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ANFANGEN: Sprache und Strukturen – Die Fiktion eines ‚Seins‘

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 6.November 2022 – 31.Januar 2023, 19:15h)

Email: gerd@oksimo.org

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“. Man kann diesen Text lesen als Fortsetzung des Textes ‚Die Innenseite der Außenseite. Teil 2‘.

‚Transiente‘ Ereignisse und Sprache

Nachdem wir uns in der biologischen Zell-Galaxie ‚Mensch‘ soweit vorgearbeitet haben, dass wir ihre ‚Strukturiertheit‘ feststellen können (ohne ihre Entstehung und genaues Funktionieren bislang wirklich zu verstehen), und uns selbst als Zell-Galaxie dann doch — dem Augenschein nach — als ‚konkreten Körper‘ vorfinden, der mit der ‚Umgebung des eigenen Körpers‘ (oft auch ‚Außenwelt‘ genannt) zweifach ‚kommunizieren‘ kann: Wir können auf verschiedene Weise ‚Wahrnehmen‘ und wir können auf verschiedene Weise ‚Wirkungen‘ in er Außenwelt hervorbringen.

Für die ‚Koordinierung‘ mit anderen menschlichen Körpern, insbesondere zwischen den ‚Gehirnen‘ in diesen Körpern, scheint die Fähigkeit zu ‚Sprechen-Hören‘ bzw. dann auch zu ‚Schreiben-Lesen‘ von höchster Bedeutung zu sein. Schon als Kinder finden wir uns in Umgebungen vor, in denen Sprache sich ereignet und wir ‚lernen‘ sehr schnell, dass ’sprachliche Ausdrücke‘ sich nicht nur auf ‚Gegenstände‘ und deren ‚Eigenschaften‘ beziehen können, sondern auch auf flüchtige ‚Handlungen‘ (‚Peter steht vom Tisch auf‘) und auch sonstige ‚flüchtige‘ Ereignisse (‚die Sonne geht auf‘; ‚die Ampel wurde gerade rot‘). Es gibt auch sprachliche Ausdrücke, die sich nur partiell auf etwas Wahrnehmbares beziehen wie z.B. ‚der Vater von Hans‘ (der gar nicht im Raum ist), ‚das Essen von gestern‘ (was nicht da ist), ‚ich hasse Dich‘ (‚hassen‘ ist kein Gegenstand), ‚die Summe von 3+5‘ (ohne dass es irgendetwas gibt, was wie ‚3‘ oder ‚5‘ aussieht), und vieles mehr.

Wenn man versucht, diese ‚Phänomene unseres Alltags‘ ‚mehr‘ zu verstehen, kann man auf viele spannende Sachverhalte stoßen, die u.U. mehr Fragen erzeugen als sie Antworten liefern. Alle Phänomene, die ‚Fragen‘ hervorrufen können, dienen eigentlich der ‚Befreiung unseres Denkens‘ von aktuell falschen Bildern. Dennoch sind Fragen wenig beliebt; sie beunruhigen, strengen an, …

Wie kann man diesen vielfältigen Phänomenen näher kommen?

Schauen wir uns einfach einige Ausdrücke der ’normalen Sprache‘ an, die wir in unserem ‚Alltag‘ benutzen.[1] Im Alltag gibt es vielfältige Situationen, in denen wir uns   hinsetzen (Frühstück, Büro, Restaurant, Schule, Uni, Empfangshalle, Bus, U-Bahn, …). In einigen dieser Situationen sprechen wir z.B. von ‚Stühlen‘, in anderen von ‚Sesseln‘, wieder in anderen Situationen von ‚Bänken‘, oder auch einfach von ‚Sitzgelegenheiten‘. Vor einer Veranstaltung fragt vielleicht einer „Gibt es genügend Stühle?“ oder „Haben wir genügend Sessel?“ oder … In der jeweiligen konkreten Situation können es ganz unterschiedliche Gegenstände sein, die z.B. als ‚Stuhl‘ durchgehen würden oder als ‚Sessel‘ oder … Dies deutet darauf hin dass die ‚Ausdrücke der Sprache‘ (die ‚Laute‘, die ‚geschriebenen/ gedruckten Zeichen‘) sich mit ganz unterschiedlichen Dingen verknüpfen können. Es gibt hier keine 1-zu-1 Zuordnung. Bei anderen Gegenständen wie z.B. ‚Tassen‘, ‚Gläsern‘, ‚Tischen‘, ‚Flaschen‘, ‚Tellern‘ usw. ist es nicht anders.

Diese Beispiele deuten darauf hin, dass es hier  eine ‚Struktur‘ zu geben scheint, die sich in den konkreten Beispielen zwar ‚manifestiert‘, selbst aber ‚jenseits der Ereignisse‘ verortet ist.[2]

Versucht man dies ‚gedanklich zu sortieren‘, dann deuten sich hier mindestens zwei, eher drei ‚Dimensionen‘ an, die ineinander spielen:

  1. Es gibt konkrete sprachliche Ausdrücke — jene, die wir als ‚Worte‘ bezeichnen –, die ein ‚Sprecher-Hörer‘ benutzt.
  2. Es gibt unabhängig von den sprachlichen Ausdrücken ‚irgendein Phänomen‘ im Alltag, auf das sich der ‚Sprecher-Hörer‘ mit seinem sprachlichen Ausdruck bezieht (das können ‚Gegenstände‘
    sein, ‚Eigenschaften‘ von Gegenständen, …)[3]
  3. Der jeweilige ‚Sprecher‘ bzw. ‚Hörer‘ hat ‚gelernt‘, zwischen dem ’sprachlichem Ausdruck‘ und dem ‚Anderen  zum sprachlichen Ausdruck‘ eine ‚Beziehung herzustellen‘.

Da wir wissen, dass die gleichen Gegenstände und Ereignisse im Alltag in den ‚verschiedenen Sprachen‘ ganz ‚unterschiedlich benannt‘ werden können, deutet sich an, dass die jeweils von ‚Sprecher-Hörer‘ angenommenen Beziehung nicht ‚angeboren‘ sind, sondern in jeder ‚Sprachgemeinschaft‘ eher ‚beliebig‘ erscheinen.[4] Dies deutet darauf hin, dass die im Alltag vorfindlichen ‚Beziehungen‘ zwischen sprachlichen Ausdrücken und alltäglichen Gegebenheiten von jedem Sprecher-Hörer einzeln ‚gelernt‘ werden müssen, und dies durch direkten Kontakt mit Sprecher-Hörer der jeweiligen Sprachgemeinschaft.

ABSTRAKTE STRUKTUREN

(Letzte Änderungen: 29.Januar 2023)

Körper-Externe Gegebenheiten

Transformtion reale Objekte in wahrgenommene und abstrahierte Objekte plus Bedeutungs-Beziehung
BILD 1: Transformtion reale Objekte in wahrgenommene und abstrahierte Objekte plus Bedeutungs-Beziehung

Die bisherigen Überlegungen lassen die Bildung einer ‚Arbeitshypothese‘  dahingehend zu, dass ein Sprecher-Hörer ‚außerhalb seines Körpers‘ auf einzelne Objekte treffen kann (z.B. einen Gegenstand  ‚Tasse‘, ein Wort  ‚Tasse‘), die als solche keine direkte Beziehung miteinander haben. 

Im Sprecher-Hörer können sich zu den wahrgenommenen konkreten Ereignissen dann ‚abstrakte Konzepte‘ bilden,  die aus den variierenden Vorkommnissen einen ‚gemeinsamen Kern abstrahieren‘, der dann das eigentliche ‚abstrakte Konzept‘ repräsentiert.

Unter Voraussetzung solcher abstrakter Konzepte können sich dann im  Sprecher-Hörer  ‚Bedeutungsbeziehungen‘ derart bilden, dass ein Sprecher ‚lernen‘ kann, die beiden einzelnen Objekte ‚Tasse‘  (als Gegenstand) und ‚Tasse‘ (als gehörtes/ geschriebenes Wort) ‚gedanklich zu verknüpfen‘, und zwar so, dass künftig das Wort ‚Tasse‘ eine Assoziation mit dem Gegenstand ‚Tasse‘ hervorruft und umgekehrt. Diese Bedeutungsbeziehung (Objekt ‚Tasse‘, Wort ‚Tasse‘) basiert auf ’neuronalen Prozessen‘ der Wahrnehmung und des Gedächtnisses. Sie können sich bilden, müssen aber nicht. Wenn solche neuronalen Prozesse verfügbar sind, dann kann der Sprecher-Hörer das kognitive Element ‚Objekt Tasse‘ auch dann aktualisieren, wenn es gar nicht außerhalb des Körpers als reales Objekt vorliegt;  letzteres würde  sich daran zeigen, dass kein ‚Wahrnehmungselement‘ vorliegt, das dem ‚Gedächtniselement‘ Objekt Tasse ‚entspricht‘.

Man kann diese erste Arbeitshypothese erweitern zu zwei ‚weiteren  Arbeitshypothesen‘:

(i) Arbeitshypothese: der Mechanismus der ‚abstrakten Konzeptbildung‘ funktioniert nicht nur unter Voraussetzung von konkreten Wahrnehmungsereignissen, sondern auch unter Voraussetzung von schon vorhandenen abstrakten Konzepten. Wenn ich schon abstrakte Konzepte wie ‚Tisch‘, ‚Stuhl‘, ‚Couch‘ habe, dann kann ich z.B. ein abstraktes Konzept ‚Möbel‘ bilden als ‚Oberbegriff‘ zu den drei zuvor genannten Konzepten. Nennt man abstrakte Konzepte, die sich direkt auf virtuell-konkrete Konzepte beziehen, Level 1-Konzepte, dann könnte man abstrakte Konzepte, die mindestens ein Konzept von Level n voraussetzen, Level n+1 Konzepte nennen. Wie viele Level im Bereich der abstrakten Konzepte von ‚Nutzen‘ sind, ist offen.  Generell gilt, je ‚höher der Level‘ ist, umso schwieriger wird eine Rückbindung an Level-0 Konzepte.

(ii) Arbeitshypothese: der ‚Mechanismus der Bildung von Bedeutungsbeziehungen‘ funktioniert auch mit Bezug auf beliebige abstrakte Konzepte.

Wenn Hans zu Anna sagt: „Unsere Möbel wirken mittlerweile irgendwie abgenutzt“, dann würde die interne Beziehung Möbel := { ‚Tisch‘, ‚Stuhl‘, ‚Couch‘ } vom Konzept Möbel zu den anderen untergeordneten Konzepten führen und Anna wüsste (bei gleichem Sprachverstehen), dass Hans eigentlich sagt: „Unsere Möbel in Gestalt von ‚Tisch‘, ‚Stuhl‘, ‚Couch‘   wirken mittlerweile irgendwie abgenutzt“.

Körper-Interne Gegebenheiten

 

Signalquellen sowohl von körper-externen Gegebenheiten wie auch von körper-internen Gegebenheiten, die dem Gehirn 'extern' sind
BILD 2: Signalquellen sowohl von körper-externen Gegebenheiten wie auch von körper-internen Gegebenheiten, die beide für das Gehirn ‚extern‘ sind.

Im BILD 1 wurde der Zusammenhang zwischen ‚körper-externen‘ Gegebenheiten und dem empfangenden ‚Gehirn‘ skizziert. Aus Sicht des Gehirns sind aber ‚körper-interne Prozesse‘ (verschiedene Körperorgane, vielfältige ‚Sensoren‘, und mehr) auch ‚extern‘ (siehe BILD 2)! Das Gehirn weiß von diesen körper-internen Gegebenheiten auch nur, insofern ihm entsprechende ‚Signale‘ übermittelt werden. Diese können aufgrund ihres ‚individuellen Eigenschaftsprofils‘ vom Gedächtnis  unterschiedlichen ‚abstrakten Konzepten‘  zugeordnet werden, und damit werden sie auch ‚Kandidaten für eine semantische Beziehung‘. Allerdings nur dann, wenn diese Abstraktionen auf körper-internen Signalereignissen beruhen, die im ‚aktuellen Gedächtnis‘ so repräsentiert werden, dass sie ‚uns‘ ‚bewusst‘ werden. [7]

Der ‚körper-interne Ereignisraum‘, der  im aktuellen Gedächtnis ‚bemerkbar‘ wird setzt sich aus sehr vielen unterschiedlichen Ereignissen zusammen. Neben ‚organ-spezifischen‘ Signalen, die sich bisweilen sogar im Körperinnern einigermaßen ‚lokalisieren‘ lassen (‚mein linker Backenzahn tut weh‘, ‚mein Hals juckt‘, ‚ich bin hungrig‘, usw. ), gibt es sehr viele ‚Stimmungen’/ ‚Gefühle’/ ‚Emotionen‘, die sich schwer bis gar nicht lokalisieren lassen, die aber dennoch ‚bewusst‘ sind, und denen man unterschiedliche ‚Intensitäten‘ zuordnen kann (‚Ich bin sehr traurig‘, ‚Das macht mich wütend‘, ‚Die Lage ist hoffnungslos‘, ‚Ich liebe dich sehr‘, ‚Ich glaube Dir nicht‘, …).

Wenn man solchen ‚körper-internen‘ Eigenschaften ‚Worte zuordnet‘, dann entsteht auch eine ‚Bedeutungsbeziehung‘, allerdings ist es zwischen zwei menschlichen Akteuren dann unterschiedlich schwer bis fast unlösbar, jeweils ‚für sich‘ zu klären, was ‚der andere‘ wohl ‚meint‘, wenn er einen bestimmten sprachlichen Ausdruck benutzt. Bei ‚lokalisierbaren‘ sprachlichen Ausdrücken kann man aufgrund eines  ähnlichen Körperbaus eventuell nachvollziehen, was gemeint ist (‚mein linker Backenzahn tut weh‘, ‚mein Hals juckt‘, ‚ich bin hungrig‘). Bei anderen, nicht-lokalisierbaren sprachlichen Ausdrücken (‚Ich bin sehr traurig‘, ‚Das macht mich wütend‘, ‚Die Lage ist hoffnungslos‘, ‚Ich liebe dich sehr‘, ‚Ich glaube Dir nicht‘, …) wird es schwierig. Oft kann man nur ‚raten‘; falsche Interpretationen sind sehr wahrscheinlich.

Spannend wird es, wenn Sprecher-Hörer in ihren sprachlichen Ausdrücken neben solchen Konzepten, die sich von körper-externen Wahrnehmungsereignissen herleiten, auch solche Konzepte benutzen, die sich  von körper-internen Wahrnehmungsereignissen herleiten. Wenn z.B. jemand sagt „Das rote Auto da drüben, da habe ich kein gutes Gefühl“ oder „Die Leute dort mit ihren Mützen machen mir Angst“ oder „Wenn ich dieses Fischbrötchen sehe, dann krieg ich richtig Appetit“ oder „Ach, diese tolle Luft“, usw.  Solche Aussagen machen wir ständig. Sie manifestieren eine durchgängige ‚Dualität unserer Welterfahrung‘: mit unsrem Körper sind wir ‚in‘ einer externen Körperwelt, die wir spezifisch wahrnehmen können, und zeitgleich erleben wir fragmentarisch das ‚Innere unseres Körpers‘, wie es in der aktuellen Situation reagiert. Man kann es auch so sehen: Unser Körper spricht mittels der ‚körper-internen Signale‘ mit uns darüber, wie er eine aktuelle ‚externe Situation‘ erlebt/ empfindet/ fühlt.

Raumstrukturen

In den Bildern 1+2 werden die Wahrnehmungen und die aktuellen Erinnerungen  ‚einzeln‘ dargestellt. Tatsächlich aber verarbeitet das Gehirn alle Signale der ‚gleichen Zeitscheibe‘ [10] so, als ob sie ‚Elemente eines drei-dimensionalen Raumes‘ wären. Dies hat zur Folge, dass zwischen den Elementen ‚räumliche Beziehungen‘ bestehen, ohne dass die Elemente selbst solche Beziehungen erzeugen können. Im Fall von körper-externen Wahrnehmungen gibt es ein klares ’neben‘, ‚vor‘, ‚unter‘ usw. Im Fall von körper-internen Wahrnehmungen bildet der Körper einen Bezugspunkt, aber der Körper als Bezugspunkt ist unterschiedlich konkret (‚Mein linker Zeh…‘, ‚Ich bin müde‘, ‚Mein Magen knurrt‘, …).

Benutzen die Sprecher-Hörer zusätzlich zu ihrer ’normalen‘ angeborenen Wahrnehmung im Fall von körper-externen Gegebenheiten ‚Messoperationen‘, dann kann man den ‚Gegebenheiten im Raum‘ verschiedene Messwerte zuordnen (Längen, Volumen, Lage in einem Koordinatensystem, usw.).

Im Fall von  ‚körper-internen‘ Gegebenheiten  kann man zwar den Körper selbst samt Prozesseigenschaften ‚messen‘ — was z.B. experimentelle Psychologen und Gehirnforscher oft tun –, aber der Zusammenhang mit den körper-internen Wahrnehmungen ist je nach Art der ‚körper-internen Wahrnehmung‘  entweder nur ‚einigermaßen‘ herstellbar (‚Mein linker Zahn schmerzt‘), oder ‚eher nicht‘ (‚Ich fühle mich heute so matt‘, ‚Gerade schoß mir dieser Gedanke durch den Kopf‘).

Zeit: Jetzt, Vorher, ‚Möglich‘

Aus dem Alltag kennen wir das Phänomen, dass wir ‚Veränderungen‘ wahrnehmen können: ‚Die Ampel geht auf rot‘, ‚Der Motor springt an‘, ‚Die Sonne geht auf‘, … Dies ist uns so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken.

Dieses Konzept von ‚Veränderung‘ setzt ein ‚Jetzt‘ und ein ‚Vorher‘ voraus und die Fähigkeit, ‚Unterschiede‘ zwischen dem ‚Jetzt‘ und dem ‚Vorher‘ ‚erkennen zu können‘.

Als Arbeitshypothese [12] für diese Eigenschaft des Erkennens von ‚Veränderungen werden hier folgende Annahmen getroffen:

  1. Ereignisse als Teil von räumlichen Anordnungen werden als ‚Situationen‘ im ‚potentiellen Gedächtnis‘ hinterlegt, und zwar so, dass ‚aktuelle Wahrnehmungen‘, die sich von ‚hinterlegten (vorher)‘ Situationen unterscheiden, durch unbewusste Vergleichsoperationen ‚auffallen‘: wir merken, ohne es zu wollen, dass die Ampel von Orange auf Grün schaltet. Solche ‚Veränderungen‘ können wir dadurch beschreiben, dass wir den Zustand ‚vorher‘ und ‚jetzt‘ nebeneinander stellen können.
  2. In einem ‚Vergleich‘ im Kontext von ‚Veränderungen‘ benutzen wir ‚abstrakte erinnerte‘ Konzepte in Verbindung mit ‚abstrakten wahrgenommenen‘ Konzepten, z.B. der Zustand der Ampel ‚vorher‘ und ‚jetzt‘.
  3. ‚Aktuelle‘ Wahrnehmungen gehen schnell in ‚erinnerte‘ Wahrnehmungen über (Der Übergang der Ampel von Orange auf Grün ist ‚eben‘ passiert).
  4. Wir können die abstrakten Konzepte erinnerter Wahrnehmungen ‚in einer Folge/ Reihe‘ anordnen‘ derart, dass ein Element in der Reihe als ‚zeitlich‘ vorher‘ zu einem nachfolgenden Element angesehen werden kann oder ‚zeitlich nachher‘. Durch Abbildung in ’sprachliche Ausdrücke‘ kann man diese Sachverhalte ‚mehr explizit‘ machen.
  5. Durch die Verfügbarkeit von ‚zeitlichen Relationen‘ (‚x ist zeitlich  vor y‘, ‚y ist zeitlich nach x‘, ‚y ist zeitgleich mit y‘, …) gewinnt man einen Ausgangspunkt für die Betrachtung von ‚Häufigkeiten‘ in diesen Beziehungen, z.B. „Ist y zeitlich ‚immer‘ nach y“ oder nur ‚manchmal‘? Ist dieses zeitliche Muster ‚zufällig‘ oder irgendwie ’signifikant‘?
  6. Sofern die beobachteten ‚Muster zeitlichen Auftretens‘ ’nicht rein zufällig‘ sind sondern sich hierin signifikante Wahrscheinlichkeiten andeuten, dann kann man auf dieser Basis ‚Hypothesen für solche Situationen‘ formulieren, die ’nicht vergangen und nicht gegenwärtig sind‘, aber im Licht der Wahrscheinlichkeiten als ‚künftig möglich‘ erscheinen.

Zeit: faktisch und analytisch

(Letzte Änderung: 31.Januar 2023)

Die vorausgehenden Überlegungen zur Zeit gehen davon aus, dass das ‚Erkennen von Veränderungen‘ auf einer ‚automatischen Wahrnehmung‘ beruht: dass sich etwas in unserem Wahrnehmungsraum  ‚verändert‘, beruht auf ‚unbewussten neuronalen Prozessen‘, die diese Veränderung ‚automatisch erfassen‘ und ‚automatisch zur Kenntnis‘ bringen, ohne dass wir dies ‚bewusst‘ tun müssten. In allen Sprachen finden sich dazu sprachliche Ausdrücke, die dies reflektieren: ‚fahren‘, ‚wechseln‘, ‚wachsen‘, ‚fliegen‘, ’schmelzen‘, ‚erhitzen‘, ‚altern‘, … Wir können mit einer gewissen ‚Leichtigkeit‘ von Veränderungen Notiz nehmen, mehr aber auch nicht. Es ist das ‚pure Faktum‘ von Veränderung, was sich uns bemerkbar macht; daher die Formulierung ‚faktische Zeit‘.

Wenn wir ‚verstehen‘ wollen, was denn genau passiert bei einer Veränderung, warum, unter welchen  Bedingungen, wie oft, in welchem Zeitraum usw., dann müssen wir uns die Mühe machen, solche Veränderungen genauer zu ‚analysieren‘. Dies bedeutet, wir müssen den ‚gesamten Veränderungsprozess‘ anschauen und versuchen, an ihm so viele ‚einzelne Momente‘ zu identifizieren, dass wir dann — eventuell — Hinweise finden, was genau wie und warum passiert ist.

Solch eine Analyse kann nur gelingen, wenn man folgende Fragen beantworten kann:

  1. Wie kann man die Situation ‚vor‘ der Änderung beschreiben?
  2. Wie kann man die Situation ’nach‘ der Änderung beschreiben?
  3. Worin genau bestehen die ‚Unterschiede‘?
  4. Wie kann man eine Wenn-Dann-Regel formulieren, die besagt, bei welcher ‚Voraussetzung‘ welche ‚Veränderung‘ so angewendet werden sollen, dass sich der gewünschte ’neue Zustand‘ mit allen ‚Veränderungen‘ ergibt?

Beispiel: Ein Passant beobachtet, dass eine Ampel von Orange auf Grün wechselt. Eine (einfache) Analyse könnte wie folgt funktionieren:

Veränderungsregel (einfach):

VORAUSSETZUNGEN

  1. Vorher: Die Ampel ist orange.
  2. Nachher: Die Ampel ist grün.
  3. Unterschied: Die Eigenschaft ‚orange‘ wurde durch die Eigenschaft ‚grün‘ ersetzt.

REGEL-TEXT

Veränderungsregel: Wenn: ‚Eine Ampel ist orange‘. Dann: (i) Entferne ‚Eine Ampel ist orange‘, (ii) Füge hinzu: ‚Eine Ampel ist grün‘

Will man diesen Gedanken vertiefen, dann stößt man schnell auf viele Fragen eine einzelne Veränderungsregel betreffend:

  1. Was an einer ‚Situation vorher‘ ist wichtig? Muss man ‚alles‘ aufschreiben oder nur ‚Teilaspekte‘? Wie bestimmt eine Gruppe von menschlichen Akteuren die ‚Grenze‘ von der Situation zur weiteren Umgebung? Falls nur eine teilweise Beschreibung: wie bestimmt man, was wichtig ist?
  2. Entsprechende Fragen stellen sich auch für die Beschreibung der ‚Situation nachher‘.
  3. Spannend ist auch die Frage nach dem ‚Wenn-Teil‘ der Veränderungs-Regel: Wie viele der Sachverhalte der Situation vorher sind wichtig? Sind alle wichtig oder nur einige? Wenn ich z.B. drei Sachverhalte unterscheiden kann: müssen sie alle ‚gleichzeitig‘ erfüllt sein oder nur ‚alternativ‘?
  4. Interessant ist auch der ‚Zusammenhang‘ zwischen der Situation vorher und nachher: Ist diese beobachtbare Veränderung (i) ‚ganz zufällig‘ oder (ii) kommt diesem Zusammenhang eine ‚gewisse Häufigkeit‘ (ein gewisser ‚Wahrscheinlichkeitswert‘) zu, oder (iii) tritt dieser Zusammenhang ‚immer‘ auf?

Schaut man sich mit diesen Fragen im Hinterkopf konkrete Beispiele der normalen Sprache zur ‚faktischen Zeit‘ an, dann kann man gut erkennen, wie ‚minimalistisch‘ Veränderung im Alltag sprachlich praktiziert wird:

  1. Peter geht nach oben.
  2. Kommst Du?
  3. Er trank das Glas aus.
  4. Sie öffnete die Tür.
  5. Wir aßen schweigend.

Alle diese Ausdrücke (1) – (6) thematisieren nur knapp die Art der Veränderung, deuten beteiligte Personen und Gegenstände an, und lassen den Raum, in dem dies geschieht, unerwähnt. Die genaue Zeitdauer wird auch nicht explizit angegeben. Die Sprecher-Hörer in diesen Situationen setzen offensichtlich voraus, dass jeder aufgrund der sprachlichen Äußerungen ’sich selbst die zugehörige Bedeutung erschließen‘ kann, einmal durch das ‚allgemeine Sprachwissen‘, zum anderen durch das ‚konkrete Involviert‘ sein in der jeweiligen konkreten Situation.

