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WASSERPROJEKT – TAGEBUCH: KONFERENZ 19.SEPT 2022

(Letzte Änderung: 20.September 2022)

Kontext

Dieser Bericht ist Teil des Tagebuchs vom Wasser-Projekt.

Aufgabenstellung

Im Bericht von der Sitzung vom 5.September 2022 hatte es folgende Ergebnisfeststellung gegeben:

  1. Die Idee von Hugo mit dem Berliner Projekt ‘Gieß den Kiez’ [1] sollte in das Format unseres konkreten Vorgehensmodells eingepasst und dabei schrittweise in der Gemeinde Schöneck umgesetzt werden.
  2. Parallel soll ein übergreifendes Modell    am Beispiel der Wasserversorgung von Rhein-Hessen (80% Rheinwasser), von Frankfurt (ebenfalls x% Rheinwasser und y% Vogelsberg, z% ‘selbst’), und eben auch von Schöneck (Teil des Main-Kinzig Kreises) abbilden. Auch diese Modelle sind beliebig übertragbar.
  3. Wir gingen davon aus, dass wir bis zum Treffen am 3.Oktober (trotz Feiertag) erste Ergebnisse haben können.

Ergebnisse bis zum Treffen am 19.9.22

Dass Hugo an der Sitzung am 19.September nicht teilnehmen kann, erwies sich glücklicherweise als Fehlmeldung, er war da.

Die Aufgabe Nr.2 erwies sich überraschenderweise als schwer und nicht auf die Schnelle lösbar. Wie kann dies sein?

Bei dem Versuch, die Quelle // Julian Peters, “Wasserversorgung trotz Trockenheit: Wie geht das?“, “Rheinhessen geht das Trinkwasser nicht aus. Doch die Herausforderungen durch den Klimawandel sind immens, sagt Ronald Roepke, Chef der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz.” , Allgemeine Zeitung, 22.8.2022// ernst zu nehmen und zu analysieren, zeigte sich nach und nach, dass die im Artikel aufgeführten ‚Fakten‘ für die Erstellung einer Ausgangslage nicht ausreichen. Für die weiterführende Frage, welche ‚Veränderungen‘ sich identifizieren lassen, anhand deren man ‚Voraussagen/ Prognosen‘ als Arbeitshypothesen erstellen könnte, habe es keinerlei verwertbare Ansatzpunkte. Dies führt zu folgender grundsätzlichen Fragestellung:

Verlust an Wirklichkeit – Was tun?

Die Nicht-Verfügbarkeit von Daten (so die ersten Analysen) vor dem Hintergrund des schon zuvor festgestellten ‚Überfluss an inkompatiblen Daten‘ wirft die grundsätzliche Frage auf, ob die Idee des Wasserprojektes sich dann noch aufrecht erhalten lässt. Unsere übergreifende Aufgabenstellung lautet ja: am Beispiel der Frage nach dem Wasser wollen wir den modernen Begriff einer nachhaltigen empirischen Theorie im Kontext eines Konzeptes von Bürgerwissenchaft 2.0 illustrieren und dadurch seine Machbarkeit zeigen.

Die Vorteile einer voll funktionstüchtigen nachhaltigen empirischen Theorie sind vielfältig, setzen aber voraus, dass es (i) überhaupt Daten gibt, die Minimalanforderungen erfüllen, und dass es (ii) minimale Veränderungsfeststellungen gibt, anhand deren man Prognosen konstruieren kann. Falls Prognosen unmöglich sind, ist selbst eine minimale Skizzierung einer möglichen Zukunft unmöglich. Daten ohne minimale mögliche Zukunftshypothesen besitzen keine ‚Bedeutung‘; sie sind beliebig. Jeder kann sich denken, was er will, und keine Deutung ist falsch.

In die bisherige Liste von projektspezifischen Links haben wir schon einige Dokumente aus allen Organisationsebenen (Kommune bis Bund) aufnehmen können, auch viele Medienberichte; natürlich konnten wir noch nicht alle eingehend analysieren. Die bisherigen Eindrücke deuten aber darauf hin, dass keines dieser Dokumente (auch nicht jenes vom Bundesumweltamt) die Anforderung (ii) nach Veränderungsfeststellungen erfüllt, nicht einmal die Forderung (i) nach Fakten für die aktuelle Zustandsbeschreibung. Sollte sich dieser erste Eindruck weiter erhärten, dann müssten wir konstatieren, dass wir zwar immer mehr Dokumente haben (das ist die ’symbolische Wirklichkeit‘), dass wir aber in Verbindung mit den Dokumenten kaum eine Verankerung in der ‚empirischen Realität‘ so besitzen, dass diese Verankerung uns Zukunftsprognosen erlauben. Ein solcher Befund würde bedeuten, wir leben in einem gesellschaftlichen Zustand, den man als VERLUST AN WIRKLICHKEIT umschreiben müsste. Kein sehr beruhigender Gedanke.

Thema am Abend des 19.9.2022

Wir werden nicht umhin kommen, am Abend zu klären, was wir in dieser Situation tun können: Müssen wir schlicht ‚die Segel streichen‘, weil wir mit unseren geringen Ressourcen in absehbarer Zeit diesen Wirklichkeitsverlust nicht ausgleichen können, oder ergibt sich aus diesem Befund eine veränderte Aufgabenstellung, die Sinn macht, und die irgendwie leistbar ist. Möglicherweise müssten wir dann den ‚Zeithorizont‘ des Projektes deutlich erweitern.

Ergebnis der Sitzung am Abend des 19.September 2022

(Die gesamte Sitzung (wie auch alle vorausgehenden Sitzungen) wurde als Videomitschnitt aufgezeichnet. Auf eine Veröffentlichung dieser Videomitschnitte haben wir seit der Sitzung 5.9.22 wegen dem hohen Datenaufkommen aber verzichtet. Für Forschungszwecke stehen diese Aufnahmen aber zur Verfügung).

Die Sitzung (Hugo, Sven (in Präsenz im INM), Gerd (in Präsenz im INM)) verlief sehr konstruktiv. Hier zusammengefasst die Ergebnisse (in der Sicht von Gerd; Korrekturen möglich).

  1. Das Fehlen an geeigneten Daten für Bürger im öffentlichen Raum erscheint als gravierend.
  2. Wir deuten dies als ein tiefer liegendes kulturelles Problem, dass wir in unserer Deutschen Gesellschaft nicht gewohnt sind, weder ‚prognosefähig‘ zu denken noch in ‚Vernetzung von Faktoren‘.
  3. Wir sind uns aber einig, dass wir anhand konkreter Fragestellungen Problembeschreibungen des Alltags erstellen möchten, die dies können.
  4. Daraus haben wir folgende Anforderungen abgeleitet:
    1. Jeder Bürger soll Beschreibungen von Situationen verstehen können und sollte in der Lage sein, selber solche Beschreibungen entweder selbst zu erstellen oder in bestehende Beschreibungen seine Erfahrungen und sein Wissen mit einzubringen.
    2. Diese Beschreibungen sollen (i) für eine bestimmte Situation in einem bestimmten Zeitraum als ‚zutreffend‘ entscheidbar sein und (ii) diese Beschreibung sollte so beschaffen sein, dass man dazu auf verständliche Weise ‚Prognosen‘ für einen möglichen — oder mehrere mögliche — zukünftigen Zustand erstellen kann.
    3. Aus Sicht der Wissenschaftsphilosophie sollen diese Beschreibungen die Anforderungen einer überprüfbaren nachhaltigen empirischen Theorie erfüllen.
    4. Aus Sicht des Alltagsverstehens sollen diese Beschreibungen wie ‚Spiele‘ genutzt werden können: (i) Man hat eine Ausgangslage, (ii) man hat Spielregeln, (iii) man hat Erfolgskriterien (Gewinn/ Verlust), und (iv) man hat eine Spielanleitung, wie man das Spiel spielt. (v) Spiele kann man beliebig oft wiederholen. (vi) Durch Spielen kann man individuell und als Gruppe lernen.
  5. Wir haben uns entschieden, am Beispiel der ‚Gieß den Kiez‘-Projektidee von Hugo für die Gemeinde von Schöneck (übertragbar auf andere Gemeinden, auch im Verbund mit Berlin und Frankfurt) dieses Problem konkret weiter zu bearbeiten und dabei die Forderung der Wissenschaftsphilosophie und die Idee mit dem Spielcharakter (wird heute oft ‚Gamification‘ genannt‘) so umzusetzen, dass jeder Bürger sie verstehen und sich praktisch beteiligen kann, wenn er will.
  6. Wir sehen darüber hinaus in dem Gamification-Ansatz die Möglichkeit, über das ‚Spielen‘ eine anspruchsvollere Weise des Umgangs mit Wirklichkeit einzuüben, als unsere Kultur es bislang gewohnt ist.

Aufgrund konkreter Umstände werden im Oktober keine öffentlichen Projektsitzungen stattfinden. Die nächste öffentliche Sitzung ist am 1.Montag im November 2022 , also am 7.November 2022, 19:00 – 22:00h

Anwendung – Weltmodell: Weltmodell Idee

(Letzte Änderung: 15.September 2022)

KONTEXT

Diese Weltmodell-Anwendung mit Schwerpunkt ‚Weltmodell Idee‘ ist Teil des Themas Weltmodell-Anwendungen.

