von Fakten – Revision
  16. Jederzeit sind Änderungen und/oder Erweiterungen möglich
  17. Theorie & Praxis: Idealerweise beides zusammen

Was ist eine Theorie?

Teil 2: Gespräch zum Theoriebegriff am Beispiel von Version 1.

Hier stichwortartig Hinweise zum Inhalt:

  1. Die Anfangshypothese – möglichst einfach
  2. Alles benennen, was den Experten wichtig ist. (Aussagen aus Beispiel werden zitiert).
  3. Aussagen mit ausgezeichneten Worten: das sind Variablen, die später mit Zahlen belegt werden können.
  4. Im Beispiel werden echte Zahlen aus offiziellen Statistiken genommen.
  5. Man kann beliebig vieles dazu schreiben.
  6. Diese vorgestellte Auswahl bildet eine Auswahl von allen bisher genannten Punkten, um einen einfachen Einstieg zu bekommen.
  7. Zeithorizonte klären. Zeitbezug unklar?
  8. Muss im Text gesetzt werden.
  9. Direkte und abgeleitete Werte; letztere ergeben sich aus einer Rechnung.
  10. Die gewählten Fakten müssen nicht unbedingt alle voneinander abhängen; kann später erweitert werden.
  11. Wie präzise sollte man formulieren – Genauigkeit – Zeitraum
  12. Klären, welche Punkte weiter präzisiert werden müssen; die Autoren entscheiden letztlich, was sie wollen.
  13. Es werden Details von angenommenen Werten diskutiert.
  14. Start-Konfiguration ein Beginn, muss dann im Verlauf präzisiert und erweitert werden.
  15. (Hugo) Theoriebegriff, hier Beispiel ‚Wassertheorie‘.
  16. Beispiel Freud – Annahmen – Hypothesen – Thesen
  17. Wassertheorie – Welche Ausgangshypothese?
  18. Anderes Beispiel: Darwin Evolutionstheorie, Entstehung des Menschen,
  19. Theorie: Mensch kommt nicht von Gott, Adam und Eva, sondern Entwicklungsprozess
  20. Darwin: Evolutionstheorie, Formen, Veränderungen in der Zeit, Folgen von Zuständen, Veränderungen = Regeln,
  21. Hugo: Mensch nicht Produkt Gottes, es geht zurück auf einen Prozess der Veränderungen
  22. Gerd WissPhilosoph
  23. Kern einer Theorie hat immer Annahmen über das, was zutrifft + Regeln zur Veränderung, Gravitationstheorie, Fallgesetz, Veränderungen in der Zeit
  24. Bei uns Aktion = Annahmen zur Veränderung
  25. Bevölkerung, Zuwachsraten
  26. Theorie: Annahmen und Veränderungen und Folgerungsbegriff
  27. Mensch ärgere Dich nicht: Regeln und Wissen, wie die Regeln anwenden auf einen Zustand
  28. Hugo: Erhobene Fakten für ihn keine Annahmen
  29. Annahmen als Hypothesen überprüfen
  30. Manfred: gleiche Probleme
  31. Theorie kein genormter Begriff
  32. Unser Beispiel: die Einheit von allem zusammen die Theorie
  33. Theoriebegriff aus vielen Publikationen gemittelt
  34. Hugo: Fakten keine Annahmen, sondern eher Veränderungsannahmen
  35. Annahme Hugo = Veränderungsregel in oksimo
  36. Formale Theorien ohne Empirie, mit Empirie
  37. Logiker: Menge von wahren Aussagen + Regeln zur Veränderungen ergeben Schlüsse
  38. Physiker: Deutung von Aussagen zur Empirie
  39. Faktenaussagen als ‚wahr‘ sind Annahmen über Zutreffen.
  40. Gesellschaftlich akzeptierte ‚Fakten‘ …
  41. Manfred: Alles, was man sagt sollte verifizierbar/ objektivierbar sein.
  42. Annehmen, dass es zutrifft als ‚wahr‘, von jedem
  43. Alle können mitmachen, aber einigen als ‚zutreffen‘, das gilt als Annahme, dass es so ist.
  44. Einwohnerzahl = Wie kommt die Zahl zustande? Welches Verfahren?
  45. Hinter den Zahlen Bezeichnungen der Methoden der Wertgewinnung
  46. Fakten = Ergebnis eines ‚Einigungsprozesses (kann Schätzungen beinhalten)!!
  47. Verifizierte Annahmen
  48. Aktion = Veränderungsregeln
  49. Voraussetzung der Anwendung!
  50. IST Zustand <—> Bedingung für Aktion
  51. IST-Zustand von einem Zeitpunkt kann zu einem anderen Zeitpunkt verändert sein!
  52. z.B. kann der MKK mit einem anderen zusammen gelegt werden — dadurch können Bedingungen für Regeln nicht mehr zutreffen
  53. Bedingungen Math
  54. Effekt plus und minus: neue Aussagen, weniger Aussagen
  55. Möglichkeit von Variablen: Feste Werte und Zuweisung von Werten im Verlauf
  56. Effekte Math:
  57. Periodische Ereignisse
  58. Zeitgebundene Ereignisse : speziell erfassen
  59. Zeit – Perioden: selber definieren (Jahr, Spiel, Produktion )
  60. 129 Liter Durchschnittswert, eher konstant, kann regional anders sein
  61. Immer wieder neu definieren in bestimmten Zeiträumen
  62. Maßnahmen zum Wasser sparen –> Aktionen –> Absenken des Verbrauchs würde verändern
  63. Veränderungsregeln sind nicht ‚global immer‘, sondern nur unter Voraussetzungen.
  64. Wechselwirkungen zwischen Regeln (Wasserverbrauch – Maßnahmen)
  65. Kaskadenwirkung von Regeln
  66. Bewässern von Grünflächen — Verbrauch steigt, Klima wird besser
  67. Durch die Regeln eine Methode, um Prozesse sichtbar zu machen.
  68. Manfred: ZIEL. Was ist das?
  69. Gerd: Siehe Diagramm
  70. ZIEL: Zeitpunkt, Wert, Methode in der Zukunft
  71. Ja, aktuell ist die Formulierung des Ziels irreführend!
  72. SIMULATION: Kurven zeigen nur Zahlen, Protokoll zeigt auch die gesamte Situation
  73. Veränderungsregeln: Wo kommt dieses Wissen her? Erfahrung, Vermutungen, Meinungen, Experimente …

Wie kann eine verteilte Gruppe eine Theorie erweitern?

Teil 3: Gespräch zur Frage, wie man eine gegebene Theorie konstruktiv erweitern kann, gerade auch dann, wenn die Zahl der Mitwirkenden einmal sehr groß sein sollte.

Hier wieder nur Stichworte aus dem Gespräch. Wer es genauer, vielfältiger, umfassender wissen will, muss sich das Video anschauen.