Einen ganz anderen Aspekt liefert im Fall einer ‚analytischen Zeit‘ die Frage nach der ‚Beschreibung selbst‘, der ‚Regel-Text‘:

Veränderungsregel: Wenn: ‚Eine Ampel ist orange‘. Dann: (i) Entferne ‚Eine Ampel ist orange‘, (ii) Füge hinzu: ‚Eine Ampel ist grün‘

Dieser Text enthält sprachliche Ausdrücke ‚Eine Ampel ist orange‘ sowie ‚Eine Ampel ist grün‘. Diese sprachlichen Ausdrücke haben in der normalen Sprache meistens eine bestimmte ’sprachliche Bedeutung‘, die sich in diesem Fall auf ‚Erinnerungen‘ beziehen, die aufgrund von ‚Wahrnehmungen‘ gebildet worden sind. Es geht um das abstrakte Objekt ‚Ampel‘, dem die abstrakten Eigenschaften ‚orange‘ bzw. ‚grün‘ zu- bzw. abgesprochen werden. Normalerweise haben Sprecher-Hörer des Deutschen gelernt, diese abstrakten Bedeutung anlässlich einer ‚konkreten Wahrnehmung‘ auf solche konkreten Gegebenheiten (reale Ampeln) zu beziehen, die sie im Rahmen ihres Sprach-Lernens als ‚zugehörig‘ gelernt haben. Ohne eine aktuelle konkrete Wahrnehmung handelt es sich nur um abstrakte Bedeutungen mittels abstrakter Erinnerungen, deren ‚Wirklichkeitsbezug‘ nur ‚potentiell‘ ist. Erst beim Auftreten einer konkreten Wahrnehmung mit den ‚passenden Eigenschaften‘ wird aus der ‚potentiellen‘ Bedeutung eine ‚real gegebene‘ (empirische) Bedeutung.

Der Text einer Veränderungs-Regel beschreibt also abstrakt einen möglichen Übergang von einer abstrakt geschilderten Situation zu einer abstrakt möglichen anderen Situation. Ob aus dieser abstrakten Möglichkeit jemals eine konkrete reale Bedeutung wird, ist offen. Die Verdichtung von ‚mehrmaligen Ereignissen‘ gleicher Art in der Vergangenheit (gespeichert als Erinnerung) im Konzept der ‚Häufigkeit‘ oder dann im Konzept einer ‚Wahrscheinlichkeit‘ kann zwar die ‚Erwartung eines Akteurs‘ dahingehend beeinflussen, dass er in seinem Verhalten ‚berücksichtigt‘, dass die Veränderung eintreten kann, wenn er die ‚auslösende Situation‘ wieder ‚herstellt‘, aber eine vollständige Sicherheit dafür gäbe es nur dann, wenn die beschriebene Veränderung auf einem vollständig deterministischen Zusammenhang beruhen würde.

Was in dieser einfachen Betrachtung nicht vorkommt, das ist der zeitlichen Aspekt: ob eine Veränderung sich im Millisekunden Bereich abspielt oder in Stunden, Tagen, Monaten Jahren, das markiert gewaltige Unterschiede.

Desgleichen die Bezugnahme auf einen Raum: Wo findet der statt? Wie?

Arbeitshypothese KONTEXT

Sprachlich Beschreibungen von Veränderungen geschehen als ‚abstrakte Formulierungen‘ und setzen in der Regel folgendes voraus:

  1. Ein gemeinsames sprachliches Bedeutungswissen in den Köpfen der Beteiligten.
  2. Eine Kenntnis der räumlichen Situation, in der die Veränderung stattfindet.
  3. Eine Kenntnis der beteiligten Personen und Gegenstände.
  4. Eine Kenntnis der zeitlichen Dimension.
  5. Optional: Eine Kenntnis von erfahrungsbasierter Wahrscheinlichkeit.

Veränderungs-Beschreibungen, die abstrakt abgefasst sind, müssen — je nach Fall und Anforderung — die Kontext-Aspekte (1) – (5) explizit machen, um ‚verständlich‘ sein zu können.

Die Forderung nach ‚Verständlichkeit‘ ist aber prinzipiell ‚vage‘, da die jeweiligen Kontexte beliebig komplex und beliebig unterschiedlich sein können.

ABSTRAKTE STRUKTUREN II = DENKEN

(Letzte Änderung: 31.Januar 2023, 19:15h)

Die bisher eingeführten abstrakten Elemente sind zwar noch wenige, aber sie erlauben schon jetzt, einen gewissen ‚abstrakten Raum‘ abzustecken. So gibt es bislang

  1. Abstrakte Elemente im aktuellen Gedächtnis (auch ‚Bewusstsein‘) auf der Basis von konkreter Wahrnehmung,
  2. die dann übergehen können in gespeicherte abstrakte — und dynamische — Elemente des potentiellen Gedächtnisses,
  3. weiterhin abstrakte Konzepte n-ter Ordnung im aktuellen wie auch im potentiellen Gedächtnis,
  4. Abstrakte Elemente im aktuellen Gedächtnis (auch ‚Bewusstsein‘) auf der Basis von konkreter Wahrnehmung, die als sprachliche Elemente fungieren,
  5. die dann ebenfalls übergehen können in gespeicherte abstrakte — und dynamische — Elemente des potentiellen (Sprach-)Gedächtnisses,
  6. ebenso abstrakte sprachlicher Konzepte n-ter Ordnung im aktuellen wie auch im potentiellen Gedächtnis,
  7. abstrakte Beziehungen zwischen abstrakten sprachlichen Elementen und abstrakten anderen Elementen des aktuellen wie potentiellen Gedächtnisses.
  8. sprachliche Ausdrücke für die Beschreibung von faktischen Veränderungen und
  9. sprachliche Ausdrücke für die Beschreibung von analytischen Veränderungen.

Die Generierung von abstrakten sprachlichen Elementen erlaubt also auf vielfache Weise die Beschreibung von Veränderungen von etwas Gegebenem, das (i) entweder als ‚bedingungsloses‘ Geschehen nur ‚geschildert‘ wird oder aber (ii) mit ‚Veränderungs-Regeln‘ arbeitet, die klar zwischen ‚Bedingung‘ und ‚Wirkung‘ unterscheidet. Dieser zweite Fall mit Veränderungsregeln lässt sich mit vielen Spielarten von ‚logischen Folgerungen‘ in Beziehung setzen. Tatsächlich kann man jede bekannte Form von ‚Logik‘ mit diesem allgemeinen Konzept von Veränderungsregeln ‚emulieren‘.

Diese hier nur angedeutete Idee wird im weiteren Verlauf etwas genauer untersucht und in verschiedenen Anwendungen demonstriert werden.

SEIN: ‚Fiktiv (Virtuell)‘ und ‚Real‘

(Letzte Änderung: 27.Januar 2023, 18:50h)

Schon diese wenigen Überlegungen lassen erkennen, dass es unterschiedliche Formen von ‚Sein‘ gibt.[5]

Im Schema von BILD 1 gibt es jene Gegebenheiten in der realen Außenwelt, die zum Auslöser von Wahrnehmungen werden können. Unser Gehirn kann diese ‚realen Gegebenheiten‘ aber nicht direkt erkennen, nur ihre ‚Wirkungen im Nervensystem‘: zuerst (i) als ‚Wahrnehmungsereignis‘, dann (ii) als ‚Gedächtniskonstrukt‘ unterschieden nach (ii.1) ‚aktuellem Gedächtnis (Arbeitsgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, …) und (ii.2) ‚potentiellem Gedächtnis‘ (Langzeitgedächtnis, verschiedene funktionelle Klassifikationen, ..).[6]

Nennt man die ‚Inhalte‘ von Wahrnehmung und aktuellem Gedächtnis ‚bewusst‘ [7], dann wäre die primäre Form von ‚Sein‘, deren wir direkt habhaft werden können, jene ‚bewussten Inhalte‘, die unser Gehirn uns aus all seinen neuronalen Berechnungen ‚aufbereitet präsentiert‘. Unsere ‚aktuelle Wahrnemungen‘ stehen dann für die ‚Realität da draußen‘, obgleich wir tatsächlich ‚die Realität da draußen‘ nicht ‚direkt, unmittelbar‘ erfassen können, sondern nur ‚vermittelt, indirekt‘.

Sofern wir uns ‚aktueller Inhalte‘ ‚bewusst‘ sind, die das ‚potentielle Gedächtnis‘ uns ‚zur Verfügung‘ stellt (im Alltag meist  ‚erinnern‘ genannt; im Ergebnis eine ‚Erinnerung‘),  haben wir auch eine Form von ‚primärem Sein‘ zur Verfügung, dieses primäre Sein muss aber aktuell keine Entsprechung in der Wahrnehmung haben; daher klassifizieren wir es als  ’nur erinnert‘ oder ’nur gedacht‘ oder ‚abstrakt‘ ohne ‚konkreten‘ Wahrnehmungsbezug.

Für die Frage der inhaltlichen Übereinstimmung zwischen ‚realer Gegebenheit‘ und ‚wahrgenommener Gegebenheit‘ sowie zwischen ‚wahrgenommener Gegebenheit‘ und ‚erinnerter Gegebenheit‘ gibt es zahllose Erkenntnisse, die allesamt darauf hindeuten, dass diese beiden Beziehungen unter dem Aspekt der ‚Abbildungsähnlichkeit‘ keine ‚1-zu-1‘ Abbildungen darstellen. Dies hat vielfache Ursachen.

Im Fall der Wahrnehmungsähnlichkeit mit den auslösenden realen Gegebenheiten spielt schon die Interaktion zwischen realer Gegebenheit und den jeweiligen Sinnesorganen eine Rolle, dann die Verarbeitung der primären Sinnesdaten durch durch das Sinnesorgan selbst sowie durch das nachfolgende Nervensystem. Das Gehirn arbeitet mit ‚Zeitscheiben‘, mit ‚Selektion/ Verdichtung‘ und mit ‚Interpretation‘. Letztere resultiert aus dem ‚Echo‘ aus dem potentiellen Gedächtnis, das aktuelle neuronale Ereignisse ‚kommentiert‘. Zusätzlich können unterschiedliche ‚Emotionen‘ den Wahrnehmungsprozess beeinflussen.  Das ‚finale‘ Produkt aus Übertragung, Verarbeitung, Selektion, Interpretation und Emotionen  ist dann das, was wir als ‚Wahrnehmungsinhalt‘ bezeichnen.[8]

Im Fall der ‚Erinnerungs-Ähnlichkeit‘ deuten die Verarbeitungsprozesse des ‚Abstrahierens‘ und ‚Speicherns‘, der kontinuierlichen ‚Aktivierungen‘ von Gedächtnisinhalten sowie der ‚Wechselwirkungen‘ zwischen Erinnertem darauf hin, dass sich ‚Gedächtnisinhalte‘ im Laufe der Zeit deutlich verändern können, ohne dass der betreffende Mensch, der gerade erinnert, dies am Gedächtnisinhalt selbst  ablesen kann. Um diese Veränderungen erkennen zu können braucht man ‚Aufzeichnungen‘ von vorausgehenden Zeitpunkten (Fotos, Filme, Protokolle, …), die Anhaltspunkte für die realen Gegebenheiten liefern können, mit denen man seine Erinnerungen vergleichen kann.[9]

Wie man aus diesen Überlegungen erkennen kann, ist die Frage nach dem ‚Sein‘ keine triviale Frage. Einzelne Fragmente von Wahrnehmungen oder Erinnerungen sind tendenziell keine 1-zu-1 ‚Repräsentanten‘ möglicher realen Gegebenheiten. Dazu kommt die hohe ‚Veränderungsrate‘ der realen Welt, nicht zuletzt auch durch die Aktivitäten des Menschen selbst.

KOMMENTARE

wkp := Wikipedia

[1] Statt von ’normaler Sprache‘ im ‚Alltag‘ spreche ich hier auch einfach von ‚Alltagssprache‘

[2] Ein Denker, der sich mit diesem Phänomen des ‚alltäglich Konkretem‘ und gleichzeitig doch auch ‚alltäglich — irgendwie — Abstraktem‘ beschäftigt hat, ist Ludwig Wittgenstein (siehe [2a,b]). Er führte dazu den Begriff des ‚Sprachspiels‘ ein, ohne dass er im eigentlichen Sinne zu all diesen Überlegungen eine eigentliche ‚(empirische) Theorie‘ einführte.

[2b] Wittgenstein, L.; Tractatus Logico-Philosophicus, 1921/1922 /* Während des Ersten Weltkriegs geschrieben, wurde das Werk 1918 vollendet. Es erschien mit Unterstützung von Bertrand Russell zunächst 1921 in Wilhelm Ostwalds Annalen der Naturphilosophie. Diese von Wittgenstein nicht gegengelesene Fassung enthielt grobe Fehler. Eine korrigierte, zweisprachige Ausgabe (deutsch/englisch) erschien 1922 bei Kegan Paul, Trench, Trubner und Co. in London und gilt als die offizielle Fassung. Die englische Übersetzung stammte von C. K. Ogden und Frank Ramsey. Siehe einführend Wikipedia-DE: https://de.wikipedia.org/wiki/Tractatus logicophilosophicus*/

[2c] Wittgenstein, L.; Philosophische Untersuchungen,1936-1946, publiziert 1953 /* Die Philosophischen Untersuchungen sind Ludwig Wittgensteins spätes, zweites Hauptwerk. Es übten einen außerordentlichen Einfluss auf die Philosophie der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts aus; zu erwähnen ist die Sprechakttheorie von Austin und Searle sowie der Erlanger Konstruktivismus (Paul Lorenzen, Kuno Lorenz). Das Buch richtet sich gegen das Ideal einer logik-orientierten Sprache, die neben Russell und Carnap Wittgenstein selbst in seinem ersten Hauptwerk vertreten hatte. Das Buch ist in den Jahren 1936-1946 entstanden, wurde aber erst 1953, nach dem Tod des Autors, veröffentlicht. Siehe einführend Wikipedia-DE: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische Untersuchungen*/

[3] Im Grenzfall sind diese ‚anderen‘ Phänomene des Alltags auch sprachliche Ausdrücke (wenn man ‚über‘ einen Text oder sprachliche Äußerungen‘ spricht).

[4] wkp [DE]: Sprachfamilien der Welt, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachfamilien_der_Welt . Anmerkung: Aufgrund von ‚räumlicher Nähe‘ oder zeitlichem Zusammenhang (oder beidem) kann es unterschiedlich viele Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Sprache geben.

[5] Das Wort ‚Sein‘ ist eines der ältesten und beliebtesten Konzepte in der Philosophie. Im Fall der europäischen Philosophie tritt das Konzept ‚Sein‘ im Kontext der klassischen Griechischen Philosophie auf, und verbreitet sich durch die Jahrhunderte und Jahrtausende in ganz Europa und dann in jenen Kulturen, die mit der Europäischen Kultur einen gedanklichen Austausch hatten/ haben. Die systematische Beschäftigung mit dem Konzept ‚Sein‘ nannten und nennen  die Philosophen ‚Ontologie‘. Siehe dazu überblicksmäßig den Artikel ‚Ontologie‘ in der Deutschen Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie

[6] Zum Thema ‚Wahrnehmung‘ und ‚Gedächtnis‘ gibt es eine riesige Literatur in verschiedenen empirischen Disziplinen. Die wichtigsten dürfen wohl die ‚Biologie‘, die ‚experimentelle Pschologie‘ und die ‚Gehirnwissenschaften‘ sein; diese ergänzt um die philosophische ‚Phänomenologie‘, und dann Kombinationen von diesen wie z.B. ‚Neuro-Psychologie‘ oder ‚Neuro-Phänomenologie‘ usw. Dazu gibt es unzählige weitere spezielle Disziplinen wie z.B. die ‚Linguistik‘ und die ‚Neuro-Linguistik‘.

[7] Eine weiterhin offene Frage ist, wie das im Alltag geläufige Konzept ‚Bewusstsein‘ in diesem Kontext einzuordnen ist. Wie auch der Begriff ‚Sein‘ war und ist der  Begriff ‚Bewusstsein‘  in der neueren Europäischen Philosophie  sehr prominent, hat aber auch starke Beachtung in vielen empirischen Disziplinen gefunden;  besonders im Spannungsfeld von philosophischer Phänomenologie, Psychologie und Gehirnforschung gibt es eine lange und intensive Debatte darüber, was man denn jetzt unter ‚Bewusstsein‘ verstehen soll. Aktuell (2023) gibt es kein klares, allseits akzeptiertes Ergebnis dieser Diskussionen.  Von den vielen verfügbaren Arbeitshypothesen erscheint dem Autor dieses Textes die Anknüpfung an die empirischen Modelle zum ‚aktuellem Gedächtnis‘ in enger Verknüpfung mit den Modellen zur ‚Wahrnehmung‘ bislang am ehesten nachvollziehbar. In diesem Kontext wäre auch das Konzept des ‚Unbewussten‘ einfach erklärbar. Für einen Überblick siehe den Eintrag ‚Bewusstsein‘ in der Deutschen Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein

[8] Im Alltag erleben wir ständig, dass verschiedene Menschen die gleichen realen Ereignisse unterschiedlich wahrnehmen, je nachdem in welcher ‚Stimmung‘ sie sich befinden, welche aktuellen Bedürfnisse sie gerade haben, über welches ‚Vor-Wissen‘ sie verfügen, und wie ihre reale Position zur realen Gegebenheit beschaffen ist, um nur einige Faktoren zu bennen, die eine Rolle spielen können.

[9] Klassische Beispiele für die mangelnde Qualität von Erinnerungen bilden seit jeher ‚Zeugenaussagen‘ zu bestimmten Vorgängen.  Zeugenaussagen stimmen fast nie ‚1-zu-1′ überein, bestenfalls ’strukturell‘, und selbst darin kann es ‚Abweichungen‘ unterschiedlicher Stärke geben.

[10] Die Erkenntnis über die ‚Zeitscheiben‘ bei der Verarbeitung von  körper-externen Gegebenheiten findet sich in vielen Arbeiten der experimentellen Psychologie und der Gehirnforschung. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel, wie dieser Faktor sich im Verhalten des Menschen auswirkt, bietet das Buch von Card, Moran und Newell (1983), siehe [11].

[11] Stuart K.Card, Thomas P.Moran, Allen Newell, (1983),The Psychology of Human-Computer Interaction, CRC-Press (Taylor & Francis Group), Boca Raton – London – New York. Anmerkung: Aus Sicht des Autors dieses Textes war  dieses Buch ein Meilenstein in der Entwicklung der Disziplin  der  Mensch-Maschine Interaktion. 

[12] Zur Frage des Gedächtnisses, speziell zur Frage der Mechanismen, die für die Speicherung von Inhalten und deren weitere Verarbeitung (z.B. auch ‚Vergleiche‘) zuständig sind, gibt es viel Literatur, aber noch keine endgültige Klarheit. Es wird hier wieder der Weg einer ‚hypothetischen Strukturbildung‘ gewählt: explizite Annahme einer Struktur, die die verfügbaren Phänomene ‚einigermaßen erklärt‘ bei Offenheit für weitere Modifikationen.

OKSIMO.R – IDEE DES BUCHES

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 24.Januar 2023)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“.

IDEE DES BUCHES

Derzeit sieht sich die Menschheit vor die Aufgabe gestellt, viele Probleme bislang unbekannten Ausmaßes zu bewältigen, um die eigene Existenz und die der ganzen Biosphäre langfristig zu sichern.

Um dies zu erreichen bedarf es der Verständigung untereinander, um an einem ‚zielführenden gemeinsamen Strang‘ ziehen zu können. Möglichst viele Menschen müssten Brücken bauen, zueinander, um miteinander in einer für alle zugänglichen Sprache ihre Erfahrungen, ihr Wissen teilen und bündeln zu können. Für möglichst viele sollte eine ‚gute‘ ‚Zukunft‘ gefunden und gestaltet werden.

Alles dies können Menschen generell ohne Zuhilfenahme eines Computers tun. Aus der aktuellen Praxis des Lebens haben wir aber gelernt, dass Computer ‚Maschinen‘ sind, die immer dann hilfreich sind, wenn die zu bewältigenden Aufgaben zahlenmäßig so groß sind, dass die Ausführungen sich im ‚praktischen Leben‘ nicht umsetzen lassen würden. Wir könnten es ohne Computer ‚im Prinzip‘, aber ‚rein praktisch‘ könnten wir es nicht.

Also einen Computer benutzen?

Aus rein praktischen Gründen spricht erst einmal vieles dafür.

Wenn man sich aber heute — wir schreiben das Jahr 2023 — umschaut, dann muss man feststellen, dass diese ‚Motivation aus der Praxis heraus‘ zu Formen der Umsetzung geführt hat, die die grundlegende Motivation ‚aus der Praxis heraus‘ hinter sich lässt. So wird die ‚Maschine Computer‘ mittlerweile von nicht wenigen hochstilisiert zum ’neuen, besseren Menschen, viel intelligenter, ethisch besser‘ …. und was man sonst noch in die ‚Metapher der Maschine Computer‘ hinein projizieren kann. Dazu hat sich schon jetzt nach wenigen Jahrzehnten eine Komplexität der neuen Computer-Maschinen Technologie eingestellt, die ein Verstehen dessen, was da genau vor sich geht praktisch unmöglich macht, nicht nur für die ‚Benutzer‘ dieser globalen Weltmaschine, sondern auch für die ‚Macher‘ selbst. Viele dieser Systeme sind schon längst der ‚Kontrolle‘ der Betreiber entglitten.

Für uns Menschen, die wir in der globalen Sprechweise über ’smarte technische Systeme‘ immer mehr in den Schatten treten, immer weniger Wertschätzung bekommen, im Verstehen der Alltagsmedien brutal banalisiert werden, stellt sich natürlich die Frage, ob das ‚Werkzeug‘ uns ‚überholt‘ hat und uns zunehmend ‚überflüssig machen wird‘?

In dem experimentellen Text dieses Buches wird etwas — für heutige Verhältnisse — Ungewöhnliches versucht: am Beispiel eines neuen Paradigmas, wie man die ‚Maschine Computer‘ sehen und nutzen kann, wird schrittweise das ’neue Bild des Menschen‘ gezeichnet, der natürlich der Maschine Computer haushoch überlegen ist, aber nur dann, wenn wir als Menschen begreifen, wer wir ‚tatsächlich‘ sind. Und dies können wir nicht erfahren, wenn wir uns überwiegend bis ausschließlich mit der äußerst simplen ‚Technologie der Maschine Computer‘ beschäftigen, sondern mit der unfassbaren Komplexität, die jeder einzelne Mensch, die ganze Population des homo sapiens, wir als Teil der alles Verstehen übersteigenden Biosphäre, repräsentieren, die den Planeten Erde seit 3.5 Milliarden Jahren ‚bevölkert‘, bearbeitet, verändert, und die — höchst wahrscheinlich — ein gemeinsames ‚Ziel‘ in sich trägt, von dessen Existenz — nach meinem Wissen — bislang kaum nachgedacht wurde. Kurz: Wir sind real Teil eines der größten Wunder im gesamten bekannten Universum — eine maximale Singularität [2] –, aber wir reden immer mehr nur noch über die simple Struktur der Maschine Computer, die ein Alan Matthew Turing im Kontext eines Aufsatzes 1936/7 mit wenigen Zeilen so beschrieben hat, dass sie für alle heutigen bekannten Typen von Computer-Maschinen gültig sind (jedes Kind ab ca. 7-8 Jahren kann das verstehen). [1]

Also, besinnen wir uns auf das was wir als Menschen können, das, was uns ein bisschen mehr vertraut macht mit einer Welt von möglichen zukünftigen Zuständen, auf die hin wir versuchen sollten, uns konstruktiv zu orientieren, sofern wir verhindern wollen, dass das ‚Wunder des Lebens‘ in diesem Universum nicht ausgerechnet zu dem Zeitpunkt verlöscht, an dem es gerade dabei ist, ’sich selbst zu entdecken‘.

[1] A. M. Turing, “On computable numbers, with an application to the Entscheidungsproblem,” Proceedings of the London Mathematical Society, vol. 42, no. 2, p. 230–265, 1936-7. Ein hilfreicher Text zum besseren Verständnis des Kontextes könnte möglicherweise der folgende sein: G.Doeben-Henisch, (2018), EPISTEMISCHE SCHOCKWELLEN. Die letzten 3500 Jahre, Siehe: https://www.cognitiveagent.org/2018/09/20/epistemische-schockwellen-die-letzten-3500-jahre/

OKSIMO.R – DIE INNENSEITE DER AUSSENSEITE – Teil 2

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 31.Januar 2023)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“.

