Erste Vorstellung des GIS-Schöneck (Digitaler Zwilling)
Liebe Alle,
am So 28.April 2024 um 12h im Brendelsaal des Alten Schlosses von Büdesheim war es dann soweit: Hugo Preiss stellte zum ersten Mal ausführlich das GIS-Projekt Schöneck vor, auf das wir schon oft hingewiesen hatten.
‚GIS‘ steht für Geoinformationssystem und ist für die meisten sicher kein besonders vertrauter Begriff. Aber, wie sich jeder überzeugen konnte, der am Sonntag live dabei war (und auch alle jene, die sich auf die entsprechenden Informationsseiten [1] wagen, die Hugo als BiG-GIS Moderator bislang schon angelegt hatte), ist es eigentlich ein wunderbares Werkzeug sowohl für eine Gemeindeverwaltung wie auch für alle Bürger, die mit solch einem System ganz neue Möglichkeiten bekommen, um mit der Gemeinde und mit ganz vielen Daten, die so eine Gemeinde zu bieten hat, in Interaktion treten.
Dass man auf der Basis von GIS auch sogenannte Digitale Zwillinge (DZ) erstellen kann, ist für das Verwalten und Verstehen komplexer Sachverhalte heute schon in vielen Bereichen weltweit üblich und dort auch alternativ los. [2]
In Schöneck sind wir aber noch am Anfang. Immerhin, durch Unterstützung seitens der FUAS (Frankfurt University of Applied Sciences), speziell durch Prof. Seuß, konnte im Sommer 2023 ein kleines Pilotprojekt gestartet werden, das zusammen mit dem Fachbereich Stadtentwicklung von Schöneck und der Moderierung durch BiG in der Person von Hugo Preiss mittlerweile einen Zustand erreicht hat, in dem das Programm real von Bürgern in Schöneck getestet werden kann. Geplant ist der Zeitraum Mai/Juni bis September 2024. Der genaue Starttermin wird noch bekannt gegeben werden.
Die erste Testanwendung bietet einmal die Möglichkeit, dass die Bürger anhand einer Karte zu den Baumbeständen von Schöneck Bäume für Patenschaftenauswählen können. Zum anderen kann man ebenfalls anhand einer Karte Vorschläge an die Gemeinde übermitteln oder Mängel melden. Anhand der Karten, die alle Bürger einsehen können, bleiben diese Patenschaften und Meldungen für alle sichtbar. Nicht nur die Bürger haben dadurch ein ganz anderes Feedback, auch für Verwaltung selbst ist es dadurch viel einfacher, den Überblick zu behalten.
Ob dies alles dann auch wirklich genau so zur Zufriedenheit von allen funktionieren wird, soll durch eben diese Testanwendung geklärt werden.
Sobald der Starttermin von der Gemeinde offiziell bekannt gegeben wird, wird BiG zusammen mit der Gemeinde auch Workshops anbieten, in denen man gemeinsam diese Anwendungen testen kann.
Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass BiG zusammen mit einer Arbeitsgruppe der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS) und der Fachabteilung Stadtplanung der Gemeinde Schöneck seitSommer 2023 daran arbeitet, einen kleinen Demonstrator aufzubauen, mittels dem die Bürger von Schöneck direkt testen können sollen, was ein GIS System für die Bürger bedeuten könnte. Ab Mai wird es soweit sein: eine Testschaltung wird den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Anlass wird Hugo Preis, der BiG-GIS Moderator, der das Projekt initiiert und bis jetzt aktiv begleitet hat, eine erste Einführung geben, was GIS ist und was man mit dem GIS-Demonstrator wird machen können. Hugo hat dazu u.a. eine erste Info-Seite auf den BiG-Webseiten erstellt ( https://www.oksimo.org/2024/04/20/gis-schoeneck-6/ ). Wer Lust hat, kann da schon mal reinschauen. Am So wird er dies vorstellen und möglicherweise einiges mehr.
VORSCHAU MAI-JUNI 2024
In dem Maße, wie die Arbeit der BiG-Themengruppen voranschreiten, verändert sich zusehends unser Stil: neben punktuellen gezielten Veranstaltungen, für die gezielt geworben wird, gibt es immer mehr Arbeitssitzungen der einzelnen Teams, in denen intensiv an der Sache gearbeitet wird. Diese finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Eine Vorschau kann helfen, zu sehen, was wird gerade vorbereitet.
WALD – BEFRAGUNG DER BÜRGER (26.Mai) und DISKUSSION DER ERGEBNISSE (30.Juni)
Wie schon Ende März berichtet ( https://www.oksimo.org/2024/03/28/vorankuendigung-big-wald-buergerbefragung-zum-wald-so-26-mai-2024-11-15uhr/ ) hat die Themengruppe WALD sich mit Blick auf die kommenden Forsteinrichtung im Sommer 2026 darauf geeinigt, bis dahin das große BiG-Waldprojekt 2024 – 2026 zu starten. In einer Arbeitssitzung gestern wurde der Plan weiter konkretisiert. Die eine Aufgabe ‚Dem Wald eine Stimme geben‘ soll dadurch eingelöst werden, dass das Team in Kooperation mit den Vogelschützern bis 2026 gezielt viele Exkursionen im Wald organisieren will, durch die interessierte Bürger verschiedene Aspekte ihres Waldes (ja, er gehört allen Bürgern!) in der direkten Begegnung besser kennen lernen können. Die andere Aufgabe besteht darin, in gezielten Veranstaltugen die Vielfalt der Perspektiven auf den Wald (Holzwirtschaft, Erholung, Jagd, Rolle im Klimawandel…) zu Wort kommen zu lassen. Die aktuelle Diskussionslage zum Wald zeigt, es gibt nicht die eine Sicht. Alle sollen zu Wort kommen.
Den Auftakt zu all dem soll eine Bürgerbefragung zum Wald bilden (So 26.Mai im Wald!) und dann die Vorstellung der Ergebnisse mit Diskussion (So 30.Juni, vermutlich Brendelsaal). Zur Diskussion werden wir natürlich alle einladen, auch unsere Experten aus der Verwaltung und und unsere gewählten Vertreter in der Gemeindevertretung.