  1. Meinungsfindung in heterogene Gruppen
  2. Wie kommt man zu Informationen?
  3. Wie gehen diese in eine Theorie ein
  4. Beispiel Wasserverordnung und Vorgärten; noch relativ neu.
  5. Wie kommen diese Informationen in eine oksimo-Theorie, dazu in Alltagssprache
  6. Jemand will seine Informationen mit einbringen
  7. Wie sollte dieser Vorgang aussehen.
  8. (i) Normalen Text schreiben, an Gerd schicken, fügt dies ein
  9. (ii) Jeder wird user und kann es selber eingeben und testen
  10. Diesen Vorgang mal live testen; noch nicht klar, wie man es eingeben müsste.
  11. Einfache Informationen eingeben; kann für später helfen (vielleicht eine Art ‚Warteliste für Ideen‘)
  12. Für manche eine neue Information.
  13. Schon bislang ganz viele Daten.
  14. Protokolle: Wust von Datenblöcken, wie Dinge ordnen, gewichten?
  15. Kenntlich machen, was schon verarbeitet wurde, von wem.
  16. Beispiel Excel – einfach nicht ausdrückbar.
  17. Mehrdimensionale Datenbank mit Datenbank-Experten – zu aufwendig
  18. Version L2: Jeder kann seine Daten mit einem anderen teilen. Diese wird dem anderen angezeigt. Basis: Jeder hat seinen Simulationsraum.
  19. Version L3: neue Form des Teamworks überlegen?
  20. Jetzt: eine zentrale Stelle, die eingibt, die anderen liefern zu
  21. Jetzt: jeder liefert etwas ab, und beim nächsten Mal gemeinsam darüber sprechen.
  22. Nach welchen Regeln soll man etwas abgeben: Bsp Manfred: Sonnenblume blüht 20 Tage im Jahr
  23. Normalerweise gibt es ein Ziel.
  24. Wer entscheidet, was wichtig ist?
  25. Frage nach der ‚Relevanz‘ für eine Theorie?
  26. Annahme Team: Haben wir als Team ein Ziel? Welche Ideen lassen sich dem Ziel zuordnen? Bsp. Wasserverbrauch: was erhöht den Verbrauch? Was vermindert den Verbrauch?
  27. Wir entscheiden selber.
  28. Gemeinsamer Datentopf – Warteschlange … Brainstorming
  29. Bsp: Bei Zielkonflikten müssen diese geklärt werden. Wie?
  30. Aktuell kaum Infos zu absoluten Grenzen, wie viel Wasser es tatsächlich gibt
  31. Sammeln von Faktoren die mindern oder vergrößern.
  32. Verknüpfen von mehreren Theorien (Zielen?)
  33. Eingaben von allen ausfiltern?
  34. Diversity: alles annehmen
  35. Beiträge nehmen und durch Simulation klären?
  36. Nach jeder Eingabe eine neue Simulation?
  37. Wenn pro Tag viele hundert oder tausend neue Informationen: wie dann auswerten?
  38. KI als Auswertungshilfe?
  39. Einstellen ja, dann aber benutzen ja oder nein. Sammeln noch wertfrei, ändert noch nichts.
  40. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kann man nicht sicher sagen, wie es sich im Gesamt auswirkt. Sinnhaftigkeit vielleicht später.
  41. Alle denkbaren Kombinationen: Rechenaufwand?
  42. … viele tausend Regeln … zu groß die Aufgabe? Für eine Cray, nicht aber für uns 🙂
  43. oksimo hat ein Ziel: ist ein Benchmark, wirkt jede Runde. (außerdem werden ja nicht alle Regeln zugleich angewendet).
  44. Rudolf … iwrm := Integrated Water Ressource Management
  45. Welche Maßnahmen gibt es? Welche Auswirkungen?
  46. Problem der Zustimmung von Maßnahmen: Wann gibt es Zustimmung?
  47. Wie quantifiziert man Zustimmung?
  48. In der Alltagspolitik kommt es vor…
  49. Im Alltag: Frage nach Beschaffenheit/ Verteilung von Eigenschaften (Gärten und ihre Beschaffenheit)
  50. Interaktive Map von Hugo für solche Sachen.
  51. Hugo musste aufhören.
  52. Hauptherausforderung: überhaupt Eingaben zu haben, dann ausprobieren.
  53. Was ist bei Konflikten?
  54. Einschätzungen der Wirkungen, auch untereinander.
  55. Wenn ganz viele gleichzeitig kommen, was dann?
  56. Kontrollierte Einführung von Erweiterungen.
  57. Release- und Revisionsmanagement
  58. Veränderungen müssen nachvollziehbar sein.
  59. Die Wirkung von Erweiterungen können auch erst langfristig wirken.

Aufgaben für nächste Sitzung am 5.September 2022

Jeder sendet ein paar Gedanken, die er für eine Erweiterung interessant findet. In der Sitzung gemeinsam klären, wie man diese als Erweiterungen in die bis dahin vorliegende Theorie einbaut.

Hier geht es zur Theorie Version 1.1.

Oksimo Meets Hobbes

OKSIMO – UNIVERSELLE PROZESS PLANUNG
Veröffentlicht: 04. Juli 2022 – 04. Juli 2022
Email: info@oksimo.org

Autor: Philipp Westermeier

Thomas Hobbes wurde 1588 geboren und veröffentlichte in einer Zeit, in welcher das krisengebeutelte England vor einem Bürgerkrieg stand seinen berühmten Leviathan. In diesem Blog wird sich mit Hobbes vier Jahre später erschienenen Schrift „De corpore“ auseinander gesetzt. Es werden die einzelnen Abschnitte (zusammengefasst) dargestellt und Kapitelweise besprochen.

De Corpore, 1655

Teil 1 – Logik

Kapitel 1 – Von der Philosophie (S. 5-13)

1 – Eingangs beschrieb Hobbes den Zustand der Philosophie seiner Zeit, die er von der „natürliche[n] Vernunft, jedem Menschen eingeboren“ unterscheidet. Der Unterschiede bestehe darin, dass „jeder einzelne […] bis zu irgendeinem Ziele und in irgendwelchen Dingen Erwägungen an[stelle]; sobald es aber einer langen Kette von Vernunftgründen bedarf, entgleisen die meisten oder schweifen ab, weil die richtige Methode“ fehle. Zwar sei „derjenige Teil der Philosophie, der von den Größen und Figuren handelt, vortrefflich ausgebildet“, doch bei anderen Teilen der Disziplin sah er sich in der Pflicht, „die wenigen ersten Elemente der gesamten Philosophie […] zu entwickeln.