Die Innenseite der Außenseite

(Dieser Text ist eine unmittelbare Fortsetzung des Textes ‚Die Innenseite der Außenseite‘, Teil 1, Grundbausteine …)

Teil 2

Einrichtung Erster Strukturen

Auf den ersten Blick liefert der zuvor beschrieben galaktische Zellverband eines menschlichen Körpers keinen natürlichen Anhaltspunkt für ein irgendwie geartetes ‚Zentrum‘. Welche Zelle sollte wichtiger sein als eine andere? Jede ist aktiv, jede macht ihren ‚Job‘. Viele ‚reden‘ mit vielen. Es werden chemische Stoffe ausgetauscht oder mittels chemischem Stoffaustausch werden ‚elektrische Potentiale‘ erzeugt, die ’schneller‘ wandern können und die ‚impulsartige Ereignisse‘ erzeugen können, die dann wiederum chemische Stoffe aktivieren. Würde man dieses ‚Reden mit chemischen Stoffen und elektrischen Potentialen‘ künstlich hörbar machen, hätten wir eine Symphonie von 127 Billionen (127 x 10^12) Einzelstimmen …

Und doch, wenn wir unsere menschlichen Körper im Alltag erleben, dann sehen wir keine riesige Wolke galaktischen Ausmaßes von einzelnen Zellen, dann sehen wir ein ‚abgegrenztes Objekt‘ mit einer Oberfläche, die ’sichtbar‘ ist; ein Objekt, das ‚Geräusche‘ erzeugen kann, das ‚riecht‘, das ‚anfassbar‘ ist, das sich ‚verändern‘ und ‚bewegen‘ kann. Außerdem kann es ‚Dinge in sich hineinstopfen‘, und es kommen auch ‚Gase‘, ‚Flüssigkeiten‘ und ‚festere Bestandteile‘ aus ihm heraus. Ferner ist bei längerer Betrachtung offensichtlich, dass es Bereiche am Körper gibt, die auf ‚Licht‘ (Augen) reagieren, auf ‚Geräusche‘ (Ohren), auf ‚Gerüche‘ (Nase), auf ‚Berührung‘ (Haut), auf ‚Körperstellungen‘ (u.a. Gleichgewichtssinn), auf ‚Temperatur‘ (Haut), auf ‚chemische Zusammensetzungen von Stoffen im Mund‘ (Geschmacksorgane im Mund) und einiges mehr.

Diese alltägliche ‚Erfahrung‘ legt die Annahme nahe, dass sich die Zellen unseres menschlichen Körpers räumlich zu ’speziellen Netzwerken‘ verabredet haben [1], die einen hohen ‚Organisationsgrad‘ aufweisen, so ausgeprägt, dass diese Netzwerke wie ‚eine Einheit‘ erscheinen, wie ein ‚einziges System‘ mit ‚Input‘ und ‚Output‘, und wo zwischen Input und Output komplexe Prozesse ablaufen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den galaktischen Raum der autonomen Zellen eines menschlichen Körpers als ein ‚Kollektiv von organisierten Systemen‘ zu betrachten, die untereinander in regem Austausch zu stehen scheinen.[2], [5],[6]

Bei modernen technischen Systemen wie z.B. einem Auto, einem Flugzeug, einem Computer gibt es eine ‚Meta-Ebene‘, von er aus das ganze System ‚gesteuert‘ werden kann. Im Auto das Lenkrad, die Bremse, die Gangschaltung usw., ähnlich im Flugzeug das Cockpit mit einer Vielzahl von Instrumenten, oder beim Computer die Eingabe-Geräte (Tastatur, Maus, Zeichenbrett, Mikrophon, …). Allerdings zeichnet sich seit Jahren eine immer weiter gehende ‚Autonomie‘ dieser technischen Geräte ab insoweit viele Steurungsentscheidungen des Menschen in ‚Subsysteme‘ verlagert werden, die dadurch immer mehr klassische Steuerungsleistung des Menschen ‚übernehmen‘.[7]

In einem menschlichen Körper gibt es ‚parallel‘ zu den vorhandenen Körpersysteme u.a. das ‚Nervensystem‘ mit dem ‚Gehirn‘ als zentralem Bereich, in dem viele ‚Signale von den Körpersystemen‘ zusammen laufen und von dem aus wiederum ‚Signale zu den Körpersystemen‘ ausgesendet werden. Das Gehirn mit dem Nervensystem scheint also ein eigenes System zu bilden, das die einlaufenden Signale in verschiedenen ’neuronalen Prozessen‘ verarbeitet und gleichfalls Signale aussendet, die ‚Wirkungen in den Körpersystemen‘ hervorrufen können.[8a],[8b] Aus der Sicht des ‚Funktionierens‘ kann man das Gehirn mit dem Nervensystem von daher als eine Art ‚Meta-System‘ verstehen, in dem sich Eigenschaften aller anderen ‚Körpersysteme‘ ‚abbilden‘, eine ‚prozesshafte Deutung‘ finden, und mit Hilfe dieser Abbildungen und Deutungen bis zu einem gewissen Grad beeinflusst (= ‚gesteuert‘) werden können.

Wie die modernen empirischen Wissenschaften immer mehr durch ihre Untersuchungen und anschließenden ‚Deutungen‘ ansatzweise ’sichtbar machen‘ (z.B. [5],[6]), haben die unterscheidbaren Körpersysteme selbst eine sehr hohe Komplexität mit einer ihnen eigenen ‚Autonomie‘ (Magen, Leber, Niere, Herz, …), die nur bedingt vom Gehirn beeinflussbar sind, die umgekehrt aber auch das Gehirn beeinflussen können. Dazu kommt ein kaum überschaubare Menge an wechselseitigen Beeinflussungen über die ungeheuren ‚Stoffströme‘ im Blutkreislauf und in den Körperflüssigkeiten.

Für den Kontext dieses Buches interessieren hier vor allem jene Strukturen, die wichtig sind für die ‚Koordinierung der verschiedenen Gehirne‘ mittels ‚Sprache‘ und eng damit verknüpft die ‚kognitiven‘ und ‚emotionalen‘ Prozesse im Gehirn, die dafür verantwortlich sind, welche ‚kognitiven Bilder im Kopf‘ entstehen, mit denen ein Gehirn ’sich selbst‘ und ‚alles andere‘ ‚interpretiert‘.

Wie den Menschen beschreiben?

Die Beschreibung der menschlichen Zell-Galaxie in der Art von ‚Subsystemen‘ mit ihrem eigenen ‚Input‘ und ‚Output‘ und dazu gehörigen ‚inneren Prozessen‘ — hier einfach ‚Systemfunktion‘ genannt — kann auf den ersten Blick ‚einfach‘ erscheinen, ’normal‘, oder auch nicht. Wir betreten mit dieser Frage die grundsätzliche Frage, wie wir überhaupt die menschliche Zell-Galaxie — also ‚uns selbst‘! — beschreiben können und darüberhinaus vielleicht beschreiben ’sollten‘: gibt es irgendwelche Kriterien, aufgrund deren wir eine ‚bestimmte Beschreibungsweise‘ bevorzugen sollten?

Wenn wir im Fall der Beschreibung der ‚Natur‘, der ‚realen Welt‘ vielleicht noch unterscheiden können zwischen ‚uns‘ und der ‚Natur‘ (was aber, wie sich später zeigen wird, ein nicht unerheblicher Trugschluss ist)), wird es bei der ‚Beschreibung von uns selbst‘ etwas schwieriger. Wenn man etwas beschreiben will, benötigt man bestimmte Voraussetzungen, um eine Beschreibung vornehmen zu können. Wie ist aber die Lage, wenn wir uns — mit noch zu klärenden Voraussetzungen — selbst beschreiben wollen? Beißt sich da nicht die berühmte ‚Katze in den eigenen Schwanz‘?

Im ’normalen Alltag‘ [9] sind typische Formen, mit denen wir ‚etwas anderes‘ beschreiben neben z.B. ‚Bildern‘, ‚Fotografien‘, ‚Videos‘, ‚Musik‘, ‚Körperbewegungen‘ und anderem, vor allem aber sprachliche Ausdrücke (gesprochen, geschrieben; Alltagssprache, Fachsprache; …).

Bleiben wir für einen Moment bei der ‚Alltagssprache (Deutsch, Englisch, Italienisch, …).

Als Kinder werden wir in eine bestimmte, schon bestehende Welt mit einem jeweiligen ‚Alltag‘ hinein geboren. In der Umgebung wird mindestens eine Sprache gesprochen. Wenn die Eltern zweisprachig sind sogar zwei Sprachen parallel. Wenn die Umgebung sich von der Sprache der Eltern unterscheidet dann vielleicht sogar drei Sprachen. Und heute, wo auch die Umgebung immer ‚inter-kultureller‘ wird, vielleicht sogar noch mehr als drei Sprachen …

Wie viele Sprachen auch immer gleichzeitig für einen Menschen auftreten, jede Sprache hat ihre eigenen ‚Regeln‘, ihr eigene ‚Aussprache‘, ihren eigenen ‚Kontextbezug‘, ihre eigenen ‚Bedeutungen‘. Diese Kontexte können sich ändern; die Sprache selbst kann sich ändern. Und wenn jemand nicht nur mit einer Sprache aufwächst, sondern mit mehr als einer, dann kann es ‚im Menschen‘, im ‚Sprecher-Hörer‘, natürlich zu vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Sprache kommen. Da dies heute an vielen Orten gleichzeitig mit immer mehr Menschen geschieht, gibt es noch kaum ausreichende Forschungsergebnisse, die diese Vielfalt in ihren Besonderheiten ausreichend beschreiben.

Wollen wir also ‚uns selbst‘ als ‚Teil der realen Welt‘ beschreiben, sollten wir zunächst mal akzeptieren und ‚bewusst annehmen‘, dass wir im Moment des Beschreibens nicht bei ‚Punkt Null‘ anfangen, nicht als ‚unbeschriebenes Blatt‘, sondern als ein biologisches System, das einen mehr oder weniger langen ‚Lernprozess‘ hinter sich hat. Dabei ist das Wort ‚Lernprozess‘ als Teil der Sprache, die der Autor benutzt, natürlich keine ’neutrale Buchstabenreihe‘, sondern ebenfalls ein ‚Wort‘ seiner Sprache, die er mit vielen anderen Sprechern des ‚Deutschen‘ teilt, und man muss davon ausgehen, dass jeder ‚Sprecher des Deutschen‘ mit dem Wort ‚Lernprozess‘ seine eigenen ‚individuellen Vorstellungen‘ verbindet. Und auch dieses Wort ‚Vorstellungen‘ ist so ein Wort, das als Teil der gesprochenen (und geschriebenen) Sprache normalerweise nicht ‚Bedeutungsfrei‘ daher kommt. Kurzum, sobald wir sprechen, sobald wir Worte in größeren Einheiten zu Aussagen verknüpfen, aktivieren wir eine Menge von ‚Wissen und Fertigkeiten‘, die ‚in uns‘ irgendwie ‚vorhanden‘ sind, die wir ‚automatisch‘ benutzen, und deren Nutzung im Normalfall weitgehend ‚unbewusst‘ ist.[10]

Wenn ich als Autor dieses Textes jetzt Aussagen in der Deutschen Sprache hinschreibe, lasse ich mich quasi von einer ‚Welle tragen‘, deren genaue Beschaffenheit und Wirksamkeit ich im Moment des Gebrauchs nicht vollständig erfassen kann (und das geht jedem Sprachbenutzer so). Ich kann allerdings, wenn ich mich geäußert habe, das Geäußerte anschauen (anhören), und dann schauen, ob und wie ich das in mir bekannte Kontexte einordnen kann. Da allerdings auch das ‚mir Bekannte‘ weitgehend ‚unbewusst‘ ist und nur bei geeigneten ‚Anregungen‘ vom ‚unbewussten Wissen‘ ins ‚bewusste‘ Wissen übergeht, ist die Aufgabe einer ‚Klärung des Redens‘ und der damit verknüpften ‚Bedeutung‘ immer nur fragmentarisch, partiell möglich. Das ‚bewusste Auge des Wissens‘ ist daher eher vergleichbar einer ‚leuchtenden Wissensblase‘ im schwarzen Meer des ‚unbewussten Wissens‘ oder des ‚Nicht-Wissens‘.

Fortsetzung

Sprache und Strukturen – Die Fiktion eines ‚Seins‘

KOMMENTARE

wkp := Wikipedia

[1] In der Mikrobiologie als Teil der Evolutionsbiologie hat man ansatzweise erkannt, wie die einzelnen Zellen während des ‚Wachstumsprozesses‘ mögliche Kooperationen mit anderen Zellen über chemische Stoffe ‚kommunizieren‘, die von ihrem jeweiligen individuellen ‚genetischen Programm‘ ‚kontrolliert‘ werden. Diese Prozesse kann man sehr wohl als ‚Austausch von Signalen‘ beschreiben, wobei diese ‚Signale‘ nicht isoliert auftreten, sondern durch das genetische Programm ‚in Beziehung gesetzt‘ werden zu anderen chemischen Stoffen und Prozessschritten. Durch dieses ‚In-Beziehung-Setzen‘ werden die an sich isolierten chemischen Signalträger in einen ‚Raum von Bedeutungen‘ eingebettet, aus dem heraus sie eine ‚Zuordnung‘ finden. Dieser Gesamtprozess erfüllt alle Anforderungen an eine ‚Kommunikation‘. Insofern erscheint es gerechtfertigt, von einer ‚Verabredung‘ zwischen den einzelnen Zellen zu reden, einer ‚Verständigung‘ darüber, ob und wie sie miteinander ‚kooperieren‘ wollen.

[2] Bei komplexen Verbindungen zwischen Zellen denkt man möglicherweise zuerst an die Zellen im Gehirn (‚Neuronen‘), von denen bestimmte Typen an die 1000 Dendriten (:= dies sind Fortsätze auf einem ‚Axon‘ und ein Axon ist der ‚Ausgang‘ an einem Neuron) haben können, wobei jeder Dendrit mehrere Synapsen beherbergen kann.[3] Da jede Synapse Endpunkt einer Verbindung zu einer anderen Synapsen sein kann, deutet sich an, dass hier ein komplexes Netzwerk in der Größenordnung von Billionen (10^12) Verbindungen in einem Gehirn existieren kann. Daneben gibt es aber auch das System der Blutgefäße, die den ganzen Körper durchziehen und die die ca. 36 Billionen (10^12) Körperzellen mit unterschiedlichen chemischen Stoffen versorgen.

[3] wkp [EN], Neuron, URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Neuron, Abschnitt ‚Connectivity‘, Zitat: „The human brain has some 8.6 x 1010 (eighty six billion (DE: Milliarden)) neurons.[25] Each neuron has on average 7,000 synaptic connections to other neurons. It has been estimated that the brain of a three-year-old child has about 1015 synapses (1 quadrillion (DE: Billiarden)). This number declines with age, stabilizing by adulthood. Estimates vary for an adult, ranging from 1014 to 5 x 1014 synapses (100 to 500 trillion (DE: Billionen)).[26]

[4] wkp [DE], Wissenschaftliche Notation, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Notation. z.B. ’10^12 = Billion, 10^15 = Billiarde).

[5] Robert F.Schmidt, Gerhard Thews (Hrsg.), 1995, Physiologie des Menschen, 25.Auflage, Springer Verlag

[6] Niels Birbaumer, Robert F.Schmidt, 2006, Biologische Psychologie, 6.Aufl., Springer Verlag

[7] Berühmt das Beispiel des ‚Auto-Piloten‘ im Flugzeug, eine Software, die das gesamte Flugzeug ohne menschliches Zutun ’steuern‘ kann.

[8a] So wird die Stellung der Gelenke kontinuierlich zum Gehirn gesendet und für den Fall einer ‚gezielten Bewegung‘ wird die Menge der aktuellen Gelenkstellungen benutzt, um eine ‚geeignete Bewegung‘ anzustoßen, indem entsprechende Signale ‚vom Gehirn an die Muskeln‘ gesendet werden.

[8b] Wie neuere Forschungen zeigen, ist das Wechselspiel zwischen dem Gehirn un den übrigen Zellen im Körper aber möglicherweise noch dichter und umfassender, als man lange Zeit gedacht hat. Dies entdeckten Forscher, die einem Wechselspiel zwischen Tumorzellen und dem Gehirn auf die Spur gekommen sind: LINA ZELDOVICH, (12.Aug.2022), Cancer’s Got a Lot of Nerve. Tumors recruit the nervous system to help them spread. Scientists are looking for ways to stop it, in: NAUTILUS: SCIENCE CONNECTED, URL: https://nautil.us/cancer-has-got-a-lot-of-nerve-238530/?_sp=bfc8e1c5-77f0-4b75-b806-dd5c2fb84451.1675160065693

[9] Natürlich auch eine gewisse Fiktion, weil jeder letztlich bis zu einem gewissen Grad ’seinen Alltag‘ erlebt, der sich mit dem ‚Alltag eines anderen‘ nur teilweise überschneidet.

[10] Wenn Kinder in der Schule zum ersten Mal mit dem Konzept einer ‚Grammatik‘ konfrontiert werden, mit ‚grammatischen Regeln‘, werden Sie nicht verstehen, was das denn ist. Anhand von konkreten Sprachbeispielen werden sie zwar den einen oder anderen ‚grammatischen Ausdruck‘ mit sprachlichen Phänomenen ‚verknüpfen‘ können, aber wirklich verstehen werden sie das Konzept der Grammatik nicht. Dies liegt daran, dass die gesamten Prozesse, die sich im ‚Innern eines Menschen‘ abspielen, bis heute nur sehr rudimentär erforscht sind. Für die Formulierung einer alltagsnahen Grammatik reicht es auf keinen Fall.

[11] Karl Erich Heidoplh, Walter Flämig, Wolfgang Motsch (Hrdg.),(1980), Grundzüge einer Deutschen Grammatik, Akademie-Verlag, Berlin. Anmerkung: Die wohl bislang am weitesten systematisierte Grammatik des Deutschen, die von einem Deutschen Autorenkollektiv (damals noch DDR) erarbeitet worden ist. Gerade weil der Ansatz sehr systematisch war konnten die Autoren klar erkennen, dass die Grammatik als Beschreibung der ‚regelhaften Formen‘ dort ihre Grenzen erreicht, wo die ‚Bedeutung‘ der Ausdrücke in Spiel kommen. Da ‚Bedeutung‘ einen Sachverhalt umschreibt, der sich im ‚Innern des Menschen‘ abspielt (natürlich in intensiver Wechselwirkung mit Interaktionen des Körpers mit der Umgebung), ist eine umfassende objektive Beschreibung des Faktors Bedeutung in Interaktion mit den Formen immer nur partiell möglich.

OKSIMO.R – DIE INNENSEITE DER AUßENSEITE

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 10.Januar 2023)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“.

Die Innenseite der Außenseite

(Dieser Text ist eine unmittelbare Fortsetzung des Textes ‚OKSIMO.R – MINIMALES SZENARIO‘.)

Teil 1

Grundbausteine des ‚Inneren‘

Ausgangspunkt sind die vorausgehenden Gedanken zu einem Minimalszenario für einen gemeinsames Handeln von Menschen.

In diesem Szenario begegnen wir uns als Menschen mit unseren Körpern, die wir als Teil eine ‚Körperwelt‘ erleben.

Die reichhaltigen Erscheinungsweisen dieser menschlichen Körper verknüpft mit der subjektiven Erfahrung jedes einzelnen verweisen auf eine entsprechende ‚Vielfalt hinter der Oberfläche‘ der Körper. Im Alltag sprechen wir auch gerne über unser ‚Inneres‘, über ‚das Innere‘ eines Menschen. Aber, was ist dieses ‚Innere‘?

Die Geschichte der Medizin ist auch eine Geschichte der Erkundung des ‚Inneren‘ des Körpers ausgehend von der ‚Oberfläche‘. Ergänzt wird diese Geschichte durch die Geschichte der Biologie, die den Blick von der Gegenwart ausgeweitet hat in immer mehr Vergangenheit, in die ‚Entstehung der Arten‘, in die Struktur des Lebendigen, und irgendwann war klar, dass die kleinsten Einheiten eines ‚biologischen Lebewesens‘ in den ‚biologischen Zellen‘ zu finden sind.[5] Damit öffnet sich der Blick auf einen unfassbaren Raum von miteinander interagierenden Zellen, der das Reden über ein ‚Inneres‘ schwer macht.

BILD 1: Die befruchtete Eizelle eines Menschen vervielfältigt sich in einem selbst-organisierten Wachstumsprozess in Form von Körperzellen, die auf der Oberfläche wie auch im Innern von Mikroben (Bakterien) besiedelt werden.[1] Ein wichtiger Teil der Körperzellen bildet das Gehirn, das zu annähernd gleichen Teilen aus neuronalen Zellen und nicht-neuronalen Zellen besteht.[2]

Nimmt man die ‚Zelle‘ als kleinste biologische Einheit [3], dann kann man eine direkte Verbindung herstellen zwischen einer einzelnen befruchteten menschlichen Eizelle bis hin zu jenen unfassbaren Mengen an Zellen, die sich im Laufe eines Wachstumsprozesses (letztlich über die ganze Lebenszeit) herausbilden und sich selbst organisieren.(Siehe Bild 1) Bis heute ist dieser komplexe Prozess nur teilweise erforscht und auch die ganzen quantitativen Angaben sind bislang immer noch Schätzungen aufgrund der bekannten Größen.

Vergleicht man die Zahl der Körperzellen zusammen mit den Bakterien im Körper (ca. 137 x 10^12) mit der geschätzten Anzahl der Sterne in der Milchstraße [4] dann kommt man bei der Annahme von 300 Milliarden Sternen in der Milchstraße zum Ergebnis, dass die Anzahl der Zellen in einem menschlichen Körper zusammen mit den internen Bakterien in etwa der Anzahl von 457 Galaxien im Format der Milchstraße entspricht. Dies deutet auf eine gewaltige Dimension des menschlichen Körpers hin.

Über unsere Zellen, die unseren Körper bilden, sind wir als Menschen verbunden mit allen anderen Lebewesen. Wir leben zwar jeweils in einer bestimmten Gegenwart, aber unsere Zellen weisen zurück in eine unglaubliche Geschichte von etwa 3.5 Milliarden Jahren, in denen die biologischen Zellen einen Weg zurück gelegt haben, der von einzelligen Lebewesen zu immer komplexeren Zellstrukturen geführt hat, die sich in der Geschichte in Milliarden von verschiedenen Lebensformen niedergeschlagen haben. Diese Geschichte wird von der ‚Paläontologie‘ im Verbund mit vielen anderen Wissenschaften untersucht.[6]

Wenn wir also über das ‚Innere‘ eines Körpers sprechen, sprechen wir über eine ‚Galaxie von Zellen‘, die miteinander ‚rund um die Uhr‘ in einem lebendigen Austausch stehen. Wir selbst mit unserem ‚Bewusstsein‘ bekommen von all dem nahezu ’nichts mit‘. Dies alles passiert ‚ohne unser bewusstes Zutun‘. Den ‚Sound‘ von 457 Galaxien von Zellen mit insgesamt ungefähr 127 Billionen (10^12) Einzelakteuren könnte niemand bewusst ‚verarbeiten‘.

Können wir also über dieses ‚biologisch-galaktische Innere‘ unseres Körpers nichts weiter sagen?

Eine direkte Fortsetzung zu diesem Text findet sich HIER: OKSIMO.R – DIE INNENSEITE DER AUSSENSEITE – TEIL 2 ( https://www.oksimo.org/2023/01/10/oksimo-r-die-innenseite-der-aussenseite-teil-2/ )

KOMMENTARE

wkp := Wikipedia

[1] Gerd Doeben-Henisch,(2015), DIE HERRSCHER DER WELT: MIKROBEN – BESPRECHUNG DES BUCHES VON B.KEGEL – Teil 1,URL: https://www.cognitiveagent.org/2015/12/06/die-herrscher-der-welt-mikroben-besprechung-des-buches-von-b-kegel-teil-1/

[2] wkp [EN], Human Brain, URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_brain

[3] wkp EN, Cell, URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Cell_(biology)

[4] Maggie Masetti,(2015), How many stars in the milky way? NASA, Goddard Space Flight Center, blueshift, 2015. https://asd.gsfc.nasa.gov/blueshift/index.php/2015/07/22/how-
many-stars-in-the-milky-way.

[5] Volker Storch, Ulrich Welsch, and Michael Wink, editors.
Evolutionsbiologie. Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg, 3 edition, 2013.

[6] wkp [DE], Paläontologie, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4ontologie

OKSIMO.R – Minimales Szenario

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 7.Januar 2023)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“.

ANFANGEN

Was man für ein minimales Szenario annehmen muss.
BILD 1: Elemente für ein minimales Szenario. Verschiedene ‚Akteure‘ befinden sich in einer gemeinsamen realen Umgebung. Sie verfügen über eine ’sinnliche Wahrnehmung‘ dieser Umgebung. Sie können Teile ihrer Körperoberfläche so verändern, dass ‚Bewegungen‘ entstehen. Jeder Akteur verfügt über ‚Emotionen‘ und hat ‚Bilder im Kopf‘. Sie verfügen über eine ‚gemeinsame Sprache‘.

Wenn man miteinander ein ‚Spiel‘ spielen will, dann braucht man in der Regel eine ‚Ausgangslage‘, mit der man beginnt. Dazu unterschiedliche ‚Materialien‘, die sich in der Ausgangslage befinden oder die man ‚hineinbringen‘ oder ‚herausnehmen‘ kann. Man benötigt ‚Mitspieler‘, die diese Situation teilen. Man braucht eine ‚Sprache‘, um sich verständigen zu können. Man braucht ‚Spielregeln‘ (= Bilder im Kopf), die beim Spielen ‚berücksichtigt‘ werden sollen. Man muss unterschiedliche ‚Spielhandlungen‘ (= Bewegungen) ausführen können, und man erlebt im Spiel, dass jeder Mitspieler — sehr unterschiedliche — Emotionen zeigt, die ihn beim Handeln beeinflussen.

Im realen Alltag ist dies nicht anders. Man könnte vielleicht sagen, dass ‚Spiele‘ idealisierte Alltagssituationen‘ darstellen; im Prinzip ist alles da, nur einfacher, abgeschlossener.

Im realen Alltag kann sich im Prinzip jederzeit nahezu alles ändern. Manchmal kurzfristig, manchmal langfristig. Akteure können kommen und gehen, werden krank oder alt. Das Wetter spielt verrückt; es gibt Jahreszeiten. Häuser, Strassen und Brücken werden gebaut oder abgerissen. Pflanzen wachsen und verschwinden. Menschen freuen sich, lachen, werden traurig, weinen, schreien, spielen verrückt.

Ohne die ’sinnliche Wahrnehmung‘ wüssten wir menschliche Akteure nichts von der ‚Welt da draußen‘, von der ‚Körperwelt‘, in der wir unseren eigenen Körper vorfinden. Menschen die blind sind, oder taub, keine Tastempfindungen haben, nicht riechen können … für die ist die Welt schwach, fern, immer wenig greifbar.