DEMOGRAPHIE – ARBEITSTREFFEN – VORBEREITUNG VERANSTALTUNG IM OKTOBER
Wie im Rundbrief berichtet ( https://www.oksimo.org/2024/03/14/einwohner-wie-alles-anfing-ein-gespraech-mit-dem-vorsitzenden-des-auslaenderbeirats-schoeneck/ ) hatte Gerd Doeben-Henisch ein langes Inteviewgespräch mit dem Vorsitzenden des Schönecker Ausländerbeirats Klearchos Aliferis geführt. Aus diesem Gespräch ergab sich, dass hier gemeinsame Interessen aufeinander stoßen, aus Anlaß des Themas ‚Bürger mit Migrationshuntergrund‘ das Thema Demographie Schöneck (natürlich auch als Teil des großen Themas Demographie DE und EU) aktiv anzugehen. Eines der größten Probleme Deutschlands, der gravierende Mangel an Arbeitskräften auf mittlerweile allen Ebenen, soll aus dem Schatten der mittlerweile sehr populistisch geführten Diskussion zum sogenannten Flüchtlingsproblem heraus geholt werden. Das wir mit der unkontrollierten Migration ein reales Problem haben, ist unbestritten, aber wir haben ein mindestens genauso reales Problem mit der Bevölkerungsentwicklung; darüber muss geredet werden. Wir werden dazu entsprechende Simulationskonzepte aufbauen (nicht zuletzt auch wegen dem realen Wasserproblem (siehe dort)). Das Thema soll mit einer ersten größeren öffentlichen Veranstaltung im Oktober bekannt gemacht werden.
Nach der Veranstaltung am 18.Februar 24 mit ein einer externen Expertin ( https://www.oksimo.org/schoeneck-energie-autark/ ) hatte die Themengruppe ENERGIE verschiedenen Recherchen gestartet und Gespräche geführt (ein sehr ermutigendes Gespräch fand statt mit der Bürgermeisterin Conny Rück und Herrn Jörg Reichelt von der Fachabteilung Stadtentwicklung am 15.April 24). Daraus ergaben sich verschiedene Handlungsansätze, auch in Richtung Kooperation mit dem Klimabeirat Schöneck.
KOMMT DER BiG-HUB zwischen Pizzeria und Turnverein Kilianstädten?
Wie schon im Abschnitt zur Themengruppe WALD anklingt, hat sich der Arbeitsstil der verschiedenen BiG-Themengruppen im Laufe von 14 Monaten geändert. Der Schwerpuntk liegt stärker als bislang auf den Arbeitsgruppen selbst und die größeren Veranstaltungen werden flexibler (andere Räume, andere Termine, mehr Kooperationspartner). Dazu kommt, dass durch die beginnende Renovierung des Alten Schloßes der Brendelsaal für längere Zeit nicht mehr verfügbar sein wird. Es deutet sich jetzt an, dass BiG vielleicht eine Art BiG HUB (schreckliches Wort :-)) eröffnen kann, genau gegenüber der Pizzeria Volpe und direkt neben dem Turnverein Kilianstädten (die haben auch eine Liny Hop Gruppe :-)) … Für Arbeitsgruppen wäre dies ideal. Wir hätten rund um die Uhr eine Möglichkeit, wo sich Interessierte treffen könnten. Falls die BiG-Teams sich dazu einig werden, könnten wir das Projekt starten.
seit dem Start der Initiative ‚Bürger im Gespräch (BiG)‘ im Februar 2023 versenden wir über diesen Verteiler eigentlich entweder nur Ankündigungen von BiG-Veranstaltungen oder anschließend Berichte zu diesen Ereignissen.
Aus gegebenem Anlass möchten wir heute auch mal ein paar Sätze zu unserem Verhältnis zu Demokratie schreiben.
Zur Vorgeschichte von BiG gehören viele Jahre (mindestens 20 Jahre) Forschung zum Konzept von Wissenschaft, zum Begriff der Nachhaltigkeit, zum Verhältnis von empirischer Wissenschaft und Nachhaltigkeit, dann aber auch zum Konzept der Demokratie: was hat diese mit Wissenschaft zu tun? Wie ist die Rolle der Bürger in einer modernen Demokratie, und einiges mehr.
Neben vielen Themen, die unsere aktuelle Weltsituation, auch in Europa, und natürlich auch in Deutschland charakterisieren, gibt es ein Problem, dass allen Demokratien weltweit in dieser Form neu zu schaffen macht: das Anwachsen von unterschiedlichen Weltsichten, die im Alltag und dann auch auf vielen Ebenen der Gesellschaft unversöhnlich erscheinen, schwer vermittelbar.
Positiv für Demokratien ist, dass eine solche Vielfalt generell möglich ist (man vergleiche die Situationen in autokratischen Gesellschaften).
Negativ für Demokratien ist, wenn sich diese reale Vielfalt nicht in ein konstruktives Miteinander überführen lässt. Dann versagen zunehmend die verfassungsgemäßen Entscheidungsprozesse.
Wie so oft in der Geschichte, wird dann der Ruf nach dem starken Mann (Frau, …) laut.
Da es in den ca. 300.000 Jahren Menschheitsgeschichte moderne Demokratien erst seit ca. 200 Jahren gibt — also eine recht junge Errungenschaft — wäre es irgendwie schade, wenn Demokratien, die als erste neue Freiheitsräume ermöglichen, nicht in der Lage wären, für den Umgang mit Vielfalt auch neue kreative Formen finden könnten, um die Vielfalt für eine attraktive Zukunft nutzbar zu machen.
In diesem Kontext sieht sich die Initiative BiG als kleiner, kreativer Versuch, das Miteinander der Bürger — auch mit ihren gewählten Vertretern (alle Geschlechter :-)) — an kleinen Beispielen auszuprobieren.
Wir alleine werden die Welt natürlich nicht retten.
Aber wenn sich andere dadurch ermutigt fühlen, ihren Beitrag zu leisten, bewegt sich schon wieder etwas mehr 🙂
Schon im vorausgehenden Text „DEMOKRATIE ALS ‚ZWEIGETEILTES EINS‘. SKIZZE“ wurde aufgezeigt, dass und wie das Moment des gemeinsamen Wissens eine Schlüsselrolle für eine Demokratie spielt. Im vorausgehenden Text wurde einerseits auf den Kontext des Wissens aufmerksam gemacht sowie auf eine wahrheitsfähige Struktur dieses Wissens.