Weltmodell

Was ist ein Weltmodell?

In diesem Text wird unter einem Weltmodell eine sprachliche Beschreibung unserer Welt verstanden, in der alle die Faktoren vorkommen, von denen die Beteiligten glauben, dass sie ‚wichtig‘ sind. Dazu gehört, dass auch die wechselseitigen Beeinflussungen benannt werden und dass es einen Weg gibt, die zeitliche Entwicklung aller Faktoren sichtbar zu machen. Idealerweise sind die wichtigen Faktoren quantifiziert. Es muss ferner klar sein, unter welchen transparenten Bedingungen ein Modell überprüfbar getestet werden kann.

Welches Modell wird genommen?

Die Menge möglicher Modelle ist je nach Betrachtungsposition nahezu beliebig groß. In diesem Text soll versucht werden, einerseits Anregungen aus dem Modell des Club of Rome von 1972 [2],[4] (was von Forrester ursprünglich entwickelt worden ist, 1971, [1]) zu nehmen, andererseits sollen die Erkenntnisse aus der neueren Evolutionsforschung aufgegriffen werden, die in vielem über die ursprünglichen Club-of-Rome Modelle hinausgehen.[8],[8.1]

Zusätzlich sollen Erkenntnisse der neueren Wissenschaftsphilosophie dahingehend aufgegriffen werden, dass dem ‚Rahmen‘ der Modellerzeugung und Modellanwendung Beachtung geschenkt wird. Dieser erweiterte Anwendungsrahmen hat hier den Namen Bürgerwissenschaft 2.0 und umschließt das explizite Konzept einer ’nachhaltigen empirischen Theorie‘ mit angemessener ‚Computerunterstützung‘.[10],[11],[12]

Wie gehen wir vor?

Einerseits wird es eine Gruppe geben, die diese Ideen im INM vorantreibt und entwickelt. Andererseits wird es parallel interdisziplinäre Studierendenteams an der FUAS geben, die von Oktober 2022 bis Februar 2023 mit diesen Ideen experimentieren werden. Die Arbeit der im INM lokalisierten Gruppe wird öffentlich stattfinden und hier auf oksimo.org dokumentiert werden.

Welchen Nutzen kann diese Arbeit haben?

Sofern dieser Prozess kontinuierlich und öffentlich gelebt werden kann, können sich folgende Effekte einstellen:

  1. An Beispielen (von ganz einfach bis beliebig komplex) kann jeder sehen, was ein empirisches Modell ist, das zugleich eine Theorie ist, und wie man damit unser Bild von der Welt verbessern und auch überprüfen kann. Zugleich kann man sehen, wie solche Prozesse bewertet werden können.
  2. Insofern man Beispiele von Modellen hat, kann man diese auch auf konkrete Sachverhalte anwenden. Dabei entdeckt man sehr schnell, dass man bislang eigentlich viel zu wenig brauchbare Daten hat. Die Wasser-Anwendung in diesem Blog zeigt z.B., dass wir in Deutschland bislang ein echtes Probleme mit Daten haben; direkt gesagt: wir haben nicht wirklich brauchbare Daten!
  3. Anhand von Modellen und deren empirische Überprüfung kann man in direkten Kontakt mit anderen Bürgern kommen.

KOMMENTARE

[1] Jay W. Forrester (1971, 3.ed 1973), World Dynamics, Wright-Allen Press, Inc., 238 Main Street, Cambridge (MA)

[2] Donella H.Meadows, Dennis L.Meadows, Jørgen Randers, William W.Behrens III (1972), the limits to growth. A Report for THE CLUB OF ROME’S Project on the Predicament of Mankind, Universe Books, New York (NY)

[3] William L.Oltmans (1974), „Die Grenzen des Wachstums“. PRO UND CONTRA, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg

[4] Dennis L.Meadows, William W.Behrens III, Donella H.Meadows, Roger F.Nail, Jørgen Randers, Erich K.O.Zahn, (1974), Dynamics of Growth in a finite World, Wright-Allen Press, Inc., 238 Main Street, Cambridge (MA)

[4.1] Cesare Marchetti (vom IIASA, International Institute for Applied Systems Analysis, Laxenburg (bei Wien)) (1984) im Interview mit der UMSCHAU Redaktion, Heft 4, SS.149-150 „Grenzen des Wachstums – noch weit entfernt“

[4.2] Dennis Meadows (1984) im Interview mit der UMSCHAU Redaktion, Heft 4, SS.111-114, „Die Grenzen des Wachstums – 12 Jahre danach“

[5] Donella H.Meadows, Dennis L.Meadows, Jørgen Randers (5.Aufl.1992), Die neuen Grenzen des Wachstums, Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart (Original 1992: „Beyond the Limits“)

[6] Gerald O.Barney (from the Council on Environmental Quality and the Department of State) (1981, The Global 2000 Report to the President. Entering the Twenty-First century, Vol1+2, Blue Angel, Inc., Charlottesville (VA)

[7] Donella H.Meadows, Jørgen Randers, Dennis L.Meadows (2004), Limits to Growth. The 30-Year Update, Chelsea Green Pub lishing Company, White River Junction, Vermont

[7.1] Dennis Meadows im Interview mit Markus Becker von der Spiegel-Redaktion (2012), „Für eine globale Mobilmachung ist es zu spät. Das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ ist die Bibel der Umweltbewegung: In der Studie warnte Dennis Meadows vor 40 Jahren vor der Ausbeutung der Erde und dem Kollaps der Weltwirtschaft. Im Interview erklärt er, warum er mit seinen düsteren Vorhersagen recht behalten wird.

[8] Matthias Glaubrecht (2019, 2021), Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten., Penguin Random House Verlagsgruppe FSC N001967

[8.1] IPBES (2019): Global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. E. S. Brondizio, J. Settele, S. Díaz, and H. T. Ngo (editors). IPBES secretariat, Bonn, Germany. 1148 pages. https://doi.org/10.5281/zenodo.3831673

[9] Thomas Schmoll (6.9.2022), Ein Felsblock zur Rettung der Welt, ntv, https://www.n-tv.de/politik/Globale-Strategien-zur-Rettung-der-Welt-Club-of-Rome-legt-neuen-Bericht-vor-article23561941.html /* Vor 50 Jahren legte der Club of Rome seine epochale Studie über „Die Grenzen des Wachstums“ vor. Sie bildete den Beginn ökologischen Denkens in globalen Zusammenhängen und weit in die Zukunft hinein. Ihr Nachfolger setzt auf Forderungen, die als Utopien erscheinen. */

[10] UN. Secretary-GeneralWorld Commission on Environment and Development, 1987, Report of the World Commission on Environment and Development : note / by the Secretary-General., https://digitallibrary.un.org/record/139811 (accessed: July 20, 2022) (In einem besser lesbaren Format: https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/5987our-common-future.pdf ) Anmerkung: Gro Harlem Brundtland (ehemalige Ministerpräsidentin von Norwegen) war die Koordinatorin von diesem Report.

[11] Aya H.Kimura and Abby Kinchy (2016), Citizen Science: Probing the Virtues and Contexts of Participatory Research, Engaging Science, Technology, and Society 2 (2016), 331-361, DOI:10.17351/ests2016.099

[12] Weitere Informationen zum Konzept einer ’nachhaltigen empirischen Theorie‘ mit angemessener Computerunterstützung (und im Kontext einer Bürgerwissenchaft 2.0) findet sich in der Rubrik ‚oksimo-R Theorie‘

ANWENDUNG – WASSER

(Letzter Eintrag: 20.September 2022)

KONTEXT

Diese Wasser-Anwendung ist Teil des Themas Anwendungen.

Dies ist das Start-Logo des Wasserprojekts vom 18.Juli 2022

Video-Konferenz

Die nächste Konferenz findet am Montag, 7.November 2022, 19:00 statt. Weitere Details siehe HIER.

Alle Unterlagen

(Letzte Änderung: 19.September 2022)

Anwendungs Konzept

(Letzte Änderung: 13.September 2022)

KONTEXT

Dieser Beitrag ist teil des übergeordneten Themasa ANWENDUNGEN.

Inhaltsübersicht

  1. Bürger zusammen
  2. Zusammenfinden
  3. Kommunikation
  4. Worüber sprechen wir?
  5. Was trifft zu?
  6. Ausgangslage, ‚geerdet‘
  7. Veränderung
  8. Erste Prognosen
  9. Einschätzungen: Wollen wir das?
  10. Sollten wir etwas tun? Was?
  11. Alternative Szenarien durchspielen
  12. So kann eine Bewegung entstehen
  13. Zusammenfassung
    1. Von der Beobachtung zur Prognose (Schaubild)
    2. Vorwissen (Schaubild)

Bürger zusammen …

Im Verständnis von oksimo.org sind ‚Anwendungen‘ Produktionen von Bürgern, die zusammen versuchen, sich ein Bild von ihrer aktuellen Situation und möglichen Veränderungen zu machen: Was zeichnet unsere Situation aus? Was sind wichtige Faktoren, die die Situation beeinflussen? Worauf läuft das hinaus? Geht es uns in der Zukunft ‚besser‘ oder ’schlechter‘? Wer ist außer mir noch da, mit dem ich reden kann? Muss ich irgendwie aktiv werden? Was sollte ich tun? Mit wem kann ich das tun?