Was immer wir wahrnehmen, in uns existieren beständig allerlei ‚Emotionen‘; ein riesiges Spektrum von unterschiedlichen ‚Erregungszuständen‘, die uns ‚ausfüllen‘, die wir als eher ‚angenehm‘ oder ‚unangenehm‘ empfinden; sie kommen und gehen, ohne dass wir sie vollständig kontrollieren können. Und doch scheinen sie festen Gesetzen zu folgen …

Der menschliche Körper mit seinen verschieden Körperteilen, aber auch seine Oberfläche, lässt Veränderungen in Form von Bewegungen zu. Diese wirken z.T. auf den eigenen Körper, auf die eigene sinnliche Wahrnehmung zurück, z.T. verursachen diese Bewegungen aber auch Veränderungen in der Umgebung, hinterlassen Spuren auf dem Körper eines anderen menschlichen Akteurs. Kinder absolvieren im Laufe der Jahre ein riesiges Bewegungsprogramm, was im Erwachsenenalter nicht aufhört, nicht aufhören muss.

Kinder lernen sehr früh zu ’sprechen‘, einfach so, alleine, dann aber zunehmend auch in Gemeinschaft. Dieses Sprechen differenziert sich im Laufe der Jahre immer mehr in Wortschatz, Ausdruck, Betonung, Situationsbezug …

Ein und die gleiche Situation beschreiben unterschiedliche Menschen oft sehr unterschiedlich! Der eine sieht das Obst, der andere die Blumen, noch ein anderer das Auto, die Mauer, andere Menschen, Insekten …. Dies deutet daraufhin, dass wir die uns umgebende Welt nicht 1-zu-1 in uns aufbewahren, sondern nur Teile davon, abhängig von aktuellen ‚Interessen‘. Die ‚Welt in uns‘ ist daher normalerweise nur ein ‚Fragment‘ der realen Welt um uns herum, eine Welt, die ‚vereinfacht‘ wurde, die wir partiell meist wieder ‚erinnern‘ können, nicht immer. Und wir wissen auch, dass ‚Erinnerungen‘ sich ‚in uns‘ ändern können. Die ‚erinnerte Welt‘ kann so irgendwann ein ‚Eigendasein‘ führen: Die ‚Bilder in unserem Kopf‘ sind für uns real, sie repräsentieren für uns ‚die Welt‘, und wir merken nicht unbedingt, dass diese ‚Bilder in unserem Kopf‘ nicht die reale Welt ‚repräsentieren’…

Es ist also möglich — und vielleicht sogar der ‚Normalfall‘ — dass Menschen ‚Bilder in ihrem Kopf‘ mit sich herumtragen, die mehr oder wenige ‚falsch‘ sind; die zusätzlich mit unterschiedlichen ‚Emotionen‘ verknüpft sind, die möglicherweise ‚irreführend‘ sind; dass wir ‚Redeweisen‘ benutzen, die das ganze als ‚zutreffend‘ erscheinen lassen, welche dazu führen können, dass ‚Handlungen‘ zustande kommen, die von diesen wirklichkeitsfremden Voraussetzungen geleitet sind.[1]

Diese Überlegungen zeichnen ein — stark vereinfachtes — minimales Szenario, allerdings nur eine ‚Oberfläche‘. Wie man schon andeutungsweise sehen kann, gibt es hinter den ‚Oberflächenphänomenen‘ einen ‚Innenwelt‘ in den menschlichen Akteuren; natürlich auch in den — bislang nicht erwähnten — anderen ‚biologischen Akteuren‘, die mit uns diesen Planeten bevölkern. Ja, sogar in dem ‚a-biologischen‘ Material unseres Alltags: Steine, Metalle, Kunststoffe, totes Holz, … findet sich ein ‚Innenleben‘.

Dazu gibt es den weiteren Text ‚ANFANGEN: Die Innenseite der Außenseite‘, HIER.

KOMMENTARE

[1] Ich laufe ins wasserfreie Watt hinaus und werde plötzlich vom zurücklaufenden Wasser überrascht. Bis zum Strand schaffe ich es nicht mehr. Oder: Ich muss dringend zu einem Meeting, haste zu meinem Fahrrad; das aber ist nicht da, weil ein Freund sich das gerade mal ‚geborgt‘ hat. Oder: Wir essen in guter Laune in einem Restaurant, und die Nacht beschert vielen Übelkeit und Erbrechen; das Essen war verdorben. Oder: Ich träume von viel Geld, lasse mich auf einen Finanzberater ein, gebe diesem Geld, und das ganze Projekt entpuppt sich als ‚Schrottprojekt‘. Oder: Ich bestelle meinen Acker, benutze einen bestimmten Samen. Die Pflanzen fangen an zu wachsen, und dann gibt es zahlreiche Unwetter, die von den Pflanzen kaum Verwertbares übrig lassen. Oder: Jemand anderes erzählt mir eine Geschichte über böse Menschen, die die Welt beherrschen wollen (er sagt, er habe es gelesen), und deswegen muss er jetzt die eigene Regierung bekämpfen. …. Jeder kennt lange Listen von solchen Erlebnissen.

REVIEW KONFERENZ: PARTIZIPATION UND NACHHALTIGKEIT IN DER DIGITALITÄT, 7.-8.DEZEMBER 2022 – KONFERENZBEITRÄGE – Schrader – Statement 8.Dez2022

(Letzte Änderung: 4.Januar 2023)

Redakteur: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

Kontext

Dieser Text ist ein Statement von Prof. Dr. Christian Schrader zum Teil 1 der Konferenz vom 8.Dez.2023. Der Text von Prof. Schrader wurde mit seiner Genehmigung unverändert übernommen.

Blick zurück: Akten als bürokratisches Prinzip

Die deutsche Verwaltung ist noch im Sinne der Bürokratiemerkmale Max Webers geprägt: Akten, Schriftlichkeit, Geheimhaltung.

Das Schreibbüro gibt es in aller Regel nicht mehr, aber die Schriftlichkeit, der Aktenbock und die Geheimhaltung internen Wissens existieren weiter.

Auflockerungen seit den 1990er Jahren haben Veränderungen, aber keine Abkehr gebracht.

Auflockerungen der Geheimhaltungskultur lassen sich unter anderem an einigen Gesetzen festmachen: Umweltinformationsgesetz, Informationsfreiheitsgesetz, Onlinezugangsgesetz.1

Öffentlichkeitsbeteiligung gab es in Zulassungsverfahren schon vor den Zeiten von Max Weber. Bislang strittig ist aber, warum sie durchgeführt wird: Ausgleich für den Rechtsverlust, der mit der Genehmigung eintritt? Rechtsschutz durch Verfahren? Verbesserung der Entscheidung der Behörde? Anerkennung einer pluralistischen Gesellschaft?

Wegen der ungeklärten Ziele ist die Öffentlichkeitsbeteiligung seit langem je nach Betrachter überflüssig oder unerlässlich.

1 Guckelberger/Starosta, Die Fortentwicklung des Onlinezugangsgesetzes, NVwZ 2021, 1161.

Blick nach vorn: Digitalisierung zur Beschleunigung?

Zurückliegende Beschleunigungsvorhaben können teils als Versuch gesehen werden, eine pluralistische Gesellschaft wieder eindimensionaler zu sehen.

Ist jetzt Digitalisierung als Mittel zur Partizipation für alle? Was ist das Ziel der Teilhabe? Mit-Entscheidung durch alle? Oder Mit-Wirkung an einem staatlich organisierten Verteilungsprozess von Freiheit? Ist gesetzgeberisch Beschleunigung überhaupt erreichbar, wenn seit 1985 eine große Anzahl von Gesetzen mit Beschleunigung im Titel erlassen wurde?1

Nicht aufgenommen in die Diskussion ist, warum Öffentlichkeitsbeteiligung aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung notwendig ist. Ein neuer Ansatz könnte sein, die Nachhaltige Entwicklung einzubeziehen.

Nachhaltige Entwicklung geht davon aus, dass die langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen bedroht ist. Zu ihrer weiteren Entwicklung ist es wichtig, die von Projekten Betroffenen mit einzubeziehen. Hier sind die die sogenannte ökologische und soziale nachhaltige Entwicklung miteinander verbunden. Dieser Zusammenhang stützt die Öffentlichkeitsbeteiligung dagegen, im Zuge der Beschleunigung ökonomischer Projekte oder von Klimaschutzprojekten fallen gelassen zu werden.

1 Groß, Beschleunigungsgesetzgebung – Rückblick und Ausblick, ZUR 2021, 75; rückblickend auch Roth, Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, ZRP 2022, 82.

Blick auf den Stand heute: Überfällige Aufnahme digitaler Elemente in ein weiterhin bürokratisches Konzept

Weiterhin heutige Realität: digitalisierte Zulassungsunterlagen werden im Verfahren ausgedruckt, um verarbeitet werden zu können. Erst zögernd werden etwa im Baurecht interoperable Datenformate für verbindlich erklärt. Auch deshalb gilt Öffentlichkeitsbeteiligung als schwerfällig.1

In der Corona-Pandemie war physische Distanz ein wichtiges Mittel. Damit war eine Öffentlichkeitsbeteiligung, die auf den Gang zur Auslegungsstelle und auf die Einsicht in gedruckte Unterlagen setzt, nicht mehr durchführbar. Das Ende Mai 2020 in Kraft getretene und bis Ende 2023 verlängerte Plansicherstellungsgesetz sollte die Verfahrensvorgänge von 23 Gesetzen vom physischen in den digitalen Raum verlagern.2 Es enthält Modifikationen für die Bekanntmachung, die Auslegung von Unterlagen, für die Erklärungen zur Niederschrift bei einer Behörde bis hin zur Durchführung der Erörterungstermine, mündlichen Verhandlungen und Antragskonferenzen durch sogenannte Onlinekonsultationen. Allerdings sind es nur Modifikationen und damit ein eher komplexes System von teilweisem Nebeneinander physischer und digitaler Formate.3 Praktisch geworden etwa beim Tesla-Werk in Brandenburg und einer Vielzahl weiterer Verfahren. Bislang der praktisch am häufigsten anzutreffende Fall ist die Zurverfügungstellung der Stellungnahmen und Einwendungen sowie Gegenstellungnahmen des Vorhabenträgers im Wege der Einstellung der Einwendungsmatrix, teilweise thematisch gegliedert (sog. Clustering), in das Internet.4 Dem folgt meist dann die sogenannte Onlinekonsultation.

Onlinekonsultationen sind aber nicht etwa Videokonferenzen mit Chat-Funktion, sondern eine Möglichkeit, sich zu vorliegenden Unterlagen innerhalb einer angemessenen Frist digital äußern zu können. Es fehlt also die dialogische Kommunikation, es fehlt ein mehrfacher Austausch von Reaktion und Gegenreaktion. In der Sache ist nur eine Kommentierung vorhandener Unterlagen möglich.

Allerdings soll die Zurverfügungsstellung vorliegender Unterlagen in einem geordneten Dokument Synergie-Effekte für die anschließende Erarbeitung der Entscheidung haben.5 Als maßgebliche Herausforderung wird bezeichnet, entweder bei den betreffenden Behörden eine leistungsfähige IT-Struktur zu entwickeln, vorzuhalten und zu pflegen oder geeignete Dienstleister zur Umsetzung dieses Prozesses zu finden.6

Entgegen den vielen früheren Beschleunigungsgesetzen ist mit Bündnis 90/Die Grünen eine Partei in der Regierung und für eine vehemente Beschleunigung,7 deren Klientel sich früher eher gegen Großvorhaben eingesetzt hat.8 Fehlt damit der politische Rückhalt für Bürgerbeteiligung?

Die Bundesregierung hat 2022 bereits einige Beschleunigungspflöcke gesetzt. Ein Osterpaket enthält ein umfangreiches Maßnahmenbündel.9 Das Gesetz zur Beschleunigung des Einsatzes verflüssigten Erdgases (LNGG)10 hat in Wilhelmshaven in Rekordzeit zu einem LNG-Terminal geführt. Hier ist es möglich, dass im Rahmen der UVP die Öffentlichkeit nur informiert wird, aber ohne eine Möglichkeit der Äußerung oder Erörterung, § 5 LNGG. Die Beteiligung im Rahmen des BImSchG-Verfahrens ist verkürzt auf zwei Wochen (je eine Woche Auslegungs- und Einwendungsfrist) und der Erörterungstermin ist nicht mehr zwingend, sondern steht im Ermessen der Behörde.11 Ferner kann der vorzeitigte Beginn vor der Beteiligung der Öffentlichkeit zugelassen werden, § 6 LNGG. Wenn dieses nur für bestimmte Anlagen, Anlage zu § 2 Abs. 2 LNGG, geltende Gesetz ausgeweitet würde hätte dies substantielle Folgen für die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Die Bundesregierung legte im Juli 2022 Eckpunkte vor zu „Digitalisierung vorantreiben – Planung und Genehmigung beschleunigen“.12 Sie benennt darin priorisierende Digitalisierungsmaßnahmen zur Umsetzung und Weiterentwicklung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und zielt auf die Schaffung eines effizienten Datenaustausches zwischen Behörden mittels funktionierender IT-Schnittstellen. Die Ziele des OZG werden jedoch weit verfehlt.

In Zeiten nach Corona und während des Ukraine-Krieges werden andere Prioritäten diskutiert. Verfassungsrechtlich wird ausgerechnet das Klimaschutzgebot des Art. 20a GG für eine starke Beschleunigung angeführt.13

Verwaltungsrechtlich wurde ein überragendes öffentliches Interesse an den neuen Vorhaben eingeführt. Dessen rechtliche Reichweite ist noch nicht abschließend diskutiert.14 Ob es über die materiellrechtlichen Folgen in Abwägungsprozessen hinaus auch verfahrensrechtlich zugunsten von Beschleunigung wirkt muss diskutiert werden.

1 Burgi/Nischwitz/Zimmernann, Beschleunigung bei Planung, Genehmigung und Vergabe, NVwZ 2022, 1321 (1325).

2 Wormit, Die Digitalisierung der Öffentlichkeitsbeteiligung unter dem neuen Plansicherstellungsgesetz, DÖV 2022, 1026; Dammert/Brückner, Lehren aus dem PlanSiG, EnWZ 2022, 111.

3 Ruge, Das Planungssicherstellungsgesetz (PlanSiG) – Digitalisierung der Öffentlichkeitsbeteiligung von Planungsverfahren in der COVID-19-Pandemie, ZUR 2020, 481 (486).

4 Dammert/Brückner, Lehren aus dem PlanSiG, EnWZ 2022, 111 (113).

5 Dammert/Brückner, Lehren aus dem PlanSiG, EnWZ 2022, 111 (113).

6 Dammert/Brückner, Lehren aus dem PlanSiG, EnWZ 2022, 111 (113).

7 Zu den Maßnahmen der Koalitionsvereinbarung: Roth, ZRP 2022, 82 (83 ff.).

8 Burgi/Nischwitz/Zimmernann, Beschleunigung bei Planung, Genehmigung und Vergabe, NVwZ 2022, 1321 (1322).

9 Schlacke/Wentzien/Römling: Beschleunigung der Energiewende: Ein gesetzgeberischer Paradigmenwechsel durch das Osterpaket?, NVwZ 2022, 1577.

10 Schlacke/Wentzien/Römling: Beschleunigung der Energiewende: Ein gesetzgeberischer Paradigmenwechsel durch das Osterpaket?, NVwZ 2022, 1577 (1585).

11 Schütte/Winkler, Aktuelle Entwicklungen im Bundesumweltrecht, ZUR 2022, 440 (443 f.).

12 BT-Drs. 20/2715. Der dort benannte Beschleunigungseffekt des OZG, dass sich Antragsteller schneller authentifizieren können, dürfte jedoch marginal sein. Das für das Eckpunktepapier verantwortliche Ressort Verkehr und Digitales ist nicht zuständig für Zulassungsverfahren und dürfte lediglich das politische In-Wort Beschleunigung für sich angeeignet haben. Bezeichnend für den derzeitigen IT-Stand ist, dass für 2023 ein digitales Einwendungsmanagementsystem angekündigt wird, um die Kommunikation schnittstellenfrei abzubilden.

13 Burgi/Nischwitz/Zimmernann, Beschleunigung bei Planung, Genehmigung und Vergabe, NVwZ 2022, 1321 (1322 f.). Gegenteilig zu Art. 20 a GG: Groß, ZUR 2021, 75 (78).

14 Versteyl/Marschhäuser, „Überragendes öffentliches Interesse“ als Abwägungsbelang zur Beschleunigung von Klimaschutzvorhaben, KlimR 2022, 74.

Weiterhin bürokratisch-manuelles Konzept

Weiterhin ist die Vorhabenzulassung eine behördliche Einzelfallentscheidung durch traditionelle menschliche Sachbearbeitung.

Wenig wird in der Richtung Prozesse durch maschinelle Unterstützung erledigt. Es gibt keine Automatisierung1a durch Nutzung von KI. Also nicht: den digitalen Bauentwurf einem Behördenprotal hochladen, wo er mit maschineller Unterstützung in kürzester Zeit überprüft wird. § 35a VwVfG erlaubt seit 2016 vollautomatische Verwaltungsakte, wird aber real kaum angewandt und geht auf die historische Zweiteilung komplexer Verwaltungsverfahren in gebundene Entscheidungen und Planfeststellungen nicht ein. Selbst ein durchschnittliches Baugenehmigungsverfahren ist so komplex, dass es derzeit automatisiert schwer umsetzbar erscheint.1b

Um individuelle Betroffenheiten in das Verfahren einzubringen könnten die Abgabe von Stellungnahmen auf einer eigens eingerichteten Homepage sowie die Abhaltung etwaiger Erörterungstermine via Videokonferenz2 zeitgemäß für Schnelligkeit, für mehr Beteiligung und für mehr Akzeptanz sorgen.

„Intelligente Assistenten“ könnten eingesetzt werden, die nach einer Überprüfung dem menschlichen Sachbearbeiter einen Prüfbericht vorlegen. Auch Umweltbezüge könnten stärker automatisiert überprüft werden, sofern sie wie in der Technischen Anleitung Luft ingenieurstechnisch abbildbar sind.

Eine KI-gesteuerte Bearbeitung wird als futuristisch und in weiter Ferne angesehen, da die Verwaltung an vielen Orten immer noch beträchtliche Probleme mit elektronischer Aktenführung aufweist.3 Nur einige Nischenanwendungen sind angeschoben. So prüft der Bund eine KI-basierten Wissensplattform, die zu jeder Frage im Bereich des Artenschutzes verlässliche und zitierfähige Informationen abrufbar gestalten soll.4

1a Roth-Isigkeit, Automatisierung im Baugenehmigungsverfahren, NVwZ 2022, 1253.

1b Roth-Isigkeit, Automatisierung im Baugenehmigungsverfahren, NVwZ 2022, 1253 (1256).

2 Burgi/Nischwitz/Zimmernann, Beschleunigung bei Planung, Genehmigung und Vergabe, NVwZ 2022, 1321 (1325).

3 Roth-Isigkeit, Automatisierung im Baugenehmigungsverfahren, NVwZ 2022, 1253 (1257).

4 BT-Drs. 20/2715, S. 3.

REVIEW KONFERENZ: Partizipation und Nachhaltigkeit in der Digitalität, 7.-8.Dezember 2022 – KONFERENZBEITRÄGE

(Letzte Änderung: 4.Januar 2023)

Redakteur: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

Kontext

Dieser Text ist Teil 2 von Teil 1 des Reviewing zur Konferenz.

INHALT

KONFERENZBEITRÄGE

  • Teil 1: Verwaltungen und die Herausforderung von Bürger:innenbeteiligung für Sozial- und Umweltverträglichkeit. Moderation: Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Dr. Michael Zschiesche, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UFU): Digitalisierung in der Öffentlichkeitsbeteiligung – Stand und Perspektiven
  • Überleitender Kommentar
  • Prof. Dr. Frank Brettschneider, Universität Hohenheim Digitalisierung mit Bürger:innenbeteiligung / Bürger:innenbeteiligung mit digitalen Instrumenten
  • Podiumsdiskussion: Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Jörn Lamla, Universität Kassel, Prof. Dr. Christian Schrader, Hochschule Fulda
  • Überleitung zu Teil 2
  • Teil 2: Citizen Science, Sustainability and Digitality
    Moderation: Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel
  • Dr. Katrin Vohland, Naturhistorisches Museum Wien
    Citizen Science and Sustainability – Large expectations and Some Challenges
  • Prof. Dr. Yen-Chia Hsu, University of Amsterdam
    Empowering Local Communities Using Artificial Intelligence
  • Podiumsdiskussion: Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch, Frankfurt University of Applied Sciences, Franziska Ohde, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel

(Text: Der folgende Text basiert auf den Präsentationsvorlagen der Beiträge 2-4, den Notizen des Autors, sowie ergänzender Recherche im Diskursraum. Die eigenen Notizen waren ursprünglich nicht für ein Protokoll geplant. Weitere Materialien oder Kommentare von anderen Autoren werden als Ergänzungen im Text eingefügt, sofern welche vorliegen).

Teil 1: Verwaltungen und die Herausforderung von Bürger:innenbeteiligung für Sozial- und Umweltverträglichkeit
Moderation: Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main
BILD: Grobe Lokalisierung der Beiträger aus der ersten Konferenzhälfte in der Grafik zum Konzept-Raum des Forschungsprojektes bisher.
10:15 Uhr: Dr. Michael Zschiesche, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UFU): Digitalisierung in der Öffentlichkeitsbeteiligung – Stand und Perspektiven

Dr. Michael Zschiesche, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des UfU (Unabhängiges Institut für Umweltfragen) [5] , dazu
Fachgebietsleiter des Bereichs Umweltrecht & Partizipation, begann die Vortragsreihe. Seine persönliche Geschichte ist mit der Geschichte des UfU engstens verknüpft. Auf der Webseite des UfU heißt es: „Das UfU e.V. ist die erste Gründung eines unabhängigen Instituts für Umweltwissenschaft in den neuen Bundesländern. Schon im November 1989 wurde es von ostdeutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern initiiert. Entscheidender Impuls für diesen Schritt war das Anliegen, bürgernah und zeitkritisch die umweltpolitische Entwicklung in (Ost)Deutschland zu analysieren und zu befördern.“ und es heißt dort weiter „UfU wirkt in der Tradition, die es als Bürgerbewegung in der DDR mit begründet hat. Es stärkt das Engagement der Bürgerinnen und Bürger durch umweltpolitische Aufklärung und Beratung. UfU stößt umweltgerechte Entwicklungen und Prozesse an. Es initiiert und betreut angewandt wissenschaftliche Projekte, Aktionen und Netzwerke, die öffentlich und gesellschaftlich relevant sind, auf Veränderung ökologisch unhaltbarer Zustände drängen und die Beteiligung der Bürger benötigen und fördern. Dabei hilft das UfU, die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu verringern, indem es gesellschaftlich notwendige Veränderungen vordenkt. UfU versteht sich als unabhängige Einrichtung mit Anstoß-, Mittler- und Moderationsfunktion. Es führt lokale, regionale, nationale und internationale Projekte durch und beteiligt sich an globalen Netzwerken.“[5]

Dieses programmatische Selbstverständnis des UfU lokalisiert das UfU im Lichte des konzeptuellen Rahmens des NI-IN Projektes ziemlich direkt innerhalb des Bedeutungsraumes des Konzepts „moderierte Form der ‚Partizipation‘ von Bürgern“.

Michael Zschiesche liefert zu Beginn seines Vortrags eine interessante Differenzierung des Partizipationsgedankens: Auf der einen Seite (i) jene bürgerlichen Aktivitäten, die gesetzlich geregelt sind, und bei denen die legalen Entscheider ‚Informationen‘ zur Verfügung stellen und ‚Konsultationen‘ gewähren müsen. Auf der anderen Seite (ii) gibt es jene bürgerlichen Aktivitäten, die nicht gesetzlich geregelt sind, die von den Bürgern direkt ausgehen, und die sich damit ‚von sich aus als Bürger‘ den legalen Entscheidern als Gesprächspartner anbieten.

Michael Zschiese benutze hier das Konzept ‚formell‘ für den Fall (i) und ‚informell‘ für den Fall (ii).

Michael Zschiese beschränkte sich in seinem weiteren Vortrag auf den Fall der ‚formellen‘ Form der Bürger-Partizipation. Die andere Form der ‚informellen‘ Bürger-Partizipation wurde dann im Anschluss von Frank Brettschneider behandelt.

Im historischen Rückblick ist bedeutsam, dass es überhaupt dazu gekommen ist, dass den Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland ergänzend zu dem bestehenden legalen demokratischen Regelwerk ein begrenzter Mitwirkungsraum zugestanden wurde. Diese Ergänzung wird markiert durch die sogenannte Aarhus-Konvention. [6]

Auf der Webseite des UfU heißt es dazu: „Die Aarhus-Konvention ist nach der dänischen Stadt Århus benannt, in der das sogenannte „UNECE Übereinkommen über den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten“ verabschiedet wurde. Mit der Aarhus-Konvention werden die Rechte auf Information, Beteiligung und Klagemöglichkeiten als Rechte einer jeden Person zum Schutz der Umwelt auch für zukünftige Generationen erstmals im Völkerrecht verankert. Die Konvention beinhaltet die Etablierung von internationalen Mindeststandards für den Zugang zu Umweltinformationen, für die Öffentlichkeitsbeteiligung und für den Zugang zu Gerichtsverfahren. Mit der Konvention wird zudem erstmals völkervertraglich anerkannt, dass es für den Umwelt- und Naturschutz oft vom Staat unabhängige Gruppen, Initiativen und Organisationen braucht. Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder zivilgesellschaftlichen Initiativen treten in Entscheidungs- und Gerichtsverfahren als Stellvertreter für die Umwelt und die Natur auf.“[6]

Dieser Text enthält neben der Hauptbotschaft, dass den Bürgern überhaupt ein Zugang zu Informationen und Gerichten gesetzlich zugestanden wird, zwei Besonderheiten, die sogleich deutliche Begrenzungen markieren: (i) Einzelner Bürger und Verband: Mit einer Präzisierung des Umweltbundesamtes [7] kann zwar der einzelne Bürger sein Recht in Anspruch nehmen, aber nur, sofern er als Individuum betroffen ist. Sind größere Zusammenhänge involviert, die viele Bürger betreffen, dann können nur ‚anerkannte Verbände‘ aktiv werden. (ii) Themenbeschränkung auf Umwelt: Die Erweiterung der Teilhabe (Partizipation) von Bürgern an legalen Entscheidungsprozessen wird thematisch eingeschränkt aufs das Thema ‚Umwelt und Natur‘.

