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BiG-ENERGIE: Vortrag von und Diskussion mit LocalZero über mögliche Perspektiven für Schöneck, 25.Juni 2024, 19:00h, Brendelsaal, Altes Schloss

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt BiG: big@oksimo.org

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Dieser Text ist Teil der Liste der BiG-Rundbriefe

BiG-ENERGIE: Vortrag von und Diskussion mit LocalZero über mögliche Perspektiven für Schöneck, 25.Juni 2024, 19:00h, Brendelsaal, Altes Schloss

Liebe Alle,

für Dienstag  25.Juni 2024, 19:00h, Brendelsaal, Altes Schloß Büdesheim

lädt die BiG-Gruppe ENERGIE zu einem Vortrag von und Diskussion mit der Bürgerinitiative LocalZero/GermanZero ein [1].

Den Text der Einladung findet sich hier: https://www.oksimo.org/2024/06/09/sonderveranstaltung-localzero-am-25-06-2024/

LINKS zu GermanZero/ Local Zero:

[1a] https://germanzero.de/gz-media/pages/assets/7043154054-1714476404/240430_fact-sheet-germanzero.pdf

[1b] https://localzero.net/ (LocalZero ist ein Teil von GermanZero)

KONTEXT THEMA

GermanZero kann man vereinfachend als ‚Spezialist‘ verstehen, der sich vollständig auf das Thema ‚Klima‘ konzentriert. Mittlerweile Deutschlandweit bietet GermanZero hier Materialien und Organisationsformen an,  die bis ins Detail durchdacht sind. Dies kann dafür sprechen, dass sich Bürger aus einer Gemeinde für die Frage des Umgangs mit der Herausforderung durch das Klima von GermanZero inspirieren lassen oder gar auf geeignete Weise mit German Zero kooperieren.

Die aktuell krachende Niederlage der Grünen Partei, die ja nicht nur Deutschlandweit, sondern sogar Europaweit organisiert ist, deutet aber auch an, dass das Thema Klima alleine keine Politik ersetzen kann. Die Menschen in Deutschland (und Europa, und weltweit) sind täglich vielen Herausforderungen ausgesetzt, die sich über viele Politikfelder erstrecken. Auch wenn man das Klima als Faktor hinter massiven globalen Bedrohungen erkennt, erledigen sich die anderen Herausforderungen nicht von alleine. Wie geht man damit um? Wie geht ein Programm wie GermanZero damit um? Sind die aktuellen politischen Parteien alle zu schlecht? Tun wir denn in Schöneck bislang zum Thema Klima Nichts? Da werden einige sicher vehement widersprechen.

Diese und ähnliche Fragen können am So 25.Juni diskutiert werden.

Das Team BiG-ENERGIE wird die Veranstaltung moderieren: Michael Krembzow & Bettina Pfeiffer

Ganz herzliche Grüße,

Gerd Doeben-Henisch

(BiG-Moderator)

PS: Erinnerung: Große Waldumfrage der BiG-Gruppe WALD So 16.Juni 14-16h: https://www.oksimo.org/2024/06/06/big-wald-buergerbefragung-zum-wald-so-16-juni-2024-14-16-uhr-im-wald/

#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+#+

AKTUELLE BiG-THEMENGRUPPEN

  • WALD : Was braucht der Wald für sich? Was kann der Wald uns als Gemeinde bieten? Email: big-wald@oksimo.org
  • WASSER : Der Grundwasserspiegel sinkt seit 20 Jahren kontinuierlich. Wie sollten wir uns auf die nächsten Jahre vorbereiten? Email:big-wasser@oksimo.org
  • DIGITALER ZWILLING (GIS, Geoinformationssystem) : Per Gesetz seit 2023 für alle Gemeinden vorgeschrieben. Wie können wir das für die Verwaltung und für die Kommunikation mit den Bürgern besser nutzen? (In Kooperation mit Prof. Seuß von der Frankfurt University of Applierd Sciences) Email: big-gis@oksimo.org
  • ENERGIE AUTARK : Wie können wir als Bürger/ wie kann die Gemeinde an der Energieerzeugung Geld verdienen statt sie teuer zu bezahlen? Email: big-energie@oksimo.org
  • DEMOGRAPHIE : Wie sieht die Struktur der Einwohner aus? Wie entwickelt sich die Struktur? (Wichtig für alles, was wir in Schöneck planen wollen).

BIG-WALD – BÜRGERBEFRAGUNG ZUM WALD, SO 16.Juni 2024, 14-16 Uhr, im Wald

Kontakt: big-wald@oksimo.org

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Zum Überblick BiG-Team WALD

BIG-WALD – Bürgerbefragung zum Wald, So 16.Juni 2024, 14-16 Uhr

In einer Vorankündigung des BiG-Rundbriefs vom 28.März sollte eine erste Befragung von Bürgern zum Wald zwischen Kilianstädten und Büdesheim ursprünglich am So 26.Mai stattfinden. Dieser Termin musste verschoben werden. Die Befragung findet jetzt am So 16.Juni 2024 in der Zeit von 14 – 16 Uhr statt. Dank der Unterstützung der Vogelschutzfreunde kann jeder Bürger bei Kaffee & Kuchen im Vogelschutzhaus und in der nahen Umgebung seine Sicht zum Wald mitteilen, sozusagen von ‚Bürger zu Bürger‘.

BILD : Lageplan für das Haus der Vogelschutzfreunde

Warum machen wir das?

Wer seit Dezember 2023 im Wald Büdesheim-Kilianstädten den Wald besucht hat, der wird nicht wenige Bürger getroffen haben, die sich nach lang anhaltenden Forstarbeiten über den Zustand des Waldes entsetzt zeigten. Formulierungen wie „So war der Wald noch nie“, „Die da oben“ konnte man hören. Nun weiß jeder aus dem Alltag, dass Profis Sachverhalte oft anders bewerten als ‚Laien‘. Vielleicht trifft dies auch auf die Besucher des Waldes zu, dass sie das, was sie sehen und erleben, unangemessen beurteilen. Vielleicht aber auch nicht. Da der Wald ja der Gemeinde gehört und damit letztlich uns Bürgern, sollten die vielen negativen Gefühle der Bürger nicht isoliert im Raum stehen bleiben.

Doch es geht um mehr. Die aktuelle Befragung ist keine Einzelaktion von BiG-WALD. Nach ca. 1 Jahr Vorlauf hat das Team BiG-WALD im März 2024 das Große Waldprojekt 2024 – 2026 beschlossen. Damit soll versucht werden, der Vielfalt der Interessen am Wald wie auch dem ‚Wald selbst‘ mehr Rechnung zu tragen.

BILD : Grundstruktur des ‚Großen Waldprojekts 2024 – 2026‘

Wir haben gelernt, dass alle 10 Jahre (!) eine Forsteinrichtung zwischen der Gemeinde und einem Dienstleister ausgehandelt wird, worin festgelegt wird, was tatsächlich mit dem gemeindeeigenen Wald geschehen soll. Die letzte Forsteinrichtung wurde für den Zeitraum 2017 – 2026 beschlossen. Es gibt also die Möglichkeit, dass die Bürger der Gemeinde sich bis 2026 ihr eigenes Bild vom Wald und den verschiedenen Bedürfnissen machen können. Dazu möchte das BiG-Team WALD beitragen. Und da bei den endgültigen Entscheidungen nicht alle Bürger direkt mit entscheiden, sondern nur unsere gewählten Vertreter, können wir als Bürger einen konstruktiven Beitrag nur leisten, wenn wir im offenen Austausch mit allen — auch unseren gewählten Vertretern — dazu beitragen, das ‚Bild unseres Waldes‘ möglichst vielseitig bewusst zu machen. Dazu gibt es zwei Themenkreise, die wir im Laufe der Monate öffentlich bearbeiten möchten: (i) Die Interessen des Waldes, der nicht direkt für sich sprechen kann, und (ii) die Interessen der Bürger, die sehr vielfältig sind. Beide sollen sichtbar werden.

Ergebnisse

Die aktuelle Befragung ist ein erster Schritt, um die Gespräche zum Thema zu eröffnen. Diese Befragung ist eher explorativ, keinesfalls repräsentativ. Wir wollen die Ergebnisse in einer BiG-WALD Veranstaltung am So 30.Juni vorstellen und alle interessierten Bürger — speziell auch unsere gewählten Vertreter in allen Fraktionen — sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Im Anschluss an diese erste explorative Befragung möchten wir dann gerne — zusammen mit allen politischen Fraktionen (!) — eine größere Online-Befragung der Bürger organisieren.