Im vorliegenden Text wird der Aspekt der Vielfalt thematisiert und ein Blick auf die innere Struktur von politischen Parteien in einer Demokratie geworfen.
BILD : Eine Interpretation von §1 des Deutschen Parteiengesetzes
Parteiengesetz – Deutungsmöglichkeiten
Das Deutsche Parteiengesetz ist ein Text und unterliegt als solcher notgedrungen einer Interpretation durch einen Leser. Das jeweilige Hintergrundwissens des Lesers samt seinen aktuellen Interessen bestimmt, wie er den Text individuell versteht.
Im Kontext eines neuen Bewusstseins von Bürgerwissenschaft 2.0 fällt natürlich sofort auf, dass die Aufgabe für eine politische Partei nicht nur darin gesehen wird, dass man Bürger an die Übernahme einer öffentlichen Verantwortung im Rahmen der gewählten Strukturen heranführt, sondern dass es ebenso wichtig ist, sich an der Gestaltung der öffentlichen Meinung zu beteiligten, politische Bildung zu unterstützen und dass man darauf hin wirkt, dass sich Bürger aktiv am politischen Leben beteiligen. Mit letzterem muss kein bestimmtes Parteiprogramm verknüpft sein — diese müssen sich ja auch immer wieder im Gegenüber zur gesellschaftlichen Wirklich neu justieren –, sondern es geht um ein gemeinsames Ringen um aktuelle Problemstellungen und deren Lösungen, die sich der Sache verpflichtet fühlen, und für deren Lösung man gegebenenfalls auch ganz neue Wege beschreiten muss, Wege, die noch kein bestehendes Programm — welcher Art auch immer — auf der Agenda hat.
Für das Gelingen einer Demokratie im Bereich der demokratischen Entscheidungsprozesse müssen diese Sichten der Welt und die dazu gehörigen Maßnahmen zwar von den gewählten Vertretern aufgegriffen und umgesetzt werden, aber damit überhaupt geeignete Sichten entstehen und geeignete Maßnahmen gefunden werden können, bedarf es der gesamten Breite gesellschaftlicher Prozesse mit einer Berücksichtigung von möglichst allen Gruppen in einer Gesellschaft.
Vereinfachend formuliert kann man auch sagen, zum Gelingen einer handlungsfähigen Demokratie bedarf es eines hinreichend umfassenden und wahrheitsfähigen nachhaltigen Wissens, das von einer großen Mehrheit geteilt wird, damit die demokratischen Entscheidungsprozesse nicht nur partikuläre Interessen oder partiellen Problemstellungen dienen, sondern der Mehrheit der Gesellschaft.
Die Formulierung ‚hinreichend umfassendes und wahrheitsfähiges nachhaltiges Wissen‘ ist eine regulative Idee die gedanklich angestoßen werden kann, der aber in der Realität zu einem beliebigen Zeitpunkt angesichts einer Vielzahl von Meinungen A, B, C, D ... Wissensformen gegenüberstehen, die aus sich heraus auf den ersten Blick schwer bis gar nicht vermittelbar erscheinen. Eine Momentaufnahme von Meinungsgruppen im April 2024 in den USA, in den europäischen Ländern, im Nahen Osten usw. zeigt — unter Berücksichtigung der vielen online-basierten Informationsangebote — nicht nur eine große Zahl von Narrativen und Weltbildern, sondern zusätzlich solche, die den Eindruck erwecken, sich gegenseitig auszugrenzen. Im Blick zurück in der Geschichte finden sich ganz ähnliche Konstellationen, allerdings zahlenmäßig nicht solch eine Vielfalt wie heute (es gab weniger Menschen; Kommunikationsmittel waren deutlich beschränkter; Machtverhältnisse ließen weniger Spielraum).
Für das Funktionieren einer Demokratie wäre es aber wichtig, dass aus der Vielfalt von Meinungen eine hinreichend große und starke Einheit entstehen könnte, symbolisch verkürzend:
BILD : Eine Demokratie bietet maximalen Raum für alle Bürger, dies ermöglicht Vielheit. Für das konkrete Handeln im Alltag — auch unter Berücksichtigung größerer Zeithorizonte — braucht es aber eine minimale Gemeinsamkeit in der Weltsicht. Eine solche Gemeinsamkeit entsteht nicht automatisch sondern nur durch geeignete Prozesse der Verständigung die hinreichend viel Zeit, Energie und — meistens — auch ein notwendiges Wissen benötigen. Da weder 0% Gemeinsamkeit ausreichen noch 100% Gemeinsamkeit realistisch sind, gibt es dazwischen einen Bereich, der hinreichend über 0% liegt — der kritische Wert — oder optimalerweise komfortabel über dem kritischen Wert — nennen wir dies den konstruktiven Wert –. In der bisherigen Forschung ist nicht bekannt, wo man den ‚kritischen Wert‘ oder den ‚konstruktiven Wert‘ ansiedeln soll.
Zwischen den Extrempunkten, dass die Gemeinsamkeit der verschiedenen Meinungen bei 0% liegt (Totalblockade) oder bei 100% (Völlige Einigkeit; praktisch ausgeschlossen) gibt es ein breites Spektrum, wo man sich fragen kann, welches Ausmaß an Übereinstimmung praktisch möglich ist und welches praktisch notwendig (kritischerWert) wäre.
Für die Notwendigkeit haben die meisten Demokratien Abstimmungsregeln eingeführt, die irgendeine From von Mehrheit verlangen. Für das praktisch Mögliche ist es schwer zu definieren, da die Variabilität des Entscheidens im Prinzip alles möglich machen kann. Die zunehmende Unfähigkeit demokratischer Systeme weltweit auf die wachsende Komplexität mit hinreichend guten Wissenswolken zu antworten, die von einer hinreichenden Mehrheit geteilt wird, spricht nicht notwendigerweise gegen das Konzept einer demokratischen Gesellschaft. In erster Linie zeigt es nur, dass die Anforderungen an gemeinsame qualitativ gute Wissenswolken offensichtlich gestiegen sind. Dass autokratische Systeme diese Probleme durch quasi diktatorische Entscheidungen zu bewältigen suchen, kann auf den ersten Blick beeindrucken. Auf den zweiten Blick kann man aber feststellen — wenn man will –, dass das autoritäre Lösungsmodell auch einen hohen Preis zahlt (muss genauer spezifiziert werden).