Michael Zschiese referierte dann ausführlich über die weitere Entwicklung dieser anerkannten Formen formeller Bürgerbeteiligungen im Themenfeld Umwelt und Natur. Er verwies dabei auch auf das Web-Portal zu Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) der deutschen Bundesbehörden.[11] Auf diesem Webportal findet sich die Erläuterung, dass „Umweltverträglichkeitsprüfungen … die Umweltauswirkungen von Vorhaben [ermitteln, beschreiben und bewerten]. Sie dienen einer wirksamen Umweltvorsorge. Die Zulassungsbehörden in Deutschland führen UVPs nach einheitlichen Grundsätzen durch. Insbesondere beteiligen sie die Öffentlichkeit.“[11]

Michael Zschiese berichtet dann von verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen, in denen die öffentlich zugänglichen Daten solcher Umweltprüfungsverfahren hinsichtlich der Effektivität dieser Verfahren ausgewertet werden. Siehe dazu beispielhaft [10]. Ein Aspekt bei allen Verfahren, der zunächst nur die ‚Infrastruktur‘ betrifft, ist die ‚Digitalisierung‘. Ihre Verfügbarkeit oder Nicht-Verfügbarkeit kann aber sowohl Inhalt, Schnelligkeit als auch die Qualität der Verfahren deutlich beeinflussen.

In einer abschließenden Bewertung berichtete Michael Zschiese von seinem persönlichen Eindruck, dass die einschlägigen Behörden — auch auf Bundesebene –, ’sehr langsam, halbherzig‘ agieren. Die Behörden wirken hier ‚zurückhaltend‘. Im Fall der Digitalisierung gibt es bislang auch keinen eigenen Bundesbeauftragten.

Überleitender Kommentar

Dieser Kommentar war nicht Bestandteil der Konferenz sondern wird hier in der Besprechung der Konferenz eingefügt.

Wie Michael Zschiese in seinem Vortrag betonte, hatte er sich auf den Aspekt der formellen Bürgerbeteiligung im Feld Umweltschutz und Natur beschränkt. Als Stärke der aktuellen Situation hatte er herausgearbeitet, dass es überhaupt verbindliche gesetzliche Regelungen gibt, wenngleich beschränkt auf nur einige der Themen — Umweltschutz und Natur — , mit denen eine Gesellschaft konfrontiert ist. Ferner wurde deutlich, dass die geltenden Verfahren die verbindliche Einbeziehung von Bürgern letztlich erst in der Offenlegungsphase eines Projektes vorschreiben, und auch hier nicht ‚jedem Bürger einfach so‘ einen potentiellen Klageanspruch über das individuelle Interesse hinaus einräumen, sondern nur anerkannten Verbänden im Kontext Umweltschutz und Naturschutz, die mit Bürgern kooperieren können, aber nicht müssen.

Wie viele reale Beispiele von Bürgerinitiativen zeigen (ein konkretes, mit Dokumentation, siehe hier [13]), ist der Anteil jener Verfahren, die auf diese Weise versuchen, den Bürger zu umgehen, sehr hoch. Wie der nachfolgenden Vortrag von Frank Brettschneider ausführt, liegt er bei ca. 70% der Verfahren. Dort, wo fachkundige Hilfe Bürgerbegehren bzw. Bürgerinitiativen unterstützt, führt dies oft zu langwierigen Gerichtsprozessen, in denen dann die Kommunen immer häufiger verlieren.

Hier können sich einige Fragen stellen: (i) Warum können Kommunen nicht von Anbeginn den Bürgern einer Gemeinde ein mögliches Projekt vorstellen? (ii) Was würde dann mit den Verfahren passieren? Noch grundsätzlicher kann — und muss? — man die Fragen aufwerfen: (iii) warum schränkt der Gesetzgeber (als Vertreter des primären Souveräns) die Themen einer möglichen Beteiligung von vornherein ein? Zudem, (iv) warum baut der Gesetzgeber eine so hohe Hürde auf, dass nur anerkannte Fachverbände eine rechtlich relevante Klage einreichen können? Warum dürfen Bürger sich je nach lokalem Anlass nicht zu informellen Bürgerbewegungen zusammen schließen und als solche ihre Stimme rechts-relevant erheben?

Hier folgt der Vortrag von Frank Brettschneider, der neben dem allgemeinen Aspekt der Bürgerbeteiligung auch den speziellen Punkt ‚Digitalisierung‘ mit einbezieht.

11:00 Uhr: Prof. Dr. Frank Brettschneider, Universität Hohenheim
Digitalisierung mit Bürger:innenbeteiligung /
Bürger:innenbeteiligung mit digitalen Instrumenten [14]

(Hinweis: der folgende Text kann direkt Bezug nehmen auf die Präsentationsunterlagen von Frank Brettschneider, was jeweils durch einen Hinweis auf die Nummer der Seite angezeigt wird).

In der Terminologie von Michael Zschiese behandelt der Vortrag von Frank Brettschneider den Bereich der ‚informellen Bürgerbeteiligung‘, die vorbereitend, ergänzend und erweiternd zu den formellen Verfahren gesehen werden kann.

Frank Brettschneider lenkt den Blick daher auch auf Aspekte, die innerhalb eines formellen Verfahrens nicht unbedingt eine Rolle spielen müssen, wenngleich sie für die Situation und das Bewusstsein der Bürger von hoher Bedeutung sein können (und eben auch für die empirische Forschung zu Bürgerprozessen).

Eine kleine Sammlung von möglichen Gründen zu Bürgerprotesten gibt einen Hinweis auf die Vielfalt solcher Gründe ( ‚Nimby‘ = Not In My BackYard, Umwelt/Natur, Kosten, unklarer Nutzen, Risiken, Von oben herab, mangelnde Transparenz, … vgl. S.4). Vielfältig sind auch die Themen aus dem Spannungsfeld ‚Digitalisierung‘ (Mangelnde Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen, Ausstattung von Schulen, fehlende digitale Verwaltungsleistungen, Fehlen von kommunalen Strategien, Fehlen von digitalen Services in einer Stadt (‚Smart City‘)… vgl.S.5). Immer mehr öffentliche Agendas unterstreichen einen vielfältigen Handlungsbedarf (z.B. ‚Neue Urbane Agenda‘ der UN 2016 [15], ‚Smart City Agenda‘ des Bundes 2017 [16], ‚Neue Leipzig-Charta‘ 2020 [17]; vgl. S.6).

Dies führt zur Frage, wie denn eine informelle Beteiligung von Bürgern in einem Stadtentwicklungsprozess gestaltet sein könnte, bei dem es um viel mehr als nur Umwelt- und Naturschutz gehen kann und tatsächlich auch geht.

Frank Brettschneider unterscheidet bei einem informellen Bürgerbeteiligungsprozess zwei verschiedene Arten von Projektphasen: (i) Aktivitäten zur ‚Entscheidungsvorbereitung‘ in Form von vielfältigen Beratungen, und (ii) dann die eigentliche ‚Entscheidung‘, die er nicht mehr zur ‚informellen Bürgerbeteiligung‘ zählt sondern zur ‚Direkten Demokratie‘.(Vgl. S.11)

In einer Deutschlandweiten Befragung 2021/2022 wurde herausgefunden, dass „etwa zwei Drittel der Befragten … sich eine Demokratie [wünschen], in der zwar grundsätzlich die gewählten Repräsentant:innen die politischen Entscheidungen treffen, in der sie aber vorher die Bürger:innen anhören und deren Empfehlungen in ihre Überlegungen einbeziehen.“(S.13) Genauer: Bundesebene 58%, Landesebene 65%, Kommunale Ebene 67%. Einen direkt-demokratischen Entscheid befürworteten auf kommunaler Ebene mit jeweils ca. 1/3 der Parteianhänger jener Parteien, deren Einfluss auf Landes- und Bundesebene eher eingeschränkt sind.(vgl. SS.13f)

Als Anforderungen für eine gute dialogische Struktur zeichnen sich folgende Faktoren klar ab (S.15 aus der Präsentation):

  1. Es muss Gestaltungs-Spielräume geben
  2. Frühzeitige Einbeziehung aller Betroffenen
  3. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen und Perspektiven
  4. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung
  5. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz;
    sowie klare Rahmenbedingungen
  6. Die Kommunikation muss verständlich sein

Im Rahmen eines so gearteten dialogischen Raumes kommt es dann — nach Erfahrung — darauf an, eine genaue Analyse der beteiligten Auftraggeber (Stakeholder) vorzunehmen (vgl. S.17), ebenso eine genaue Analyse der involvierten Themenfelder (vgl. SS. 18f).

Ferner ergeben sich aus dem Ansatz, einen guten dialogischen Raum zur Verfügung zu stellen, starke Anforderungen an die Bereitstellung geeigneter kommunikativer Instrumente, die heutzutage weitgehend (oder gar ausschließlich) online realisiert werden könnten und sollten.(vgl. SS. 23f)

Als übergreifendes Konzept eines Projekt- und Kommunikationsmanagements, das diesen Anforderungen Rechnung trägt, verweist Frank Brettschneider den Standard VDI 7001 [18], den er in seinen einzelnen Phasen beispielhaft erläutert.

Aus der Zusammenfassung seien hier zwei Punkte nochmals besonders hervorgehoben: (i) Nicht gleich DIE eine fertige Lösung präsentieren,
sondern Lösungsvarianten! (ii) Die Beteiligung verhindert nicht, dass es zu Konflikten kommt. Aber sie erhöht die Chance auf eine tragfähige Lösung. (Vgl. S.27)

11:45 Uhr: Podiumsdiskussion
Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Jörn Lamla, Universität Kassel
Prof. Dr. Christian Schrader, Hochschule Fulda: Statement vom 8.Dezember 2022 (Letzte Änderung: 4.Januar 2023)

Überleitung zu Teil 2

Dieser Kommentar war nicht Bestandteil der Konferenz sondern wird hier in der Besprechung der Konferenz eingefügt.

Während im Teil 1 das Thema ‚Partizipation von Bürgern‘ an politischen Entscheidungsprozessen im Zentrum stand, geht es im Teil 2 mehr um die Frage des Verhältnisses zwischen ‚Bürgern und Wissenschaft‘ (vor allem bei Katrin Vohland), und dem Verhältnis zwischen ‚Bürgern in einer Kommune zur Wissenschaft‘ (Hsu). Dies signalisiert einerseits unterschiedliche Akzente sowohl im Thema ‚Bürger und Wissenschaft‘ selbst wie auch im Verhältnis zum Thema ‚Partizipation von Bürgern‘ im Teil 1. Das eher konkrete Beispiel von Yen-Chia Hsu, angereichert mit Elementen des maschinellen Lernens, lässt erahnen, dass mit einer Künstlichen Intelligenz im Format des maschinellen Lernens zusätzliche Herausforderungen auf das Paradigma Bürgerwissenschaft zukommen.

Teil 2: Citizen Science, Sustainability and Digitality
Moderation: Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel
BILD: Grobe Lokalisierung der Beiträge aus der zweiten Konferenzhälfte. Wie die Beiträge beim Lesen deutlich machen, beinhaltet das Thema ‚Citizen Science‘ nicht nur eine Wechselwirkung zwischen den ‚Bürgern‘ und der ‚Wissenschaft‘, sondern auch mit Technologie allgemein, insbesondere aber auch mit ‚digitalen Technologien‘ und hier immer mehr auch mit ‚Künstlicher Intelligenz‘, vorwiegend im Format des ‚Maschinellen Lernens‘.
13:45 Uhr: Dr. Katrin Vohland, Naturhistorisches Museum Wien
Citizen Science and Sustainability – Large expectations and Some Challenges

Katrin Vohland stellte in ihrem Vortrag die Begriffe ‚Bürger‘ (‚citizen‘) und ‚Wissenschaft‘ (’science‘) mit deren Wechselwirkungen ins Zentrum der Betrachtung, ergänzt um den Aspekt der ‚Nachhaltigkeit‘ (’sustainability‘). Im Fall der Wissenschaft ergänzte sie diesen Begriff noch um das Konzept ‚offene Wissenschaft‘ (‚open science‘).

Für das Konzept ‚Nachhaltigkeit‘ verwies sie einerseits auf die 17 Entwicklungsziele (’sustainable development goals (SDGs)‘) der Vereinigten Nation von 2015 [1a,b] und auf eine thematische Kategorisierung des semantischen Raumes von ‚Nachhaltigkeit‘ mit den Bereichen ‚Umwelt‘, ‚Wirtschaft‘, ‚Soziales‘ sowie ‚Kultur‘. Hier fällt der Bereich ‚Kultur‘ sofort auf, da er nicht so oft eigens genannt wird. Sie verweist hier auf eine Arbeit von  Loach und Griffiths von 2017 [19], die den Aspekt der Kultur als für die Nachhaltigkeit bedeutsam qualifizieren. Diese nennen insbesondere die Rolle der Museen, was eine Nähe zum Hintergrund von Katrin Vohland mit dem Naturhistorischen Museum Wien aufblitzen lässt.

Für das Konzept ‚Bürgerwissenschaft‘ (‚citizen science‘) mit den beiden Dimensionen ‚Bürger‘ und ‚Wissenschaft‘ führt Katrin Vohland keine spezielle Kriterien ein, anhand deren man diese Begriffe abstrakt eingrenzen könnte, sondern benutzt eine Reihe von Beispielen (bzw. ‚Beispiel-Typen‘ ) an, die als ‚charakteristisch‘ für diese Begrifflichkeit gelten können.

So spricht Katrin Vohland von ‚epistemischer Teilhabe‘, ‚transformativer Teilhabe‘ im Kontext von Nachhaltigkeit, neben ‚einfachen‘ Engagements auch von ‚komplexen‘ Engagements in Form von ‚Ko-Design‘, sowie von unterschiedlichen ‚Bezeichnungen‘ für Bürger, die sich im Kontext von Wissenschaft engagieren.[22] Eine große Variabilität des Konzepts ‚Bürgerwissenschaft‘ wird sichtbar.

In diesem Zusammenhang thematisiert Katrin Vohland auch das Konzept von ‚Offener Wissenschaft‘.[23] – [28] Damit ist primär der Aspekt der ‚Zugänglichkeit‘ gemeint, der sich sowohl auf die ‚Daten‘ bezieht, mit denen Wissenschaft arbeitet, als auch auf das ‚Wissen‘. Diese Zugänglichkeit bildet die Grundlage für alle wissenschaftlichen Überzeugungen. Daten wie auch Wissen müssen — will man Bürger möglichst weitgehend beteiligen — ‚zugänglich‘ sein für alle. Dazu gibt es mehr und mehr normative Vorgaben seitens der EU [28] und einzelner Länder, insbesondere von Österreich. (siehe [26])

Als Expertin speziell für die Rolle naturkundlicher Museen illustriert Katrin Vohland auch die mögliche Rolle von Museen im Kontext von Bürgerwissenschaft [27] und sie schildert anhand von konkreten bürgerwissenschaftlichen Projekten das allgemeine Prozessschema bei bürgerwissenschaftlichen Projekten [u.a. 30]. Diese Prozesse kreisen um die Perspektiven (i) Identifikation des Problems und Festlegung einer Agenda, (ii) Mobilisierung der notwendigen Ressourcen, und (iii) Ermöglichung einer sozio-technischen Ko-Evolution.(SS.34ff in der Präsentation) Neben zahlreichen positiven Aspekten, die im Kontext bürgerwissenschaftlicher Prozesse sichtbar werden, verweist Katrin Vohland aber auch auf noch vorhandenen Schwachstellen. So führt Sie z.B. an (S.37):

  1. Bürgerwissenschaft (BW) gilt oft nicht als ‚repräsentativ‘; BW besitzt keine politische Legitimation; Nur wenige Beispiele existieren für wirkliches Ko-Design.
  2. Die Datenqualität von BW wird oft angezweifelt; in der normalen Wissenschaft wird BW nicht wirklich anerkannt.
  3. Obwohl also BW die Aufmerksamkeit — und sogar das Wissen — für bestimmte Problemstellungen fördern kann, führt dies nicht notwendigerweise zu einer Änderung von Verhaltensweisen oder entsprechenden Aktionen.


14:30 Uhr: Prof. Dr. Yen-Chia Hsu, University of Amsterdam,
Empowering Local Communities Using Artificial Intelligence

Die ‚Lerngeschichte‘ von Yen-Chia Hsu lässt erkennen, wie er mit einem Studium der Architektur begonnen hat, von dort durch die intensive Computernutzung in der Architektur uzm Thema ‚berührungsintensives (‚tangible‘) interaktives Design‘ gefunden hat, was ihn dann zum Thema ‚Mensch-Maschine Interaktion‘ geführt hat. Von dort war der Weg dann geebnet zu Themen wie ‚Maschinelles Lernen‘, ‚Computer Sehen‘ (‚Computer Vision‘) und der Einsatz dieser Technologien für eine Unterstützung von Kommunen in ihrem Alltag. Daraus leitet Yen-Chia Hsu seine Forschungsformel ab: „Bürgerwissenchaft und Technologie zu benutzen, um lokale Kommunen zu befähigen, umweltbezogene und soziale Probleme zu adressieren“.(S.2)

Yen-Chia Hsu unterscheidet zwischen einfachen Unterstützungen für Bürger, in denen diese eine vorgegebene App für eine spezielle Datenerfassung benutzen (z.B. zur Klassifikation von Pflanzen und deren Meldung, [31]), und jenen Unterstützungen, in denen Wissenschaftler mit den Bürgern einer Kommune zusammen (‚Ko-Design‘) ein Unterstützungs-System entwickeln.[32, 33] Das grundlegende Schema eines Ko-Designs, so wie es Yen-Chia Hsu benutzt, geht aus von einer gemeinsamen Datenerfassung zu einem Problem, die daraus resultierenden Evidenzen werden den politischen Gremien und den Medien präsentiert, und durch beides wird eine öffentliche Wahrnehmung des Problems erhöht, was wiederum die Motivation für ein Engagement stärken kann.

Für dieses Forschungs- und Handlungsschema stellt Yen-Chia Hsu drei Beispiele vor: Monitoring der Luftqualität (in Pittsburgh)(2015), Monitoring der Geruchsqualität (in Pittsburgh)(2018), Monitoring des Rauches (Pittsburgh)(2020?).

Während das generelle Schema im ersten Moment ‚einfach‘ wirken kann, zeigen die Details dieser Projekte, dass sowohl auf der technischen Seite (Sensoren, Softwareauswertung) wie auch auf der kommunalen Seite (Kommunikation, Kontakte,..) vielfältige Herausforderungen gemeistert werden müssen.

Yen-Chia Hsu fasst die vielfältigen Erfahrungen aus den drei Projekten wie folgt zusammen (vgl. S.31) (siehe auch [35]):

  1. Viele Methoden, die für sich den Anspruch erheben, ‚Ko-Design‘ zu realisieren, sind nicht wirklich Bürger-zentriert. Diese Bürger-Zentriertheit ist aber wichtig, da der lokale Kontext sehr wichtig ist, dieser aber von den Forschern in der Regel kaum verstanden wird.
  2. Die hohen Anforderungen an die Nutzung und Analyse von Daten, die bestimmte statistische Anforderungen erfüllen müssen, bevor sie für Handlungen benutzt werden können, frustrieren Bürger und Kommunen. Dazu kommt, dass im Fall von sozialen Auswirkungen der Ergebnisse, dies zusätzliche Spannungen mit den Bürgern erzeugen kann.
  3. Eine besondere Herausforderungen bildet die zeitliche Dimension, die sich oft weit über die Dauer eines Projektes erstrecken kann. Eine kontinuierliche Anpassung der technischen Systeme ist eine Herausforderung. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass Bürger dazu tendieren, die Möglichkeiten eines maschinell-intelligenten Systems entweder zu überschätzen oder zu unterschätzen.

Folgende Gedanken von Yen-Chia Hsu kann man als ‚Empfehlungen für die zukünftige Forschung‘ verstehen (vgl. SS.33ff):

  1. Man sollte die sozialen Wirkungen von technischen Systemen, angereichert mit maschinellem Lernen, auswerten.
  2. Man sollte die Design-Prozesse, durch die lokales Wissen in Funktionen übersetzt wird, dokumentieren.
  3. Lokale Probleme zu Problemen der Umwelt und des Sozialen sollten durch interaktive Anwendungen des maschinellen Lernens dem Verstehen zugänglicher gemacht werden.
  4. Eher speziell empfiehlt er, visuelle Analyse-Werkzeuge, die mit maschinellem Lernen unterstützt werden, dahingehend zu untersuchen, ob und wie sie die gemeinsame Erstellung (‚co-creation‘) von brauchbaren Daten unterstützen und dadurch zugleich die Bürger weiter befähigen (‚empowering them‘).

15:45 Uhr: Podiumsdiskussion
Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch, Frankfurt University of Applied Sciences
Franziska Ohde, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel

KOMMENTARE

[5] Ein informativer Gesamtüberblick zum UfU findet sich in der Deutschen Wikipedia HIER ( https://de.wikipedia.org/wiki/Unabh%C3%A4ngiges_Institut_f%C3%BCr_Umweltfragen ). Die Homepage des UfU findet sich hier: https://www.ufu.de/ (Zuletzt: 13.Dez.2022). Ein kurzer Überblick zur Geschichte des UfU seit 1989 findet sich hier: https://www.ufu.de/ueber-uns/geschichte/

[6] Aarhus Konvention (https://www.aarhus-konvention.de/aarhus-konvention/): Webseite des UfU zur Erläuterung der wichtigen Aarhus-Konvention „in der das sogenannte UNECE-Übereinkommen über den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten verabschiedet wurde.“ Dort auch die Aarhus-Änderungsverordnung von 2021: https://www.aarhus-konvention.de/europaeische-union/aarhus-aenderungsverordnung-2021/

[7] Rechtsschutz und Verbandsklage: Informationsseite des Umweltbundesamts: Jede Person, die geltend macht, durch staatliches Handeln in ihren Rechten verletzt zu werden, kann Rechtsschutz in Anspruch nehmen. Gegen eine Behördenentscheidung ist zunächst der Widerspruch bei der Behörde und gegen einen Widerspruchsbescheid die Klage vor den Verwaltungsgerichten zulässig: https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/umweltrecht/rechtsschutz-verbandsklage (Zuletzt: 13.Dezember 2022). Ergänzung während der Corona-Zeit wurde im Mai 2020 Regelungen zu Planungs- und Ge­nehmi­gungs­ver­fahren in Corona-Zeiten verabschiedet: https://dserver.bundestag.de/btd/19/192/1919214.pdf

[8] Wissenschaftliche Unterstützung des Rechtsschutzes in Umweltangelegenheiten in der 19. Legislaturperiode: Publikation des Umweltbundesamts. Kern der Studie ist ein ⁠Monitoring⁠ der Umweltverbandsklage von 2017-2020. Damit setzten das Unabhängige Institut für Umweltfragen e. V., Prof. Dr. Schmidt und RA Teßmer die Untersuchungen seit Einführung der Umweltverbandsklage fort. So kann die Entwicklung der Zahl und Erfolgsquote der Umweltverbandsklagen gezeigt werden. Zudem wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der Dauer von Zulassungsverfahren und dem Wegfall der Präklusion untersucht. Die Studie enthält außerdem mehrere Gutachten, in denen verschiedene Rechtswissenschaftler*innen spezielle Fragen des Umweltrechtsschutzes klärten, RAin Heß z. B. solche zum Rechtsschutz gegen Pläne und Programme und Prof. Dr. Gärditz zur Präklusion: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/wissenschaftliche-unterstuetzung-des-rechtsschutzes (Zuletzt: 13. Dez. 2022) PDF: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/texte_149-2021_wissenschaftliche_unterstuetzung_des_rechtsschutzes_in_umweltangelegenheiten_in_der_19._legislaturperiode_0.pdf

[9] Grundsätzliche Rolle des ‚Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz (UmwRG)‘: Siehe [8] S.29f

[10] UfU Stellungnahme zu Bürgerbeteiligung 2020: https://www.ufu.de/wp-content/uploads/2020/12/201230_Hintergrundpapier_Buergerbeteiligung.pdf (Zuletzt: 13.Dez.2022)

[11] UvP Portal des Bundes und der Länder: https://www.uvp-portal.de/ (Zuletzt: 13.Dez. 2022): „Hier finden Sie Informationen zu den Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) der deutschen Bundesbehörden. Umweltverträglichkeitsprüfungen ermitteln, beschreiben und bewerten die Umweltauswirkungen von Vorhaben. Sie dienen einer wirksamen Umweltvorsorge. Die Zulassungsbehörden in Deutschland führen UVPs nach einheitlichen Grundsätzen durch. Insbesondere beteiligen sie die Öffentlichkeit.“

[12] Schema ein er Umweltverträglichkeits-Prüfung: https://www.uvp-portal.de/de/node/250 (Zuletzt: 13.Dez.2022)

[13] Beispiel einer Bürgerinitiative in einer kleinen Kommune (61137 Schöneck), in der die Gemeindeleitung zunächst versucht hatte, die Ansiedlung eines neuen Rechenzentrums (RZ) ohne die Einbeziehung einer breiten Öffentlichkeit vorzubereiten. Dadurch, dass dann doch immer mehr Informationen ‚durchsickerten‘, kam es zur Entstehung einer recht beeindruckenden Bürgerinitiative (https://www.lebenswertes-schoeneck.de/), die immer mehr Informationsveranstaltungen organisierte, so dass es dann in der offiziellen Offenlegungsphase im November 2022 zu über 700 Einwendungen gegen das Projekt kam, 20 davon von Behörden oder Verbänden. Einige der fachlichen Einwendungen kann man HIER (https://www.lebenswertes-schoeneck.de/Einwendungen/) einsehen.