BIG-RUNDBRIEF: BiG-Themengruppe Wasser beim Klimabeirat Schöneck 21.Mai 24

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big@oksimo.org

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Liebe Alle,

hier nach kurzer Pause wieder mal ein BiG-Rundbrief.

BiG-WASSER beim Klimabeirat Schöneck

Am Dienstag Abend 21.Mai 2024 konnte Gerd Doeben-Henisch, der Moderator der BiG-Themengruppe WASSER, im Kreis des Klimabeirats Schöneck die bisherigen Ergebnisse der Themengruppe WASSER vorstellen. Dies war sehr erfreulich, da das Thema Wasser eines von diesen Themen  ist, das niemand allein für sich  lösen kann. Letztlich müssen alle zusammen zupacken. Anwesend war auch Carina Wacker, die neue Bürgermeisterin von Schöneck, die demnächst die Amtsgeschäfte von Conny Rück übernehmen wird.

Im vorgegebenen Rahmen konnte natürlich nur eine Einführung in die wichtigsten Themen gegeben werden. Hier eine Auswahl der bisherigen Arbeitshypothesen [1]:

  1. Die Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden, die aus Sicht der Main-Kinzig Wasserwerke (MKW) eine gemeinsame ‚Bilanzzone‘ bilden, haben laut den Zahlen der MKW einen Eigenversorgungsgrad von ca. 20%. D.h. die weiteren 80% werden durch das Verbundnetz der MKW abgedeckt. Das Schlechte daran: aus eigener Kraft könnten wir uns nicht versorgen; das Gute: es gibt dieses Verbundnetz, das uns auffängt.
  2. Laut den Zahlen der MKW hat das Verbundnetz der MKW aber auch nur einen Eigenversorgungsgrad von ca. 60%, d.h. dass auch die MKW selbst zukaufen müssen, und 40% ist nicht unbedingt wenig. Ist das jetzt noch ‚positiv‘ oder deutet sich hier ein echtes Risikopotential an? 
  3. Die Verlagerung von Versorgungsleistungen auf Dritte ist grundsätzlich nicht schlecht, setzt aber voraus, dass die ‚Dritten‘ einigermaßen sicher sind.
  4. An dieser Stelle muss man ein wenig nachdenken. Im Gebiete des MKK und dem Umfeld des MKK  haben wir keine nennenswerten Mengen an ’nicht erneuerbaren Grundwasserbeständen (= Aquifere)‘ sondern nur ‚erneuerbare Bestände‘, sprich: das gesamte Grundwasser stammt letztlich aus Niederschlägen. Bleiben Niederschläge aus, dann sind die Wasservorräte in relativ kurzer Zeit aufgebraucht falls der Verbrauch anhält und eben kein Wasser nachkommt. Diese direkte Abhängigkeit von Niederschlägen gilt für Grundwasser genauso wie für Oberflächenwasser.
  5. Sofern  Niederschläge überhaupt stattfinden haben diese in Deutschland einen durchschnittlichen Verdunstungsgrad von 60%, der mit steigenden Temperaturen deutlich weiter ansteigt. Dazu kommt, dass Regenwasser durchschnittlich zu 30% als Oberflächenwasser abfließt (das auch noch Verdunstung unterliegt). Von den restlichen 10% kommt nur ein Teil als Sickerwasser beim Grundwasserkörper an. Die generelle Frage, wie sich die Grundwasserangebote sowohl für die Brunnen in Schöneck als auch für die Brunnen aus der Eigenversorgung der  MKW und dann für die Wasserangebote für die 40% Dritttanbieter generell entwickeln werden, spielen die hier genannten Faktoren eine Rolle. Wie wird es in Zukunft mit Niederschlägen und Temperatur aussehen?
  6. Im globalen Erdsystem-Modell sind es die Weltmeere, die 96% des verfügbaren Wassers beinhalten, die Landmassen nur 4%, und diese 4% stammen letztlich aus den  Verdunstung aus den Weltmeeren, die als Niederschläge über den Landmassen niedergehen. 60% der Niederschläge stammen aus diesen Verdunstungen, die restlichen 40% stammen aus ‚Eigenleistungen‘ der Landmassen; diese ‚Eigenleistungen‘ wiederum stammen zu 60% aus Transpirationsleistungen von Pflanzen (überwiegend Wäldern). Genauer: es sind die Pflanzen, die das vorhandene Wasser so ‚managen‘, dass sie es möglichst lange in einem ‚Binnenkreislauf‘ halten.[2]
  7. Im globalen Erdsystem-Modell  beobachten wir seit wenigen Jahren eine  Erwärmung der Ozeane, die  schneller und stärker zugenommen hat, als alle Voraussagesysteme es berechnet hatten. Eine direkt beobachtbare Auswirkung ist die Zunahme der Anzahl und Heftigkeit der Unwetter weltweit.  In diesem Jahr gab es erstmals Fälle, in denen sich gewaltiger Unwetter schneller gebildet haben, als die meteorologischen Warnsysteme es weiter geben konnten, mit entsprechenden Folgen. Die allseitig zunehmende Erwärmung erhöht aber nicht nur den Verdunstungsgrad für das Wasser, es macht auch in immer mehr Regionen das biologische Leben ohne Klimaanlagen unmöglich. Zusätzlich verändern sich die Luftströmungen und auch die wichtigen Meeresströmungen zeigen erste Veränderungen.[3]

Alle diese Faktoren deuten eigentlich eher in eine Richtung von erhöhtem Risikopotential: Sowohl die noch vorhandenen 20% im Fall von Schöneck und die vorhandenen 60% der MKW wie auch die externen 40% sind Teil dieses globalen Szenarios,  das uns eher zuruft: aufgepasst, hier ändern sich grundlegende Parameter!

Es scheint also angebracht zu sein, dass wir nicht einfach nur vertrauen, dass schon alles so weiter funktionieren wird, wie bisher, sondern dass  wir gemeinsam anfangen, darüber nachzudenken, was dies alles für uns und die nachfolgenden Generationen bedeutet. Neben vielen anderen Themen, die uns heute beschäftigen, sollten wir vielleicht die Landwirtschaft und die Wälder unter dem Gesichtspunkt eines regionalen und nationalen Wassermanagements ernsthaft  neu durchdenken. Wälder sind in diesem Kontext vielleicht nicht — oder zumindest nicht in erster Linie — nur ‚Holzlieferanten‘; irgendwie sind sie auch die ‚Hüter des Wassers‘, etwas, was die Wissenschaft erst langsam begreifen lernt.

[1] Viele weitere Informationen kann man auf den Webseiten der BiG-Themengruppe WASSER finden: https://www.oksimo.org/big-wasser-phase-ii/

[2] Als das Amazonaswaldgebiet noch intakt war, hat dieses große Teile Südamerikas mittels solch eines Kreislaufsystems immer mit hinreichend Wasser versorgt und die ergiebigen Regen ‚gemanagt‘. Seitdem dieses Waldgebiet mittlerweile zu mehr als 40% zerstört wurde, erlebt Brasilien verheerende Dürren und zugleich verheerende Überschwemmungen. Der Wasserhaushalt ist kurz vor dem Kollaps.

[3] In der Vergangenheit wurde z.B. der Golfstrom schon mindestens einmal in seinem üblichen Verlauf geändert, was zu Temperaturabnahmen in Europa um die 15 Grad führte, was auf eine Eiszeit hinauslief.

VORSCHAU weitere BiG-EVENTS (nächster 26.Mai 2024)

Hier eine kurze Übersicht über die nächsten BiG-Events:

  1. So 26.Mai 2024, 11-13 h, Brendelsaal, Altes Schloss Schöneck-Büdesheim: Nächster Workshop der BiG-Themengruppe WASSER. Weitere Arbeiten an dem bisherigen Lagebericht zum Wasser in Schöneck-Niederdorfelden-MKK. Dazu weitere Beispiele zu unserem Simulationsansatz mit unserer oksimo Software, aber auch Beispiele mit chatGPT4.(big-wasser@oksimo.org)
  2. Die BiG-Themengruppe WALD verschiebt die geplante Bürgerbefragung zum Wald vom So 26.Mai auf So 16.Juni 24 (die ‚Aktiven‘ waren ein bisschen zu aktiv: zu viele Termine auf einmal :-)) . Die Auswertung der Befragung soll aber weiterhin am So 30.Juni zur Diskussion gestellt werden. (big-wasser@oksimo.org)
  3. Die BiG-Themengruppe GIS (Geoinformationssystem) Schöneck wird nach Freigabe der Test-Webseiten zum Demoprojekt mit Schöneck durch die Gemeinde (27.Mai 2024)  in Abstimmung mit der Gemeinde unterstützende Workshops anbieten.[4](big-gis@oksimo.org )
  4. Die BiG-Themengruppe ENERGIE prüft gerade eine Kooperation mit dem Projekt LocalZero. Eine entsprechende Info-Veranstaltung ist für Juni 24 angedacht. Endgültiger Termin folgt.(big-energie@oksimo.org)
  5. Die neue BiG-Themengruppe DEMOGRAPHIE wird kommen …. 🙂

[4] Siehe dazu den letzten Bericht mit mehr Infos: https://www.oksimo.org/2024/04/29/big-bericht-erste-vorstellung-des-gis-schoeneck-digitaler-zwilling/

Soweit für heute.