Die manifesten Schwierigkeiten demokratischer Systeme kann man positiv dahingehend interpretieren, dass ein demokratisches System in der Lage ist, einen objektiven Mangel an Wissen, an Planungskapazitäten, an fehlender Entscheidungsfähigkeit sichtbar zu machen, um damit einen Ausgangspunkt zu schaffen, um das bisherige System mit seinen sich offenbarenden Schwächen an den entscheidenden Punkten zu verbessern bzw. zu revolutionieren.
Die Fähigkeit, aus erkennbaren Schwächen neue, bessere Ansätze zu finden und entsprechend umzusetzen, nennt man allgemein Lernen!
Während wir im Fall von Einzelpersonen ansatzweise über verschiedene Lernkonzepte verfügen, eventuell auch noch für Gruppen, wird es bei größeren Gebilden wie Firmen oder Kommunen schon ziemlich schwierig. Was aber, wenn es um eine ganze Gesellschaft geht, die mit sich selbst aufgrund von widerstreitenden Weltsichten im Widerstreit liegt?
Historisch gibt es für diesen komplexen Fall noch keine wirklichen Vorlagen.
Demokratien, als jüngstes Produkt der langen Menschheitsgeschichte, einfach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen, erscheint im ersten Moment vielleicht einfach zu sein, letztlich wäre dies aber angesichts des langen Prozesse der Entstehung von Demokratien nicht effizient und kontraproduktiv (Beispiele von gescheiterten Demokratien gibt es schon, und diese wirken nicht ermutigend). Operativ sinnvoller wäre es hingegen, eine Renovierung bei laufendem Betrieb. Der heiße Kern von allem müssten jene Mechanismen sein, die aus der wechselseitigen Blockade heraus führen und lebensfähige Gemeinsamkeiten entstehen lassen, die im Prinzip allen nachhaltig nutzen. Ohne einen minimalen gemeinsamen Kern von Wertauffassungen — z.B. analog dem Grundgesetz oder den Menschenrechten — wird es aber wohl nicht gehen. Letzteres wiederum setzt voraus, dass es einen irgendwie übergreifenden Sinn gibt, den die große Mehrheit teilt und der die vielen praktisch notwendigen Konkretisierungen inspiriert.
Vermutlich werden weder die dazu notwendigen Methoden noch die notwendigen Wissensinhalte einfach so ‚vom Himmel fallen‘, sondern sie müssen in einem gemeinsamen Weg des Ausprobierens und Lernens gefunden werden. Wo können Menschen so etwas lernen? Wo sind die Schulen, die Hochschulen, die Firmen, die Alltagsszenarien, die so etwas unterstützen?
Die Initiative ‚Bürger im Gespräch (BiG)‘ versteht sich als ein Beispiel für solch ein Vorgehen; möglicherweise gibt es bessere.
Schon zwischen 2.600 und 1.800 Jahren vor unsrer Zeitrechnung gab es Siedlungen/ Städte im Gebiet des heutigen Indien und Pakistan mit einem ausgebauten Kanalisationssystem. In Europa ging dieses Wissen aber im frühen Mittelalter wieder verloren bis zur Wiederentdeckung ab dem 19.Jahrhundert. Und die erste Kläranlage auf dem europäischen Kontinent gab es 1889 in Frankfurt am Main.
So gesehen ist eine ausgebaute Kanalisation in Verbindung mit einer guten Kläranlage eine moderne Kulturtechnik, ohne die unser gewohntes Alltagsleben schlicht weg nicht funktionieren würde. Und doch, Hand aufs Herz, wer weiß schon etwas vom Abwasser und seiner Bedeutung? Wer wüsste, wie die Kanalisation in er eigenen Gemeinde beschaffen ist, wie sie funktioniert, und was genau in der Kläranlage geschieht.
Der nicht mehr ganz junge Autor dieses Textes — wie auch viele andere, die er kennt — , wusste nichts zum Thema.
Seit der BiG-Veranstaltung am 10.April 2024 im Dorfgemeinschaftshaus von Oberdorfelden zusammen mit den beiden Experten von der Fachabteilung Stadtplanung der Gemeinde Schöneck (Referent Hans-Jürgen Merget (stellv. Fachbereichsleiter), Herr Günter Rauch (Fachbereichsleiter)) sieht die Lage anders aus: es gab erste tiefe Einblicke in das Thema und es ist völlig klar, dass dieses Thema weiter behandelt werden sollte. Wir haben es hier mit dem größten Bauwerk der Gemeinde zu tun (allein 67 km Rohrleitungen), das alle 16.000 Einwohner von Schöneck und Niederdorfelden rund um die Uhr versorgt. Und dass dies alles so reibungslos funktioniert ist alles andere als selbstverständlich.
Zur Einführung siehe die Ankündigung und den ersten Kurzbericht. Hier folgt jetzt ein Bericht zur Präsentation während der Veranstaltung.
Dieser Bericht folgt weitgehend der Präsentation von Hans-Jürgen Merget (stellvertretender Leiter der Fachabteilung Stadtplanung), ergänzt um Erläuterungen von Günter Rauch (Leiter der Fachabteilung Stadtplanung) und den kurzen Dialogen zwischendrin zwischen den Bürgern und den Vertretern der Gemeinde. Wegen des Umfangs wurden manche weitere Informationen ausgelassen. Diese können in zukünftigen Erweiterungen behandelt werden.
Vorweg sollte man wissen, dass es neben der laufenden (alten) Kläranlage ein Neubauprojekt gibt, das 2020 begann und nach vielen Verzögerungen (Corona, Ukrainekrieg) und Teuerungen im Mai 2025 abgeschlossen sein soll. Der Neubau wurde erzwungen, da die alte Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen stieß. Nach vielen Recherchen schälte sich heraus, dass man auf dem bisherigen Gelände mit einer neuen Methode eine Kläranlage bauen könnte, die den gestiegenen Anforderungen dennoch gerecht werden kann. Während Langenselbold bei annähernd gleichen Rahmenbedingungen einen Neubau mit dem bekannten Standards gestartet hat (geschätzte Kosten 30 Mio Euro), belaufen sich die Kosten für die neue Anlage auf 17 Mio Euro (dazu gibt es einen Zuschuss vom Bund in Höhe von 800.000 Euro). Vom Gesamtbetrag übernimmt Niederdorfelden 25% der Kosten.