[14] Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft, Fruwirthstraße 46, 70599 Stuttgart, (https://komm.uni-hohenheim.de)

[15] UN HABITAT III (siehe: https://unhabitat.org/habitat-iii ).: „Habitat III, the United Nations Conference on Housing and Sustainable Urban Development, took place in Quito, Ecuador, from 17 – 20 October 2016. In resolution 66/207 and in line with the bi-decennial cycle (1976, 1996, and 2016), the United Nations General Assembly decided to convene the Habitat III Conference to reinvigorate the global commitment to sustainable urbanization, to ratify the “New Urban Agenda”, building on the Habitat Agenda of Istanbul in 1996.“ …. „Habitat III was one of the first United Nations global summits after the adoption of the Post-2015 Development Agenda and the Paris Climate Change Agreement. It offered a unique opportunity to discuss the important challenge of how cities, towns, and villages are planned and managed, in order to fulfill their role as drivers of sustainable development, and hence shape the implementation of new global development and climate change goals.“

[16] SMART CITY CHARTA – DIGITALE TRANSFORMATION IN DEN
KOMMUNEN NACHHALTIG GESTALTEN
(2017), Herausgeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bonn
Deichmanns Aue 31–37, 53179 Bonn; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Stresemannstraße 128 – 130, 10117 Berlin, URL: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/bauen/wohnen/smart-city-charta-kurzfassung-de-und-en.pdf?__blob=publicationFile&v=4

[17] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2020): Neue Leipzig-Charta. Die transformative Kraft der Städte
für das Gemeinwohl, URL: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2021/neue-leipzig-charta-pocket-dl.pdf. Aus der Vorbemerkung: „

Die Neue Leipzig-Charta ist das Leitdokument für eine zeitgemäße Stadtpolitik in Deutschland und Europa. Was sind die
Grundprinzipien guter Stadtentwicklung? Wo besteht dringender Handlungsbedarf? Wie lassen sich Krisenfestigkeit und
Innovationskraft in den Städten Europas stärken, um aktuelle
und zukünftige soziale, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu bewältigen? Welche Unterstützung benötigen
Kommunen und die Menschen, die in ihnen leben und arbeiten,
um ihre Gestaltungs- und Veränderungskraft entfalten zu
können – in großen wie in kleinen Städten, im Quartier oder in
einer ganzen Stadtregion?“

[18] VDI Standard 7001: Siehe für einen kurzen Überblick Wikipedia DE: VDI 7001 (https://de.wikipedia.org/wiki/VDI_7001). Die VDI-Quelle zu „VDI 7001 Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung bei Planung und Bau von Infrastrukturprojekten“ findet sich hier: https://www.vdi.de/richtlinien/unsere-richtlinien-highlights/vdi-7001. Dort kann man lesen: „Infrastrukturprojekte sorgen in der Öffentlichkeit schon seit Jahrzehnten immer wieder für ausgiebige Diskussionen und teilweise massive Proteste. Wie können die beteiligten Akteure und Ingenieure gemeinsam gesellschaftliche Lösungen für die Umsetzung von längst notwendigen Infrastrukturprojekten der nächsten Jahrzehnte erreichen? Die Richtlinie VDI 7001 gibt Hinweise zur Kommunikation und Bürgerbeteiligung bei der Durchführung von Infrastrukturprojekten unter Berücksichtigung der Leistungsphasen (HOAI) in der Ingenieurplanung.“

[19] Kirsten Loach, Jillian Griffiths, Cultural sustainability as a strategy for the survival of museums and libraries, International Journal of Cultural Policy, Volume 23, 2017 – Issue 2: Cultural Policies for Sustainable Development, Pages 186-198, Published online: 13 Jun 2016 : Abstract „Cultural sustainability has become a growing priority within sustainable development agendas, and is now often depicted as a fourth pillar, equal to social, economic, and environmental concerns. Museums and libraries play a unique role within cultural sustainability by preserving their communities’ heritage. However, sustainability policy and research within these sectors still tends to focus on the social, economic, and environmental pillars. This article provides a critique of sustainability policy and research for museums and libraries. It argues that more explicit coverage of cultural sustainability is required to not only improve the contributions of museums and libraries to cultural sustainability, but also to provide an increased understanding and appreciation of the value of these institutions necessary for their continued survival.“ (URL: https://www.tandfonline.com/journals/gcul20 )

[20] Bürger schaffen Wissen: ( https://www.buergerschaffenwissen.de/ueber-uns ) . Auf der Webseite: „Bürger schaffen Wissen ist die zentrale Plattform für Citizen Science in Deutschland und präsentiert, vernetzt und unterstützt seit November 2013 Citizen-Science-Projekte. Wir als Team von Bürger schaffen Wissen verstehen es als unsere Aufgabe, die Bürgerforschung in Deutschland weiterzuentwickeln, bekannter zu machen und über Projekte zum Mitforschen zu informieren.  Die Zusammenarbeit von Wissenschaftsinstitutionen und Bürger*innen unter dem Begriff Citizen Science hat in den letzten Jahren eine große Entwicklung erfahren. Im Zuge dessen spielen Themen wie die Netzwerkentwicklung und unsere Trainingsworkshops, bei denen wir interessierte Akteur*innen einladen, sich in verschiedenen Modulen mit Citizen Science auseinanderzusetzen, in diesem Jahr eine große Rolle für uns und die Community. Bürger schaffen Wissen ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaft im Dialog (gGmbH) und dem Museum für Naturkunde Berlin. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).“

[21] Christopher Kullenberg , Dick Kasperowski, What Is Citizen Science? – A Scientometric Meta-Analysis, PLOS ONE, Published: January 14, 2016, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0147152. Abstract: Context: „The concept of citizen science (CS) is currently referred to by many actors inside and out-side science and research. Several descriptions of this purportedly new approach of science are often heard in connection with large datasets and the possibilities of mobilizing crowds outside science to assists with observations and classifications. However, other accounts refer to CS as a way of democratizing science, aiding concerned communities in creating data to influence policy and as a way of promoting political decision processes involving environment and health.“ … Results: „Results indicate that there are three main focal points of CS. The largest is composed of research on biology, conservation and ecology, and utilizes CS mainly as a methodology of collecting and classifying data. A second strand of research has emerged through geographic information research, where citizens participate in the collection of geographic data. Thirdly, there is a line of research relating to the social sciences and epidemiology, which studies and facilitates public participation in relation to environmental issues and health. In terms of scientific output, the largest body of articles are to be found in biology and conservation research. In absolute numbers, the amount of publications generated by CS is low (N = 1935), but over the past decade a new and very productive line of CS based on digital platforms has emerged for the collection and classification of data.“

[22] Eitzel, M.V., Cappadonna, J.L., Santos-Lang, C., Duerr, R.E., Virapongse, A., West, S.E., Kyba, C.C.M., Bowser, A., Cooper, C.B., Sforzi, A., Metcalfe, A.N., Harris, E.S., Thiel, M., Haklay, M., Ponciano, L., Roche, J., Ceccaroni, L., Shilling, F.M., Dörler, D., Heigl, F., Kiessling, T., Davis, B.Y. and Jiang, Q., 2017. Citizen Science Terminology Matters: Exploring Key TermsCitizen Science: Theory and Practice, 2(1), p.1. DOI: http://doi.org/10.5334/cstp.96 Abstract: „Much can be at stake depending on the choice of words used to describe citizen science, because terminology impacts how knowledge is developed. Citizen science is a quickly evolving field that is mobilizing people’s involvement in information development, social action and justice, and large-scale information gathering. Currently, a wide variety of terms and expressions are being used to refer to the concept of ‘citizen science’ and its practitioners. Here, we explore these terms to help provide guidance for the future growth of this field. We do this by reviewing the theoretical, historical, geopolitical, and disciplinary context of citizen science terminology; discussing what citizen science is and reviewing related terms; and providing a collection of potential terms and definitions for ‘citizen science’ and people participating in citizen science projects. This collection of terms was generated primarily from the broad knowledge base and on-the-ground experience of the authors, by recognizing the potential issues associated with various terms. While our examples may not be systematic or exhaustive, they are intended to be suggestive and invitational of future consideration. In our collective experience with citizen science projects, no single term is appropriate for all contexts. In a given citizen science project, we suggest that terms should be chosen carefully and their usage explained; direct communication with participants about how terminology affects them and what they would prefer to be called also should occur. We further recommend that a more systematic study of terminology trends in citizen science be conducted.“

In the section Direction for Future Work the authors write „

Two questions we raise are: 1) “Who gets to decide what
people involved in all aspects of citizen science are called,
and why?” and 2) “Who gets to decide what science consists
of?”
We believe that investigation into these questions is
important for citizen science to address power imbalances
in knowledge production. As we have pointed out in the
theoretical background, terminology can have a profound
effect on participants and has the power to include or
exclude. For example, using terminology that uninten-
tionally privileges the project leader may run counter to
the democratizing intentions of a citizen science project,
could influence how participants feel about the activity,
and could affect the knowledge that is produced.“ (p.16)

[23] ECSA – European Citizen Science Association, Auf der Webseite kann man unter ‚Vision and Mission‘ (https://www.ecsa.ngo/about-us/) lesen: „Our vision is that all citizens in Europe are valued and empowered as actors in advancing knowledge and innovation, and thus supporting sustainable development. We want to establish citizen science as a recognized, promoted and funded approach, one that fosters scientific literacy and the democratization of science. Through this, we want to see an increase in the social relevance and sustainable impact of research, and a stronger evidence base for policy processes, in Europe and globally.“

[24] ECSA – European Citizen Science Association, ECSA’s characteristics of citizen science, 2020 ( https://ecsa.citizen-science.net/wp-content/uploads/2020/05/ecsa_characteristics_of_citizen_science_-_v1_final.pdf ). In der Einleitung kann man lesen: „Citizen science is a common name for a wide range of activities and practices. It is possible to understand it by considering the characteristics of those activities and practices, which are described in this document. These are found in different scientific disciplines – from the natural sciences to the social sciences and the humanities – and within each discipline, the interpretation of citizen science can be slightly different. Yet despite these differences, citizen science is an emerging area of research and practice, with evolving standards on which different stakeholders are developing methodologies, theories and techniques. It is, therefore, useful to establish some level of shared understanding, across disciplines and practices, as to what to expect from an activity or a project that is set out to be a citizen science one. There is little doubt that a project with an open call to a wide range of volunteers to take part in either data collection or data analysis of a clearly defined research hypothesis will be recognised as citizen science. However, this is only one type within a large set of activities, practices and forms of participation, resulting in diverging views about what is – and isn’t – citizen science. Because of these differences in disciplinary and cultural contexts, attempting to define a universal set of rules for exclusion or inclusion is difficult, and might even limit the advancement of the field.
Instead, this document attempts to represent a wide range of opinions in an inclusive way, to allow for different types of projects and programmes, where context-specific criteria can be set. The characteristics outlined below are based on views expressed by researchers, practitioners, public officials and the wider public. Our aim is to identify the characteristics that should be considered when seƫng such criteria (e.g. a funding scheme), and we call upon readers to determine which subset of these characteristics is relevant to their own specific context and aims.“

[25] Pateman, R.; Tuhkanen, H.; Cinderby, S. Citizen Science and the
Sustainable Development Goals in Low and Middle Income Country
Cities
. Sustainability 2021, 13, 9534. https://doi.org/10.3390/su13179534, Im ‚Abstract‘ kann man lesen: „Progress towards the United Nations’ Sustainable Development Goals (SDGs) is monitored using a set of targets and indicators. Gaps in official datasets have led to calls for the inclusion of data generated through citizen science (CS) and allied approaches. Co-benefits of CS mean these approaches could also contribute to localising, defining, and achieving the SDGs. However, mapping of current and potential contributions is needed, as well as an understanding of the challenges these approaches present. We undertake a semi-systematic review of past and current CS projects and assess them against dimensions of CS—spatial, temporal, thematic, process, and management—and their value for the SDGs set out by Fritz et al. in 2019, focusing on low and middle income country (LMIC) cities as key environments in the battle for sustainability. We conduct interviews with project leaders to further understand the challenges for CS in these contexts. We find opportunities for projects to monitor and achieve a wide range of goals, targets, and indicators. However, we find fewer projects in low income countries when compared with middle income countries. Challenges include balancing local needs with national monitoring requirements and a lack of long-term funding. Support is needed for LMICs to achieve the potential of CS.“

Im Abschnitt über ‚Future Directions‘ man kann u.a. lesen: „Finally, we encourage deeper reflection and discussion of challenges in the CS community which was found to be absent from many of the resources found in our literature review. There is a need for CS to be critical and for project leaders to assess and report on successes and failures in terms of data quality, engagement, participant, and stakeholder outcomes, etc. Where these issues were discussed, they were often noted as observations rather than as a result of a more systematic evaluation or study. Rigorous assessment and reflection needs to be built into CS processes so that it involves participants and other stakeholders and allows for open learning to take place within CS projects and in the community as a whole.“

In den ‚Conclusions‘ kann man ergänzend u.a. lesen: „A full understanding of the social and structural barriers to the successful implementation of CS, particularly in the lowest income countries and when working with the most marginalised in society, is required. Effort is also needed to engage LMICs in discussions about the inclusion of CS data in SDG monitoring and to support the successful implementation of CS initiatives. Without understanding and overcoming barriers and providing this support, there is a risk that those who could most benefit from being engaged with these approaches will in fact be excluded.“

[26] Open Science Policy Austria: Österreichische Policy zu Open Science und der European Open Science Cloud(https://www.bmbwf.gv.at/Themen/HS-Uni/Hochschulgovernance/Leitthemen/Digitalisierung/Open-Science/Open-Science-Policy-Austria.html), Auf der Webseite kann man gleich zu Beginn lesen: „Am Mittwoch 23.2.2022 wurde im Zuge eines gemeinsamen Ministerratsvortrages von BMBWF, BMDW und BMK die Open Science Policy Austria beschlossen.
Mit diesem Vortrag an den Ministerrat und dieser Open Science Policy Austria bekennt sich Österreich zur Open Science Bewegung und zur European Open Science Cloud (EOSC). Die Vision von Open Science ist es, wissenschaftliche Prozesse offener und effektiver zu gestalten und sowohl wissenschaftliche Exzellenz als auch offene innovative und angewandte Forschung zur Bewältigung aktueller Herausforderungen zu nutzen, die sehr umfassend in den Policies der EU-Kommission und im Rahmenwerk der Globalen Nachhaltigkeitsziele (UN SDGs) dargestellt werden.“

Zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘ heißt es u.a.: „Die SDGs sind für die Hochschulen zentrale, globale, internationale und nationale Zielsetzungen. Das Bekenntnis zur verstärkten Verankerung der Nachhaltigkeit an den Universitäten wurde im Jänner 2020 auch von der österreichischen Universitätenkonferenz (Uniko) gewürdigt und im „Manifest für Nachhaltigkeit“ verankert – und zwar für unterschiedlichste Tätigkeitsfelder wie Lehre, Forschung, Wissensaustausch oder Universitätsmanagement sowie dem Dialog mit der Gesellschaft nach außen. „

Zum Thema ‚Forschung‘ heißt es auf der Webseite u.a.: „Forschen bedeutet, systematisch und auf nachvollziehbare, reproduzierbare und kreative Weise neues Wissen und neue Anwendungen zu generieren. Von der Erforschung der Grundlagen der Natur und des menschlichen Zusammenlebens zur modernen Medizin, dem Internet und der Demokratie. Geschichten aus der Forschung sind Erfolgsgeschichten, die Generationen und Staaten verbinden. Forschung ist zudem ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Zum Thema ‚Digitalisierung und Forschung‘ heißt es u.a.: „Was die Erfindung des Buchdrucks für die Neuzeit oder die der Dampfmaschine Mitte des 19. Jahrhunderts war, ist im 21. Jahrhundert die digitale Transformation. Sie stellt eine technologische Weiterentwicklung dar, die das bisherige wirtschaftliche, politische, soziale, gesellschaftliche und auch wissenschaftliche Gefüge auf den Kopf stellt. Das bringt Chancen und Herausforderungen mit sich, die neue Handlungsspielräume eröffnen und zugleich aber auch strukturelle Veränderungsprozesse notwendig machen.“

Zum thema ‚KI und Digitalisierung‘ finden sich u.a. folgende Aussagen: „Weil Künstliche Intelligenz (KI) sowohl als Teil der Digitalisierung, als auch eigenständig betrachtet werden kann, sind die grundsätzlichen Ausführungen zu Digitalsierung der Lehre, Digitalisierung in der Forschung, Open Science und Digitalisierung in der Hochschulverwaltung auch entsprechend auf Veränderungen durch den Einsatz von KI andwendbar. Das gilt besonders für die Herausforderung für Hochschulen, digitale Grundkompetenzen, fachspezifisches Know How und den kritisch-reflexiven Umgang mit KI entsprechend zu vermitteln. „

Zum Thema ‚KI‘ heißt es: „Unter Künstlicher Intelligenz versteht das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) Systeme mit einem intelligenten (selbstlernendem) Verhalten, die ihre Umgebung analysieren und mit einem gewissen Grad an Autonomie handeln.“

Zum Thema ‚Open Science‘ heißt es u.a.: „Unter Open Science versteht man die freie Zugänglichkeit, Nutzbarmachung und Weiterverarbeitbarkeit von wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungsdaten. In Zeiten des globalen digitalen Wandels ist das eine wichtige Voraussetzung zur Gewährleistung der verfassungsmäßig garantierten Freiheit der Wissenschaft. Österreich nimmt dabei eine wichtige Vorreiterrolle ein. Im Zeitalter der Digitalisierung – in dem die meisten wissenschaftlichen Publikationen primär elektronisch verfügbar sind – stellt sich beim Gedanken einer Offenen Wissenschaft (Open Science) die Frage nach der erweiterten bis schrankenlosen Zugänglichkeit wissenschaftlicher Informationen (Open Access) und ihren dahinterliegenden Daten (Open [Research] Data). Zu Open Science zählen aber auch noch andere Aspekte wie beispielsweise:

  • Open Source / Open Methods, also die Zugänglichkeit des Quellcodes und der Forschungsmethoden
  • Open Infrastructures, die Zugänglichkeit von Forschungsinfrastrukturen
  • Open Evaluation, die Zugänglichmachung von Evaluierungen
  • Citizen Science, also die Beteiligung von Bürger/innen in wissenschaftlicher Forschung oder auch
  • Open Education (u.a. der Einsatz von offenen Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) im Kontext von Digitalisierung von Studium und Lehre). Damit ist die Zugänglichmachung von Lehr- und Lernmaterialen unter freien Lizenzen gemeint.

[27] Vohland, Katrin; Eichert, Stefan; Fiedler, Sarah; Kapun, Martin;
Kroh, Andreas; Mehu-Blantar, Ines; Ott, Iris ; Rainer, Heimo;
Schwentner, Martin; Zimmermann, Eva: Open Science in Museums –
Strategy of the Naturhistorisches Museum Wien (NHMW): The bene-
fits of openness.
Version 1.0 (2022-04-27) Naturhistorisches Museum
Wien (Vienna 2022) https://doi.org/10.5281/zenodo.6505108

In der Zusammenfassung kann man lesen: „In this document the NHMW rolls out in which areas the museum already contributes and can contribute to implement Open Science in its processes and products, which resources are necessary, and which already have been aquired, mainly in the form of third party funded projects. The key contribution is linked to its global responsibility regarding the collections. Objects from various disciplines from all over the world are hosted in the museum. Not only their conservation and their exploration/research („Beforschung”) belongs to the duties of the NHMW but also increasing their accessibility for research and education. The digital transformation not only requires new standards, workflows, and skills but also offers opportunities to link the collection with data from areas far beyond the museum, being it Earth observation, health, or nature based solutions. Some of these changes can be managed internally or with the support of projects. For a sustainable transition, additional resources are necessary as the basis of the NHMW are still the physical objects in the collections which have to be maintained in a responsible manner for the next centuries – in any case longer than the lifespan of a hard disk.“

[28] EU: The EU’s open science policy (https://research-and-innovation.ec.europa.eu/strategy/strategy-2020-2024/our-digital-future/open-science_en).

Auf der Webseite wird ‚Offene Wissenschaft‘ wie folgt definiert: „An approach to the scientific process that focuses on spreading knowledge as soon as it is available using digital and collaborative technology. Expert groups, publications, news and events.“

Zur europäischen ‚Offene Wissenschaft Vorgehensweise‘ kann man lesen: „Open science is a policy priority for the European Commission and the standard method of working under its research and innovation funding programmes as it improves the quality, efficiency and responsiveness of research. When researchers share knowledge and data as early as possible in the research process with all relevant actors it helps diffuse the latest knowledge. And when partners from across academia, industry, public authorities and citizen groups are invited to participate in the research and innovation process, creativity and trust in science increases. That is why the Commission requires beneficiaries of research and innovation funding to make their publications available in open access and make their data as open as possible and as closed as necessary. It recognises and rewards the participation of citizens and end users.“

[29] Katrin Vohland, Anne Land-Zandstra, Luigi Ceccaroni, Rob Lemmens, Josep Perelló, Marisa Ponti, Roeland Samson, Katherin Wagenknecht (Eds), The Science of Citizen Science (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-030-58278-4.pdf?pdf=button), Springer, https://doi.org/10.1007/978-3-030-58278-4. This book is an open access publication.

Dieses Buch behandelt das Phänomen ‚Citizens Science‘ in großer Breite.