Zusammenfinden …

Was immer jemand tun will, er/sie/x wird andere finden müssen, die mitmachen wollen. Gemeinsamkeit ist die Wurzel jeder möglichen Veränderung. Damit dies geschieht, muss jeder erfindungsreich sein und ein bisschen aktiv werden. oksimo.org ist vielleicht eine solche Möglichkeit, wenn man will.

Kommunikation

Zusammen etwas erreichen, verlangt nach Kommunikation. Wenngleich es viele Möglichkeiten gibt, zu kommunizieren, ist die sprachliche Kommunikation letztlich unser stärkstes Mittel, um uns zu verständigen. Ideal ist, wenn alle Beteiligten die gleiche Sprache sprechen. In einer multikulturellen Gesellschaft ist dies nicht immer ganz einfach, aber letztlich wird man sich auf eine ‚Arbeitssprache‘ einigen müssen, auf die sich alle beziehen können. Am geeignetsten erweist sich hier die jeweilige ‚Muttersprache‘ der Beteiligten, oft auch ‚Alltagssprache‘ oder ’normale Sprache‘ genannt. In der heutigen Welt gibt es zusätzlich viele ‚Spezialsprachen‘, die die Technik und Wissenschaften hervorgebracht haben. Diese verstehen nur entsprechende ‚Spezialisten‘. Um ‚alle im Boot‘ zu haben sollte man auf solche Spezialsprachen zunächst verzichten und die ’normale Sprache‘ als ‚gemeinsame Sprache‘ wählen.[1]

Worüber sprechen wir?

Hat sich also irgendwie eine Gruppe von Menschen gebildet, die den Eindruck gewonnen haben, dass es Aspekte ihrer Welt (ein Thema, ein Problem, …) gibt, die sie gemeinsam haben, die sie ‚mehr als normal‘ beschäftigen, dann besteht die Herausforderung darin, genauer zu klären, was hat es mit diesen Themen auf sich (Wasser, Energie, Wohnen, Ernährung, Mobilität, Arbeit, Gesundheit, …).

Da bislang noch niemand in den Kopf eines anderen hineinschauen kann, wird es eine Phase geben müssen, in der sich alle Beteiligten sprachlich soweit austauschen, bis ihnen gemeinsam klar genug geworden ist, in welcher Lage (IST-Situation) sie sich befinden, welche Veränderungen sich andeuten, und worauf das Ganze hinaus zu laufen scheint. Vermutlich ist es dieser letzte Aspekt ‚Worauf läuft das Ganze hinaus?‘, welcher am meisten elektrisieren kann. Denn wenn z.B. sichtbar würde, dass wir in 1-2 Jahren nicht mehr genug Trinkwasser hätten, dann wäre das maximal katastrophal für alle (Menschen, Pflanzen, Tiere, …). Oder wenn klar würde, dass wir in den nächsten Jahren schlicht ‚zu wenig Energie‘ hätten, und diese dazu noch zu Preisen, die die meisten nicht bezahlen könnten, dann wäre dies genauso verheerend. Usw.

Also, das gemeinsame Sprechen ‚über die aktuelle Situation‘ wird erst dann fruchtbar werden, wenn sich darin ‚Veränderungen‘ erkennen lassen, und über diese Veränderungen dann ‚mögliche Prognosen für die Zukunft‘ ableitbar sind.

Was trifft zu?

Bevor man über eine mögliche Zukunft redet, muss man es erst mal schaffen, sich gemeinsam darüber zu verständigen, wie man dann die ‚gemeinsame Lage‘ sieht. Jeder, der schon mal versucht hat, dies mit anderen zu tun, wird schnell merken, dass dies nicht so einfach ist, wie man sich dies zunächst ausgemalt hat. Unsere natürlich Sprache ist ein wahres ‚Wunderwerkzeug‘, aber man kann mit jedem Werkzeug auch scheitern: man kann z.B. mit einem Hammer ziemlich daneben hauen, mit einem Kugelschreiber unleserlich schreiben, mit einer App ein Chaos anrichten, usw. So können wir mit unserer Sprache anderen ‚wahrheitsgetreu‘ berichten oder sie ‚anlügen‘, ‚Märchen‘ erzählen, einen Krimi schreiben, Gedichte verschenken oder ein Protokoll anfertigen, und vieles mehr. Also, die ‚Worte als solche‘ (die ‚Buchstaben‘ auf dem Papier, der ‚Sprachschall in der Luft‘) sind neutral, aber die ‚Bedeutungen‘, die wir ihnen ‚zuordnen‘, die entsteht in unseren Köpfen, (genauer: in unserem Gehirn), und diese ‚Bedeutungen‘ haben es in sich.

Jeder kennt das Allerweltsbeispiel dass das Wort ‚Bank‘ eine Gelegenheit meinen kann, sich hinzusetzen, oder etwa Geldgeschäfte abzuwickeln. Weniger offensichtlich sind unterschiedliche Bedeutungen, wenn im Alltag die eine von dem ‚Brief gestern‘ spricht, und unterstellt, dass der andere ja weiß, worum es geht, und der andere an eine ‚Rechnung‘ denkt, die gestern kam, sie aber an den Gruß von Familie Otto. Natürlich könnte man nachfragen „Welchen Brief meinst Du?“, dann würde sich die unterschiedliche ‚Bedeutungszuordnung‘ schnell aufklären, aber wenn jeder meint, ‚es sei doch klar‘ und deswegen nicht nachfragt, ist das spätere Erstaunen vorprogrammiert.

Noch schwieriger wird es, wenn wir von der ‚Flasche im Kühlschrank‘ sprechen, sich dort aber mindestens zwei Flaschen befinden. Welche von beiden ist gemeint? Im Alltag entscheiden wir solche Situation anhand von ‚wahrnehmbaren Eigenschaften‘ (Farbe, Form, Aufschrift, …). Wenn aber beide Flachen ‚grün‘ sind und dann auch noch die gleiche Form haben …. dann bleibt nur noch das ‚Hinzeigen‘ mit der Botschaft ‚diese da‘. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht, dass unsere Alltagssprache durchgehen mit ‚Allgemeinbegriffen‘ arbeitet, die fallweise durch zusätzliche ‚Eigenschaften‘ ’spezialisiert‘ werden. In Grenzfällen bleibt dann aber bisweilen nur das ‚direkte Zeigen’… oder es lässt sich aktuell nicht entscheiden, was ‚gemeint‘ ist.

Aus diesen einfachen Beispielen kann man aber schon zwei wichtige Grundprinzipien in er Nutzung unserer Alltagssprache herauslesen:

  1. In gemeinsam geteilten Situationen können Gesprächsteilnehmer sich durch Bezug auf die konkreten Eigenschaften einer Situation ‚im Normalfall‘ darüber verständigen, ob die ‚gemeinte Bedeutung‘, die die Teilnehmer mit einem ’sprachlichen Ausdruck‘ verbinden, in der aktuell gegebenen Situation im Rahmen der Alltagswahrnehmung ‚zutreffen‘ oder nicht. Philosophen würden in einer solchen Situation dann vielleicht sogar sagen, dass ein sprachlicher Ausdruck A von den Sprachteilnehmern als ‚wahr‘ bezeichnet wird, wenn jeder für sich zum Urteil kommt, dass die von jedem ‚intendierte Bedeutung B‘ als ‚zutreffend‘ bezeichnet wird. Niemand kann zwar ’sehen‘ welche konkrete Bedeutung B der jeweils andere ‚in seinem Kopf‘ hat, aber er bildet pragmatisch die ‚Deutungshypothese‘, dass der andere wohl die gleiche Bedeutung B ‚im Kopf‘ hat, wie er selbst. Ganz sicher kann er natürlich nicht sein. Folgen weitere Situationen, in denen eine ‚Übereinstimmung‘ durch Bezugnahme auf konkrete Aspekte einer Situation sich ‚wiederholen‘, dann wird sich die Überzeugung bei den meisten verfestigen, dass man das gleiche ‚meine‘.
  2. Fehlt eine gemeinsam geteilte Situation, hat also jeder ’nur‘ seine jeweilige ‚intendierte Bedeutung‘ in seinem Kopf, dann können sprachliche Ausdrücke von einem zum anderen zwar jeweils ‚gelernte Bedeutungen‘ im Kopf der anderen ‚hervorrufen‘, aber keiner der Beteiligten kann zweifelsfrei klären, ob der andere tatsächlich auch die Bedeutung im Kopf hat, wie er/sie/x selbst.