Der Weg des Wassers vom Abfluss über Kanalisation und Kläranlage zurück in den Naturkreislauf
Die Präsentation startete mit einem Überblick über die verschiedenen Arten des Wassers, welches über die Kanalisation zur Kläranlage gelangt. Hier ein erweitertes Schaubild:
BILD : Ein erweitertes Schaubild (rekonstruiert aus [1:997-1013]) gibt einen Eindruck von den verschiedenen Arten von Wasser, die im kommunalen Abwassersystem anfallen.
Das Schaubild nach [1] zeigt die verschiedenen Arten von Wasser auf, die nach Gebrauch — z.B. kommunales Schmutzwasser — oder nach Entstehung — z.B. Niederschläge — auftreten können. Mit dieser Vielfalt klar zu kommen, ist eine große Herausforderung für die kommunale Wasserwirtschaft, die in Grenzfällen letztlich nur angenähert werden kann.
Andeutung der Wassermengen
Um ein Gefühl für die Menge des Wassers zu bekommen, stellte der Referent zwei Näherungswerte in den Raum: die Menge des Trinkwasserverbrauchs von einem 4 Personen Haushalt bei 121 L pro Person und Tag [2] und die Menge des Regenwassers bei einem Dach von 341 m2 .[3] Beide Werte beruhen auf Mittelwerten und können von daher nur als Annäherung an die tatsächlichen Volumen gelten.
BILD : Rechenblatt mit der Berechnung des angenäherten Volumens, das in einem Zeitfenster von 5 minentstehen kann.
Mit Hilfe dieser Annäherungen kann man sehen, dass Regenfälle in einem kurzen Zeitraum bis zu ca. 1800 mal mehr Volumen für die Kanalisation generieren können wie der normale Schmutzwasseranfall, sofern man den Regen nicht vor Eintritt in die Kanalisation durch geeignete Maßnahmen auffängt oder verteilt. Dies bedeutet eine gewaltige Herausforderung für die Kanalisation.[5b]
BILD : Das Bild zeigt die Struktur des Mischsystems und eines Trennsystems nebeneinander, wie es sich aus der Perspektive eines Hauses darstellt.
Umgelegt auf die gesamte Kanalisation bedeutet dies, dass entsprechend entweder zwei getrennte Rohrsysteme im Boden liegen müssen (Trennsystem: Regenwasser (blau) und Schmutzwasser (braun) getrennt) oder nur ein Rohrsystem (Mischsystem: Schmutzwasser und Regenwasser zusammen (Magenta)).
BILD : Nach [5]. Ziel ist es u.a., möglichst kein Regenwasser durch die Kläranlage fließen zu lassen, da das Regenwasser vergleichsweise sauber ist, allerdings — abhängig von der Bodenbeschaffenheit — nicht immer. [7]
In Schöneck gibt es je nach Ortsbereich beide Systeme. Für Mischwasser sind in Schöneck 55 km Rohre verlegt, für Regenwasser 6,79 km, und für Schmutzwasser 5,846 km, zusammen also gut 67 km an Leitungen!
Im Fall des Mischsystems kann der Fall eintreten, dass das Wasservolumen durch den Regen derart ansteigt, dass eine Entlastungen der Kanalisation notwendig ist. Idealerweise geschieht dies vor dem Eintreten in das Kanalsystem (Rückhaltevorrichtungen). Durch die vielen Einlaufwerke (Gullis) tritt das zusätzliche Volumen aber auch entlang des Kanalsystems auf. Dazu gibt es Entlastungsbauwerke [6], in denen in einem bestimmten Abschnitt des Kanals das Abwasser in einer Rinne mit hochgezogener Überlaufschwelle geführt wird. Nimmt das Volumen des Wassers über einen festgesetzten Maximalwert zu, dann läuft es über die Schwelle in einen eigenen Kanal, mit dem das Wasser dann herausgeführt und in ein Gewässer abgeleitet (‚abgeschlagen‘) wird. Zusätzlich zu den Entlastungsbauwerken gibt es auch weitere Vorhalteflächen vor dem Eintritt in die Kanalisation wie auch zusätzliche Versickerungsflächen.
BILD : Abschnitt aus dem Kanalsystem in Schöneck mit Mischkanal und und unterirdischem Entlastungsbauwerk
Ein Abschöpfen von Wasser kann allerdings auch bei einem Trennsystem mit zwei getrennten Rohren auftreten.
BILD : Kartenausschnitt von Schöneck mit Trennsystem und Verringerung des Wasservolumens durch eine Abschlagsleitung.
Es wurde angemerkt, dass Regenwasser, das mit Straßenbelag in Berührung kommt, allein durch den erheblichen Abrieb der Reifen erheblich belastet ist und eigentlich vorgereinigt werden müsste. Bei der Schönecker Kanalisation, die schon älter ist, findet eine solche Vorreinigung von Regenwasser vor der Einleitung in Gewässer noch nicht statt.
Ein anderer Fall wird im folgenden Schaubild dargestellt: da Schöneck unterschiedliche Geländeformationen umfasst, ist es bisweilen notwendig, Wasser auch auf ein höheres Niveau zu pumpen.
BILD : Hinaufpumpen von Schmutzwasser (braun) zu einem Mischwasserkanal (Magenta) auf einem höheren Niveau.
Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden
BILD : Eingang zur Kläranlage Schoeneck-Niederdorfelden Samstag 13.April 2024. Elemente einer Baustelle sind erkennbar.
BILD : Aus openstreetmap.org: Lage der Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden
Dazu ein Kartenausschnitt mit den Hauptleitungen zur Kläranlage.
BILD : Hauptzuleitungen zur Gruppenkläranlage von Schöneck (von rechts) und von Niederdorfelden (von links). Die Unterbrechungen in der Linie von Niederdorfelden zeigt an, dass es sich wegen des Geländeunterschieds um eine Druckleitung handelt.Der Durchmesser der Leitung von Schöneck ist größer als 1 m, der von Niederdorfelden deutlich kleiner als 1 m.