[30] Henry Sauermann, Katrin Vohland, Vyron Antoniou, Bálint Balázs, Claudia Göbel, Kostas Karatzas, Peter Mooney, Josep Perelló, Marisa Pontik, Roeland Samsonl, Silvia Winter, Citizen science and sustainability transitions, Elsevieer, Research Policy 49 (2020) 103978, Open Access Journal, https://doi.org/10.1016/j.respol.2020.103978

Im ‚Abstract‘ kann man Lesen: „Citizen Science (CS) projects involve members of the general public as active participants in research. While some advocates hope that CS can increase scientific knowledge production (“productivity view”), others emphasize that it may bridge a perceived gap between science and the broader society (“democratization view”). We discuss how an integration of both views can allow Citizen Science to support complex sustainability transitions in areas such as renewable energy, public health, or environmental conservation. We first identify three pathways through which such impacts can occur: (1) Problem identification and agenda setting; (2) Resource mobilization; and (3) Facilitating socio-technical co-evolution. To realize this potential, however, CS needs to address important challenges that emerge especially in the context of sustainability transitions: Increasing the diversity, level, and intensity of participation; addressing the social as well as technical nature of sustainability problems; and reducing tensions between CS and the traditional institution of academic science. Grounded in a review of academic literature and policy reports as well as a broad range of case examples, this article contributes to scholarship on science, innovation, and sustainability transitions. We also offer insights for actors involved in initiating or institutionalizing Citizen Science efforts, including project organizers, funding agencies, and policy makers.“

[31] Pl@ntNet is a citizen science project available as an app that helps you identify plants thanks to your pictures (https://plantnet.org/en/)

[32] Yen-Chia Hsu, Jennifer Cross, Paul Dille, Michael Tasota, Beatrice Dias, Randy Sargent,Ting-Hao (Kenneth) Huang, Illah Nourbakhsh, Smell Pittsburgh: community-empowered mobile smell reporting system , IUI ’19: Proceedings of the 24th International Conference on Intelligent User Interfaces, March 2019, Pages 65–79, https://doi.org/10.1145/3301275.3302293

Im ‚abstract‘ kann man lesen: „Urban air pollution has been linked to various human health considerations, including cardiopulmonary diseases. Communities who suffer from poor air quality often rely on experts to identify pollution sources due to the lack of accessible tools. Taking this into account, we developed Smell Pittsburgh, a system that enables community members to report odors and track where these odors are frequently concentrated. All smell report data are publicly accessible online. These reports are also sent to the local health department and visualized on a map along with air quality data from monitoring stations. This visualization provides a comprehensive overview of the local pollution landscape. Additionally, with these reports and air quality data, we developed a model to predict upcoming smell events and send push notifications to inform communities. Our evaluation of this system demonstrates that engaging residents in documenting their experiences with pollution odors can help identify local air pollution patterns, and can empower communities to advocate for better air quality.“

[33] Yen-Chia Hsu, Illah Nourbakhsh, “When Human-Computer Interaction Meets Community Citizen Science“,Communications of the ACM, February 2020, Vol. 63 No. 2, Pages 31-34, 10.1145/3376892, https://cacm.acm.org/magazines/2020/2/242344-when-human-computer-interaction-meets-community-citizen-science/fulltext

In der Einleitung kann man lesen: „HUMAN-COMPUTER INTERACTION (HCI) studies the design and use of interfaces and interactive systems. HCI has been adopted successfully in modern commercial products. Recently, its use for promoting social good and pursuing sustainability—known as sustainable HCI—has begun to receive wide attention.4 Conventionally, scientists and decision-makers apply top-down approaches to lead research activities that engage lay people in facilitating sustainability, such as saving energy. We introduce an alternative framework, Community Citizen Science (CCS), to closely connect research and social issues by empowering communities to produce scientific knowledge, represent their needs, address their concerns, and advocate for impact. CCS advances the current science-oriented concept to a deeper level that aims to sustain community engagement when researchers are no longer involved after the intervention of interactive systems.“

[34] Yen-Chia Hsu, Ting-Hao (Kenneth) Huang, Ting-Yao Hu, Paul Dille, Sean Prendi, Ryan Hoffman, Anastasia Tsuhlares, Jessica Pachuta, Randy Sargent, Illah Nourbakhsh1, Project RISE: Recognizing Industrial Smoke Emissions, https://arxiv.org/pdf/2005.06111.pdf

Im ‚abstract‘ kann man lesen: „Industrial smoke emissions pose a significant concern to human health. Prior works have shown that using Computer Vision (CV) techniques to identify smoke as visual evidence can influence the attitude of regulators and empower citizens to
pursue environmental justice. However, existing datasets are
not of sufficient quality nor quantity to train the robust CV
models needed to support air quality advocacy. We introduce
RISE, the first large-scale video dataset for Recognizing
Industrial Smoke Emissions. We adopted a citizen science
approach to collaborate with local community members to
annotate whether a video clip has smoke emissions. Our
dataset contains 12,567 clips from 19 distinct views from
cameras that monitored three industrial facilities. These daytime clips span 30 days over two years, including all four
seasons. We ran experiments using deep neural networks to
establish a strong performance baseline and reveal smoke
recognition challenges. Our survey study discussed community feedback, and our data analysis displayed opportunities
for integrating citizen scientists and crowd workers into the
application of Artificial Intelligence for Social Impact.“

Ergänzend eine Webseite von RISE zum Mitmachen und Mitlernen: https://smoke.createlab.org/

[35]  Yen-Chia Hsu, Ting-Hao ‘Kenneth’ Huang, Himanshu Verma, Andrea Mauri, Illah Nourbakhsh, Alessandro Bozzon, Empowering local communities using artificial intelligence, DOI:https://doi.org/10.1016/j.patter.2022.100449, CellPress, Patterns, VOLUME 3, ISSUE 3, 100449, MARCH 11, 2022

Unter der Überschrift ‚The Bigger Picture‘ kann man lesen: „Artificial intelligence (AI) is increasingly used to analyze large amounts of data in various practices, such as object recognition. We are specifically interested in using AI-powered systems
to engage local communities in developing plans or solutions for pressing societal and environmental concerns. Such local contexts often involve multiple stakeholders with different and even contradictory agendas,
resulting in mismatched expectations of the behaviors and desired outcomes of these systems. There is a need to investigate whether AI models and pipelines can work as expected in different contexts through
co-creation and field deployment. Based on case studies in co-creating AI-powered systems with local people, we explain challenges that require more attention and provide viable paths to bridge AI research with citizen needs. We advocate for developing new collaboration approaches and mindsets that are needed to co-create AI-powered systems in multi-stakeholder contexts to address local concerns“

In der ‚Zusammenfassung‘ kann man lesen: „Artificial intelligence (AI) applications can profoundly affect society. Recently, there has been extensive interest in studying how scientists design AI systems for general tasks. However, it remains an open question as to whether the AI systems developed in this way can work as expected in different regional contexts while simultaneously empowering local people. How can scientists co-create AI systems with local communities to address regional concerns? This article contributes new perspectives in this underexplored direction at the intersection of data science, AI, citizen science, and human-computer interaction. Through case studies, we discuss challenges in co-designing AI systems with local people, collecting and explaining community data using AI, and adapting AI systems to long-term social change. We also consolidate insights into bridging AI research and citizen needs, including evaluating the social impact of AI, curating community datasets for AI development, and building AI pipelines to explain data patterns to laypeople.“

NACHHALTIGE EMPIRISCHE THEORIE – Verschiedene Formate: Theorie – Spiel – Theaterstück

(Letzte Änderung: 14.Dezember 2022 – 9.Januar 2023)

Autor; Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil des Themas ANWENDUNGEN.

INHALT

In diesem Text werden drei Formate vorgestellt, wie man den Inhalt einer nachhaltigen empirischen Theorie (NET) mit anderen Menschen kommunikativ teilen kann.

Nachhaltige empirische Theorie – Spiel – Theaterstück

Wie schon in dem Text über die Umsetzung einer nachhaltigen Theorie im Rahmen einer Lehrveranstaltung deutlich wird, gibt es eine Strukturgleichheit (‚Isomorphie‘) zwischen der Struktur einer nachhaltigen empirischen Theorie und einem Spiel. Hier wird diese Strukturgleichheit nochmals aufgegriffen und durch Einbeziehung des Formats ‚Theaterstück‘ erweitert.

BILD: Hinweis auf die Strukturgleichheit (‚Isomorphie‘) zwischen den Formaten ‚Nachhaltige Empirische Theorie (NET)‘, ‚Spiel‘ und ‚Theaterstück‘.

Nachhaltiges Thema

Das Konzept ‚Thema‘ als ’nachhaltiges Thema‘ wird hier so interpretiert, dass die primären Betroffenen die Mitglieder der ‚Biosphäre‘ sind, die sich auf dem Planet Erde seit 3.5 Milliarden Jahre entfaltet, und dazu viele Dramen durchleben musste. Der Mensch als Lebensform ‚homo sapiens‘ ist ein Teil dieser Biosphäre. Während das ‚Meistern der Umgebung ‚Planet Erde“ in sich schon eine Herausforderung darstellt, hat die Biosphäre durch ihre explosionsartige Zunahme mit immer komplexeren Interaktionen sowohl mit dem Planet Erde wie auch ‚mit sich selbst‘ zu kämpfen. Durch die Verbreitung des ‚homo sapiens‘ über den gesamten Planeten und seiner besonderen ‚kollektiven Intelligenz‘ kommt der menschlichen Population eine besondere Verantwortung zu. Für die vielfältigen Phänomene der ‚Zerstörung‘ der Biosphäre und der ‚Ausnutzung‘ spezieller endlicher Ressourcen zeichnet speziell der homo sapiens verantwortlich. Die Meinungen verstärken sich, dass der Mensch zu einem Hauptfaktor der Gefährdung des Fortbestands der Biosphäre auf dem Planet Erde geworden ist.

Um hier mehr Klarheit zu gewinnen, wo genau was für den Fortbestand der Biosphäre auf dem Planeten passiert, ist es wichtig, sich gezielt bestimmte Regionen auf dem Planeten heraus zu greifen, sich den bisherigen ‚Verlauf‘ anzuschauen, um daraus Rückschlüsse für vorkommende ‚Veränderungen‘ zu gewinnen, mit Hilfe deren man dann hypothetisch ‚Prognosen‘ für ‚mögliche zukünftige Zustände‘ (= Zukunft, Zukünfte) zu gewinnen. Dabei wird es vermutlich nicht ausreichen, nur einzelne Regionen zu betrachten, sondern viele verschiedene Regionen und mögliche ‚Wechselwirkungen‘ unter diesen. Ferner muss man dem Faktor ‚Zeit‘ eine besondere Beachtung schenken: die Veränderungsprozesse auf dem Planeten und in der Biosphäre laufen auf einer großen Zeitskala ab zwischen Bruchteilen von Sekunden und vielen Millionen Jahren.

Akteure

Bei einem nachhaltigen Thema ist es wichtig, sich Klarheit zu verschaffen, wer genau die möglichen Akteure sind: jene, die in der Gegenwart für eine Gestaltung der Zukunft wichtig sind, und jene, die in der Vergangenheit wichtig waren. Die grobe Unterscheidung hier ist:

  1. Der Planet Erde selbst mit seiner Eigendynamik unabhängig von der Biosphäre
  2. Die Biosphäre mit ihren vielen Millionen verschiedenen ‚Lebensspezialisten‘. Der Homo sapiens ist ein Teil davon.

Kommunikationsform ‚(Nachhaltige) Empirische Theorie ((N)ET)‘

Wie im Text über die Anwendungsform ’nachhaltige Lehre‘ schon beschrieben wurde, ist das Format ‚empirische Theorie (ET)‘ eine Erkenntnisform, die der homo sapiens in seiner bisher ungefähr 300.000 Jahre dauernden Existenz auf dem Planeten Erde erst ‚kürzlich‘ (ca. im 17.Jahrhundert) entdeckt und dann immer weiter entwickelt hat.

BILD 2: Struktur einer ‚empirischen Theorie (ET)‘ und einer ’nachhaltigen empirischen Theorie (NET)‘.

Für eine weitere Erläuterung kann man dort nachlesen. An dieser Stelle soll diese Struktur hier nur nochmals ‚erinnert‘ werden, um die weiteren Gedanken zu den anderen ‚Formaten‘ der Kommunikation eines nachhaltigen Themas vorzubereiten.

Das Konzept ‚Kommunikation‘ ist hier von Bedeutung, da es bei allem, was ein einzelner homo sapiens tut und denkt, bei Vergrößerung der Anzahl der Mitglieder der Population, immer wichtiger wird, dass der einzelne seine Erfahrung, seine Gefühle und sein Denken ‚mit anderen teilen‘ kann, und zwar so, dass dieses ‚Teilen‘ eine Form von ‚Kooperation‘ ermöglicht. Sofern es in diesen Kooperationen um ‚gemeinsames Handeln in der gemeinsamen realen Welt‘ geht, muss dieses ‚Teilen von inneren Zuständen‘ eine ‚Form‘ haben, die eine Bezugnahme auf die ‚gemeinsam geteilte reale Welt‘ erlaubt, die ’nachvollziehbar‘ und ‚überprüfbar‘ ist. Ferner muss sie möglichst gute ‚Voraussagen (= Prognosen)‘ erlauben, damit ein ‚gemeinsames Handeln auf Zukunft hin‘ möglich ist.

In frühen Phasen der menschlichen Kultur war das ‚Erzählen von Geschichten‘ und ’spielerische Einübungen‘ fundamentale Formen des Lernens. Erst sehr spät, eben ab dem 17.Jahrhundert, fand das Konzept einer empirischen Theorie im Laufe der Jahrhunderte mehr Beachtung. Der Vorteil moderner empirischen Theorie ist das Absehen von allen ‚Emotionen‘ und die Fokussierung auf ‚Sachverhalte‘. Beim gemeinsamen ‚Überleben‘ kommt es aber auch auf ‚Emotionen‘ an, die helfen, Ängste zu überwinden, die Begeisterung wecken, um ‚Neues‘ auszuprobieren, usw.

Kommunikationsform ‚Spiel‘

Wie im Text zur ‚Anwendungsform Lehre‘ schon ansatzweise ausgeführt wurde, besteht zwischen einer ’nachhaltigen empirischen Theorie (NET)‘ und dem Format ‚Spiel‘ eine große strukturelle (‚isomorphe‘) Ähnlichkeit. Diese Gedanken sollen hier daher nicht wiederholt werden.

Interessant ist aber der Unterschied zwischen nachhaltiger empirischer Theorie und dem Format Spiel: eine empirische Theorie ist der Idee nach frei von Emotionen; sofern es ‚Wertvorstellungen‘ in einer menschlichen Population gibt, können diese als ‚akzeptierte Ziele‘ eine empirische Theorie in eine nachhaltige empirische Theorie verwandeln, indem das allgemeine Wissen über die Welt und ihre Dynamik dann mit bestimmten Zielvorstellungen verknüpft wird. Diese Zielvorstellungen selbst entspringen keiner empirischen Theorie sondern dem ‚kreativen Geist‘ von Menschen; diese Ziele können falsch sein. Ferner ist es nicht eigentlich Aufgabe einer empirischen Theorie, Emotionen hervor zu rufen.

Für das Zusammenleben von Menschen ist es aber beständig wichtig, auch genügend positive Emotionen zu teilen, um ein ‚Wir-Gefühl‘ zu erzeugen, das zu wichtigen Kooperationen befähigt. Damit diese ‚Emotionen‘ nicht ‚blind‘ sind oder gar zerstörerisch werden, sollte man diese mit jenen Formen von Erfahrung und Wissen verknüpfen, die sich in der bisherigen Geschichte ‚bewährt‘ haben bzw. die gute ‚Prognosen‘ erlauben. Genau diese Kombination aus ‚Emotionen‘ und ‚Wissen‘ kann man im Format Spiel sehr gut vermitteln: im gemeinsamen Spielen kann ‚Wissen um Sachverhalte‘ entstehen und es können im ‚gemeinsamen Tun‘ jene Emotionen zu Tage treten und durchlebt werden, die für Erfolg — und auch Misserfolg — so wichtig sind.

Das ‚ideale Spiel‘ hat also eine möglichst große Nähe zu ‚erprobtem Wissen‘ (sprich: empirischen Theorien), und erlaubt durch die Form des ‚gemeinsamen Tuns‘ die Erfahrung und das Trainieren jener Emotionen, die für einen gemeinsamen Erfolg grundlegend sind.

Kommunikationsform ‚Theaterstück‘

Ein ‚Theaterstück‘ als Kommunikationsform ist für viel weniger Menschen eine vertraute Form der Kommunikation als z.B. das Spiel.

Ein Theaterstück weist aber auch eine große Strukturähnlichkeit (Isomorphie) mit einer nachhaltigen empirischen Theorie auf (siehe das Schaubild 1).

Das Besondere am Theaterstück im Vergleich zum Spiel liegt — zumindest traditionellerweise — darin, dass ein Spiel durchgehend interaktiv ist, während das Theaterstück nicht-interaktiv einen kompletten Ablauf präsentiert.

Hier liegen starke Parallelen zu einer normalen empirischen Theorie: Der ‚Kern‘ einer empirischen Theorie bestehend aus ‚Anfangszustand, möglichen Veränderungsregeln und Prognosemechanismus, ist als solcher statisch und kaum verständlich. Erst wenn man mit Hilfe des Prognosemechanismus (das logische Folgern) die bekannten Veränderungsregeln auf den Anfangszustand anwendet, und dies immer wieder tut, so dass eine ganze ‚Folge/ Serie‘ von Zuständen entsteht, die zusammen eine ‚Simulation‘ bilden, dann entsteht mit der Simulation eine ‚Geschichte‘, der man ‚zuschaut‘, die man ‚erleben‘ kann. Für die Bürger, die diese ‚Geschichte erleben‘, kann dies unterschiedliche Gefühle auslösen, die dann wieder zu unterschiedlichen Handlungen führen können, z.B. dahin gehend, dass man den ‚Kern der Theorie‘ so ‚abändert‘, dass sich die ‚Geschichte ändert‘.

Im Fall eines Theaterstücks gibt es Autoren, die die ‚Zutaten‘ zum Theaterstück (= den Kern der Theorie) ‚festlegen‘, und dann aus diesen Zutaten einen ‚möglichen Ablauf‘ generieren, das eigentliche ‚Stück‘, das dann von Regisseuren, Schauspielern und vielen anderen Experten so umgesetzt wird, dass der zuschauende Bürger ein ‚maximales Erlebnis‘ bekommt: Erkenntnisse verknüpft mit Emotionen, die im Zuschauer entstehen können.

KOMMENTARE

[1] Aus mathematischer Sicht kann man die Idee von ‚Äquivalenzklassen‘ auf der Basis einer ‚Äquivalenzrelation‘ auch noch auf eine andere Weise analysieren: Wenn man eine ‚Kernstruktur‘ hat — wie z.B. ‚Nachhaltige Empirische Theorie‘ — dann kann man auch untersuchen, was mit dieser Struktur passiert, wenn man sie unterschiedlichen ‚Transformationen‘ unterwirft, z.B. die Transformation einer Theorie in ein ‚Spiel‘ oder in ein ‚Theaterstück‘. Welche Eigenschaften ändern sich dann, welche nicht.

REVIEW KONFERENZ: Partizipation und Nachhaltigkeit in der Digitalität, 7.-8.Dezember 2022

(Letzte Änderung: 4.Januar 2023)

Kontext

Dieser Text ist Teil des Review Bereichs von Citizen Science 2.0.

Inhalt

Im folgenden handelt es sich um einen Bericht und einen Kommentar zu einer Konferenz. Dieser Bericht repräsentiert eine Einzelmeinung. Sollten sich weitere Beteiligte explizit äußern, so könnte man den Bericht und den Kommentar entsprechend erweitern.

  1. Die Konferenz
  2. EINLEITUNG
    • Begrifflicher Kontext
    • Konzept Intelligenz
    • Konzept Nachhaltigkeit
    • Kontext Gesellschaft
    • Partizipation
  3. KONFERENZBEITRÄGE (Letzte Änderung: 4.Januar 2023)
    • Teil 1: Verwaltungen und die Herausforderung von Bürger:innenbeteiligung für Sozial- und Umweltverträglichkeit. Moderation: Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main
    • Dr. Michael Zschiesche, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UFU): Digitalisierung in der Öffentlichkeitsbeteiligung – Stand und Perspektiven
    • Überleitender Kommentar
    • Prof. Dr. Frank Brettschneider, Universität Hohenheim Digitalisierung mit Bürger:innenbeteiligung / Bürger:innenbeteiligung mit digitalen Instrumenten
    • Podiumsdiskussion: Prof‘in Dr. Birgit Blättel-Mink, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Jörn Lamla, Universität Kassel, Prof. Dr. Christian Schrader, Hochschule Fulda
    • Überleitung zu Teil 2
    • Teil 2: Citizen Science, Sustainability and Digitality
      Moderation: Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel
    • Dr. Katrin Vohland, Naturhistorisches Museum Wien
      Citizen Science and Sustainability – Large expectations and Some Challenges
    • Prof. Dr. Yen-Chia Hsu, University of Amsterdam
      Empowering Local Communities Using Artificial Intelligence
    • Podiumsdiskussion: Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch, Frankfurt University of Applied Sciences, Franziska Ohde, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Matthias Söllner, Universität Kassel
  4. DISKUSSION NACH DER KONFERENZ
  5. AUSBLICK
  6. KOMMENTARE

Die Konferenz

Wie man aus der Programmankündigung ersehen kann, wurde diese Konferenz organisiert von der Projektgruppe „Nachhaltige Intelligenz –
Intelligente Nachhaltigkeit [NI-IN]“
des Zentrums für verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI). Es war die zweite Konferenz, die von dieser Forschungsgruppe organisiert worden ist. Der Autor dieses Textes ist Mitglied dieser Projektgruppe.

I. EINLEITUNG

Begrifflicher Kontext

Wie man aus dem Projektthema der NI-IN Projektgruppe ersehen kann, Enthält die Aufgabenstellung ein ‚Oberthema‘ mit „Nachhaltiger Intelligenz – Intelligenter Nachhaltigkeit“ und dazu eine Reihe von ‚Teilaspekten‘, die sich diesem Oberthema zuordnen lassen. Das Konferenzthema „Partizipation und Nachhaltigkeit in der
Digitalität“ kommt dabei mit diesem Wortlaut weder im Oberthema der Projektaufgabenstellung explizit vor noch in den aufgezählten Teilaspekten. Dies hat seinen Grund darin, dass während der Forschungsarbeit seit Juli 2021 die nicht ganz einfachen Begriffsfelder schrittweise analysiert worden sind und aufgrund dieser Analyse verschiedene strukturelle Bedeutungsfelder mit wichtigen strukturellen Beziehungen sichtbar geworden sind. Eine grobe Skizze der analysierten Begriffen mit Bedeutungsfeldern könnte man so umschreiben (Sicht des Autors; in den Augen der anderen Projektmitgliedern möglicherweise anders akzentuiert):

BILD: Begriffsfeld ‚Nachhaltigkeit – Intelligenz‘ mit Teilbereich ‚Fokus der Tagung‘

Schon die beiden Leitbegriffe ‚Nachhaltigkeit‘ und ‚Intelligenz‘ lassen sich ‚jeder für sich‘ nicht so ohne weiteres analysieren. Noch gewagter wird es, wenn man das ‚Zusammenspiel‘ betrachten will. Liebhaber der ‚klaren Verhältnisse‘ dürften an dieser Stelle dahin tendieren, die ‚Büchse der Pandora‘ erst gar nicht zu öffnen. Leidenschaftliche Forscher mit eingebauter Neugier und ein gewisser Risikobereitschaft fühlen sich aber vielleicht ‚angelockt‘. Fakt ist, dass die Projektgruppe versucht hat, sich diesem konzeptuellen ‚Dickicht‘ ein wenig zu nähern. Aufgrund der disziplinären Vielfalt der Projektgruppe gab es viele interessante Perspektiven, die zueinander finden mussten. Solch ein ‚zueinander finden‘, das zudem idealerweise in dem heute so modischen Format der ‚Transdisziplinarität‘ stattfinden sollte, braucht allerdings naturgemäß erheblich mehr Zeit, als wenn nur Fachkollegen einen Austausch pflegen. Im heutigen Professorendasein ist angesichts der vielfältigen Verpflichtungen Zeit aber Mangelware. Die Suche war somit von Beginn her endlich dimensioniert.

Konzept Intelligenz

Das Konzept Intelligenz ist bis heute weder im Bereich der biologischen Systeme noch im Bereich der nicht-biologischen Systeme, hier den Maschinen, hinreichend erklärt. Dies ist sehr misslich.

Während die Wissenschaften in den letzten 120 Jahren für biologische Systeme erste Konzepte entwickelt haben, die über alle biologische Systeme hinweg empirische anwendbar sind wie auch begrenzte Vergleiche zwischen biologischen Systeme hinsichtlich von definierten Intelligenzeigenschaften zulassen, kann man dies für die maschinellen Systeme nicht behaupten. Hier gibt es weder einen einheitlichen Intelligenzbegriff noch lassen die verschiedenen Begriffe einen einheitlichen Vergleich über alle Systeme hinweg zu. Die maschinellen Intelligenzbegriffe sind sehr speziell. Ein Vergleich zwischen biologischer und maschineller Intelligenz ist von daher in der Regel nicht einfach möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass nahezu alle Intelligenzbegriffe — für biologische wie auch maschinelle Systeme — Eigenschaften ‚individueller‘ Systeme beschreiben, niemals ‚kollektive Intelligenzleistungen‘! Im Falle von biologischen Systemen, die überwiegend in Populationen bzw. hochspezialisierten ‚Gesellschaften‘ auftreten, nützen diese individuellen Intelligenzbegriffe wenig. Eine irgendwie bizarre Situation: angekommen im ‚Anthropozän‘ in einer sogenannten ‚Wissenschaftsgesellschaft‘ weiß der Mensch bislang nicht so recht, was es mit seiner ‚Kollektiven Intelligenz‘ auf sich hat. Ein interessanter Ausgangspunkt auf dem Weg in eine unbekannte Zukunft.

Andererseits haben führende Forscher der maschinellen Intelligenz mittlerweile erkannt, dass maschinelle Intelligenz in der Zukunft nur dann für die menschliche Population von Nutzen sein kann, wenn besser verstanden wird, was genau diese kollektive menschliche Intelligenz ist, und wie in diesem — bislang noch wenig erforschten — Raum kollektiver Intelligenz maschinelle Intelligenz von Nutzen sein kann, um eine globale nachhaltige Biosphäre mit den Menschen als Teil davon zu ermöglichen. [3]

In diesem Zusammenhang muss man auch nochmals darauf hinweisen, dass das neue Konzept ‚Digitalität‘ in den Gesellschaftswissenschaften sich großer Beliebtheit erfreut, dass es aber in seinem Gehalt schwer bis gar nicht erläutert werden kann. Naheliegend ist, dass man die ‚Bedeutung‘ des Konzepts ‚Digitalität‘ im Interaktionsfeld von menschlicher Gesellschaft und jener ‚Technologie‘ ansiedelt, die oft ‚digitale Technologie‘ genannt wird. Der Begriff der ‚digitalen Technologie‘ ist aber ebenfalls ein ‚Bedeutungsmonster‘, da hier zunächst mal alles drunter fällt, was irgendwie in Beziehung gesetzt werden kann zu einer ‚Hardware‘, in der ‚digitale Baueinheiten‘ benutzt werden. Das reicht dann von einfachsten ‚Chips‘ zu komplexen Chips mit unterschiedlichsten Funktionalitäten, die in mehr oder weniger komplexen größeren Einheiten ‚verbaut‘ sind: diverse Maschinen, Maschinenaggregationen, Computernetzwerke, komplexe Rechenzentren, Fahrzeugen, Schiffen, Flugzeuge, Gebäude, medizinische Geräte, Waffensysteme, Gebrauchsgegenstände und vieles mehr. Jedes dieser technische System beinhaltet unterschiedlich Algorithmen von bis zu vielen Millionen Zeilen Code, die unfassbar viele verschiedene ‚Verhaltensweisen‘ dieser technische Systeme ermöglichen. Ein Versuch, die Vielzahl dieser Systeme — sowohl bzgl. der Hardware wie auch bzgl. der Software und dann auch bzgl. der daraus resultierenden Verhaltensdynamik — in ihrer Gesamtheit zu beschreiben ist schon im Ansatz gnadenlos zum Scheitern verurteilt. Dieses ‚Mega-Bedeutungsmonster‘ mit einem Konzept wie ‚Digitalität‘ ‚einzufangen‘, ihm dadurch seine ‚Ungeheuerlichkeit‘ zu nehmen, ist psychologisch verständlich, gaukelt aber eine Klarheit und Einfachheit vor, die es real schlicht nicht gibt. Tatsächlich haben wir als Gesellschaft ein akutes Problem, das sich durch ’schöne Worte‘ allein nicht befrieden lässt.

Konzept Nachhaltigkeit

Eine Analyse des Bedeutungsraumes des Konzepts ‚Nachhaltigkeit‘ ist — falls man den Vergleich überhaupt wagen will — um Dimensionen schwieriger als der Bedeutungsraum zum Konzept ‚Intelligenz‘.