Ganz herzliche Grüße,

Gerd Doeben-Henisch

 

BiG-BERICHT: Erste Vorstellung des GIS-Schöneck (Digitaler Zwilling)

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big@oksimo.org

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Erste Vorstellung des GIS-Schöneck (Digitaler Zwilling)

Liebe Alle,

am So 28.April 2024 um 12h im Brendelsaal des Alten Schlosses von Büdesheim war es dann soweit: Hugo Preiss stellte zum ersten Mal ausführlich das GIS-Projekt Schöneck vor, auf das wir schon oft hingewiesen hatten.

‚GIS‘ steht für Geoinformationssystem und ist für die meisten sicher kein besonders vertrauter Begriff. Aber, wie sich jeder überzeugen konnte, der am Sonntag live dabei war (und auch alle jene, die sich auf die entsprechenden Informationsseiten [1] wagen, die Hugo als BiG-GIS Moderator bislang schon angelegt hatte), ist es eigentlich ein wunderbares Werkzeug sowohl für eine Gemeindeverwaltung wie auch für alle Bürger, die mit solch einem System ganz neue Möglichkeiten bekommen, um mit der Gemeinde und mit ganz vielen Daten, die so eine Gemeinde zu bieten hat, in Interaktion treten.

Dass man auf der Basis von GIS auch sogenannte Digitale Zwillinge (DZ) erstellen kann, ist für das Verwalten und Verstehen komplexer Sachverhalte heute schon in vielen Bereichen weltweit üblich und dort auch alternativ los. [2]

In Schöneck sind wir aber noch am Anfang. Immerhin, durch Unterstützung seitens der FUAS (Frankfurt University of Applied Sciences), speziell durch Prof. Seuß, konnte im Sommer 2023 ein kleines Pilotprojekt gestartet werden, das zusammen mit dem Fachbereich Stadtentwicklung von Schöneck und der Moderierung durch BiG in der Person von Hugo Preiss mittlerweile einen Zustand erreicht hat, in dem das Programm real von Bürgern in Schöneck getestet werden kann. Geplant ist der Zeitraum Mai/Juni bis September 2024. Der genaue Starttermin wird noch bekannt gegeben werden.

Die erste Testanwendung bietet einmal die Möglichkeit, dass die Bürger anhand einer Karte zu den Baumbeständen von Schöneck Bäume für Patenschaften auswählen können. Zum anderen kann man ebenfalls anhand einer Karte Vorschläge an die Gemeinde übermitteln oder Mängel melden. Anhand der Karten, die alle Bürger einsehen können, bleiben diese Patenschaften und Meldungen für alle sichtbar. Nicht nur die Bürger haben dadurch ein ganz anderes Feedback, auch für Verwaltung selbst ist es dadurch viel einfacher, den Überblick zu behalten.

Ob dies alles dann auch wirklich genau so zur Zufriedenheit von allen funktionieren wird, soll durch eben diese Testanwendung geklärt werden.

Sobald der Starttermin von der Gemeinde offiziell bekannt gegeben wird, wird BiG zusammen mit der Gemeinde auch Workshops anbieten, in denen man gemeinsam diese Anwendungen testen kann.

LINKS

Hier noch einige Links zum Kontext.

[1] GIS-Startseite auf den BiG-Seiten: https://www.oksimo.org/gis/

[2] Zum Konzept eines Digitalen Zwillings (DZ) ein kurzes Video von ESRI, einem der führenden Anbieter von GIS-Systemen (aber beachten, dies ist eine Werbevideo: da sieht alles natürlich wunderbar einfach aus, dahinter steckt aber in der Regel doch immer noch viel Arbeit :-)): https://www.youtube.com/watch?v=86XXE22Dba8

[3] Hier eine Informationsseite des BMI (Bundesministerium des Innern und für Heimat) zum Thema Geo-Informations-Daten und Geo-Informations-Datenstruktur (GID) : https://www.bmi.bund.de/DE/themen/moderne-verwaltung/geoinformationen/gdi-de/gdi-de-node.html, besonders die Seite ‚Inter­ministerieller Aus­schuss für Geo­informations­wesen (IMAGI)‘. Der Interministerielle Ausschuss für Geoinformationswesen ist das Ressortübergreifende Netzwerk für Geoinformationen des Bundes unter der Federführung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/moderne-verwaltung/geoinformationen/imagi/imagi-node.html;jsessionid=02E09E5FAEB8D21C01578F16B0E17606.live871

[4] Das Deutsche Geoportal.de des Bundesamt für Kartographie und Geodäsie findet sich hier: https://www.geoportal.de/

[5] Gesetz über den Zugang zu digitalen Geodaten (Geodatenzugangsgesetz – GeoZG): https://www.gesetze-im-internet.de/geozg/GeoZG.pdf

[6] Interessant auch der „Vierter Bericht der Bundesregierung über die
Fortschritte zur Entwicklung der verschiedenen Felder des Geoinformationswesens im nationalen, europäischen und internationalen Kontext“: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/moderne-verwaltung/geoinformationen/4-geo-fortschrittsbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=3

BiG-VORSCHAU: So 28.April sowie Mai/Juni 2024 … die Dinge entwickeln sich :-)

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big@oksimo.org

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BiG-VORSCHAU: So 28.April sowie Mai/Juni 2024 … die Dinge entwickeln sich 🙂

Liebe Alle,

hier — leicht kurzfristig — die Ankündigung für kommenden So 28.April 2024

SO 28. APRIL 24, 11 – 13h BRENDELSAAL, ALTES SCHLOSS BÜDESHEIM

WASSER – AKTUELLER STATUS-BERICHT 11h

big-wasser@oksimo.org

Nach der erfolgreichen Vorstellung eines Konzepts für ein Modell zur Wasserverfügbarkeit für Schöneck und den MKK samt verschiedenen Simulationen am 10.März 24 sowie der Veranstaltung zum Abwassersystem in Schöneck in Kooperation mit der Fachabteilung Stadtplanung der Gemeinde Schöneck am 10.April 2024  soll am kommenden Sonntag eine Zwischenbilanz gezogen werden. Wo stehen wir jetzt? Wie geht es weiter. Dazu gehört neben der Weiterentwicklung des Voraussagekonzept samt Software die Fortsetzung der Gespräche auf Kreisebene, die konstruktiv begonnen haben.

GEO-INFORMATIONSSYSTEM (GIS) SCHÖNECK 12h

big-gis@oksimo.org

Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass BiG zusammen mit einer Arbeitsgruppe der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS)  und der Fachabteilung Stadtplanung der Gemeinde  Schöneck seitSommer 2023 daran arbeitet, einen kleinen Demonstrator aufzubauen, mittels dem die Bürger von Schöneck direkt testen können sollen, was ein GIS System für die Bürger bedeuten könnte. Ab Mai  wird es soweit sein: eine Testschaltung wird den Bürgern zur Verfügung gestellt werden.  Aus diesem Anlass wird Hugo Preis, der BiG-GIS Moderator, der das Projekt initiiert und bis jetzt aktiv begleitet hat, eine erste Einführung geben, was GIS ist und was man mit dem GIS-Demonstrator wird machen können. Hugo hat dazu u.a. eine erste Info-Seite auf den BiG-Webseiten erstellt ( https://www.oksimo.org/2024/04/20/gis-schoeneck-6/ ). Wer Lust hat, kann da schon mal reinschauen. Am So wird er dies vorstellen und möglicherweise einiges mehr.