Die Zuleitungskanäle kommen im Vergleich zum Niveau der Kläranlage ca. 9 m tiefer an, was bedeutet, dass das Wasser auf das höhere Niveau gehoben werden muss. Standardmäßig würde man dies mit einer robusten Schneckenpumpe umsetzen. Doch wegen des großen Platzbedarfs einer Schneckenpumpe werden Zulauf-Pumpen benutzt. Die Zulauf-Pumpen sind sehr anfällig für alle Arten von Textilien (einschließlich Feuchttüchern), die über das Wasser angespült werden. Diese können sich ineinander verwickeln und müssen dann mechanisch aus der Pumpte entfernt werden.
Ablaufschema einer Kläranlage
BILD : Typisches Ablaufschema einer Kläranlage (siehe [8] mit weiteren Erklärungen).
Stufe 1: Mechanische Reinigung
Rechen
Mit Hilfe einer mechanischen Recheneinrichtung (Rechen) werden grobe Stoffe aus dem Wasser entfernt. Diese kommen dann in eine Pressschnecke und werden dann als Restmüll in einem Container entsorgt.
Sand und Fettabscheider
Als nächstes gibt es einen Sand- und Fettfang: zwei längere Becken, in denen an der Oberfläche das Fett abgenommen wird und am Boden Sandanteile.
BILD : Prinzipschaubild aus der Präsentation. Im nächsten Bild das Original in Schöneck.
BILD : Fettfang links und Sandfang rechts in der Kläranlage Schöneck. Daneben sieht man viele Spuren der Großbaustelle.
AUDIO : Originalton aus der Präsentation zum Fett- und Sandabscheider (Tonqualität nicht gut da nur Hintergrundaufnahme)
Vorklärung
Ein weiteres Becken, in dem verbleibende Schwebanteile abgesondert werden, und welches das so bereinigte Wasser der biologischen Klärung zuführt. Die Schwebanteile aus der Vorklärung werden dem Faulturm zugeführt (siehe weiter unten).
Stufe 2: Biologie
Die Klärung des Wassers durch Mikroorganismen wird auch als Belebtschwammverfahren bezeichnet. [9] Das Grundprinzip besteht darin, dass in einem eigenen Becken dem Wasser aus der mechanischen Klärung (Stufe 1) Sauerstoff und Belebtschlamm zugeführt wird, um damit den Mikroorganismen (im Schlamm) die Möglichkeit zu geben, vorhandene organische Bestandteile zu binden, so dass am Ende nur Wasser und CO2 übrig bleibt, sowie der Belebtschlamm, der teilweise aber wieder zurückgeführt wird, um die Bakterien zu erhalten.
Belebtbecken
Um das Wasser aus der Vorklärung weiter reinigen zu können, gibt es eine hinreichende Menge Schlamm mit Bakterien. Diese benötigen für ihren Prozess hinreichend viel Sauerstoff, der über Rohre in das Becken geleitet wird.
BILD : Belebungsbecken in Schöneck (alte Anlage).
In den letzten 20 Jahren ist kein Fall bekannt geworden, in dem die eingesetzten Bakterien für ihre Aufgabe versagt hätten. Entsprechend den Betriebsanforderungen seitens der Aufsichtsbehörde des Regierungspräsidenten (RP) Darmstadt werden täglich mehrfach Kontrollen vorgenommen, um die Einhaltung wichtiger Größen zu überprüfen. Dazu gibt es ein eigenes Labor, das diese Kontrollen überwacht und dokumentiert. Mehrmals jährlich gibt es auch unangemeldete Kontrollen seitens der Aufsichtsbehörde. Da das Gewerbe in Schöneck und Niederdorfelden keine Betriebe umfasst, die im größeren Stil organische Abfälle erzeugen, ist die Herausforderung an die Bakterien nicht extrem. Dennoch stellt die sich ändernde Zusammensetzung des Wassers (unterschiedliche Regenanteile) und die sich ändernden Temperaturen eine Herausforderung an die Arbeit der Bakterien dar.
Neubau mit SBR Verfahren
Wenn die aktuelle Baustelle im Mai 2025 ihr Ziel erreicht hat, dann soll in Schöneck das bisherige 2-stufige Verfahren von Belebtbecken mit Nachklingbecken durch ein SBR (Sequencing Batch) Verfahren ergänzt werden. Bei einem SBR Reaktor werden zeitlich hintereinander mehrere Prozessphasen ablaufen können, so da dass man auf einem kleinen Raum einen umfassenden Klärungsprozess realisieren kann.
BILD : Vereinfachtes Schaubild der Phasen eines SBR nach [9].
In der Phase 1 (Start) wird hinreichend viel Schlamm mit den Bakterien bereitgestellt. Dazu kommt in Phase 2 (Befüllen) dann das zu reinigenden Wasser. Damit dann die Bakterien arbeiten können, wird in Phase 3 (Belüften) genügend viel Sauerstoff zugeführt, die vorhandene organische — und andere — Stoffe bearbeiten. In Phase 4 (Absetzen) lässt man die Schlammanteile absinken, damit das gereinigte Wasser dann in Phase 5 (Entleeren) entnommen werden kann. Dann beginnt wieder Phase 1.
Nachklärung
In einem runden Nachklärungsbecken (in der aktuellen alten Anlage) werden restliche Schwebstoffe (Schlamm) abgesondert. Das Wasser wird in Gewässer weiter geleitet (hier in die Nidder) und der Schlamm z.T. dem Belebtbecken wieder zugeführt und z.T. dem Faulbehälter.
BILD : Links beispielhaftes Bild vom Ablauf des gereinigten Wassers und rechts ein Originalfoto (Merget) vom Austritt in die Nidder.
Stufe 3: Chemische Reinigung
Die Dimension der chemischen Reinigung lässt sich nicht an einem bestimmten Bauteil festmachen. Sie findet als Teil des gesamten Prozesses statt. Basierend auf den laufenden Labormessungen (und von verschiedenen Sensoren) wird festgelegt, wie viel von sogenannten Fällmitteln über Dosierungspumpen dem Wasser beigegeben werden. Andererseits [9] wird heute auch zunehmend statt mit Fällmitteln mit Biomasse gearbeitet. Übergreifend wir die chemische Reinigung von einem Prozessleitsystem gesteuert. Aktuell bedarf es noch teilweise des Eingriffs durch eine Person. Nach Vollendung des Neubaus soll alles automatisch ablaufen. Die Steuerung der Prozesse wird dann per Software gesteuert, die man nach Bedarf anpassen kann.