Eine mögliche Strategie der ‚Begrenzung‘ des Bedeutungsraums ist der Blick auf die Konferenzen und Dokumente der Vereinten Nationen seit ca. den 1980iger Jahren, ein Ansatz, den die Projektgruppe zunächst gewählt hatte.

Am ‚populärsten‘ sind die 17 Entwicklungsziele der Agenda 2030. [1a,b] Wie aber schon mehrfach beobachtet, ist die Bedeutungsfestlegung der einzelnen Entwicklungsziele eher schwierig; ihre Beziehungen untereinander zeigen viele Konflikte; der tatsächliche Bezug zum Konzept ‚Nachhaltigkeit‘ ist nicht ganz klar: welche Art von Nachhaltigkeit ist gemein?

Folgt man der Entwicklung des UN-Konzepts zur ‚Nachhaltigkeit‘ rückwärts zu den ‚Anfängen‘, dann stößt man auf den sogenannten ‚Brundtland Report‘ von 1987. In ihm ringen die Verfasser um die grundlegende Idee, was Nachhaltigkeit bedeuten kann. [2]

Im Brundtland Report steht der Mensch im Zentrum der Überlegungen: letztlich ist es das ‚Verhalten‘ der Menschen, das ‚Auswirkungen‘ auf den Planet Erde wie auch auf die gesamte ‚Biosphäre‘ hat, von der die Menschen einen kleinen Teil bilden. Und beim Menschen wird das Verhalten entscheidend von seinem ‚Wissen‘ im allgemeinsten Sinne geprägt. Wissen kann ein differenziertes Verhalten ermöglichen, ob dies aber tatsächlich geschieht und wie genau, das entscheiden dann die aktuellen Emotionen mit all ihren Facetten.

Für das Konzept des Wissens ist zu beachten, dass es für eine minimale Beschäftigung mit einer möglichen Zukunft unabdingbar ist, dass das verfügbare Wissen sich in einem Zustand befindet, der nachvollziehbare und belastbare ‚Prognosen‘ möglich macht, andernfalls paralysiert sich das Wissen selbst: die Menschen taumeln dann gleichsam ‚in einer Wolke von Möglichkeiten‘ dahin, ohne klare Ziele, ohne brauchbare Abstimmungen.

Das einzige Format in der bisherigen Kulturgeschichte der Menschheit, das über diese Eigenschaft ’nachvollziehbarer und belastbarer Prognosen‘ bietet, ist das Konzept der ‚empirischen Wissenschaften‘.[4]

Kontext Gesellschaft

Die abstrakten Konzepte ‚Intelligenz‘ und ‚Nachhaltigkeit‘ können auf bestimmte ‚Strukturen‘ hindeuten, die ‚Realisierung‘ dieser Strukturen findet aber in konkreten gesellschaftlichen Systemen statt, deren Realitäten letztlich festlegen, was wie wann und wo real stattfinden kann.

Autoritäre Gesellschaftssysteme bieten andere Realisierungsbedingungen als ‚demokratisch verfasste‘ Systeme. ‚Verfassungen‘ präzisieren die ‚Rahmenbedingungen‘ für mögliches ‚legales Handeln‘ weiter, dazu Verfassungsorgane, eine Vielzahl von Verwaltungseinheiten, und vieles mehr . Die entsprechenden Text-Dokumente beschreiben mit mehr oder weniger ‚abstrakten Konzepten‘, was möglicherweise ‚konkret‘ stattfinden kann/ sollte oder auch nicht.

Eigentlich ist die Gesamtheit der Akteure einer Gesellschaft, die Gesamtheit der Bürger, der grundlegende ‚Souverän‘ für all diese ‚Festlegungen‘. Sobald aber dieser primäre Souverän dieses ‚System von Regeln‘ verabschiedet hat, hat er sich quasi ’selbst verpflichtet‘ und ist fortan auf diese Weise ein ‚kontrollierter primärer Souverän‘, dessen ‚Macht‘ — der regelbasierten Intention nach — nur noch innerhalb der vereinbarten Regeln wirksam werden sollte.

Ein fundamentales Charakteristikum einer regelbasierten Machtausübung — zumindest wie sie in Deutschland verstanden und praktiziert wird — besteht darin, dass der Bürger als Entscheider — ausgenommen von politischen Wahlen — praktisch eliminiert ist. Was immer ein Bürger fühlt, denkt, tut, es hat keinen offiziellen Einfluss mehr auf die ‚legalen Entscheider‘ auf allen Ebenen.

Im Idealfall sind die ‚legalen Entscheider‘ (i) offen für die Bedürfnisse der Bürger, für die Notwendigkeiten der Gestaltung von Kommunen, Landkreise usw., sie besitzen (ii) hinreichende Kompetenzen, um die jeweiligen Situationen angemessen beurteilen zu können, und (iii) sie sind fähig, in den vielfältigen Gremien Emotionen beiseite zu lassen und entscheiden nach dem verfügbaren Wissen. Falls diese Forderungen nicht angemessen erfüllt werden, hat die Gesellschaft beliebig viele Probleme.

Ohne Bezugnahme auf viele hier relevante Details kann man mit Sicherheit voraussagen, dass eine Nichterfüllung der Anforderungen (i) – (iii) — nennen wir diese Anforderungsliste das ‚Legalistische Entscheider Profil‘ — sich unmittelbar auf den Zustand einer ‚legal regulierten Gesellschaft‘ auswirken wird. So können z.B. aktuell gegebene Problemstellungen zu wenig erkannt werden, dementsprechend werden sie nicht bearbeitet, und können frühestens im zeitlichen Takt der ‚politischen Wahlen‘ neu angestoßen werden; und dann ist nicht sicher, dass die neu Gewählten die ungelösten Probleme dann aufgreifen werden. Für Problemstellungen mit einer Wirkgeschichte von vielen Jahren erscheint die Lage sogar tendenziell hoffnungslos.

Wer mit der Brille dieser kurzen Bemerkungen auf die aktuelle Situation der Bundesrepublik Deutschland schaut, und die lange Liste ungelöster Probleme der letzten Jahre anschaut, der kann möglicherweise den Eindruck gewinnen, dass …

Partizipation

Mit Blick auf das ‚legalistische Entscheider Profil‘ kann man — unter Berücksichtigung der Erfahrung von ca. 77 Jahren demokratische Gesellschaft in Deutschland — feststellen, dass keine der drei Anforderungen voll erfüllt wird. Eher muss man sagen, dass alle drei Anforderungen vielfach nicht erfüllt werden. Diese Nichterfüllung liegt nicht daran, dass die legalen Entscheider möglicherweise ‚unlautere Absichten‘ verfolgen (was im Einzelfall natürlich nicht ausgeschlossen werden kann und auch schon nachgewiesen wurde), sondern daran, dass die zahlenmäßig verschwindet geringe Menge der legalen Entscheider verglichen mit der ungeheure Menge der Bürger und der unfassbar vielen komplexen Problemstellungen objektiv nicht in der Lage ist, die Anforderungen (i) – (iii) auch nur annähernd zu erfüllen, selbst wenn die legalen Entscheider es ernsthaft wollten.

In dieser Situation bieten sich viele Antworten an. Die Skala reicht von ‚totaler Abschaffung dieses Systems‘ bis hin zu unterschiedlich moderierten Formen der ‚Partizipation‘ der Bürger.

Während die ‚totale Abschaffung‘ kurzfristig ein ‚relatives Übel‘ beseitigen würde (was möglicherweise aber gar nicht so rein ‚Übel‘ ist, wie man es unterstellt), würden wir uns im nächsten Moment im ‚totalen Chaos‘ wiederfinden, in dem eher nichts mehr gehen würde. Komplexität löst man nicht durch grobe Vereinfachungen.

Im Falle der Aktivierung von ‚unterschiedlich moderierten Formen der Partizipation‘ würde das System der ‚legalen Entscheider‘ im Prinzip erhalten bleiben, die einzelnen Anforderungen des ‚legalistischen Entscheider Profils‘ könnten aber deutlich besser als ohne Partizipation erfüllt werden.

An dieser Stelle setzt die Konferenz ein. Siehe dazu Teil 2:

II. KONFERENZBEITRÄGE

III. DISKUSSION NACH DER KONFERENZ

IV. AUSBLICK

KOMMENTARE

[1a] Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgipfel_f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung_2015

[1b] Entwurf des Ergebnisdokuments des Gipfeltreffens der
Vereinten Nationen zur Verabschiedung der Post-2015-
Entwicklungsagenda
: https://www.un.org/depts/german/gv-69/band3/ar69315.pdf

[2] UN. Secretary-General;World Commission on Environment and Development, 1987, Report of the World Commission on Environment and Development : note / by the Secretary-General., https://digitallibrary.un.org/record/139811 (accessed: July 20, 2022) (In einem besser lesbaren Format:  https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/5987our-common-future.pdf) Anmerkung: Gro Harlem Brundtland (ehemalige Ministerpräsidentin von Norwegen) war die Koordinatorin von diesem Report.(Dieser Text enthält die grundlegenden Ideen für alle weiteren UN-Texte)

[3] Michael L. Littman, Ifeoma Ajunwa, Guy Berger, Craig Boutilier, Morgan Currie, Finale Doshi-Velez, Gillian Hadfield, Michael C. Horowitz, Charles Isbell, Hiroaki Kitano, Karen Levy, Terah Lyons, Melanie Mitchell, Julie Shah, Steven Sloman, Shannon Vallor, and Toby Walsh. “Gathering Strength, Gathering Storms: The One Hundred Year Study on Artificial Intelligence (AI100) 2021 Study Panel Report.” Stanford University, Stanford, CA, September 2021. Doc: http://ai100.stanford.edu/2021-report.

[4] Neben der ‚empirischen Wissenschaft‘ selbst, die in Europa grob im 16.Jahrhundert begann, gibt es auch von Anfang an eine philosophische Beschäftigung mit dem Thema, das gegen Ende des 19.Jahrhunderts, Anfang des 20.Jahrhunderts unter der Bezeichnung ‚Wissenschafts-Philosophie‘ bekannt wurde (in Deutschland auch gerne ‚Wissenschaftstheorie‘ genannt).

Noch nicht fertig,

es wird dran gearbeitet 🙂

oksimo.R – Alltagsszenen – Tagesablauf (Zeitliche Struktur(en), Irrlichter Ziele) – Teil 2

Autor: Gerd Doeben-Henisch (gerd@oksimo.org)

(Letzte Änderung: 5.Dezember 2022 – 5.Dezember 2022, 09:50h)

KONTEXT

Dieser Text ist Teil der einführenden Beispiele des Buchprojektes „oksimo.R – Editor und Simulator für Theorien“. Dieser Teil bildet eine Fortsetzung zum Teil 1 „Tagesablauf (Zeitliche und ethische Struktur(en)) „.

INHALT

Im Kontext der Beschreibung eines Tagesablaufs treten ‚ZIEL-Beschreibungen‘ auf, die ‚global‘ oder ‚lokal‘ sein können. Sie können zudem ‚kontextualisiert‘ werden in dem Sinne, dass das ‚Auftreten‘ eines Zieles bzw. sein ‚Verschwinden‘ von konkreten Eigenschaften einer Situation gesteuert (getriggert) wird. Ferner ist zu beachten, dass ‚Ziele‘ als solche kein Bestandteil einer ‚empirischen Theorie‘ sind sondern auf einer ‚Meta-Ebene‘ liegen: Im Kontext möglicher ‚Prognosen‘ einer empirischen Theorie müssen die ‚Theorie-Anwender‘ (die Bürger) entscheiden, welche der möglichen Prognosen sie für eine ’nachhaltige Zukunft‘ für erstrebenswert halten. Diese zielbezogene Entscheidungsdimension wird oft ‚ethisch‘ genannt und die Akteure, die solche ‚ethischen Überlegungen‘ anstellen nennt man ‚Ethiker:innen‘. Man sollte aber beachten, dass ‚Ethik‘ bis heute weder eine ausreichende empirische Begründung noch eine wirkliche philosophische Begründung besitzt.

ZIELE ’nach Bedarf‘ (on demand)

Das Experiment besteht darin, dass das bisherige Beispiel zu Beginn überhaupt kein Ziel hat, und dann — schrittweise — ’nach Bedarf‘ einzelne lokale Ziele hinzugefügt werden.

Ohne ein bestimmtes Ziel

Da die Software grundsätzlich auf die Angabe eines Zieles besteht, muss man sie ‚beruhigen‘, indem man ein ‚fake Ziel‘ eingibt: es sieht aus wie eine ZIEL-Beschreibung, enthält aber kein e verwertbaren Angaben.

Name: z-DummyVis
none

Führt man einen Test mit diesem fake-Ziel aus, dann ergibt sich folgendes:

Name der gespeicherten Simulation: feierabend1-sim0

Bestandteile der Simulation:

Selected visions:
z-DummyVis
Selected states:
arbeitsende1
Selected rules:
doc rd-einkaufen1
vr-nachhause1
vr-zuhause1

Your vision:
none

Initial states: 
Es ist Arbeitsende.,Gerd verlässt das Büro.

Round 1

Current states: Gerd geht zum Laden um die Ecke.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: none
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 2

Current states: Gerd hat eingekauft.,Gerd geht zur Kasse und zahlt.,Gerd sucht sich alles zusammen, was er braucht.,Es ist Arbeitsende.,Gerd ist im Laden.
Current visions: none
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 3

Current states: Gerd geht nach Hause.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: none
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 4

Current states: Gerd macht Musik.,Gerd ist zu Hause.,Es ist Arbeitsende.,Es ist 23:00h.
Current visions: none
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Ziel als mögliches Irrlicht

Man erkennt sofort, dass der Test den gleichen Simulationsverlauf zeigt wie zuvor mit konkreten Zielen, nur fehlen hier irgendwelche Informationen zu einem Erfolgt größer 0%. Die Angabe von Zielen verändert also nicht die Simulation selbst, vielmehr kann man die Angabe von Zielen dazu nutzen, um verfügbare Simulationsverläufe im Sinn einer Zielbeschreibung zu ‚bewerten‘. Die Menge der potentiellen Simulationsverläufe kann man also grundsätzlich einteilen in solche, die bezogen auf ein Ziel X entweder 0% Relevanz für dieses Ziel X besitzen oder ‚größer 0%‘.

Natürlich hängt die ‚Qualität‘ einer Bewertung davon ab, wie ‚gut‘ oder ’schlecht‘ eine Zielangabe ist. Wenn eine Zielangabe im Extremfall einer ‚Wahnvorstellung‘ entspringt, die mit der Realität wenig zu tun hat, dann würde eine 100%-Erfüllung eines erreichten Zustands mit einem gegebenen Ziel X zwar auf den ersten Blick sehr gut aussehen, aber auf den zweiten Blick — wenn der dann noch möglich ist — wäre es eher eine Katastrophe: 100% Übereinstimmung mit einer Schrott-Idee.

Bild: Schema einer ‚empirischen Theorie‘ als Teil einer ’nachhaltigen empirischen Theorie‘

Dieser Sachverhalt verweist auf eine tiefer liegende Problematik: Die ‚Gesamtstruktur‘ bestehend aus ‚IST-Situation(en) und ‚Veränderungs-Beschreibungen‘ mit einem ‚Folgerungsbegriff‘ konstituieren eine Struktur, die dem gewöhnlichen Verständnis einer ‚empirischen Theorie‘ entspricht (siehe Bild oben).

Empirische Theorien sind — werden sie methodengerecht konstruiert — maximal empirische zutreffend und auf dieser Basis ‚minimal unsinnig‘. Sie können zwar prinzipiell auch falsch sein, aber der Ausgangspunkt einer empirischen Theorie ist — bei sorgfältigem Vorgehen — ‚maximal nahe an der gemeinsamen Erfahrbarkeit‘. ‚Maximal‘ heißt in diesem Zusammenhang, soweit die handelnden Akteure mit ihrer Erkenntnisfähigkeit ‚gemeinsame Erfahrungen‘ organisieren und sprachlich beschreiben können. Die Kulturgeschichte der Menschheit zeigt, dass es hier gravierende Unterschiede gegeben hat und auch in der gleichen Zeitspanne regional Unterschiede immer noch gibt.

‚Wahnideen‘ sind dann solche, die relativ zur möglichen Erfahrbarkeit kaum bis gar keine Bezüge zur gemeinsam erfahrbaren Welt aufweisen.

Während also empirische Theorien im Rahmen der gemeinsamen Erfahrbarkeit nur solche ‚Folgerungen‘ (Prognosen, Voraussagen, …) zulassen, die durch gemeinsame Erfahrung belegt sind, enthalten sich empirische Theorien weitergehender ‚Bewertungen‘: welche der vielen möglichen Prognosen nun für die ‚gerade lebenden‘ und/ oder für die ’später lebenden‘ Menschen ‚günstig’/ ‚gut’/ ‚erstrebenswert‘ sind, das müssen die lebenden Menschen in einer ‚zusätzlichen (Meta-)Reflexion‘ untereinander klären. Solche ‚Zielorientierten Reflexionen‘ [3] sind für ein ’nachhaltiges Denken und Handeln‘ wichtig, aber ihre ‚absolute Qualität‘ ist nicht garantiert. Letztlich sind es ‚Deutungs-Versuche‘ von ‚Lebenden‘ mit einem extrem begrenzten ‚Wissen‘ inmitten eines nahezu ‚unendlich komplexen Geschehens‘ genannt ‚Welt‘.

Kontextsensitive Ziele

Das erste Ziel, das bislang benutzt wurde, wurde wie folgt beschrieben:

Name: z-einkaufen1

Es ist Arbeitsende.
Gerd hat eingekauft.

Dieses Ziel bindet sich an die Eigenschaft einer IST-Situation, dass es für Gerd ein ‚Arbeitsende‘ gibt. Es liegt also nahe, dieses erste Ziel durch solch eine Eigenschaft zu aktivieren.

Mit der Option 7 ‚New Rule‘ und der Variante ‚V‘ für ‚Vision Rule‘ kann man mit der oksimo.R Software folgende Visions-Regel eingeben, die dann akut ein neues Ziel erzeugt:

Rule: bz-einkaufen1
Conditions:
Es ist Arbeitsende.
Positive Effects:
Gerd hat eingekauft.

Test mit einer Simulation (gespeichert mit Namen: einkaufen1-dynamisch1-sim1 )

Selected visions:
z-DummyVis
Selected states:
arbeitsende1
Selected rules:
doc rd-einkaufen1
bz-einkaufen1 <—– Regel, um ein ‚bedingtes Ziel‘ zu aktivieren

Your vision:
none

Initial states: 
Es ist Arbeitsende.,Gerd verlässt das Büro.

Round 1

Current states: Gerd geht zum Laden um die Ecke.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.,none
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 2

Current states: Gerd hat eingekauft.,Gerd geht zur Kasse und zahlt.,Gerd sucht sich alles zusammen, was er braucht.,Es ist Arbeitsende.,Gerd ist im Laden.
Current visions: Gerd hat eingekauft.,none
Current values:

50.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd hat eingekauft.

Wie man sehen kann, wird kontextsensitiv ein Ziel aktiviert, das dann automatisch zur Bewertung einer IST-Beschreibung herangezogen wird. Irritierend ist nur noch, dass nur 50% vom Ziel erfüllt worden sind während es doch 100% sein sollten. Der Störfaktor ist der Ausdruck ’none‘, der vom Dummy-Ziel herrührt. Während Programmierer in ‚klassischen‘ Programmiersprache gerne ’none‘ schreiben, um anzudeuten, dass hier ’nichts‘ geschehen soll, wirkt der Ausdruck ’none‘ hier störend. Also sollten wir ihn weglassen und bei dem Dummy-Ziel gar nichts reinschreiben, also

Name: z-DummyVisZero

… Kein Inhalt zu sehen …

Neuer Test (Simulation wurde mit Namen ‚einkaufen1-dynamisch1-sim1‚ abgespeichert.

Selected visions:
z-DummyVisZero
Selected states:
arbeitsende1
Selected rules:
doc rd-einkaufen1
bz-einkaufen1 <—– Regel, um ein ‚bedingtes Ziel‘ zu aktivieren

Initial states: 
Es ist Arbeitsende.,Gerd verlässt das Büro.

Round 1

Current states: Gerd geht zum Laden um die Ecke.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.<----- Neue Vision
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 2

Current states: Gerd hat eingekauft.,Gerd geht zur Kasse und zahlt.,Gerd sucht sich alles zusammen, was er braucht.,Es ist Arbeitsende.,Gerd ist im Laden.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

100.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd hat eingekauft.

Mit der vorgenommenen Änderung zeigt der Simulationsverlauf jetzt, was erwartet wurde: 100% Ziel-Erfüllung.

Damit kann man nun auch die weiteren Ziele einbauen. Ziel 2 könnte man wie folgt formulieren:

Rule name: bz-zuhausemusik1
Gerd geht nach Hause.
Effects plus:
Gerd macht Musik.

Test mit einer Simulation (abgespeichert als ‚tag1-dynamisch1-sim3‘)

Selected visions:
z-DummyVisZero
Selected states:
arbeitsende1
Selected rules:
doc rd-einkaufen1
doc rd-zuhause1
bz-einkaufen1
bz-zuhausemusik1

Your vision:

Initial states: 
Es ist Arbeitsende.,Gerd verlässt das Büro.
Initial math states

Round 1

Current states: Gerd geht zum Laden um die Ecke.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 2

Current states: Gerd hat eingekauft.,Gerd geht zur Kasse und zahlt.,Gerd sucht sich alles zusammen, was er braucht.,Es ist Arbeitsende.,Gerd ist im Laden.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

100.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd hat eingekauft.

Round 3

State rules:
Vision rules:
Current states: Gerd geht nach Hause.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 4

State rules:
Vision rules:
Current states: Gerd macht Musik.,Gerd ist zu Hause.,Es ist Arbeitsende.,Es ist 23:00h.
Current visions: Gerd hat eingekauft.,Gerd macht Musik.
Current values:

50.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd macht Musik.

Man kann erkennen, dass die Aktivierung des zweiten Ziels funktioniert; störend ist, dass das vorausgehende Zeil 1 noch aktiv bleibt und damit das Ergebnis von 100% Zielerfüllung blockiert. Um diese Störung zu verhindern, müsste man das vorausgehende Ziel wieder deaktivieren können. Dies ist möglich.

Dazu erweitert man die bisherige bedingte Ziel-Regel … mit neuem Namen … zu

Rule name: bz-zuhausemusik2
Conditions:
Gerd geht nach Hause.
Effects plus:
Gerd macht Musik.
Effects minus:
Gerd hat eingekauft.

Test mit einer Simulation (abgespeichert als ‚tag1-dynamisch1-sim5‘)

Selected visions:
z-DummyVisZero
Selected states:
arbeitsende1
Selected rules:
doc rd-einkaufen1
doc rd-zuhause1
bz-einkaufen1
bz-zuhausemusik2

Your vision:

Initial states: 
Es ist Arbeitsende.,Gerd verlässt das Büro.
Initial math states

Round 1

Current states: Gerd geht zum Laden um die Ecke.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None
And the following math visions:
None

Round 2

Current states: Gerd hat eingekauft.,Gerd geht zur Kasse und zahlt.,Gerd sucht sich alles zusammen, was er braucht.,Es ist Arbeitsende.,Gerd ist im Laden.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

100.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd hat eingekauft.,

Round 3

Current states: Gerd geht nach Hause.,Es ist Arbeitsende.
Current visions: Gerd hat eingekauft.
Current values:

0.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
None

Round 4

Current states: Gerd macht Musik.,Gerd ist zu Hause.,Es ist Arbeitsende.,Es ist 23:00h.
Current visions: Gerd macht Musik.
Current values:

100.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd macht Musik.,

Round 5

Current states: Gerd macht Musik.,Gerd ist zu Hause.,Es ist Arbeitsende.,Es ist 23:00h.
Current visions: Gerd hat eingekauft.,Gerd macht Musik.
Current values:

50.00 percent of your vision was achieved by reaching the following states:
Gerd macht Musik.

Man kann erkennen, dass die Aktivierung des neuen Ziels funktioniert bei gleichzeitiger Deaktivierung des vorherigen Teil-Ziels, aber im Anschluss wird das vorausgehende Ziel 1 wieder neu aktiviert, weil die auslösende Eigenschaft ‚Es ist Arbeitsende.‘ noch immer Teil der IST-Beschreibung ist. Dies kann man natürlich ändern, wenn man die auslösende Veränderungs-Regel präzisiert …

KOMMENTARE

[3] ETHIK: Die Bewertung von ‚Zielen‘ wird oft als ‚ethisch‘ bezeichnet, als ’normativ‘, doch sind diese Begriffe letztlich ’nicht genormt‘. Es ist völlig unklar, was dies für eine Art ‚Reflexion‘ sein soll; noch weniger ist klar, warum diese sogenannten ‚ethischen‘ Reflexionen einen höheren Erkenntnis- und Qualitätsstandard verkörpern sollen als die grundlegend empirischen Erkenntnisprozesse. Die gesamte Geschichte der Philosophie einschließlich der Erweiterungen durch die empirischen Wissenschaften bleibt bis heute eine klare Antwort darauf schuldig. Die sogenannten ‚Religionen‘ bleiben hier ebenfalls notorisch ‚vage‘. Die sogenannten ‚Worte Gottes‘ sind in allen bis heute bekannten Fälle letztlich Worte, die Menschen aufgeschrieben haben. Die ‚Spur‘ des Religiösen verliert sich damit in der Dimension des ‚Subjektiven‘, was sich einer objektiven Klärung prinzipiell entzieht. Die Formel vom ‚individuellen Glauben‘ war durchgehend — nicht notwendigerweise — zu allen Zeiten ein williges Instrument willkürlicher und brutaler Machtausübung, wo Menschen ‚aus dem Nichts heraus‘ zu Feinden , zu Todfeinden, erklärt werden konnte, deren Unterdrückung, Folterung und Abschlachtung ganz OK war. Das ist heute in vielen Ländern immer noch OK.