2 – Hobbes definierte: „Philosophie ist die rationelle Erkenntnis der Wirkungen oder Erscheinungen aus ihren bekannten Ursachen oder erzeugenden Gründen und umgekehrt der möglichen erzeugenden Gründe aus den bekannten Wirkungen“. Jedoch seien (1) „Sinneswahrnemung und Gedächtnis […] [die] nicht durch rationelles Schließen erworben“ wurden und (2) „Erfahrung“, also der „praktische[] Verstand“ keine Philosophie. Rationelle Erkenntnis sei Berechnung, und gehe „auf zwei Geistesoperationen zurück: Addition und Subtraktion“.

3 – Hobbes beschrieb, dass sich Körper nach ihrem Erkennen nacheinander im Geist durch Operationen aus ihren darin erkannten Eigenschaften zusammensetzen und schrieb schließend:
„Man darf also nicht meinen, daß das eigentliche Rechnen nur bei Zahlen stattfindet, als ob der Mensch von den übrigen Lebewesen (wie nach den Berichten Pythagoras angenommen hat) allein durch die Fähigkeit des Zählens unterschieden wäre; denn auch Größen, Körper, Bewegungen, Zeiten, Qualitäten, Handlungen, Begriffe, Verhältnisse, Sätze und Worte (worin jegliche Art Philosophie enthalten ist) können addiert und subtrahiert werden. Wenn wir aber hinzufügen oder wegnehmen, d.h. aufeinander beziehen, so nennen wir dies »denken«, griechisch logizesthai, das also berechnen oder rationell erkennen bedeutet.“

4 – „Wirkungen und Erscheinungen sind Fähigkeiten oder Vermögen der Körper, durch die wir sie voneinander unterscheiden, d.h. erkennen, daß der eine dem andern gleich oder ungleich, ähnlich oder unähnlich ist; […] [d]aher ist jene Bewegungsfähigkeit, die den Lebewesen eigentümlich ist, die Eigenschaft, durch die wir ihn von anderen Körpern unterscheiden.“

5 – Die Methode, „[w]ie die Erkenntnis der Wirkung aus der Erkenntnis des erzeugenden Grundes gewonnen werden kann“ läge darin, seine Eigenschaften zu erkennen. Am Beispiel eines Kreises zeigt er, wenn Punkt und Eigenschaften des Kreises (konstanter Radius) gegeben seien, wird aus diesem ‚automatisch‘ ein Kreis ‚zusammengesetzt‘.

6 – „Die größte Bedeutung der Philosophie liegt nun darin, daß wir die vorausgeschauten Wirkungen zu unserm Vorteil nutzen und auf Grund unserer Erkenntnis nach Maß unserer Kräfte und unserer Tüchtigkeit absichtlich zur Förderung des menschlichen Lebens herbeiführen können. Denn die bloße Überwindung von Schwierigkeiten oder Entdeckungen verborgener Wahrheiten sind nicht so großer Mühe, wie sie für die Philosophie aufzuwenden ist, wert; und vollends brauchte niemand seine Weisheit anderen mitzuteilen, wofern er damit weiter nichts zu erreichen hofft. Wissenschaft dient nur der Macht! Die Theorie (die in der Geometrie der Weg der Forschung ist) dient nur der Konstruktion! Und alle Spekulation geht am Ende auf eine Handlung oder Leistung aus.“

7 – Den Nutzen der Philosophie sah Hobbes vor allem in der „mögliche[n] Förderung des menschlichen Geschlechts durch sie […] und [in der] Lebensweise derer, die ihrer sich erfreuen“. Technischer Fortschitt und in dessen Konsequenz ein erhöhter Lebensstandard lassen den Nutzen der Philosophie erkennen, derjenige der „Moralphilosophie und Gesellschaftslehre läßt sich nicht sowohl aus den Vorteilen, die wir durch sie, als vielmehr aus den Nachteilen, die wir durch ihre Unkenntnis haben, abschätzen“. Den Nachteilen des Technischen Forschritts, deren „Wurzel aller Nachteile und allen Unglücks der Krieg sei, da „aus ihm […] Mord, Verwüstung und Mangel an allen Dingen“ entspränge, könnte durch „die wahren Gesetze des bürgerlichen Lebens“, deren Erkenntnis die Moralphilosophie sei, vorschub geleistet werden. Da diesen einschlägigen Philosophen jedoch „genaue und feste Angaben der Grundsätze“ jener Philosophie fehlten, sei es bis zu deren Ergründung „unnütz, in Einzelfällen zu gebieten und verbieten“.

8 – Aus dem im zweiten Abschnitt definierten Philosophiebegriff leitete Hobbes ab: „Der Gegenstand oder die Materie der Philosophie, die sie behandelt, ist jeglicher Körper, dessen Erzeugung wir begrifflich erfassen und den wir mit Rücksicht hierauf mit andern Körpern vergleichen können; oder auch, bei dem Zusammensetzung und Auflösung statt hat; d.h. jeder Körper, von dessen Erzeugung und Eigenschaften wir Kenntnis haben.“
Wozu die Philosophie also nichts sagen könne seien „Attribute[] Gottes, des Ewigen, Unerschaffenen, nicht zu Erfassenden, in welchem nichts zusammengesetzt, nichts geteilt und nichts von Entstehung erkannt werden kann“, schließe „all[] jene[] Dinge[] aus, die man weder für Körper noch für Affektionen von Körpern hält; weil es auch bei ihnen keine Zusammensetzung oder Teilung, ebensowenig wie ein Mehr so ein Weniger, d.h. wissenschaftliche Berechnung gibt“, „schließt weiter die Geschichte sowohl der Natur als auch der Politik aus“, da sie sich „nicht auf wissenschaftliche Berechnung […] gründet“ sowie „ferner jegliches Wissen […], das aus göttlicher Eingebung oder Offenbarung stammt“. „Sie schließt ferner nicht nur jede falsche, sondern auch jede nicht gut begründete Lehre aus; denn was durch richtiges Schließen erkannt ist, kann weder falsch noch zweifelhaft sein; daher scheiden auch die Astrologie, wie sie heutzutage im Schwange ist, und ähnliche prophetische Künste aus.“

9 – Für Hobbes war klar: „Die Philosophie zerfällt in zwei Hauptteile[,] […] in „die Natur- und die Staatsphilosophie“. mit jeweils zwei „zwei Abteilungen“. Die Naturphilosophie umfasse „die Dinge, die, weil Werk der Natur selbst, als natürlich bezeichnet werden; die andere die Dinge, die durch menschlichen Willen, durch Abkommen und Verträge der Menschen zustande gekommen sind“ sei Aufgabe der Staatsphilosophie, gegliedert in die, „die von den Anlagen und den Sitten handelt, als Ethik, die andere, die auf Erkenntnis der bürgerlichen Pflichten geht, als Politik oder einfach als Philosophie vom Staate“.

10 – Das Kapitel abschließend schrieb Hobbes; „daß ich hier nur die Grundlagen derjenigen Wissenschaft darbieten werde, welche aus den erzeugenden Ursachen die Wirkungen oder umgekehrt aus den erkannten Wirkungen die erzeugenden Ursachen eines Dinges erforschen will. Darum mögen diejenigen, die nach anderer Philosophie verlangen, sich mahnen lassen, sie anderswoher zu holen.“

Was heißt das für Oksimo?