Stufe 4 : Spezielle Stoffe
Zu speziellen Stoffen gehören z.B. toxische Verbindungen (PCB, CKW, AOX…), Spurenstoffe, Mikroplastik, Nanopartikel, Antibiotikaresistenzen, PFAS. Für Anlagen ab 100.000 Einwohner ist Stufe 4 schon vorgeschrieben. Für kleinere Anlagen steht dies noch aus.
Schlamm, Faulgas & Energie
Die zuvor schon geschilderte Absonderung von Schlamm wird dazu genutzt, dass bei annähernd Körpertemperatur einerseits aus dem Schlamm Gas gebildet wird, das gesammelt und dann einem Blockheizkraftwerk (BHK) zugeleitet wird. Mit der Leistung des BHK kann etwa 50% der Stromleistung der Anlage erzeugt werden. Für die restlichen 50% ist noch eine Photovoltaik-Anlage geplant. Bedenkt man, dass die Kläranlage mit 516.000 KWh der größte Stromverbraucher der Gemeinde ist, dann bilde diese neue Lösungsstrategie einen weiteren deutlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Anlage.
Der verbleibende Klärschlamm mit ca. 2000 Tonnen pro Jahr wird weitgehend vom Wetteraukreis übernommen, der seit Jahren ein kreisweites Programm zur Klärschlammentsorgung für seine Kommunen betreibt.
Nachtrag Trinkwasser-Anteil
Mit Blick auf das Schmutzwasser von Privathaushalten und Kleingewerbe ist der Anteil des Trinkwassers am Gesamtverbrauch des Wassers interessant: Im Jahr 2023 machte der Verbrauch von Wasser bei Essen und Trinken 4% aus. [4]
Mit Blick auf die Gesamtversorgung mit Trinkwasser für Schöneck (und Niederdorfelden) als Teil des Wassernetzes des Main-Kinzig Kreises stellt sich zunehmend die Frage, wie man einer allmählichen Verknappung des Trinkwassers durch bessere Nutzung des Trinkwassers entgegen wirken kann.
Wie das Schaubild zur aktuellen Nutzung des Wassers andeutet und wie die Situation der Regenwassernutzung zeigt, gibt es prinzipiell ein Potential, das verfügbare Wasser besser zu nutzen.
Ein bisschen Statistik
Hier noch einige Zahlen zur Gemeinschaftsanlage Schöneck-Niederdorfelden:
Stromverbrauch
516.000,00
KW
Hilfsstoffe
103,00
t
Betriebskosten GKA
280.000,00
€
Betrieb Kanalnetz
130.000,00
€
Kosten Kanalsanierung
150.000,00
€
Jahresabwassermenge (Schmutzwasser + Regen)
2.266.225,00
m³
Rechengut
21,20
t
Sandfanggut
18,60
t
Fettabscheiderückstände
17,00
m³
Klärschlammmenge
1.942,40
t
Ausblick
Dieser Bericht versteht sich als ein erster Einstieg in die Thematik Abwasser am Beispiel der Kommunen Schöneck-Niederdorfelden.
Dieser Bericht soll im weiteren Verlauf weiter ergänzt und erweitert werden.
Zusätzlich soll auch der Zusammenhang mit der Frage der Wasserverfügbarkeit im MKK thematisiert werden.
Auch soll die Idee eines Besuchs der Kläranlage vor Ort aufgegriffen werden.
Das Kanalnetz in Schöneck zusammen mit der Kläranlage bilden letztlich ein großes und für die Bürger zentrales Projekt der Sicherung unseres alltäglichen Lebens. Dieses sollte im Bewusstsein von uns allen einen festen Ort haben.
QUELLENANGABEN
[1] Zusammenstellung anhand des „Taschenbuch der Wasserwirtschaft“ (TBW) herausgegeben von Kurt Lechner, Hans-Peter Lühr und Ulrich Z.E.Zamke, Springer Verlag, 2021, 10.Aufl., SS.985 – 1013
[3] Der Koeffizient 316,7 L(s * ha) wird typischerweise aus einem Tabellenwerk entnommen, das aus langjährigen Mittelwerten und weiteren Größen einen Koeffizienten berechnet. Näheres siehe TBW 1002ff.
[5b] Kanalisation, ein erster Überblick — auch zur Geschichte der Kanalisation — findet sich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/KanalisationAnmerkung: Es ist bemerkenswert, dass es schon vor 1.800 Jahre vor unserer Zeitrechnung schon Siedlungen/ Städte mit kompletten Kanalisationen gegeben hat, ein Wissen, das im westlichen Europa ab frühem Mittelalter wieder verloren gegangen ist und erst ab ca. Mitte des 19.Jahrhunderts ‚wieder entdeckt‘ wurde.
[6] In Schöneck gibt es 26 Entlastungsbauwerke unter der Straße.
[7] Regenwasser, das mit Oberflächen in Berührung kommt, die verschmutzt sind, kann natürlich dennoch eine Anforderung für Klärung von Schadstoffen stellen.
[8] Überblicksartikel zu Kläranlagen generell mit vielen Zusatzartikeln siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kl%C3%A4ranlageAnmerkung: Es ist interessant, dass die erste Kläranlage auf dem europäischen Festland erst 1889 in Frankfurt am Main in Betrieb genommen wurde.
Kurzbericht zur Veranstaltung BiG & Gemeinde am 10.April 24 zum Thema ABWASSER
Liebe Alle,
hier ein erster Kurzbericht zu unserer Veranstaltung gestern Abend [1]. Ein ausführlicher Bericht folgt die Tage [2].