VORSCHAU MAI-JUNI 2024

In dem Maße, wie die Arbeit der BiG-Themengruppen voranschreiten, verändert sich zusehends unser Stil: neben punktuellen gezielten Veranstaltungen, für die gezielt geworben wird, gibt es immer  mehr Arbeitssitzungen der einzelnen Teams, in denen  intensiv  an der Sache gearbeitet wird. Diese finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Eine Vorschau kann helfen, zu sehen, was wird gerade vorbereitet.

WALD – BEFRAGUNG DER BÜRGER (26.Mai) und DISKUSSION DER ERGEBNISSE (30.Juni)

big-wald@oksimo.org

Wie schon Ende März berichtet ( https://www.oksimo.org/2024/03/28/vorankuendigung-big-wald-buergerbefragung-zum-wald-so-26-mai-2024-11-15uhr/ ) hat die Themengruppe WALD sich mit Blick auf die kommenden Forsteinrichtung im Sommer 2026 darauf geeinigt, bis dahin das große BiG-Waldprojekt 2024 – 2026 zu starten. In einer Arbeitssitzung gestern wurde der Plan weiter konkretisiert. Die eine Aufgabe ‚Dem Wald eine Stimme geben‘ soll dadurch eingelöst werden, dass das Team in Kooperation mit den Vogelschützern bis 2026 gezielt viele Exkursionen im Wald organisieren will, durch die interessierte Bürger verschiedene Aspekte ihres  Waldes (ja, er gehört allen Bürgern!) in der direkten Begegnung besser kennen lernen können. Die andere Aufgabe besteht darin, in gezielten Veranstaltugen die Vielfalt der Perspektiven auf den Wald (Holzwirtschaft, Erholung, Jagd, Rolle im Klimawandel…) zu Wort kommen zu lassen. Die aktuelle Diskussionslage zum Wald zeigt, es gibt nicht die eine Sicht. Alle sollen zu Wort kommen.

Den Auftakt zu all dem soll eine Bürgerbefragung zum Wald bilden (So 26.Mai im Wald!) und dann die Vorstellung der Ergebnisse mit Diskussion (So 30.Juni, vermutlich Brendelsaal). Zur Diskussion werden wir natürlich alle einladen, auch unsere Experten aus der Verwaltung und und unsere gewählten Vertreter in der Gemeindevertretung.

DEMOGRAPHIE – ARBEITSTREFFEN – VORBEREITUNG VERANSTALTUNG IM OKTOBER

big@oksimo.org,Betreff ‚DEMOGRAPHIE‘

Wie im Rundbrief berichtet ( https://www.oksimo.org/2024/03/14/einwohner-wie-alles-anfing-ein-gespraech-mit-dem-vorsitzenden-des-auslaenderbeirats-schoeneck/ ) hatte Gerd Doeben-Henisch ein langes Inteviewgespräch mit dem Vorsitzenden des Schönecker Ausländerbeirats Klearchos Aliferis geführt. Aus diesem Gespräch ergab sich, dass hier gemeinsame Interessen aufeinander stoßen, aus Anlaß des Themas ‚Bürger mit Migrationshuntergrund‘  das Thema Demographie Schöneck (natürlich auch  als Teil des großen Themas Demographie DE und EU) aktiv anzugehen. Eines der größten Probleme Deutschlands, der gravierende Mangel an Arbeitskräften  auf mittlerweile allen Ebenen, soll aus dem Schatten der mittlerweile sehr populistisch geführten Diskussion zum sogenannten Flüchtlingsproblem heraus geholt werden. Das wir mit der unkontrollierten Migration  ein reales Problem haben, ist unbestritten, aber wir haben ein mindestens genauso reales Problem mit der Bevölkerungsentwicklung; darüber muss  geredet werden. Wir werden dazu entsprechende Simulationskonzepte aufbauen (nicht zuletzt auch wegen dem realen Wasserproblem (siehe dort)). Das Thema soll mit einer ersten größeren öffentlichen Veranstaltung im Oktober bekannt gemacht werden.

ENERGIE – ARBEITSTREFFEN

big-energie@oksimo.org

Nach der Veranstaltung am 18.Februar 24 mit ein einer externen Expertin ( https://www.oksimo.org/schoeneck-energie-autark/ ) hatte die Themengruppe ENERGIE verschiedenen Recherchen gestartet und Gespräche geführt (ein sehr ermutigendes Gespräch fand statt mit der Bürgermeisterin Conny Rück und Herrn Jörg Reichelt von der Fachabteilung Stadtentwicklung am 15.April 24). Daraus ergaben sich verschiedene Handlungsansätze, auch in Richtung Kooperation mit dem Klimabeirat Schöneck.

KOMMT DER BiG-HUB zwischen Pizzeria und Turnverein Kilianstädten?

Wie schon im Abschnitt zur Themengruppe WALD anklingt, hat sich der Arbeitsstil der verschiedenen BiG-Themengruppen im Laufe von 14 Monaten geändert.  Der Schwerpuntk liegt stärker als bislang auf den Arbeitsgruppen selbst und die größeren Veranstaltungen werden flexibler (andere Räume, andere Termine, mehr Kooperationspartner). Dazu kommt, dass durch die beginnende Renovierung des Alten Schloßes der Brendelsaal für längere Zeit nicht mehr verfügbar sein wird. Es deutet sich jetzt an, dass BiG vielleicht eine Art BiG HUB (schreckliches Wort :-)) eröffnen kann, genau gegenüber der Pizzeria Volpe und direkt  neben dem Turnverein Kilianstädten (die haben auch eine Liny Hop Gruppe :-)) … Für Arbeitsgruppen wäre dies ideal.  Wir hätten rund um die Uhr eine Möglichkeit, wo sich Interessierte treffen könnten. Falls die BiG-Teams sich dazu einig werden, könnten wir das Projekt starten.

Soweit für heute von BiG.

Mit herzlichen Grüßen,

Gerd Doeben-Henisch

(BiG-Moderator)

BiG-RUNDBRIEF: BiG & DEMOKRATIE … ? … !!

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big@oksimo.org

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Dieser Text ist Teil der Liste der BiG-Rundbriefe

BiG & DEMOKRATIE …? … !!

Liebe Alle,

seit dem Start der Initiative ‚Bürger im Gespräch (BiG)‘ im Februar 2023 versenden wir über diesen Verteiler eigentlich entweder nur Ankündigungen von BiG-Veranstaltungen oder anschließend Berichte zu diesen Ereignissen.

Aus gegebenem Anlass möchten wir heute auch mal ein paar Sätze zu unserem  Verhältnis zu Demokratie schreiben.

Zur Vorgeschichte von BiG gehören viele Jahre (mindestens 20 Jahre) Forschung zum Konzept von Wissenschaft, zum Begriff der Nachhaltigkeit, zum Verhältnis von empirischer Wissenschaft und Nachhaltigkeit, dann aber auch zum Konzept der Demokratie: was hat diese mit Wissenschaft zu tun? Wie ist die Rolle der Bürger in einer modernen  Demokratie, und einiges mehr.

Neben vielen Themen, die unsere aktuelle Weltsituation, auch in Europa, und natürlich  auch in Deutschland charakterisieren, gibt es ein Problem, dass allen Demokratien weltweit in dieser Form neu zu schaffen macht: das Anwachsen von unterschiedlichen Weltsichten, die im Alltag und dann auch auf vielen Ebenen der Gesellschaft unversöhnlich erscheinen, schwer vermittelbar. 

Positiv für Demokratien ist, dass eine solche Vielfalt generell möglich ist (man vergleiche die Situationen in autokratischen Gesellschaften).

Negativ für Demokratien ist, wenn sich diese reale Vielfalt nicht in ein konstruktives Miteinander überführen lässt. Dann versagen zunehmend die verfassungsgemäßen Entscheidungsprozesse.

Wie so oft in der Geschichte, wird dann der Ruf nach dem starken Mann (Frau, …) laut.

Da es in den ca. 300.000 Jahren Menschheitsgeschichte moderne Demokratien erst seit ca. 200 Jahren gibt — also eine recht junge Errungenschaft — wäre es irgendwie  schade, wenn Demokratien, die als erste  neue Freiheitsräume ermöglichen, nicht in der Lage wären, für den Umgang mit Vielfalt auch neue kreative Formen finden könnten, um die Vielfalt für eine attraktive Zukunft nutzbar zu machen.

In diesem Kontext sieht sich die Initiative BiG als kleiner, kreativer Versuch, das Miteinander der Bürger — auch mit ihren gewählten Vertretern (alle Geschlechter :-)) — an kleinen Beispielen auszuprobieren.