Vieles hier dargestellte scheint erst mal nichts mit Oksimo zu tun zu haben. Jedoch trügt der Schein. Mithilfe Oksimos, wie auch mithilfe eines modernen Staats, kooperieren Menschen. In beiden Fällen ist die philosophische Methode des rationalen schließens erforderlich. In der historischen Entwicklung war es das rationale Schließen, welches Menschen überhaupt ermöglichte, gültige Verträge (Wenn-Dann) zu verfassen und einzuhalten (oder auch zu bewusst zu brechen). Diese Methode passt fast deckungsgleich auf die Funktionsweise Oksimos:
Es werden Zustände beschrieben (‚Körper generiert‘) und dann aufgrund von ‚Eigenschaften‘ (‚Gerd ist hungrig‘-> ‚hunger‘ -> Gerd geht zur Kantine‘) Zustandsabfolgen generiert, die hinzukommen oder abgezogen werden können. Die Methode Oksimo ist das, was die Philosoph:innen bisher nur durch hartes und aufwändiges Training erreichten: stringentes Folgern.
Oksimo ermöglicht nun, dass nicht nur Zahlen oder Variablen Bestandteil mathematischer Operationen sein können, sondern auch Aussagesätze (‚Gerd ist hungrig‘, ‚Philipp ist hungrig‘, ‚Athene ist hungrig‘ -> ‚hunger‘-> ‚Gerd, Philipp, Athene gehen zur Kantine‘). Oksimo ermöglicht es nun also, komplexe gedankliche Zusammenhänge wie Nachhaltigkeit, Klimakatastrophe oder soziale Ungleichheit wie mathematische Probleme zu behandeln.

Quellen
1 https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes
2 http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hobbes,+Thomas/Grundz%C3%BCge+der+Philosophie/Lehre+vom+K%C3%B6rper/1.+Teil.+Logik/1.+Von+der+Philosophie

OKSIMO und THEORIEBILDUNG – Einführung

OKSIMO – UNIVERSELLE PROZESS PLANUNG
Veröffentlicht: 8.Sept. 2021 – 9.Sept. 2021
Email: info@oksimo.org

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Themenfeldes Oksimo und Theoriebildung des oksimo.org Blogs. In diesem Post wird das Thema anhand eines einfachen Beispiels illustriert.

OKSIMO und THEORIEBILDUNG – Vorbemerkung

Wie in einem anderen Post schon dargelegt wurde, entspricht jede Simulation in oksimo einer vollständigen Theorie, allerdings mit interessanten Besonderheiten.

Das Hauptproblem des Themas ‚wissenschaftliche empirische Theorie‚ besteht darin, dass es hierzu sehr viele Stimmen gibt, aber bis heute gibt es dennoch nicht die eine klare, von allen akzeptierte Auffassung, was eine wissenschaftliche Theorie ist. Eine kleine Auswahl von Büchern aus dem Themenspektrum findet sich hier: [1]- [5], [6] – [8], [9] – [12a,b], [14], [15]. Ein wichtiges Teilthema des übergreifenden Themas ‚wissenschaftliche empirische Theorie‘ ist das Thema ‚Logik‚. Das Thema Logik umfasst eine Geschichte von mehr als 2500 Jahren. Entsprechend umfangreich ist die Literatur. [16] ist eine — von vielen — Darstellungen zur Geschichte und [17] – [19] sind drei von sehr vielen Darstellungen zu den neueren Kernkonzepten von Aussagen- und Prädikatenlogik. Durch die modernen metatheoretischen Entwicklungen zum Folgerungsbegriff gibt es mittlerweile im Prinzip nahezu unendliche viele Logiken, von denen aber nur wenige wirklich im Gebrauch sind.

Als Wissenschaftsphilosoph und Forscher in einer Person muss man sich daher in dieser Vielfalt seine eigene Meinung bilden, die sich im Alltag bewähren muss.

Im Denkansatz, der diesem Post zugrunde liegt, gehen daher sehr viele Strömungen ein, die eine klare Zuordnung zu einem bestimmten Ansatz nicht erlauben.

Was in diesem Post — hoffentlich — deutlich werden wird, ist dass das oksimo Paradigma einerseits mit dem Standardkonzept von Logik radikal bricht, dass aber dann doch — durch die ‚Hintertür‘ der ’normalen Sprache‘ und der alltäglichen sprachlichen Bedeutung — die Grundkonzepte der Logik dennoch verfügbar sind. Eine vollständige Erfassung der ‚oksimo Logik‘ ist aber noch nicht geleistet. Aktuell sieht es so aus, als ob nicht nur alles möglich ist, was in den bekannten Konzepten möglich ist, sondern noch erheblich mehr.

Einfache empirische Theorie – Grundannahmen

Trotz der Vielfalt der Anschauungen zu dem, was eine empirische Theorie ist, gibt es einige Kernkonzepte, die die meisten Anschauungen teilen, wenngleich unterschiedlich in den Details und Gewichtungen, da die Voraussetzungen unterschiedlich sind.

In diesem Post werden die Kernkonzepte im Kontext der vorausgesetzten Annahmen angegeben, in der Hoffnung, dass dadurch der ganze begriffliche Rahmen transparenter wird.

BILD 1: Annahmen zu impliziten Strukturen der symbolischen Kommunikation zwischen menschlichen Akteuren.

Von den vielfältigen Erscheinungsweisen zwischenmenschlicher Kommunikation werden hier nur drei Arten berücksichtigt, die im Kontext durchgängig vorkommen: externe Bildersprachen (Diagramme, Zeichnungen, Fotos, Videos, …), externe normale Sprachen sowie externe formale Sprachen. Von diesen drei Formen wird die normale Sprache als Normalfall angesehen und die beiden anderen Formen als Erweiterungen.

Externe Ausdrücke einer Sprache — egal ob Bild, normal oder formal — sind für sich genommen ohne jede Bedeutung. Erst durch eine aktive Korrespondenz zwischen externen Ereignissen und internen Symbolstrukturen können die externen Ausdrücke mit unterschiedlichen internen Wissensstrukturen und Wissensprozessen in Beziehung gesetzt werden. Ob dies tatsächlich geschieht und wie , dies hängt davon ab, (i) ob der betreffende Sprecher-Hörer die zugehörige Sprache gelernt hat, und wie er sie gelernt hat, und (ii) in welchem Kontext sich der Sprecher-Hörer gerade befindet. Dazu gehört fundamental eine Bedeutungsbeziehung μ, durch die eine Zuordnung zwischen Wissenselementen [C] und symbolischen Elementen [S] vorgenommen werden kann.[*] Mit S ⊆ C soll dann gelten: μ : S <—> C .