Die Klärung von ‚gemeinten Bedeutungen‘ in den Köpfen der Beteiligten wird umso schwieriger, je ‚abstrakter‘ die Bedeutung eines Wortes ist. ‚Alltagsnahe‘ Begriffe wie ‚Auto‘, ‚Tasse‘, Tisch‘, Haus‘ usw. lassen sich zwar mit Bezug auf eine konkrete Situation meistens soweit klären, dass ein ‚Zutreffen‘ auf eine reale Gegebenheit ‚entscheidbar‘ ist, aber je abstrakter eine Bedeutung wird (‚Sitzgelegenheiten‘, ‚Fahrzeuge‘, ‚Fortbewegungsmittel‘, ‚Trinkgefäße‘, ‚Behälter‘, …) um so aufwendiger kann ein Verständigungsprozess werden. Solange ein Bezug zu einer konkreten Situation hergestellt werden kann (Behälter –> Flaschen –> Wasserflasche –> Wasserflasche im Kühlschrank …) kann es funktionieren, wenn aber sprachliche Ausdrücke benutzt werden, die ‚vom Alltag weiter entfernt‘ sind (‚Liebe‘, ‚Demokratie‘, ‚Landkreis‘, ‚Bevölkerung‘, ‚Sprache‘, ‚Freiheit‘, …) wird es zunehmen schwieriger, diese in der ‚erfahrbaren Realität‘ zu verankern. Jeder mag sich zwar bei solchen sprachlichen Ausdrücken trotzdem ‚irgend etwas‘ noch ‚für sich vorstellen‘, ob diese eigenen Vorstellungen dann aber mit jenen im Kopf eines anderen Menschen ‚irgend etwas‘ gemeinsam haben, das ist eine offene, meist nur aufwendig entscheidbare Frage.[2]

Ausgangslage, ‚geerdet‘

Wenn es eine Gruppe schafft, eine gemeinsame Situation mit Hilfe von normaler Sprache so zu beschreiben, dass alle Beteiligten darin ‚übereinstimmen‘, dass der gemeinsame Text auf die Situation ‚zutrifft‘, dann kann die Gruppe diesen Text als ihre Beschreibung einer ‚Ausgangslage‘ zu einem bestimmten “Zeitpunkt‘ (oder, etwas ungenauer: in einem bestimmten ‚Zeitfenster‘ z.B. 20.8.2022 – 23.8.2022) akzeptieren. Normalerweise bildet solch eine Situationsbeschreibung nur einen Ausschnitt der ganzen Wirklichkeit ab, da man ja nur solche Aspekte beschreiben will, die die Gruppe für ihre Interessen als ‚relevant‘ einstuft. Aufgrund der Übereinkunft, dass der Text der Situationsbeschreibung ‚zutrifft‘, kann man auch etwas ‚blumiger‘ sagen, dass dieser Text ‚geerdet‘ ist; er besitzt eine Verankerung in der gemeinsam erfahrbaren Alltagswelt.[3]

Veränderungen

Die Beschreibung eines Augenblicks — oder eines begrenzten Zeitraums — mag im Detail aufschlussreich sein, aber ‚für sich genommen‘ ist jede Momentaufnahme ’statisch‘. Anders gesagt „Es tut sich nichts“. Nur mit Blick auf einen Moment, einen Augenblick, auf ein JETZT, ist unsere Erkenntnis über die uns umgebenden Welt (und wie Menschen gehören dazu) sehr eingeschränkt.

Spannend wird es erst, wenn wir mehrere Augenblicke beschreiben, die ‚zeitlich‘ aufeinander folgen. Eben war es trocken, jetzt regnet es. Eben führte mein Fußballverein 2:0, jetzt steht es plötzlich 2:2. Noch vor einer Woche war die Wiese grün und saftig, jetzt ist alles gelb, vertrocknet. Vor einem Jahr war der Pegel des Brunnes noch bei Marke -3 m, dieses Jahr ist er plötzlich bei -5 m …. Es sind diese Veränderungen im Alltag, die mögliche Hinweise auf Faktoren liefern können, die auf unsere Situation ‚einwirken‘ und sie ‚verändern‘.[4]

Allerdings, Veränderungen werden nur dann sichtbar, wenn wir unsere Beschreibungen ‚erden‘, sie möglichst ’nah am beobachtbaren Alltag‘ orientieren. Wenn eine Gruppe schreibt „Am 2.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ grün“ mit der Bemerkung, wir haben sie gesehen und fotografiert, und diese Gruppe schreibt zu einem späteren Zeitpunkt „Am 20.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ vertrocknet“ ebenfalls mit der Bemerkung, wir haben sie gesehen und fotografiert, dann sind dies nicht nur ‚irgendwie zwei sprachliche Ausdrücke‘, sondern diese sprachlichen Ausdrücke ‚repräsentieren‘ für alle Beteiligten sprachliche Bedeutungen in den Köpfen der Mitglieder der Gruppe, die berichten, dass diese sprachlichen Bedeutungen in ihrer wahrnehmbaren Umgebung zutreffen. Und da die Bedeutung vom Ausdruck am 2.August anders ist als die Bedeutung vom 20.August liegt hier eine Veränderung vor.

Aufgrund unseres Alltagswissens wissen wir, dass die Pflanzen einer Wiese Wasser benötigen und genau dieses Wasser bei hohen Temperaturen ohne Regen knapp wird; man könnte die Situationsbeschreibung daher beispielsweise auch so erweitern, dass man sagt:

Situation 1:

Am 2.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ grün.

Die Sonne scheint mehr als 8 Stunden pro Tag.

Die Temperaturen liegen über 33 Grad.

Es regnet nicht.

Situation 2:

Seit dem 2.August hat es nicht geregnet.

Die Temperaturen lagen die ganze Zeit bei über 30 Grad.

Am 20.August 2022 ist die Wiese vom Acker Müller in XYZ vertrocknet.

Bei dieser Sachlage gibt es als ‚Neuigkeit‘, dass die Wiese jetzt vertrocknet ist während sonst anderen Faktoren (Temperatur, Regen) ‚gleich‘ geblieben sind.

Daraus lässt sich auf eine erste einfache Weise die Hypothese formulieren, dass eine grüne Wiese, bei gleichbleibend hohen Temperaturen über 30 Grad und ohne Regen vertrocknet.

Eine solche einfache Hypothese wird niemanden besonders beeindrucken, aber dieses einfache Beispiel macht dennoch das allgemeine Schema sichtbar, wie wir aufgrund von Veränderungen im Alltag — falls wir sie wahrnehmen! — auf Zusammenhänge aufmerksam werden können, die uns sonst möglicherweise entgehen, und es sind gerade solche Veränderungen, die Hinweise auf solche Faktoren liefern können, die auf eine aktuelle Situation einwirken.

Erste Prognosen

Also, eine Beschreibung einer Situation für einen bestimmten Zeitraum zu erstellen, in dem sich — aus Sicht der Beobachter — nichts Nennenswertes verändert hat, die von allen Beteiligten als ‚zutreffend‘ bezeichnet wird, ist nicht selbstverständlich, aber führt uns für das Verstehen einer möglichen Zukunft noch nicht sehr weit.

Gibt es hingegen mehrere solche ‚zutreffenden‘ Situationsbeschreibung aus verschiedenen — zeitlich aufeinander folgenden — Situationen, und man entdeckt zwischen diesen Beschreibungen ‚Veränderungen‘, dann können diese Veränderungen Anhaltspunkte für Veränderungen in der beobachteten — als real unterstellten — Situation sein.

Schließt man sich der Sichtweise des späten Karl Popper an (siehe [4.1], [4.2]) und tut das, was eigentlich jeder im Alltag tut, nämlich zu ‚vermuten‘, dass diese beobachteten Veränderungen mögliche ‚Hinweise auf mögliche realen Faktoren‘ sein können, deren reale Wirkungen sich im Format dieser beobachteten Veränderungen manifestieren. Solche Vermutungen kann man dann in Form einer ‚Hypothese‘ formulieren, die dann den Ausgangspunkt für eine ‚Prognose‘ bilden kann.

Wenn ich — siehe den vorausgehenden Abschnitt — beobachte, dass eine grüne Wiese nach einer bestimmten Zeit ohne Regen und unter hohen Temperaturen verwelkt, gelb wird, abstirbt, dann kann ich per ‚Vermutung‘ [5] einen Zusammenhang herstellen zwischen den Phänomenen ‚Kein Regen‘ und ‚Temperaturen über 30 Grad‘ einerseits und dem Phänomen ‚Wiese verwelkt‘ andererseits. Salopp formuliert: „Wenn eine grüne Wiese über x Tage kein Regen bekommt und über y Tage über 30 Grad Temperatur herrscht, dann wird die Wiese verwelken.“ Verwendet man diese Vermutung dann aktiv als ‚Hypothese‘, dann kann man die ‚Prognose‘ wagen, dass jede grüne Wiese unter den genannten Bedingungen verwelken wird.