Wir alleine werden  die Welt natürlich nicht retten.

Aber wenn sich andere dadurch ermutigt fühlen, ihren Beitrag zu leisten,  bewegt sich schon wieder etwas mehr 🙂

Mit herzlichen Grüßen,

Gerd Doeben-Henisch

(BiG-Moderator)

PS: Unter der Rubrik DEMOKRATIE ( https://www.oksimo.org/demokratie/ ) finden sich in unserem Bürger-Blog einige Artikel zum Thema. Sehr aktuell vielleicht der neueste Beitrag: https://www.oksimo.org/2024/04/16/demokratie-als-zweigeteiltes-eins-ergaenzung-wolke-des-wissens/

DEMOKRATIE ALS ‚ZWEIGETEILTES EINS‘.  Ergänzung: Wolke des Wissens

Start: 15.April 2024

Letzte Änderung: 17.April 2024

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big@oksimo.org

Kontext

Dieser Text gehört zum Thema ‚Demokratie‘. Er versteht sich als direkte Ergänzung zu dem vorausgehenden Text „DEMOKRATIE ALS ‚ZWEIGETEILTES EINS‘. SKIZZE“ vom Juni 2023.

Ergänzung: Wolke des Wissens

Schon im vorausgehenden Text „DEMOKRATIE ALS ‚ZWEIGETEILTES EINS‘. SKIZZE“ wurde aufgezeigt, dass und wie das Moment des gemeinsamen Wissens eine Schlüsselrolle für eine Demokratie spielt. Im vorausgehenden Text wurde einerseits auf den Kontext des Wissens aufmerksam gemacht sowie auf eine wahrheitsfähige Struktur dieses Wissens.

Im vorliegenden Text wird der Aspekt der Vielfalt thematisiert und ein Blick auf die innere Struktur von politischen Parteien in einer Demokratie geworfen.

BILD : Eine Interpretation von §1 des Deutschen Parteiengesetzes

Parteiengesetz – Deutungsmöglichkeiten

Das Deutsche Parteiengesetz ist ein Text und unterliegt als solcher notgedrungen einer Interpretation durch einen Leser. Das jeweilige Hintergrundwissens des Lesers samt seinen aktuellen Interessen bestimmt, wie er den Text individuell versteht.

Im Kontext eines neuen Bewusstseins von Bürgerwissenschaft 2.0 fällt natürlich sofort auf, dass die Aufgabe für eine politische Partei nicht nur darin gesehen wird, dass man Bürger an die Übernahme einer öffentlichen Verantwortung im Rahmen der gewählten Strukturen heranführt, sondern dass es ebenso wichtig ist, sich an der Gestaltung der öffentlichen Meinung zu beteiligten, politische Bildung zu unterstützen und dass man darauf hin wirkt, dass sich Bürger aktiv am politischen Leben beteiligen. Mit letzterem muss kein bestimmtes Parteiprogramm verknüpft sein — diese müssen sich ja auch immer wieder im Gegenüber zur gesellschaftlichen Wirklich neu justieren –, sondern es geht um ein gemeinsames Ringen um aktuelle Problemstellungen und deren Lösungen, die sich der Sache verpflichtet fühlen, und für deren Lösung man gegebenenfalls auch ganz neue Wege beschreiten muss, Wege, die noch kein bestehendes Programm — welcher Art auch immer — auf der Agenda hat.

Für das Gelingen einer Demokratie im Bereich der demokratischen Entscheidungsprozesse müssen diese Sichten der Welt und die dazu gehörigen Maßnahmen zwar von den gewählten Vertretern aufgegriffen und umgesetzt werden, aber damit überhaupt geeignete Sichten entstehen und geeignete Maßnahmen gefunden werden können, bedarf es der gesamten Breite gesellschaftlicher Prozesse mit einer Berücksichtigung von möglichst allen Gruppen in einer Gesellschaft.

Vereinfachend formuliert kann man auch sagen, zum Gelingen einer handlungsfähigen Demokratie bedarf es eines hinreichend umfassenden und wahrheitsfähigen nachhaltigen Wissens, das von einer großen Mehrheit geteilt wird, damit die demokratischen Entscheidungsprozesse nicht nur partikuläre Interessen oder partiellen Problemstellungen dienen, sondern der Mehrheit der Gesellschaft.

Die Formulierung ‚hinreichend umfassendes und wahrheitsfähiges nachhaltiges Wissen‘ ist eine regulative Idee die gedanklich angestoßen werden kann, der aber in der Realität zu einem beliebigen Zeitpunkt angesichts einer Vielzahl von Meinungen A, B, C, D ... Wissensformen gegenüberstehen, die aus sich heraus auf den ersten Blick schwer bis gar nicht vermittelbar erscheinen. Eine Momentaufnahme von Meinungsgruppen im April 2024 in den USA, in den europäischen Ländern, im Nahen Osten usw. zeigt — unter Berücksichtigung der vielen online-basierten Informationsangebote — nicht nur eine große Zahl von Narrativen und Weltbildern, sondern zusätzlich solche, die den Eindruck erwecken, sich gegenseitig auszugrenzen. Im Blick zurück in der Geschichte finden sich ganz ähnliche Konstellationen, allerdings zahlenmäßig nicht solch eine Vielfalt wie heute (es gab weniger Menschen; Kommunikationsmittel waren deutlich beschränkter; Machtverhältnisse ließen weniger Spielraum).

Für das Funktionieren einer Demokratie wäre es aber wichtig, dass aus der Vielfalt von Meinungen eine hinreichend große und starke Einheit entstehen könnte, symbolisch verkürzend:

BILD : Eine Demokratie bietet maximalen Raum für alle Bürger, dies ermöglicht Vielheit. Für das konkrete Handeln im Alltag — auch unter Berücksichtigung größerer Zeithorizonte — braucht es aber eine minimale Gemeinsamkeit in der Weltsicht. Eine solche Gemeinsamkeit entsteht nicht automatisch sondern nur durch geeignete Prozesse der Verständigung die hinreichend viel Zeit, Energie und — meistens — auch ein notwendiges Wissen benötigen. Da weder 0% Gemeinsamkeit ausreichen noch 100% Gemeinsamkeit realistisch sind, gibt es dazwischen einen Bereich, der hinreichend über 0% liegt — der kritische Wert — oder optimalerweise komfortabel über dem kritischen Wert — nennen wir dies den konstruktiven Wert –. In der bisherigen Forschung ist nicht bekannt, wo man den ‚kritischen Wert‘ oder den ‚konstruktiven Wert‘ ansiedeln soll.

Zwischen den Extrempunkten, dass die Gemeinsamkeit der verschiedenen Meinungen bei 0% liegt (Totalblockade) oder bei 100% (Völlige Einigkeit; praktisch ausgeschlossen) gibt es ein breites Spektrum, wo man sich fragen kann, welches Ausmaß an Übereinstimmung praktisch möglich ist und welches praktisch notwendig (kritischer Wert) wäre.

Für die Notwendigkeit haben die meisten Demokratien Abstimmungsregeln eingeführt, die irgendeine From von Mehrheit verlangen. Für das praktisch Mögliche ist es schwer zu definieren, da die Variabilität des Entscheidens im Prinzip alles möglich machen kann. Die zunehmende Unfähigkeit demokratischer Systeme weltweit auf die wachsende Komplexität mit hinreichend guten Wissenswolken zu antworten, die von einer hinreichenden Mehrheit geteilt wird, spricht nicht notwendigerweise gegen das Konzept einer demokratischen Gesellschaft. In erster Linie zeigt es nur, dass die Anforderungen an gemeinsame qualitativ gute Wissenswolken offensichtlich gestiegen sind. Dass autokratische Systeme diese Probleme durch quasi diktatorische Entscheidungen zu bewältigen suchen, kann auf den ersten Blick beeindrucken. Auf den zweiten Blick kann man aber feststellen — wenn man will –, dass das autoritäre Lösungsmodell auch einen hohen Preis zahlt (muss genauer spezifiziert werden).

Die manifesten Schwierigkeiten demokratischer Systeme kann man positiv dahingehend interpretieren, dass ein demokratisches System in der Lage ist, einen objektiven Mangel an Wissen, an Planungskapazitäten, an fehlender Entscheidungsfähigkeit sichtbar zu machen, um damit einen Ausgangspunkt zu schaffen, um das bisherige System mit seinen sich offenbarenden Schwächen an den entscheidenden Punkten zu verbessern bzw. zu revolutionieren.