Ferner ist davon auszugehen, dass interne Strukturen und Prozesse überwiegend (mehr als 99%) unbewusst sind.

Einfache empirische Theorie – Intern und Extern

Nach diesen Vorüberlegungen ist vielleicht nachvollziehbar, dass die drei ‚Erscheinungsweisen‘ (Normalsprache, Bildsprache, Formale Sprache) wissenschaftlicher Rede grundsätzlich nur funktionieren können, wenn alle Beteiligten die jeweiligen Ausdrucksmengen durch gelernte Bedeutungsbeziehungen [μ] und gelernte Zuordnungsbeziehungen [τ] in hinreichend gleicher Weise verwenden. Und bei diesen zu unterstellenden Lernprozessen wird durchgehend gefordert werden müssen — wenn es um Fachsprachen im engeren Sinne gehen soll — dass die Verwendungssituationen, in denen die Bedeutung grundlegende trainiert wird, weitgehend standardisiert sind. Dies impliziert typische Kontexte. Neben diesen äußeren Strukturmerkmalen müssen aber auch die internen kognitiven Prozesse verfügbar und aktiv sein. Andernfalls bleiben die äußeren Merkmale einer Kommunikation bedeutungslos.

Empirische Beschreibungen

Sind alle die geforderten Bedingungen erfüllt, dann kann eine Gruppe von Experten [**] damit beginnen, sinnliche Wahrnehmungen einer gemeinsam geteilten beobachtbaren Welt als kognitive Gegebenheiten zu strukturieren, zu benennen, in Form von Beziehungsnetzen und Gesetzmäßigkeiten zu organisieren.

………

Eine empirische Theorie ist ein Text, der über einen bestimmten Ausschnitt der realen (beobachtbaren) Welt — dem Phänomenbereich — spricht. Dazu benötigt man unterschiedliche Mengen von Elementen, die in der Theorie behandelt werden sollen; eine minimale Menge von Relationen (Beziehungen) zwischen diesen Elementen; eine minimale Menge Axiomen; und letztendlich — wenngleich oft nicht explizit genannt — einen Folgerungsbegriff, der festlegt, wie man aus einer gegebenen Menge von wahren Aussagen wieder wahre Aussagen folgern/ ableiten kann. Diese gefolgerten wahren Aussage nennt man meistens Theoreme.

Im Folgenden wird das Beispiel einer ganz einfachen Theorie vorgestellt.

Als Phänomenbereich werden bestimmte Lebewesen untersucht, für die die Eigenschaften (1-stellige Relationen) ‚IstEinVogel()‚ und ‚KannFliegen()‚ vereinbart (durch Hinweis auf konkrete Beispiele). Die Zuordnung von Begriffen zu einer beobachtbaren Realität wird auch operationalisieren genannt: alle Beteiligten wissen dann, welche Form von beobachtbarer Realität mit den Ausdrücken gemeint ist.

Den beobachtbaren Objekten des Phänomenbereichs kann man auch eindeutige Namen zuordnen, z.B. durch Anbringen einer ‚Marḱierung‘ wie ‚N1′, “N223‘ usw. Alle mit Namen identifizierten Objekte bilden dann die endliche Menge der empirischen Objekte des Phänomenbereichs V_emp = {N1, N2, …, N223, …}.

Es wird hier angenommen, dass die Forscher für alle ihre benannten Objekte aus V_emp feststellen, dass bei ihnen die Eigenschaften ‚IstEinVogel()‚ und ‚KannFliegen()‚ durchgängig korrelieren, d.h. für jedes Objekt des Phänomenbereichs, für das gilt, dass es die eigenschaft hat, ein Vogel zu sein, gilt auch die Eigenschaft, dass es auch fliegen kann. Entsprechend der klassischen Logik könnte man dann Aussagen formulieren wie:

Wenn IstEinVogel(N1), dann KannFliegen(N1)

Aufgrund dieser Sachlage wird eine Arbeitshypothese gebildet der Art:

(A:x in V_emp)(Wenn IstEinVogel(x), dann KannFliegen(x))

In dieser Formel werden die konkreten Namen ersetzt durch eine Variable ‚x‘, die durch jeden konkreten Namen aus V_emp ersetzt werden kann, es gilt also: x ∈ V_emp

Wenn die Forscher mutig sind, dann wagen sie die Annahme, dass der bekannte Phänomenbereich V_emp nur ein Ausschnitt aus einem noch größeren Bereich ist, es also gilt:

V_emp ⊆ V

wobei die Elemente in V, die nicht in V_emp sind bislang noch nicht direkt beobachtet worden sind. Man nimmt aber an, dass es solche Objekte gibt und dass auf diese die beiden Eigenschaften IstEinVogel(x) und KannFliegen(x) zutreffen und dass auch für diese bislang noch nicht beobachteten Objekte der allgemeine Grundsatz gilt:

(A:x in V_emp)(Wenn IstEinVogel(x), dann KannFliegen(x))

Angenommen, man sieht eines Tages ein bislang noch nicht beobachtetes Objekt Nneu, auf das die Eigenschaft IstEinVogel(Nneu) zutrifft, und man erweitert die Menge V_emp um dieses neue Objekt, dann könnte man aus dem allgemeinen Grundsatz mittels der Ersetzungstabelle x ∈ V_emp die Aussage ableiten:

(x/Nneu) Wenn IstEinVogel(Nneu), dann KannFliegen(Nneu)

Da ja das Objekt mit Namen ‚Nneu‘ beobachtet wurde gilt die Aussage IstEinVogel(Nneu) als ‚wahr‘. Da mit folgt die andere Aussage KannFliegen(Nneu) auch als wahre Aussage.

Sofern man dann irgendwann beobachten kann, dass das als ‚Vogel‘ klassifizierte Objekt Nneu tatsächlich fliegen kann, ist der allgemeine Grundsatz für das neue Objekt bestätigt. Kommt man nach einiger Zeit aber zum gegenteiligen Eindruck, dass die Behauptung, dass Nneu fliegen könne, falsch sei, dann lässt sich die Behauptung nicht bestätigen; möglicherweise klassifiziert man das Objekt sogar als ¬KannFliegen(Nneu). Rein formal hat man dann einen logischen Widerspruch der Art

¬KannFliegen(Nneu) & KannFliegen(Nneu)

Damit wäre dann die allgemeine Annahme, dass alle Objekte aus dem Phänomenbereich V_emp, die die Eigenschaft haben, ein Vogel zu sein, auch fliegen können, widerlegt.

In der Realität gibt es ja Beispiele von Vögel (z.B. Vogel Strauß), die nicht fliegen können.