Wenn man dann aufgrund anderer zutreffender Beschreibungen zusätzlich weiß, dass die Temperaturen in einer bestimmten Region über viele Monate sehr hoch sein werden und dass es zusätzlich fast keinen Regen geben wird, dann kann man diese Informationen mit der neuen Hypothese verknüpfen und voraussagen, dass alle grünen Wiesen in der besagten Region verwelken werden. Bauern mit Viehhaltung verlieren dadurch die Möglichkeit, über die Wiesen Futter für den Winter zu gewinnen und zu speichern. Dies vermindert das verfügbare Futter und zwingt den Bauer, stattdessen woanders die entsprechende Menge von Futter zu kaufen (falls es überhaupt genügend gibt!). Dies wiederum erhöht seine ‚Produktionskosten‘ für Milch.

Man kann erkennen, dass (i) zutreffende Beobachtungen, festgehalten in Texten, dazu (ii) Erkenntnisse von Veränderungen im Beobachtungszeitraum, zu (iii) Vermutungen führen können, die Hypothesen ermöglichen, mit denen man (iv) erste Prognosen wagen kann, die eine erste grobe Orientierung über eine mögliche nahe Zukunft liefern können. Die Frage ist, ob die Bauern der betroffenen Region dann überhaupt so schnell reagieren können.

Einschätzungen: Wollen wir das?

Verfügt man über Prognosen, die einen Blick in eine mögliche Zukunft — oder gar in viele alternative mögliche Zukünfte — erlauben, dann können sich alle, die von dieser möglichen Zukunft betroffen sind, darüber Gedanken machen, was sie von dieser sich andeutenden Zukunft halten. Erscheint die sich andeutende Zukunft ‚positiv‘ (in welchem Sinne positiv?) oder ’negativ‘ (in welchem Sinne negativ?)? Alle Betroffenen können sich dann Gedanken machen, ob sie auf diese Perspektive reagieren wollen, und wenn ja: wie. Sich wegducken, nichts tun, kann in vielen Fällen verheerend sein. Wenn sich z.B. anhand der verfügbaren Daten andeutet, dass eine große Stadt in Deutschland (eigentlich nicht nur eine große Stadt) in nur wenigen Jahren (3-5?) 70% (oder gar mehr) weniger Trinkwasser haben wird als 2022, dann würde das auf eine kommende Katastrophe hindeuten.

Sollten wir etwas tun? Was?

Schafft es eine Gruppe von Menschen, über erste Beobachtungen, Veränderungsfeststellungen, Hypothesen und Prognosen soweit zu kommen, dass sich bei ihr der Eindruck verfestigt, dass sie als Gruppe etwas tun sollte, dann stellt sich natürlich immer die Frage, was man denn tun sollte und was man denn von dem ‚gesollt Gewollten‘ tatsächlich auch tun kann. Hier einige Ansatzpunkte, an denen man anknüpfen kann/ sollte:

  1. In der Regel stellen sich im Bereich der Berichte oft viele Fragen zu den verfügbaren Beschreibungen. Die Daten von Behörden können ‚fragmentarisch‘ sein, nicht wirklich ‚transparent‘, ‚veraltet‘, oder gar ‚lückenhaft‘. Wichtige unterstützende Gesetze ‚fehlen gänzlich‘ oder passen nicht wirklich zum Problem.
  2. Verfügbare politische Programme oder Planungsdokumente von Landkreisen, Regierungsbezirken, Landesministerien, einschlägigen Behörden fehlen oder sind unvollständig oder bieten keine klaren, belastbaren Prognosen.
  3. Die verschiedenen politischen Ebenen und Behörden können wenig koordiniert sein.
  4. Bekannte Ergebnisse aus den Wissenschaften werden zu wenig berücksichtigt.
  5. Die Bedürfnisse von Bürgern vor Ort finden zu wenig Beachtung.
  6. Wichtige gesellschaftliche Bereiche (Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Handwerk und Industrie, usw.) werden zu wenig berücksichtigt.
  7. Die Vernetzung der unterschiedlichen Faktoren ist zu wenig erkennbar, wird zu wenig in Rechnung gestellt.

Vor diesem Hintergrund könnte es sinnvoll sein, die allgemeine Datenbasis durch direkte Interaktion mit den verantwortlichen Stellen zu verbessern; diese dann öffentlich für alle verfügbar zu machen; und über eine bessere Vernetzung der Faktoren und bessere Prognosen für alle Betroffene wichtige Zukunftsszenarien herzustellen, anhand deren alle Betroffenen eine bessere Einschätzung gewinnen können als bisher.

Alternative Szenarien durchspielen

Vielleicht erkennt der Leser anhand dieser Überlegungen, dass die Fähigkeit, mit allen relevanten Daten und Faktoren solche Hypothesen/ Prognosen bilden zu können, dass wahrscheinliche Zukunftsszenarien sichtbar werden, der Schlüssel ist für einen verantwortlichen Umgang mit der Zukunft.

Wer es mit Nachhaltigkeit ernst meint, der wird um die Möglichkeit und Fähigkeit nicht herumkommen, belastbare Zukunftsszenarien hochrechnen zu können. Diese werden aus verschiedenen Gründen niemals eine ‚exakte Voraussage‘ sein können, aber als ‚Hilfsmittel des gemeinsamen Nachdenkens‘ über eine nachhaltige Zukunft sind sie alternativlos.

So kann eine Bewegung entstehen

Wenn es einer Gruppe von Menschen — oder vielen, die sich vernetzen — gelingt, öffentlich belastbare Daten und Hypothesen für eine bestimmte Region zusammen zu tragen, so dass jeder nachvollziehen kann, wie diese Daten zustande kommen, so kann dies sehr wohl die ‚Keimzelle‘ für eine Bewegung von Bürgern werden, die zusammen mit anderen ihre Erfahrungen und ihr Wissen für das gemeinsame Ganze einbringen möchten.

Analog zu Wikipedia, und doch darüber hinausgehend, können Bürger von überall her Wissens-Fragmente als Theorie-Fragmente beisteuern, die sich beliebig simulieren und beliebig zu größeren Fragmenten vereinigen lassen…. und so entsteht oksipedia.org: das Wissen von allen, als ein riesiges Netzwerk von Teil-Theorien, die dann doch als eine Theorie funktionieren können.[6]

ZUSAMMENFASSUNG

Skizze des Ablaufmodells von der zutreffenden Beobachtung über Veränderungen, Hypothesen, dann Prognosen zu einem möglichen zukünftigen Szenario. Daran anknüpfend die Frage: wollen wir das? Wenn wir das nicht wollen, dann haben wir hier die Gelegenheit zum zielgerichteten politischen Handeln…

Am Beispiel grüner Wiesen im Vogelsberg, die nach einer gewissen Zeit verwelken und schließlich verdorren, kann man durchspielen, dass begleitende Faktoren, wie mangelnder Regen und hohe Temperaturen, als Ursachen hypothetisch angenommen werden können. Mit diesen Hypothesen könnte man dann Prognosen wagen, die für alle Bauern mit grünen Wiesen voraussagen, dass und ab wann sie für ihre Tiere Futter hinzukaufen müssten (falls es überhaupt woanders Futter gibt, und zu welchen Preisen?), dazu aufwendig Wasser besorgen müssten (woher?), um die Tiere am Leben zu erhalten. Mit den vertrockneten Wiesen eines Jahres würde ca. 50% des gesamten Futters ausfallen, was dann im Winter fehlt. Wo soll das dann herkommen, und zu welchem Preis?

Vorwissen

Beim Durchlaufen des Wissensprozesses von der Beobachtung über Veränderungen zu Hypothesen und Prognosen kann jeder feststellen, dass in allen Phasen das mit hineinspielt, was oft ‚Vorwissen‘ genannt wird: all das, was wir bis zum Beobachtungszeitpunkt und während der Hypothesenbildung schon alles ‚wissen‘. Im Fall des Wassers gibt es z.B, mehr oder weniger klare ‚Vorstellungen‘ darüber, wie das ‚Klima‘ zusammenhängt mit Temperaturen und Niederschlägen, diese wiederum irgendwie mit Oberflächengewässern, Versickerungen im Boden, Grundwasser, Quellen und Brunnen. ‚Irgendwie‘. Dann haben wir Vorstellungen darüber, wie Wälder, Felder, Wiesen, Tiere und Menschen Zugang zu Wasser haben. ‚Irgendwie‘. Dann wissen wir — irgendwie — wie Landwirtschaft Wasser nutzt, die privaten Haushalte, die verschiedenen Gewerbe, die Industrie, hier speziell die Energieerzeuger…. Vorwissen ist im Alltag überlebensnotwendig. Leider kann es auch ‚falsch‘ sein; schwierig wird es, wenn das Vorwissen die Form des ‚Vor-Urteils‘ hat; dann will man in der Regel nicht wirklich wissen, sondern sich vor Wissen ’schützen’…

Ausgehend von dem vorausgehenden Wiesen-Beispiel: Würde wir aufgrund unseres ‚Vorwissens‘ weitere Faktoren in diese Überlegungen einbeziehen, wie z.B. das Versiegen vieler Quellen und Brunnen im Vogelsberg, die dazu führen, dass die Bauern ihr Vieh nicht mehr normal tränken können, dann müsste man sich zusätzlich fragen, warum z.B. eine Stadt wie Frankfurt durch ihre langjährige Wasserentnahme im Vogelsberg dort das Wasser verschwinden lässt, selbst aber bislang nichts tut, um Wasser zu sparen. In wenigen Jahren wird es auch für Frankfurt kein Trinkwasser mehr geben, und was dann?