Die Fähigkeit, aus erkennbaren Schwächen neue, bessere Ansätze zu finden und entsprechend umzusetzen, nennt man allgemein Lernen!

Während wir im Fall von Einzelpersonen ansatzweise über verschiedene Lernkonzepte verfügen, eventuell auch noch für Gruppen, wird es bei größeren Gebilden wie Firmen oder Kommunen schon ziemlich schwierig. Was aber, wenn es um eine ganze Gesellschaft geht, die mit sich selbst aufgrund von widerstreitenden Weltsichten im Widerstreit liegt?

Historisch gibt es für diesen komplexen Fall noch keine wirklichen Vorlagen.

Demokratien, als jüngstes Produkt der langen Menschheitsgeschichte, einfach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen, erscheint im ersten Moment vielleicht einfach zu sein, letztlich wäre dies aber angesichts des langen Prozesse der Entstehung von Demokratien nicht effizient und kontraproduktiv (Beispiele von gescheiterten Demokratien gibt es schon, und diese wirken nicht ermutigend). Operativ sinnvoller wäre es hingegen, eine Renovierung bei laufendem Betrieb. Der heiße Kern von allem müssten jene Mechanismen sein, die aus der wechselseitigen Blockade heraus führen und lebensfähige Gemeinsamkeiten entstehen lassen, die im Prinzip allen nachhaltig nutzen. Ohne einen minimalen gemeinsamen Kern von Wertauffassungen — z.B. analog dem Grundgesetz oder den Menschenrechten — wird es aber wohl nicht gehen. Letzteres wiederum setzt voraus, dass es einen irgendwie übergreifenden Sinn gibt, den die große Mehrheit teilt und der die vielen praktisch notwendigen Konkretisierungen inspiriert.

Vermutlich werden weder die dazu notwendigen Methoden noch die notwendigen Wissensinhalte einfach so ‚vom Himmel fallen‘, sondern sie müssen in einem gemeinsamen Weg des Ausprobierens und Lernens gefunden werden. Wo können Menschen so etwas lernen? Wo sind die Schulen, die Hochschulen, die Firmen, die Alltagsszenarien, die so etwas unterstützen?

Die Initiative ‚Bürger im Gespräch (BiG)‘ versteht sich als ein Beispiel für solch ein Vorgehen; möglicherweise gibt es bessere.

BIG-WASSER: VERWEIS AUF DEN BERICHT ZUR VERANSTALTUNG BIG & GEMEINDE AM 10.APRIL 24 ZUM THEMA ABWASSER

Autor: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big-wasser@oksimo.org

KONTEXT

Dieser Text ist Teil der Liste der BiG-Rundbriefe

Bericht zur Veranstaltung BiG & Gemeinde am 10.April 24 zum Thema ABWASSER

URL: https://www.oksimo.org/2024/04/15/big-wasser-bericht-wasser-workshop-10-april-2024/

Liebe Alle,

Schon zwischen 2.600 und 1.800 Jahren vor unsrer Zeitrechnung gab es Siedlungen/ Städte im Gebiet des heutigen Indien und Pakistan mit einem ausgebauten Kanalisationssystem. In Europa ging dieses Wissen aber im frühen Mittelalter wieder verloren bis zur Wiederentdeckung ab dem 19.Jahrhundert. Und die erste Kläranlage auf dem europäischen Kontinent gab es 1889 in Frankfurt am Main.

So gesehen ist eine ausgebaute Kanalisation in Verbindung mit einer guten Kläranlage eine moderne Kulturtechnik, ohne die unser gewohntes Alltagsleben schlicht weg nicht funktionieren würde. Und doch, Hand aufs Herz, wer weiß schon etwas vom Abwasser und seiner Bedeutung? Wer wüsste, wie die Kanalisation in er eigenen Gemeinde beschaffen ist, wie sie funktioniert, und was genau in der Kläranlage geschieht.

Der nicht mehr ganz junge Autor dieses Textes — wie auch viele andere, die er kennt — , wusste nichts zum Thema.

Seit der BiG-Veranstaltung am 10.April 2024 im Dorfgemeinschaftshaus von Oberdorfelden zusammen mit den beiden Experten von der Fachabteilung Stadtplanung der Gemeinde Schöneck (Referent Hans-Jürgen Merget (stellv. Fachbereichsleiter), Herr Günter Rauch (Fachbereichsleiter)) sieht die Lage anders aus: es gab erste tiefe Einblicke in das Thema und es ist völlig klar, dass dieses Thema weiter behandelt werden sollte. Wir haben es hier mit dem größten Bauwerk der Gemeinde zu tun (allein 67 km Rohrleitungen), das alle 16.000 Einwohner von Schöneck und Niederdorfelden rund um die Uhr versorgt. Und dass dies alles so reibungslos funktioniert ist alles andere als selbstverständlich.

Wer mehr wissen will, sei ermuntert, sich den Bereicht anzuschauen: https://www.oksimo.org/2024/04/15/big-wasser-bericht-wasser-workshop-10-april-2024/

Herzliche Grüße,

Gerd Doeben-Henisch

BiG WASSER BERICHT : Wasser-Workshop 10.April 2024 zum Thema ABWASSER IN SCHÖNECK

Letzte Änderung: 15.April 2024

Bericht: Gerd Doeben-Henisch

Kontakt: big-wasser@oksimo.org

KONTEXT

Dieser Text ist Teil der Liste der Veranstaltungen zum Thema WASSER Phase II.

Wasser-Workshop 10.April 2024

Zur Einführung siehe die Ankündigung und den ersten Kurzbericht. Hier folgt jetzt ein Bericht zur Präsentation während der Veranstaltung.

Dieser Bericht folgt weitgehend der Präsentation von Hans-Jürgen Merget (stellvertretender Leiter der Fachabteilung Stadtplanung), ergänzt um Erläuterungen von Günter Rauch (Leiter der Fachabteilung Stadtplanung) und den kurzen Dialogen zwischendrin zwischen den Bürgern und den Vertretern der Gemeinde. Wegen des Umfangs wurden manche weitere Informationen ausgelassen. Diese können in zukünftigen Erweiterungen behandelt werden.

Vorweg sollte man wissen, dass es neben der laufenden (alten) Kläranlage ein Neubauprojekt gibt, das 2020 begann und nach vielen Verzögerungen (Corona, Ukrainekrieg) und Teuerungen im Mai 2025 abgeschlossen sein soll. Der Neubau wurde erzwungen, da die alte Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen stieß. Nach vielen Recherchen schälte sich heraus, dass man auf dem bisherigen Gelände mit einer neuen Methode eine Kläranlage bauen könnte, die den gestiegenen Anforderungen dennoch gerecht werden kann. Während Langenselbold bei annähernd gleichen Rahmenbedingungen einen Neubau mit dem bekannten Standards gestartet hat (geschätzte Kosten 30 Mio Euro), belaufen sich die Kosten für die neue Anlage auf 17 Mio Euro (dazu gibt es einen Zuschuss vom Bund in Höhe von 800.000 Euro). Vom Gesamtbetrag übernimmt Niederdorfelden 25% der Kosten.

Der Weg des Wassers vom Abfluss über Kanalisation und Kläranlage zurück in den Naturkreislauf

Die Präsentation startete mit einem Überblick über die verschiedenen Arten des Wassers, welches über die Kanalisation zur Kläranlage gelangt. Hier ein erweitertes Schaubild:

BILD : Ein erweitertes Schaubild (rekonstruiert aus [1:997-1013]) gibt einen Eindruck von den verschiedenen Arten von Wasser, die im kommunalen Abwassersystem anfallen.

Das Schaubild nach [1] zeigt die verschiedenen Arten von Wasser auf, die nach Gebrauch — z.B. kommunales Schmutzwasser — oder nach Entstehung — z.B. Niederschläge — auftreten können. Mit dieser Vielfalt klar zu kommen, ist eine große Herausforderung für die kommunale Wasserwirtschaft, die in Grenzfällen letztlich nur angenähert werden kann.

Andeutung der Wassermengen

Um ein Gefühl für die Menge des Wassers zu bekommen, stellte der Referent zwei Näherungswerte in den Raum: die Menge des Trinkwasserverbrauchs von einem 4 Personen Haushalt bei 121 L pro Person und Tag [2] und die Menge des Regenwassers bei einem Dach von 341 m2 .[3] Beide Werte beruhen auf Mittelwerten und können von daher nur als Annäherung an die tatsächlichen Volumen gelten.