Die Methode, den empirischen Phänomenbereich V_emp nur über explizite Markierungen zu definieren, ist allerdings sehr aufwendig (wenngleich zuverlässig). Tatsächlich ist solch eine explizite Benennung ja nur möglich, weil alle beteiligten Forscher sich darauf einigen können, dass eine zuvor operationalisierte Eigenschaft IstEinVogel() erkennbar und entscheidbar ist. Denkbar wäre z.B. als Klassifikationskriterium dafür, dass man von einem Objekt sagt, dass es ein Vogel ist, wenn dieses Objekt zwei Flügel besitzt (HatZweiFlügel()). Dann könnte man einfacher sagen:

  1. Es gibt ein Objekt a, das zwei Flügel hat
  2. HatZweiFlügel(a)
  3. Ein Objekt, das zwei Flügel hat, ist ein Vogel
  4. (A:x)(Wenn HatZweiFlügel(x), dann IstEinVogel(x))
  5. Wenn HatZweiFlügel(a), dann IstEinVogel(a)
  6. IstEinVogel(a)

Dann könnte man für beliebige Objekte, für die man entscheiden kann, dass sie zwei Flügel haben, folgern, dass sie ein Vogel sind.

Einfache empirische Theorie mit oksimo

Nehmen wir nochmals das einfache Beispiel vom vorausgehenden Abschnitt:

<V, IstEinVogel(), KannFliegen(), „Alle Vögel können fliegen“, >

Die Frage stellt sich, wie man dieses mittels oksimo realisieren kann.

Klar ist, dass man in oksimo mit folgender Grundstruktur arbeitet:

< Ausgangslage [S0], Ziel [V0], Regeln [R], Simulator [Σ]>

Wir wissen, dass in oksimo der Simulator Veränderungsregeln R auf eine gegebene Situation S so anwenden kann, dass daraus eine Nachfolge-Situation S‘ gefolgert werden kann. Veränderungsregeln in oksimo haben das Format WENN C, DANN Änderung, genauer:

WENN Bedingung C erfüllt, DANN soll Eplus und Eminus gelten.

Dies kann bedeuten:

WENN Hans ist ein Vogel, DANN Hans kann fliegen

D.h. wenn in einem aktuellen Zustand S der Ausdruck ‚Hans ist ein Vogel‘ vorkommt, dann kann der Ausdruck ‚Hans kann fliegen‘ zu S hinzugefügt werden , also

S ={Hans ist ein Vogel}

S‘ = {Hans ist ein Vogel, Hans kann fliegen}

In dem vorausgehenden Beispiel einer einfachen klassischen empirischen Theorie wird mit Variablen gearbeitet, als z.B. ‚x‘. Diese Variablen stehen für alle möglichen Elemente der allgemeinen Menge V. Sofern definiert, kann man die Variablen durch Konstanten ersetzen, wie im Beispiel durch die Menge der Konstanten V_emp := {Hans, Peter, Emil, N2, M34, …}

Es stellt sich die Frage, ob und wie man in oksimo mit Variablen und Konstanten umgehen kann.

Regel R1: Wenn ‚X ist ein Vogel‘, dann ‚Hans ist ein Vogel‘

Regel R2: WENN ‚Hans ist ein Vogel‘, DANN ‚Hans kann fliegen‘

S ={X ist ein Vogel}

Mit R1:

S‘ ={X ist ein Vogel, Hans ist ein Vogel}

Mit R2:

S“ = {X ist ein Vogel, Hans ist ein Vogel, Hans kann fliegen}

Erweiterungen in oksimo:

Wenn ich eine Ersetzungsanweisung habe der Art:

X = {Hans, Peter, Emil, N2, M34}

Dann könnte ein Ausdruck wie

S ={X ist ein Vogel}

übersetzt werden in einen Ausdruck, wo das ‚X‘ durch ein Element aus der Ersetzungstabelle ersetzt wurde, also z.B.:

S‘ ={Hans ist ein Vogel, Peter ist ein Vogel, … }

ANMERKUNGEN

[*] Da interne symbolische Elemente letztlich auch Wissenselemente sind, können interne symbolische Elemente auch ‚mit sich selbst‘ korrelieren.

[**] In diesem Text wird angenommen, dass jeder Mensch ein Experte ist.

[1] Philosophy of Science, Wikipedia [EN]: https://en.wikipedia.org/wiki/Philosophy_of_science (9.Sept.2021)

[2] Lohse, Simon und Reydon, Thomas (Hg) (2017), Grundriss Wissenschaftsphilosophie. Die Philosophien der ‚Einzelwissenschaften.Felix Meiner Verlag, Hamburg.

[3] Jürgen Mittelstraß (Ed.), Enzylopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd.1-4, Publisher J.Metzler, Stuttgart – Weimar (Germany), 1995 – 1996

[4] Hans Jörg Sandkühler (Ed.), Enzylopädie Philosophie, Bd. 1-3, Publisher Felix Meiner Verlag, Hamburg (Germany), 2010. Stichworte ‘Wissenschaftsphilosophie‘ und ‘Wissenschaftstheorie‘ in Bd.3

[5] F. Suppe, editor. The Structure of Scientific Theories. University of
Illinois Press, Urbana, 2 edition, 1979.

[6] John Dewey, Logic. The Theory Of Inquiry, New York, Henry Holt and Company, 1938  (see: https://archive.org/details/JohnDeweyLogicTheTheoryOfInquiry with several formats; I am using the kindle (= mobi) format: https://archive.org/download/JohnDeweyLogicTheTheoryOfInquiry/%5BJohn_Dewey%5D_Logic_-_The_Theory_of_Inquiry.mobi . This is for the direct work with a text very convenient.  Additionally I am using a free reader ‘foliate’ under ubuntu 20.04: https://github.com/johnfactotum/foliate/releases/). The page numbers in the text of the review — like (p.13) — are the page numbers of the ebook as indicated in the ebook-reader foliate.(There exists no kindle-version for linux (although amazon couldn’t work without linux servers!))

[7] Karl Popper, The Logic of Scientific Discovery, First published 1935 in German as Logik der Forschung, then 1959 in English by  Basic Books, New York (more editions have been published  later; I am using the eBook version of Routledge (2002))

[8] Jules Henri Poincaré (1854 – 1912),https://en.wikipedia.org/wiki/Henri_Poincar%C3%A9,  La science et l’hypothèse, Paris 1902, English: Science and Hypothesis, New York 1905, publisher The Walter Scott Publishing CO., LTD (See wikisource: https://en.wikisource.org/wiki/Science_and_Hypothesis )

[9] Balzer, Wolfgang und Moulines, C.Ulises und Sneed, Joseph D. (Hg), (1987), AN ARCHITECTONIC FOR SCIENCE. The Sturcturalist Program. D.Reidel Publishing Company, Dordrecht et.al.

[10] Balzer, Wolfgang (1982), Empirische Theorien: Modelle, Strukturen, Beispiele. Friedrich Viehweg & Sohn, Braunschweig – Wiesbaden

[11] Ludwig, G. (1978). Die Grundstrukturen einer physikalischen Theorie. Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg – New York.