KOMMENTARE

[1] WISSENSCHAFTSPHILOSOPHIE: Wissenschaftsphilosophisch setzt jede ‚Spezialsprache‘ die normale Sprache als ‚Meta-Sprache‘ voraus. Die scheinbare ‚Beschränkung‘ auf die Normalsprache ist daher nicht wirklich eine Beschränkung. Jede Spezialsprache ist hingegen eine Beschränkung. Wurde eine Spezialsprache als Erweiterung der Normalsprache eingeführt, gehört sie letztlich auch zur Normalsprache. In der Praxis des Sprachgebrauchs behält man aber meistens die Abgrenzung einer Spezialsprache zu allen anderen Sprachen bei.

[2] FORMALE SPRACHEN: Um den Verwicklungen normal sprachlicher Bedeutungen zu entgehen, begannen die moderne Logik und Mathematik zum Ende des 19.Jahrhunderts — und im Gefolge davon auch wissenschaftliche Disziplinen — sogenannte ‚formale Sprachen‘ zu benutzen. In einer formalen Sprache lassen sich die ‚formalen Ausrücke‘ ‚rein formal‘, ohne Bezug auf eine konkrete Bedeutung, so konstruieren, dass ‚in den meisten Fällen‘ ‚entscheidbar‘ ist, ob der Ausdruck ein ‚zulässiger Ausdruck‘ in der formalen Sprache ist. In komplexen Fällen (die entstehen im Bereich des Formalen sehr schnell), ist dies aber ohne Zuhilfenahme eines Hilfsmittels (z.B. Computer) rein praktisch kaum entscheidbar (bzw. theoretisch sogar teilweise ‚unentscheidbar‘). Möchte man auch im Zusammenhang von formalen Sprachen Bedeutungen verwenden, wie wir sie im Kontext der normalen Sprache kennen, dann müssen solche ‚Bedeutungszuordnungen‘ separat, extra vorgenommen werden. Sieht man von ‚Pseudo-Bedeutungszuordnungen‘ ab, die wiederum aus formalen Konstrukten bestehen, muss eine Bedeutungszuordnung zur ‚realen Alltagswelt‘ mit Hilfe von normaler Sprache in eigenen Prozessen ‚hergestellt‘ werden. Dies ist sehr aufwendig und führt bei ‚anspruchsvollen‘ empirischen Theorien (wie z.B. der Physik) genauso zu Bedeutungsproblemen wie in der Normalsprache.

[3] MESSEN: Neben den alltäglichen Verfahren, wie man sich darauf einigt, ob eine Aussage in der aktuellen Situation ‚zutrifft‘ oder nicht, gibt es auch solche Verfahren, die wir als ‚Messen‘ kennen. Für diese Messverfahren hat man besondere Vereinbarungen getroffen. Sei X die Sache/ Eigenschaft, die ‚gemessen‘ werden soll, dann braucht man beim offiziellen Messen eine ’speziell vereinbarten Referenzsachverhalt‘ Y, so dass man X mit Y ‚vergleichen‘ kann. Zusätzlich ist festgelegt, wie man die Vergleichsoperation konkret vornehmen muss. Bekannt sind z.B. das Längenmaß ‚Meter [m]‘ (X ist 3 m lang), das ‚Kilogramm [kg]‘ (X wiegt 3.3 kg), usw. Diese vereinbarten Maße sind mittlerweile weltweit vereinbart. In jedem Land gibt es dazu eine Behörde, die über die Korrektheit der Referenzsachverhalte wacht. In Deutschland ist dies die Physikalisch-Technische Bundesanstalt: https://www.ptb.de/cms/ .

[4] Der Rückschluss von einzelnen Ereignissen auf eine ‚verborgene Gruppe von wirkenden Faktoren‘ wird ausdrücklich in einigen Arbeiten des späten Karl Popper diskutiert. Siehe [4.1], [4.2]

[4.1] Gerd Doeben-Henisch, 2022, „(SPÄTER) POPPER – WISSENSCHAFT – PHILOSOPHIE – OKSIMO-DISKURSRAUM„, , URL: https://www.cognitiveagent.org/2022/02/22/popper-wissenschaft-philosophie-oksimo-paradigma/

[4.2] Gerd Doeben-Henisch, 2022, „POPPER: FRÜH – MITTEL – SPÄT. Empirische Theorie„, URL: https://www.cognitiveagent.org/2022/03/13/popper-frueh-mittel-spaet-empirische-theorie/

[5] VERMUTUNGEN erscheinen hier als ‚kreative Akte‘ unseres Denkens, das im Gehirn stattfindet. Kreative Akte sind schwer planbar, kaum voraussagbar, aber sie bilden den Ausgangspunkt für mögliche wichtige neue Erkenntnisse.

[6] VISION: Unter der Rubrik ‚Vision‘ gibt es eine erste Beschreibung einer oksipedia.org-Vision; dies ist sicher noch nicht die letzte Version. Möglicherweise muss der ‚Entwicklungsprozess‘ von oksimo.org noch eine Weile voranschreiten, bis die Vision hinrechend greifbar wird.

WASSERPROJEKT – THEORIEN: Nr.2 – Konkretes Teilprojekt: Baum-Projekt

(Letzte Änderung: 8.September 2022)

Kontext

Dieser Text ist Teil des Themas Wasser – Theorie Nr.2

Theorie – Konkretes Teilprojekt: Baum-Projekt

Entsprechend der Absichtserklärung von der Sitzung am 5.September 2022 hat Hugo folgende erste Skizze erstellt:

Hi,

wie am Montag besprochen, möchte ich eine erste (draft-)Version meines Themas „Begrünung der Gemeinde“ auf Basis unseres Modells zur Diskussion bereit stellen,

den Arbeitstitel habe ich „Grüne Freunde“ genannt.

+++

Region: Gemeinde Schöneck (Hessen)

Zeitraum: 2003 – dato

Beobachtung

Die Begrünung in der Gemeinde insbesondere mit Bäumen ist im Vergleich mit anderen Gemeinden in anderen Regionen Deutschlands verbesserungswürdig: es gibt noch „viel Luft nach oben“.

Zustand (…subjektiv – muss noch mit entsprechenden Fakten/Daten belegt werden):

  1. In vielen Straßen gibt es wenig bis gar keine Bäume.
  2. Der Baumstand ist überwiegend kleinwüchsig und (relativ) jung.
  3. Baum-Alleen gibt es nicht.
  4. Einige neu gepflanzte Bäume sind abgestorben und wurden nicht ersetzt.
  5. Neu-Bepflanzungen mittels Klima-resistenter Bäume findet nicht statt.
  6. An vielen Feldrändern fehlt eine Begrünung.
  7. Die Bewässerung der Bäume ist nicht transparent.
  8. Ganz offensichtlich und visuell erkennbar leiden aber einige Bäume unter zu wenig Wasser.
  9. Eine Bewässerung auf Basis von Baum-Patenschaften ist nicht vorhanden.

Veränderung:

  1. seit dem Jahrhundert-Sommer in 2003 haben wir vermehrt Hitzewellen, die in sehr kurzen Abständen immer wieder kehren, zuletzt in diesem Sommer-2022.
  2. Damit einhergehende Dürren bzw. Wassermangel bringen vielfältige negative Auswirkungen mit sich: vermindertes Pflanzenwachstum, Ernteeinbruch, Baumsterben etc.
  3. Das unzureichende Vorhandensein an Bäumen zusammen mit ihrem teilweisen Absterben führt zu weiterer Erhitzung in der Gemeinde und Verschlechterung der Luftqualität durch weniger CO2-Absorption.

Hypothesen:

  1. Eine vermehrte Begrünung führt zu einer Verminderung von unerwünschten Klimaeinflüssen/-schäden.
  2. Eine effiziente Bewässerung der Pflanzen steigert die Begrünung der Gemeinde.
  3. Die Nutzung einer Geo-map, die die Bepflanzung / den Baumbestand abbildet, unterstützt nachhaltig  eine effiziente Bewässerung und damit die Begrünung der Gemeinde.

Prognosen:

Durch eine intensivere Begrünung der Gemeinde insbesondere durch Bäume

  1. wird eine Abkühlung der sommerlichen Temperaturen auf den Strassen/Plätzen erreicht
  2. die Luftqualität durch mehr Sauerstoffbildung und eine gesteigerte CO2-Absorption verbessert
  3. die Lebensqualität i.S.v. Wohlbefinden der Bewohner erhöht
     
  4. Durch eine effiziente Bewässerung wird Wasser gespart und die Begrünung intensiviert

Zukünftiges Szenario:

  1. Wir haben x% mehr Bäume in der Gemeinde.
  2. Bei Neu-Bepflanzung werden klima-resistentere Pflanzen/Bäume genutzt.
  3. In den Strassen xyz wurde eine Bepflanzung mit Bäumen vorgenommen.
  4. Der Altbestand wird erhalten und besonders gepflegt.
  5. Wir haben Baum-Alleen.
  6. Die Pflege der Begrünung/Bäume erfolgt u.a. durch die Nutzung einer Geo-map
  7. …Abbildung des Baumbestandes inkl. Attributen
  8. …Vergabe von Patenschaften
  9. …Reporting über Zustand
  10. …Planung von Aktivitäten (->Bewässerung, Bepflanzung etc.)
  11. Die Bewässerung wird effizient und nachhaltig betrieben.
  12. Daten und Informationen zum Wasserhaushalt sind ebenfalls in der Geo-map abgebildet.