BILD : Rechenblatt mit der Berechnung des angenäherten Volumens, das in einem Zeitfenster von 5 min entstehen kann.

Mit Hilfe dieser Annäherungen kann man sehen, dass Regenfälle in einem kurzen Zeitraum bis zu ca. 1800 mal mehr Volumen für die Kanalisation generieren können wie der normale Schmutzwasseranfall, sofern man den Regen nicht vor Eintritt in die Kanalisation durch geeignete Maßnahmen auffängt oder verteilt. Dies bedeutet eine gewaltige Herausforderung für die Kanalisation.[5b]

BILD : Das Bild zeigt die Struktur des Mischsystems und eines Trennsystems nebeneinander, wie es sich aus der Perspektive eines Hauses darstellt.

Umgelegt auf die gesamte Kanalisation bedeutet dies, dass entsprechend entweder zwei getrennte Rohrsysteme im Boden liegen müssen (Trennsystem: Regenwasser (blau) und Schmutzwasser (braun) getrennt) oder nur ein Rohrsystem (Mischsystem: Schmutzwasser und Regenwasser zusammen (Magenta)).

BILD : Nach [5]. Ziel ist es u.a., möglichst kein Regenwasser durch die Kläranlage fließen zu lassen, da das Regenwasser vergleichsweise sauber ist, allerdings — abhängig von der Bodenbeschaffenheit — nicht immer. [7]

In Schöneck gibt es je nach Ortsbereich beide Systeme. Für Mischwasser sind in Schöneck 55 km Rohre verlegt, für Regenwasser 6,79 km, und für Schmutzwasser 5,846 km, zusammen also gut 67 km an Leitungen!

Im Fall des Mischsystems kann der Fall eintreten, dass das Wasservolumen durch den Regen derart ansteigt, dass eine Entlastungen der Kanalisation notwendig ist. Idealerweise geschieht dies vor dem Eintreten in das Kanalsystem (Rückhaltevorrichtungen). Durch die vielen Einlaufwerke (Gullis) tritt das zusätzliche Volumen aber auch entlang des Kanalsystems auf. Dazu gibt es Entlastungsbauwerke [6], in denen in einem bestimmten Abschnitt des Kanals das Abwasser in einer Rinne mit hochgezogener Überlaufschwelle geführt wird. Nimmt das Volumen des Wassers über einen festgesetzten Maximalwert zu, dann läuft es über die Schwelle in einen eigenen Kanal, mit dem das Wasser dann herausgeführt und in ein Gewässer abgeleitet (‚abgeschlagen‘) wird. Zusätzlich zu den Entlastungsbauwerken gibt es auch weitere Vorhalteflächen vor dem Eintritt in die Kanalisation wie auch zusätzliche Versickerungsflächen.

BILD : Abschnitt aus dem Kanalsystem in Schöneck mit Mischkanal und und unterirdischem Entlastungsbauwerk

Ein Abschöpfen von Wasser kann allerdings auch bei einem Trennsystem mit zwei getrennten Rohren auftreten.

BILD : Kartenausschnitt von Schöneck mit Trennsystem und Verringerung des Wasservolumens durch eine Abschlagsleitung.

Es wurde angemerkt, dass Regenwasser, das mit Straßenbelag in Berührung kommt, allein durch den erheblichen Abrieb der Reifen erheblich belastet ist und eigentlich vorgereinigt werden müsste. Bei der Schönecker Kanalisation, die schon älter ist, findet eine solche Vorreinigung von Regenwasser vor der Einleitung in Gewässer noch nicht statt.

Ein anderer Fall wird im folgenden Schaubild dargestellt: da Schöneck unterschiedliche Geländeformationen umfasst, ist es bisweilen notwendig, Wasser auch auf ein höheres Niveau zu pumpen.

BILD : Hinaufpumpen von Schmutzwasser (braun) zu einem Mischwasserkanal (Magenta) auf einem höheren Niveau.

Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden

BILD : Eingang zur Kläranlage Schoeneck-Niederdorfelden Samstag 13.April 2024. Elemente einer Baustelle sind erkennbar.

BILD : Aus openstreetmap.org: Lage der Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden

Dazu ein Kartenausschnitt mit den Hauptleitungen zur Kläranlage.

BILD : Hauptzuleitungen zur Gruppenkläranlage von Schöneck (von rechts) und von Niederdorfelden (von links). Die Unterbrechungen in der Linie von Niederdorfelden zeigt an, dass es sich wegen des Geländeunterschieds um eine Druckleitung handelt. Der Durchmesser der Leitung von Schöneck ist größer als 1 m, der von Niederdorfelden deutlich kleiner als 1 m.

Die Zuleitungskanäle kommen im Vergleich zum Niveau der Kläranlage ca. 9 m tiefer an, was bedeutet, dass das Wasser auf das höhere Niveau gehoben werden muss. Standardmäßig würde man dies mit einer robusten Schneckenpumpe umsetzen. Doch wegen des großen Platzbedarfs einer Schneckenpumpe werden Zulauf-Pumpen benutzt. Die Zulauf-Pumpen sind sehr anfällig für alle Arten von Textilien (einschließlich Feuchttüchern), die über das Wasser angespült werden. Diese können sich ineinander verwickeln und müssen dann mechanisch aus der Pumpte entfernt werden.

Ablaufschema einer Kläranlage

BILD : Typisches Ablaufschema einer Kläranlage (siehe [8] mit weiteren Erklärungen).

Stufe 1: Mechanische Reinigung

Rechen

Mit Hilfe einer mechanischen Recheneinrichtung (Rechen) werden grobe Stoffe aus dem Wasser entfernt. Diese kommen dann in eine Pressschnecke und werden dann als Restmüll in einem Container entsorgt.

Sand und Fettabscheider

Als nächstes gibt es einen Sand- und Fettfang: zwei längere Becken, in denen an der Oberfläche das Fett abgenommen wird und am Boden Sandanteile.

BILD : Prinzipschaubild aus der Präsentation. Im nächsten Bild das Original in Schöneck.

BILD : Fettfang links und Sandfang rechts in der Kläranlage Schöneck. Daneben sieht man viele Spuren der Großbaustelle.

AUDIO : Originalton aus der Präsentation zum Fett- und Sandabscheider (Tonqualität nicht gut da nur Hintergrundaufnahme)

Vorklärung

Ein weiteres Becken, in dem verbleibende Schwebanteile abgesondert werden, und welches das so bereinigte Wasser der biologischen Klärung zuführt. Die Schwebanteile aus der Vorklärung werden dem Faulturm zugeführt (siehe weiter unten).

Stufe 2: Biologie

Die Klärung des Wassers durch Mikroorganismen wird auch als Belebtschwammverfahren bezeichnet. [9] Das Grundprinzip besteht darin, dass in einem eigenen Becken dem Wasser aus der mechanischen Klärung (Stufe 1) Sauerstoff und Belebtschlamm zugeführt wird, um damit den Mikroorganismen (im Schlamm) die Möglichkeit zu geben, vorhandene organische Bestandteile zu binden, so dass am Ende nur Wasser und CO2 übrig bleibt, sowie der Belebtschlamm, der teilweise aber wieder zurückgeführt wird, um die Bakterien zu erhalten.

Belebtbecken

Um das Wasser aus der Vorklärung weiter reinigen zu können, gibt es eine hinreichende Menge Schlamm mit Bakterien. Diese benötigen für ihren Prozess hinreichend viel Sauerstoff, der über Rohre in das Becken geleitet wird.

BILD : Belebungsbecken in Schöneck (alte Anlage).

In den letzten 20 Jahren ist kein Fall bekannt geworden, in dem die eingesetzten Bakterien für ihre Aufgabe versagt hätten. Entsprechend den Betriebsanforderungen seitens der Aufsichtsbehörde des Regierungspräsidenten (RP) Darmstadt werden täglich mehrfach Kontrollen vorgenommen, um die Einhaltung wichtiger Größen zu überprüfen. Dazu gibt es ein eigenes Labor, das diese Kontrollen überwacht und dokumentiert. Mehrmals jährlich gibt es auch unangemeldete Kontrollen seitens der Aufsichtsbehörde. Da das Gewerbe in Schöneck und Niederdorfelden keine Betriebe umfasst, die im größeren Stil organische Abfälle erzeugen, ist die Herausforderung an die Bakterien nicht extrem. Dennoch stellt die sich ändernde Zusammensetzung des Wassers (unterschiedliche Regenanteile) und die sich ändernden Temperaturen eine Herausforderung an die Arbeit der Bakterien dar.