[12a] Bourbaki, N. (1970) ÉLÉMENTS DE MATHÉMATIQUE. Théorie des Ensembles. Verlag Hermann, Paris

[12b] Bourbaki, N. (1968) Theory od Sets. Hermann & Addison-Wesley, Paris

[13] Scheibe, Erhard (1997) Die Reduktion physikalischer Theorien. Ein Beitrag zur Einheit der Physik. Springer-VerlagBerlin Heidelberg GmbH

[14] Thomas S.Kuhn (1962), „The Structure of Scientific Revolution“, University of Chicago Press

[15] Kenneth Craik. The Nature of Explanation. Cambridge University Press, Cambridge (UK), 1 edition, 1943

[16] Kneale, William und Martha (1962, repr. mit Korrekturen 1986), The Development of Logic. Clraendon >Prsess, Oxford

[17] Hinst, Peter (1974), Logische Propädeutik. Wilhelm Fink Verlag, München

[18] Hilbert, D. und Ackermann, W. (1972, 6.Aufl.) Grundzüge der theoretischen Logik. Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg – New York

[19] Quine, Willard van Orman (DE 1969m EN 1964), Grundzüge der Logik.Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main

WELTMODELL – Sonderthemen

UNIVERSELLE PROZESSPLANUNG
18.Januar 2022 – 8.Febr. 2022
URL: oksimo.org
Email: info@oksimo.org

KONTEXT

Auf dieser Seite wird der Themenknoten ‚Sonderthemen‘ im Kontext des Themas Weltmodell. Das Thema ‚Weltmodell‘ ist Teil des oksimo.org Blogs.

INTENTION

Innerhalb der Systematik des Themas Weltmodells, das primär geographisch strukturiert ist, gibt es auch Teilaspekte, die sich mit einer rein geographischen Struktur schlecht fassen lassen. Beispiele für solche Sonderthemen sind Vorgehensweisen einzelner Fachdisziplinen. Zwar wäre es heute vielfach wünschenswert, wenn es transdisziplinäre Vorgehensmodelle geben würde, die es erlauben, dass unterschiedliche Fachdisziplinen zu einem Thema zusammenwirken, aber funktionsfähige transdisziplinäre Vorgehensmodelle sind kaum im Umlauf. Die Nutzung des oksimo-Paradigmas als Grundmodell einer empirischen Theorie bietet sich zwar als Prototyp eines solchen transdisziplinären Vorgehens an, ist aber bislang noch kaum bekannt. Es wäre daher hilfreich, dass in einzelnen Experimenten untersucht wird, wie sich eine bestimmte Fachperspektive — z.B. Kulturanthropologie oder Soziologie — unter Benutzung des oksimo-Paradigmas auf eine Problemstellung anwenden lassen: Geht es überhaupt? Wenn nein: warum nicht? Wenn ja: kann man mit dem oksimo-Paradigma möglicherweise für seine Fachdisziplin die Theoriefähigkeit steigern?

Diese Teilaspekte werden hier kumulierend als ‚Sonderthemen‘ behandelt. Geplant sind monatliche Aktualisierungen.

Die Autoren bzw. Autorinnen für das Thema ‚Sonderthemen‘ sind die folgenden:

  1. Athene Sorokowski (Schwerpunkt Kulturanthropologie)
  2. Philipp Westermeier (Schwerpunkt Soziologie)

Ausgangslage: Oksimo – Soziologie

UNIVERSELLE PROZESSPLANUNG
31.Jan.2022 – 14.Feb. 2022
URL: oksimo.org
Email: info@oksimo.org

Wissensbaum

Auf dieser Seite wird das Intro zu Soziologie und Oksimoparadigma gestartet.
Der übergeordnete Themenknoten Kollektive Mensch:Maschine Intelligenz [KM:MI] hat seinen Wurzelknoten im oksimo.org Blog.

Positionierung

Um eine (soziologische) Analyse durchzuführen, müssen erstmal einige theoretische Rahmen gesteckt werden. Dieser Text ist stark durch philosophischen Strömungen des Materialismus, Funktionalismus, des radikalen Konstruktivismus, der Phänomenologie und der (kybernetischen) Systemtheorie beeinflusst. Weil ich davon ausgehe, dass „alles“ konstruiert ist, weil „alles“ in diesem Text sprachlich gefasst wird, beginne ich an den radikalen Anfängen unseres eigenen Erkennens; dem Messen und Ordnen.

Zuerst wird der Begriff der Welt geklärt, anschließend mit funktionalen Systematisierungen zu Informationstransfer weiterentwickelt. An anderer Stelle dieses Blogs geht es um die Bedingungen der Hervorbringung von Bedeutung. Hier geht es um das Grundgerüst meines kognitiven Modells, welches ich auf mein Themengebiet „Oksimo und Soziologie“ anwenden möchte.

Vorwort zur Ordnung

Jedes Wort dieses Artikels ist das Ergebnis und die Methode von Konstruktionen. Die Aussagen, die in diesem Text stehen, sind Konstruktionen. Es kann in diesem sowie in jedem anderen Text keine Aussage über etwas anderes als Konstruktionen getroffen werden. Dies gilt für jede (soziologische) Theorie. Die Konstruktionen, die in diesem Text beschrieben werden, sind von der momentanen körperlichen Verfassung und der Konstruktionsfähigkeit des Autors abhängig. Werkzeugeigenschaften des Texts, des wissenschaftlichen Theorierahmens sowie des raum-zeitlichen Umweltkontexts, in dem der konstruierende Körper existiert, abhängig.

Ich gehe im allgemeinen von 4 Welten aus, der nicht-beschreibbaren Welt außerhalb von mir, von der ich nur 2(+1) Sachen mit Gewissheit weiß: Ich bin in dieser Welt und diese Welt ist so beschaffen, dass ich sie ordnen kann. Dass es mehr als ein Ordnungssystem gibt kann mir zwar sagen, dass ich nicht alleine ordne, dass es, da es andere Ordnungssysteme gibt, auch andere wie mich gibt, jedoch ist das kein notwendiger Schluss. Denn mein Ordnungssystem vergisst auch Dinge. Auch wenn ich ein Ordnungssystem vergesse, bleibt, solange ich lebe mindestens etwas, das wahrnimmt, ordnet, sich adaptiert. Ich bin, daher denke ich. Diese Aussagen, das was ich jetzt tue, ist mir nur dadurch möglich, dass ich die Verarbeitung der „Welt da draußen“ in einer bestimmten, hochgradig professionalisierten, kulturell vermittelten Art und Weise darstelle, re≤∞-rekonstruiere und in Symboik codiere.