+++

Happy to discuss

Hugo

KOMMENTARE

[1] Webseite des Berliner Projektes ‚Gieß den Kiez‘: https://smart-city-berlin.de/projektliste/project-detail?tx_news_pi1%5Bnews%5D=1904&cHash=bf441e55d19a0be687467f8a13cc4c1b

[2] Für eine ausführlichere Erklärung siehe die Rubrik ‚Anwendungen‘ der oksimo.org Webseite: https://www.oksimo.org/anwendungen/

WASSERPROJEKT – THEORIEN: Nr.2 – Beispiel eines übergreifenden Modells

(Letzte Änderung: 8.September 2022, 17:23h)

Kontext

Dieser Text ist Teil des Themas Wasser – Theorie Nr.2

THEORIE – Startkonfiguration Nr.2

Übergreifendes Modell

Das Theoriebeispiel Nr.2 besteht aus zwei Komponenten. Hier wird ein übergreifende Modell  am Beispiel der Wasserversorgung von Rhein-Hessen (80% Rheinwasser), von Frankfurt (ebenfalls x% Rheinwasser und y% Vogelsberg, z% ’selbst‘), und eben auch von Schöneck (Teil des Main-Kinzig Kreises) beschrieben. Dieses Modell ist im Prinzip auch auf andere Regionen übertragbar.

Konstruktion eines ersten Modells

Das Theorieschema hat die beiden Hauptdimensionen ZEIT und REGION. Innerhalb der Region gibt es KONZEPTE, die ausgehend von konkreten empirischen Bedeutungen bis hin zu beliebig abstrakten Bedeutungen reichen. Die abstrakten Bedeutungen müssen allerdings eine Beziehung — möglicherweise über ‚Zwischenbedeutungen‘ — zu konkreten empirischen Bedeutungen aufweisen. Die Zeit ist als Folge von ‚gleich breiten‘ ZEIT-INTERVALLEN organisiert. Ein Zeitintervall zeichnet sich dadurch aus, dass in diesem Intervall keine Veränderung festgestellt wird.

‚Befüllen‘ eines Theorie-Schemas

Das Theorie-Schema geht von folgenden Annahmen aus:

  1. Wir können unsere (empirischen) ‚Wahrnehmungen‘ von Welt in einer ‚zeitlichen Abfolge‘ organisieren.
  2. Wir können unsere Wahrnehmungen anhand von ‚unterscheidbaren Eigenschaften‘ (Formen, Farben, Gerüchen, Geräuschen, Tastempfindungen, …) strukturieren.
  3. Wir können Eigenschaften so erfassen, dass sie — nicht bei allen — als ‚räumlich und zeitgleiche zusammenhängende Gebilde‘ (‚Objekte‘) erscheinen.
  4. Wir können Objekte — nicht bei allen — als Teil eines ‚drei-dimensionalen Raumes‘ erfassen, auf die sich ‚räumliche Beziehungen‘ (oben, unten, links, rechts, benachbart, …) anwenden lassen
  5. Wir können im Vergleich von zeitlich aufeinanderfolgenden Zuständen (begrenzt) ‚Veränderungen‘ von Eigenschaften der Objekte erkennen.
  6. Bei mehrfachen Veränderungen können wir ‚typische Veränderungssequenzen‘ erkennen.

Diese Überlegungen sollen jetzt anhand eines konkreten Beispiels überprüft werden. Dazu wird ein Text genommen, der bestimmte Sachverhalte berichtet.

Datenquelle Nr.1

Julian Peters, „Wasserversorgung trotz Trockenheit: Wie geht das?„, „Rheinhessen geht das Trinkwasser nicht aus. Doch die Herausforderungen durch den Klimawandel sind immens, sagt Ronald Roepke, Chef der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz.“ , Allgemeine Zeitung, 22.8.2022

Hier eine Liste von Begriffen, deren Bedeutung relevant erscheinen:

  1. Region: Rheinhessen-Pfalz
  2. Guntersblumer Rheinufer
  3. Uferfiltrat-Anlage
  4. Trinkwassergewinnung
  5. Oberfläche des Rheins 
  6. heißer Sommer
  7. Trockenheit
  8. Wasserstand des Flusses
  9. aktuell niedrige Pegelstände
  10. 230.000 Menschen bekommen Wasser
  11. auch schon 2018 (niedriger Wasserstand Rhein)
  12. sinkende Grundwasserspiegel
  13. Klimawandel
  14. V: Seit 2002 geht die Grundwasserneubildung deutlich zurück
  15. V: in ganz Rheinland-Pfalz um 25 Prozent
  16. V: Es fehlt der Regen, der den Grundwasserstand wieder auffüllt.
  17. V: In Rheinhessen ist der Rückgang wegen geringem Niederschlag und höheren Temperaturen sogar noch größer.
  18. P: Und die Prognosen sagen, dass sich an dieser Entwicklung nichts ändern wird
  19. Dabei trifft der sinkende Grundwasserspiegel auf eine steigende Wasser-Nachfrage, bedingt durch Bevölkerungswachstum, mehr Hitzetage, mehr Pools aber auch durch Gewerbeansiedlungen und verstärkte landwirtschaftliche Beregnung.
  20. grundsätzlich ist ausreichend Trinkwasser vorhanden
  21. In Rheinhessen sind wir in Sachen Wasser recht gut aufgestellt, weil wir den Rhein als robuste Wasserquelle haben
  22. Wir betreuen rund 2500 Kilometer Leitungsnetz und 95 Hochbehälter, da kann natürlich immer etwas ausfallen.
  23. Aktuell gewinnen wir unser Wasser zu drei Prozent aus Quellen, zu 15 Prozent aus Grundwasserbrunnen und zu 82 Prozent aus unseren Uferfiltratanlagen in Bodenheim und Guntersblum, wobei Guntersblum den mit Abstand größten Anteil hat
  24.  In den zehn Anlagen in Guntersblum wird zu 90 Prozent Uferfiltrat, das von der Rheinsohle durch das Gestein in die 60 Meter tiefen Brunnen läuft und zehn Prozent Land-Grundwasser gefördert, insgesamt bis zu elf Millionen Kubikmeter im Jahr.
  25. Perspektivisch erwarten wir, dass wir aus Quellen gar kein Wasser mehr gewinnen werden, aus Grundwasserbrunnen nur noch 70 Prozent der heutigen Menge. Die entstehenden Lücken müssen die Uferfiltratanlagen schließen.
  26. Mittelfristig wollen wir nördlich der bestehenden Anlagen eine „Nordgalerie“, unter anderem mit zehn weiteren Uferfiltratbrunnen bauen.
  27. Wir brauchen eine viel höhere Geschwindigkeit bei der Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen.
  28. Wir stehen vor der Herausforderung, unsere Substanz, das Leitungsnetz und die Hochbehälter, zu erhalten. Wir müssen mit Kostensteigerungen umgehen und spüren auch bei uns die Auswirkungen des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels.
  29. Zwischen 2015 und 2018 haben wir die Preise stabil gehalten, seitdem sind sie moderat gestiegen. Nun jedoch machen uns einige Kostentreiber zu schaffen: Die allgemeine Inflation, große Kostensteigerungen im Tiefbau, Steigerungen bei Löhnen und Gehältern und ganz besonders die Explosion der Energiepreise. Wir benötigen viel Strom für den Betrieb der Brunnen und der Pumpen, die das Wasser durch das Leitungsnetz transportieren. Alleine für das Jahr 2023 erwarten wir zwei Millionen Euro zusätzliche Kosten für Strom, und das bei einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro. Die Tendenz für den Wasserpreis zeigt daher weiter nach oben.
  30. Als Versorger müssen wir uns mit unseren Kapazitäten jedoch nicht am durchschnittlichen Bedarf, sondern immer am Maximalbedarf orientieren. Das müssen wir finanzieren. Wir haben ein Speichervolumen von 83.000 Kubikmetern, während an einem heißen Sommertag bis zu 55.000 Kubikmeter Wasser verbraucht werden. Darauf müssen wir uns einstellen. Dies wird durch verschiedene Faktoren erschwert, etwa die Nutzung von Zisternen, auch wenn diese natürlich ökologisch sinnvoll sind. Bleibt im Sommer der Regen aus, fallen die Zisternen trocken und wir müssen deren Nutzer zusätzlich zur steigenden Nachfrage mit Wasser beliefern. 