Neubau mit SBR Verfahren

Wenn die aktuelle Baustelle im Mai 2025 ihr Ziel erreicht hat, dann soll in Schöneck das bisherige 2-stufige Verfahren von Belebtbecken mit Nachklingbecken durch ein SBR (Sequencing Batch) Verfahren ergänzt werden. Bei einem SBR Reaktor werden zeitlich hintereinander mehrere Prozessphasen ablaufen können, so da dass man auf einem kleinen Raum einen umfassenden Klärungsprozess realisieren kann.

BILD : Vereinfachtes Schaubild der Phasen eines SBR nach [9].

In der Phase 1 (Start) wird hinreichend viel Schlamm mit den Bakterien bereitgestellt. Dazu kommt in Phase 2 (Befüllen) dann das zu reinigenden Wasser. Damit dann die Bakterien arbeiten können, wird in Phase 3 (Belüften) genügend viel Sauerstoff zugeführt, die vorhandene organische — und andere — Stoffe bearbeiten. In Phase 4 (Absetzen) lässt man die Schlammanteile absinken, damit das gereinigte Wasser dann in Phase 5 (Entleeren) entnommen werden kann. Dann beginnt wieder Phase 1.

Nachklärung

In einem runden Nachklärungsbecken (in der aktuellen alten Anlage) werden restliche Schwebstoffe (Schlamm) abgesondert. Das Wasser wird in Gewässer weiter geleitet (hier in die Nidder) und der Schlamm z.T. dem Belebtbecken wieder zugeführt und z.T. dem Faulbehälter.

BILD : Links beispielhaftes Bild vom Ablauf des gereinigten Wassers und rechts ein Originalfoto (Merget) vom Austritt in die Nidder.

Stufe 3: Chemische Reinigung

Die Dimension der chemischen Reinigung lässt sich nicht an einem bestimmten Bauteil festmachen. Sie findet als Teil des gesamten Prozesses statt. Basierend auf den laufenden Labormessungen (und von verschiedenen Sensoren) wird festgelegt, wie viel von sogenannten Fällmitteln über Dosierungspumpen dem Wasser beigegeben werden. Andererseits [9] wird heute auch zunehmend statt mit Fällmitteln mit Biomasse gearbeitet. Übergreifend wir die chemische Reinigung von einem Prozessleitsystem gesteuert. Aktuell bedarf es noch teilweise des Eingriffs durch eine Person. Nach Vollendung des Neubaus soll alles automatisch ablaufen. Die Steuerung der Prozesse wird dann per Software gesteuert, die man nach Bedarf anpassen kann.

Stufe 4 : Spezielle Stoffe

Zu speziellen Stoffen gehören z.B. toxische Verbindungen (PCB, CKW, AOX…), Spurenstoffe, Mikroplastik, Nanopartikel, Antibiotikaresistenzen, PFAS. Für Anlagen ab 100.000 Einwohner ist Stufe 4 schon vorgeschrieben. Für kleinere Anlagen steht dies noch aus.

Schlamm, Faulgas & Energie

Die zuvor schon geschilderte Absonderung von Schlamm wird dazu genutzt, dass bei annähernd Körpertemperatur einerseits aus dem Schlamm Gas gebildet wird, das gesammelt und dann einem Blockheizkraftwerk (BHK) zugeleitet wird. Mit der Leistung des BHK kann etwa 50% der Stromleistung der Anlage erzeugt werden. Für die restlichen 50% ist noch eine Photovoltaik-Anlage geplant. Bedenkt man, dass die Kläranlage mit 516.000 KWh der größte Stromverbraucher der Gemeinde ist, dann bilde diese neue Lösungsstrategie einen weiteren deutlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Anlage.

Der verbleibende Klärschlamm mit ca. 2000 Tonnen pro Jahr wird weitgehend vom Wetteraukreis übernommen, der seit Jahren ein kreisweites Programm zur Klärschlammentsorgung für seine Kommunen betreibt.

Nachtrag Trinkwasser-Anteil

Mit Blick auf das Schmutzwasser von Privathaushalten und Kleingewerbe ist der Anteil des Trinkwassers am Gesamtverbrauch des Wassers interessant: Im Jahr 2023 machte der Verbrauch von Wasser bei Essen und Trinken 4% aus. [4]

GRAFIK : BDEW https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/trinkwasserverwendung-im-haushalt/

Mit Blick auf die Gesamtversorgung mit Trinkwasser für Schöneck (und Niederdorfelden) als Teil des Wassernetzes des Main-Kinzig Kreises stellt sich zunehmend die Frage, wie man einer allmählichen Verknappung des Trinkwassers durch bessere Nutzung des Trinkwassers entgegen wirken kann.

Wie das Schaubild zur aktuellen Nutzung des Wassers andeutet und wie die Situation der Regenwassernutzung zeigt, gibt es prinzipiell ein Potential, das verfügbare Wasser besser zu nutzen.

Ein bisschen Statistik

Hier noch einige Zahlen zur Gemeinschaftsanlage Schöneck-Niederdorfelden:

Stromverbrauch516.000,00KW
Hilfsstoffe103,00t
Betriebskosten GKA280.000,00
Betrieb Kanalnetz130.000,00
Kosten Kanalsanierung150.000,00
Jahresabwassermenge (Schmutzwasser + Regen)2.266.225,00
Rechengut21,20t
Sandfanggut18,60t
Fettabscheiderückstände17,00
Klärschlammmenge1.942,40t

Ausblick

Dieser Bericht versteht sich als ein erster Einstieg in die Thematik Abwasser am Beispiel der Kommunen Schöneck-Niederdorfelden.

Dieser Bericht soll im weiteren Verlauf weiter ergänzt und erweitert werden.

Zusätzlich soll auch der Zusammenhang mit der Frage der Wasserverfügbarkeit im MKK thematisiert werden.

Auch soll die Idee eines Besuchs der Kläranlage vor Ort aufgegriffen werden.

Das Kanalnetz in Schöneck zusammen mit der Kläranlage bilden letztlich ein großes und für die Bürger zentrales Projekt der Sicherung unseres alltäglichen Lebens. Dieses sollte im Bewusstsein von uns allen einen festen Ort haben.

QUELLENANGABEN

[1] Zusammenstellung anhand des „Taschenbuch der Wasserwirtschaft“ (TBW) herausgegeben von Kurt Lechner, Hans-Peter Lühr und Ulrich Z.E.Zamke, Springer Verlag, 2021, 10.Aufl., SS.985 – 1013

[2] Nach Statistischem Bundesamt für das Jahr 2019: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Wasserwirtschaft/Tabellen/ww-01-wasserabgabe1991-2019.html . Im Vergleich, laut [4] waren es 2023 nur 121 L pro Person und Tag.

[3] Der Koeffizient 316,7 L(s * ha) wird typischerweise aus einem Tabellenwerk entnommen, das aus langjährigen Mittelwerten und weiteren Größen einen Koeffizienten berechnet. Näheres siehe TBW 1002ff.

[4] Laut Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft für 2023, siehe: https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/trinkwasserverwendung-im-haushalt/

[5a] DWA: Im Klartext. Abwasser geht jeden an, 5.Aufl. 2018, URL: https://de.dwa.de/files/_media/content/DIVERSES/Flyer/FlippingBook1/Klartext-Abwasser/Klartext-Abwasser/index.html

[5b] Kanalisation, ein erster Überblick — auch zur Geschichte der Kanalisation — findet sich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kanalisation Anmerkung: Es ist bemerkenswert, dass es schon vor 1.800 Jahre vor unserer Zeitrechnung schon Siedlungen/ Städte mit kompletten Kanalisationen gegeben hat, ein Wissen, das im westlichen Europa ab frühem Mittelalter wieder verloren gegangen ist und erst ab ca. Mitte des 19.Jahrhunderts ‚wieder entdeckt‘ wurde.

[6] In Schöneck gibt es 26 Entlastungsbauwerke unter der Straße.

[7] Regenwasser, das mit Oberflächen in Berührung kommt, die verschmutzt sind, kann natürlich dennoch eine Anforderung für Klärung von Schadstoffen stellen.

[8] Überblicksartikel zu Kläranlagen generell mit vielen Zusatzartikeln siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kl%C3%A4ranlage Anmerkung: Es ist interessant, dass die erste Kläranlage auf dem europäischen Festland erst 1889 in Frankfurt am Main in Betrieb genommen wurde.

[9] Belebtschwammverfahren: Siehe für eine erste gute Beschreibung hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Belebtschlammverfahren