Die Idee der Welten

Um meiner Sprache eine gedankliche Form, eine Richtung und eine Bedeutung zu geben, brauche ich System der Informationsstrukturierung. Ich entscheide mich für den Begriff Welt. Eine Welt ist eine Struktur zur Datenspeicherung und Datenspeicherung von Mess- und Ordnungsdaten. Ich beziehe mich in diesem Text auf die inneren und äußeren Welten des Homo Sapiens. Neben den eben erwähnten Eigenschaften einer Welt kommen weitere hinzu. Eine Welt hat ein der Welt typisches Messverfahren zur Datenerhebung und -strukturierung. So kann eine Welt Daten aus einer anderen erheben, aber nur durch das nachträgliche Ein-Ordnen in das eigene Ordnungssystem auswerten. Keine Welt kann in eine andere Welt blicken.

Abgesehen von Welt 0, die „reale Welt da draußen“ kann ich über jede Welt sprachliche Aussagen treffen. Ich kann zwar Welt 0 sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, erkennen, … , jedoch nicht benennen, was ich nur mit dem Wiederhall dieser Welt tun kann. Und aus dem Wiederhall werden zwei Welten, zwei dynamische Ordnungsstrukturen. Diese sind durch eine dritte Welt abstrahierbar und durch eine vierte Welt symbolisierbar.

Die Grundlage dieser Konzeption haben Gerd Doeben-Henisch und ich bei unserem Meeting am 08.02.22 im INM erarbeitet. Meinen Vorschlag, als grundlegende Theoriebildungsmethodik ein „Weltenmodell“ zu entwickeln, traf bei ihm einen Nerv. Zusammen haben wir über ein intrapsychisches, dynamisches, nicht-lineares Akteursmodell debattiert, in welchem billiarden parallele Datenverarbeitungsprozesse in diesen 4 Welten stattfinden. Messprozesse (Datengenerierung) und Markierungsprozesse (Datenverwaltung) erzeugen schließlich außerhalb der Welten „Spuren“, auf die sich diese Welten berufen können. Spuren sind einerseits Optimierungsverfahren des Datentransfers zwischen den Welten wie auch Hemmnisse bei notwendiger Neuanpassung. Spuren hemmen die kognitive Flexibilität aber beschleunigen und optimieren die Datenverarbeitungsprozesse eines Akteurs (Hier: Homo Sapiens).

  1. Die Welt auf die der Körper reagiert.
    Messung 1
  2. Die Welt, in dem der Wiederhall der ersten Welt aufgenommen und vorsortiert wird (Erste Folgerungen werden abgeleitet).
    a. Spuren zwischen 1 und Messung 2, die dem Körper als Markierungen dazu dienen, effizienter auf oft wiederkehrende Folgerungen zu reagieren.
    Messung 2
  3. Die Welt, die auf den Wiederhall mit einem Wiederhall reagiert (Reflexionen der Aussagen und dessen Bedingungen werden abgeleitet).
    Messung 3
  4. Die Welt, in welcher ein Wiederhall zu einer Abstraktion wird. (Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden geordnet und u.a. in verallgemeinerte Regelmäßigkeiten übersetzt).
    b. Spuren zwischen 3 und Messung 4, die zu Erinnerungen und Identität werden, Überzeugungen über Aussagen der Welten, die bei nicht zu starker Abweichung der erhobenen Daten keinen Überprüfungsprozess benötigen.
    Messung 4
  5. Die Welt, in der die Abstraktion zum Symbol wird (Die Codierung und das Framing der Abstraktionen, Synthese aus Welt 1-3 sowie reziprok gekoppelt sein an diese).
    

Die meisten dieser informativen Teilbereiche I-III kann der Homo Sapiens sprachlich eindeutig abstrahieren. Wobei die Qualität und Diversität der sprachlichen Abstraktion von dem schon Vorhandenen abhängt. Jede Aussage, die ein Homo Sapiens sprachlich tätigen kann, hat also folgende Anteile:


I. Prozessiver Informationsanteil
Aussagen über Objekte und Relationen
II. Reflexiv prozessiver Informationsanteil
Reflexive Aussagen über Objekte und Relationen
III. Semantischer Informationsanteil
Implizite oder explizite Aussagen über die Bedeutung einer Information
III. Virtueller Informationsanteil
Aussagen über bzw. angewendet als Abstraktionen sowie deren Repräsentationen

Mit anderen Worten: Mithilfe dieser Informationsanteile kann der Homo Sapiens Aussagen über die Verfasstheit seines genetischen Codes in Wechselwirkung zu seiner Umwelt eindeutig vornehmen. Die Exaktheit der Aussagen hängt unter anderem vom Vokabular und der Anwendungssituation(en) ab. Der virtuelle Informationsanteil ist das alleinige Charakteristikum der Sprache des Homo Sapiens.

EIN BLOG – KEIN BUCH

UNIVERSELLE PROZESSPLANUNG
26.Sept.2021 – 26.Sept. 2021
URL: oksimo.org
Email: info@oksimo.org

WISSENSBAUM

Dieser Text soll bewusst machen, dass das Format eines Blogs kein Zufall ist, sondern sich aus einem dynamischen Prozess ergibt, der noch keinen Endpunkt hat. Ein Blog ähnelt daher der Selbstbeschreibung eines laufenden Prozesses. [1] Der nächst höhere Themenknoten ist die Einstiegsseite  oksimo.org.

INHALTE

(Letzte Änderung: 26.Sept.2021)

Ein Buch kann man schreiben, wenn die Konturen des Gegenstandes einigermaßen festliegen. Befindet man sich in einem Prozess, bei dem viele Elemente einen dynamischen Charakter haben, und man möchte das Geschehen dennoch dokumentieren, dann bietet sich das Format eines Blogs an. Dann kann es passieren, dass ein Eintrag von einem früheren Datum sich zu einem späteren Zeitpunkt als nicht ganz zutreffend erweist. Einige verstehen dies als ‚Lernen‘ … Bücher ähneln daher ‚Konservendosen‘; ein Blog ist wie eine ‚Pflanze‘, die einem geheimnisvollen Bauplan folgend wächst; im Wachstum tritt der zunächst verborgene Bauplan langsam hervor … Pflanzen existieren übrigens auch niemals ‚alleine‘; sie sind Individuen einer größeren Gemeinschaft (Population). Während einzelne Pflanzen in einer sich verändernden Umwelt untergehen können, kann eine Population Vielfalt ausbilden und dadurch eher ‚überleben’… Die Wahrheit von Weltbildern kann sich nur im Laufe der Zeit entfalten, finden, bestätigen, im ständigen Austausch und Vergleich untereinander.

KOMMENTARE

[1] Die hier skizzierte Idee eines ‚dynamischen Blogs‘ ist natürlich überhaupt nicht neu. Eine sehr schöne Charakterisierung des Prozesses dahinter findet sich schon 1994 (EN: 1997) bei Pierre Lévy in seinem Buch ‚Collective Intelligence‘, hier in einer sehr langen Fußnote Nr.5 in der Einleitung unter dem Label ‚Knowledge Treee‘. Siehe HIER.