— Noch nicht fertig !!! —

WASSERPROJEKT – THEORIEN: Nr.2

 (Letzte Änderung: 8.September 2022)

Kontext

Dieser Text ist Teil des Themas Wasser – Theorie. Liste von Theorien

THEORIE – Startkonfiguration Nr.2

Aufgrund der bisherigen Diskussionen wurde das bisherige Schema zum Erstellen einer Theorie äußerlich abgeändert. Die Grundidee findet sich im folgenden Schaubild.[2]

Eine Gruppe von Bürgern wendet sich gemeinsam einem Thema zu. Jeder bringt zu diesem Zeitpunkt ein individuelles ‚Vorwissen‘ mit. Dieses ist zu Beginn untereinander nicht bekannt und meistens heterogen und vielfach ‚diffus‘. Dennoch ist dieses Vorwissen nicht umgehbar. Man muss damit anfangen, auch wenn man es im weiteren Verlauf möglicherweise partiell abändern wird. Mit Blick auf ein gewähltes Thema wird man dann — mit Unterstützung des Vorwissens — versuchen, für eine bestimmte Region und für verschiedene Zeitpunkte, ‚zutreffende Situationsbeschreibungen‘ zu erstellen (oder von anderen zu bekommen). Ziel dieser Aktion ist es, im Bereich dieser Situationsbeschreibungen ‚Veränderungen‘ zu entdecken. Lassen sich Veränderungen feststellen, dann können diese den Ausgangspunkt für mögliche ‚Hypothesen‘ bilden, die ‚Wirkzusammenhänge‘ zwischen Faktoren andeuten (z.B. die Wirkung von anhaltend hohen Temperaturen und Wassermangel auf den Zustand von Weidewiesen). Hat man Hypothesen gefunden, dann kann man diese dazu nutzen, ‚Prognosen‘ zu wagen. Mittels Prognosen kann man versuchen, Umrisse möglicher ‚Zukunftsszenarien‘ zu zeichnen. Sobald sich solche möglichen Zukunftsszenarien abzeichnen, gewinnt man mögliche Anhaltspunkte für das eigene Entscheiden: Ist man mit diesen sich abzeichnenden Zukunftsszenarien ‚einverstanden‘ oder ‚lehnt man sie ab‘?

ERSTE ZIELE

(Siehe die Sitzung vom 5.September 2022)

  1. Die Idee von Hugo mit dem Berliner Projekt ‚Gieß den Kiez‘ [1] sollte in das Format unseres konkreten Vorgehensmodells eingepasst und dabei schrittweise in der Gemeinde Schöneck umgesetzt werden.
  2. Parallel soll ein übergreifendes Modell   formuliert werden  am Beispiel der Wasserversorgung von Rhein-Hessen (80% Rheinwasser), von Frankfurt (ebenfalls x% Rheinwasser und y% Vogelsberg, z% ’selbst‘), und eben auch von Schöneck (Teil des Main-Kinzig Kreises).

Übergreifendes Modell

(Letzte Änderung: 8.September 2022)

Siehe HIER.

Konkretes Teilprojekt: Baum-Projekt

(Letzte Änderung: 8.September 2022)

Siehe HIER.

WASSERPROJEKT – TAGEBUCH: KONFERENZ 5.SEPT 2022

(Letzte Änderung: 6.September 2022)

Kontext

Dieser Bericht ist Teil des Tagebuchs vom Wasser-Projekt.

SITZUNG 5.September 2022, 19:00 – 21:00

Programmentwurf für die Sitzung am 5.September 2022

Aufgabenstellung

In einer Email vom 4.Sept.2022 schrieb Gerd über den Email-Verteiler der Wasserliste:

Ich behaupte jetzt mal: Die Nebel lichten sich. Wie? Eine Antwort in einigen Punkten (für Philosophie- und Theorie-Interessierte verweise ich auf die neue Fassung der Rubrik ‚Anwendungen‘ (https://www.oksimo.org/anwendungen/) von oksimo.org):

  1. Wir befinden uns in einer Problemkonstellation, die groß genug ist, dass sie von niemandem zur Zeit ‚einfach mal so‘ erledigt werden kann. Wer immer was tun will, es wird zu Beginn unausweichlich nur ein Fragment des Ganzen sein.
  2. Will man sich davon nicht entmutigen lassen, muss man den ‚Mut zum Fragment‘ haben. Und wenn man nicht nur einen Schritt machen will, sondern möglicherweise mehrere (oder gar viele), dann lassen sich mehrere (viele) Fragmente entwickeln, die man zu einem größeren Ganzen zusammen fügen kann, ein Ganzes, was immer weiter wachsen kann.
  3. Beim Durchmustern der vielen Beiträge auf unserer oksimo-wasser Link-Liste (https://www.oksimo.org/wasser-links/ ) bin ich zu er Arbeitshypothese gelangt, dass wir ruhig mit einem Dokument (oder Video) beginnen sollten, das schon eine etwas größere Perspektive vermittelt (ohne dass wir damit sagen, dass das alles stimmt, was wir da vorfinden).
  4. Ausgehend von dieser Startkonfiguration sollten dann parallel zwei Richtungen verfolgt werden: (i) die Startperspektive sollte nach und nach mit immer mehr anderen Dokumenten verglichen werden (z.B. den verschiedenen Wasserplänen von Kommunen, Kreisen, Regierungsbezirken, Ländern und Bund); (ii) Je nach behandelter Region sollte dazu nach der konkreten Situation von Bürgern (oder auch anderen Verbrauchern!) gefragt werden.
  5. Da die Dokumente, die ich bislang einsehen konnte, vielfältige Fragen einfach offen lassen, würde so ein ‚Vergleich‘ vermutlich zu einer intensiven öffentlichen Interaktion mit den jeweiligen Verantwortlichen (auf der oksimo.org Plattform) führen.
  6. Bei dem Verfolgen des Projektes könnten sich spontan ganz unterschiedliche Koalitionen zwischen Bürgern bilden, um Klärungen oder Aktionen voran zu bringen.

Vorgeschlagene Quellen zum Start

  1. Julian Peters, „Wasserversorgung trotz Trockenheit: Wie geht das?„, „Rheinhessen geht das Trinkwasser nicht aus. Doch die Herausforderungen durch den Klimawandel sind immens, sagt Ronald Roepke, Chef der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz.“ , Allgemeine Zeitung, 22.8.2022
  2. Sven Plöger und Rolf Schlenker, „Die Alpen und wie sie unser Wetter beeinflussen“, „Meteorologe Sven Plöger und Wissenschaftsjournalist Rolf Schlenker erklären, wie die Alpen als Taktgeber für unterschiedlichste Wetterphänomene auch im Flachland wirken. Wie Hitzerekorde, Trockenperioden, Saharastaub und Starkregen, Föhnstürme und Orkanböen entstehen. Mit welchen Strategien Alpentiere überleben; wie das evolutive Gedächtnis von Alpenpflanzen funktioniert. Und welche Ideen es vor Ort gibt, mit denen wir dem Klimawandel entgegentreten können“, Herausgeber: ‎Malik; 3. Edition (26. Mai 2022)
  3. PETER BADENHOP, Interview mit Meteorologen Andreas Friedrich, „Das ist die chaotische Natur der Atmosphäre“, „Die Dürre dieses Sommers ist in der Rhein-Main-Region besonders ausgeprägt. Der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach erklärt die Zusammenhänge von Großwetterlagen, Jetstream und Topograf, FAZ, 05.09.2022, S.31

Ergebnis des Abends

Nach der Begrüßung und einer kleinen Vorstellungsrunde wurde eine kurze Beschreibung der aktuellen Situation mit den Augen von Gerd gegeben. Da alle Beteiligten sich der Einschätzung anschlossen, gingen wir direkt zur Frage des weiteren Vorgehens über. Anhand der Darstellung aus der Rubrik ‚Anwendungen‘ — insbesondere mit Hilfe des letzten Schaubildes dort — ergab sich schnell eine Übereinkunft folgendes zu tun:

  1. Die Idee von Hugo mit dem Berliner Projekt ‚Gieß den Kiez‘ [1] sollte in das Format unseres konkreten Vorgehensmodells eingepasst und dabei schrittweise in der Gemeinde Schöneck umgesetzt werden.
  2. Parallel soll ein übergreifendes Modell    am Beispiel der Wasserversorgung von Rhein-Hessen (80% Rheinwasser), von Frankfurt (ebenfalls x% Rheinwasser und y% Vogelsberg, z% ’selbst‘), und eben auch von Schöneck (Teil des Main-Kinzig Kreises) abbilden. Auch diese Modelle sind beliebig übertragbar.
  3. Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Treffen am 3.Oktober (trotz Feiertag) erste Ergebnisse haben können.

Umsetzung im Theorie-Beispiel Nr.2

Wer wissen will, was aus diesen Absichten wird, ist eingeladen, die Seiten zum Theoriebeispiel Nr.2 anzuschauen

KOMMENTARE

[1] Webseite des Berliner Projektes ‚Gieß den Kiez‘: https://smart-city-berlin.de/projektliste/project-detail?tx_news_pi1%5Bnews%5D=1904&cHash=bf441e55d19a0be687467f8a13cc4c1b