Das BiG-Team WASSER hat sich seit Mai 23 intensiv mit der Frage der Wasserversorgung der Gemeinde Schöneck unter Einbeziehung des ganzen Main-Kinzig Kreises beschäftigt. Das Ziel ist es, eine Service für die Bürger bereit zu stellen, über den jeder jederzeit abfragen kann, wie es mit der Verfügbarkeit von Wasser in einem gewünschten Zeitabschnitt bestellt ist. Dazu entwickelt das Team auf der Basis der verfügbaren Daten ein Simulationsmodell, das jeder einsehen kann.[3]
Dabei ist uns aufgefallen, dass wir über das Wasser, das nach dem Austritt aus dem Wasserhahn dann wieder im Abfluss verschwindet, so gut wie nichts wissen. Wir haben dann die zuständige Abteilung bei der Gemeinde angefragt — die Fachabteilung für Stadtplanung — und trafen auf ein großes Entgegenkommen, dazu eine Informationsveranstaltung anzubieten. Mit Günter Rauch, dem Leiter der Fachabteilung, und Hans-Jürgen Merget, dem stellvertretenden Leiter, kam es dann zur gemeinsamen Veranstaltung BiG & Gemeinde am 10.April 24 Abends zum Thema Abwasser in Schöneck.
Mit seiner Präsentation entführte Hans-Jürgen Merget alle Teilnehmer:innen in die unbekannte Welt des Abwassers. Schon während der Präsentation konnten Fragen gestellt werden, was zur Vervollständigung des Gesamtbildes beitrug. Zusätzlich konnte Günter Rauch weitere interessante Aspekte beisteuern, so z.B. auch mit Ausblicken auf die im Bau befindlichen Erweiterungen der bisherigen Kläranlage (zusammen mit Niederdorfelden). Bei Fertigstellung Ende Mai 2025 wird sie zu den modernsten Anlagen in ganz Deutschland gehören und das mit nur der Hälfte der Kosten, die eine Gemeinde mit vergleichbaren Rahmenbedingungen für einen Neubau ausgegeben hat.
Also, Schöneck kann auch innovativ sein 🙂
Die Fachabteilung hat auch angeboten, noch in diesem Jahr eine Informationsveranstaltung in der Kläranlage vor Ort zu organisieren, was auf große Zustimmung traf. Wir werden darüber berichten.
Vorankündigung : BIG-WALD – Bürgerbefragung zum Wald, So 26.Mai 2024, 11-15 Uhr
Wer seit Dezember 2023 im Wald Büdesheim-Kilianstädten den Wald besucht hat, der wird nicht wenige Bürger getroffen haben, die sich über den Zustand des Waldes entsetzt zeigten. Formulierungen wie „So war der Wald noch nie“, „Die da oben“ konnte man hören. Nun weiß jeder aus dem Alltag, dass Profis Sachverhalte oft anders bewerten als ‚Laien‘. Vielleicht trifft dies auch auf die Besucher des Waldes zu, dass sie das, was sie sehen und erleben, unangemessen beurteilen. Vielleicht aber auch nicht. Da der Wald ja der Gemeinde gehört und damit letztlich uns Bürgern, sollten die vielen negativen Gefühle der Bürger nicht isoliert im Raum stehen bleiben.
Das BiG-Team Wald (Moderatorin: Yvonne Heil, praktizierende Tierärztin und ausgewiesene Naturschutzexpertin) hat daher den Beschluss gefasst am So 26.Mai 2024 von 11 – 15h eine Bürgerbefragung zum Thema Wald im Wald selbst durchzuführen. Stützpunkt soll das Haus der Vogelschutzfreunde sein, wo Kaffee und Kuchen zur Stärkung eingeplant sind. Von dort werden Freiwillige, bestückt mit einem Fragebogen durch den Wald gehen und Mitbürger ansprechen, ob Sie sich zu ihrem Wald äußern möchten.
Die Ergebnisse der Befragung werden auf Webseiten des Teams BiG-WALD veröffentlicht. In einer Folgeveranstaltung am So 30.Juni 2024 werden die Ergebnisse diskutiert. Natürlich werden dazu auch unsere gewählten Vertreter im Gemeindeparlament und die Bürgermeisterin eingeladen. Natürlich auch so viele Experten wie möglich. Das BiG-Team WALD ist sich sehr bewusst, wie vielschichtig das Thema Wald ist und dass es nicht einfach DIE Antwort zu allen Fragen gibt.
Vorankündigung das große BiG-Waldprojekt 2024 – 2026
Dass es dem BiG-Team WALD mit der Befragung nicht nur um eine Einzelaktion geht, kann man daran sehen, dass das Team nach ca. 1 Jahr Vorlauf jetzt das Große Waldprojekt 2024 – 2026 beschlossen hat.
Wir haben gelernt, dass alle 10 Jahre (!) eine Forsteinrichtung zwischen der Gemeinde und einem Dienstleister ausgehandelt wird, worin festgelegt wird, was tatsächlich mit dem gemeindeeigenen Wald geschehen soll. Die letzte Forsteinrichtung wurde für den Zeitraum 2017 – 2026 beschlossen. Es gibt also die Möglichkeit, dass die Bürger der Gemeinde sich bis 2026 ihr eigenes Bild vom Wald und den verschiedenen Bedürfnissen machen können. Dazu möchte das BiG-Team WALD beitragen.
Dazu gibt es zwei Themenkreise: (i) Die Interessen des Waldes, der aber nicht direkt für sich sprechen kann, und (ii) die Interessen der Bürger, die sehr vielfältig sind. Beide sollen bearbeitet werden.
Wie weiter?
In den nächsten Wochen wird es weitere Informationen über diesen Rundbrief geben.
Natürlich kann jeder Leser des Rundbriefs diese Vorankündigungen auch weiter erzählen.
Ankündigung: ABWASSER – Das Wunder unter unseren Füßen, Mi 10.April 2024, 19:00h
Lageplan: Dorfgemeinschaftshaus Schöneck-Oberdorfelden, Weidenweg 1 (Parken ca. 50 m entfernt).
Für Mittwoch, 10.April 2024, um 19:00 Uhr lädt die Initiative Bürger im Gespräch (BiG) zusammen mit der Fachabteilung Stadtplanung von Schöneck ein zu einem Informations- und Gesprächsabend ein zum Thema ABWASSER – Das Wunder unter unseren Füßen.
Durch den Abend führt Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch, Moderator von BiG. Als Experte wird Hans-Jürgen Merget, stellvertretender Fachbereichsleiter der Stadtentwicklung mit Schwerpunkt Abwasser, eine Einführung in die Thematik geben. Für das anschließende Gespräch steht zusätzlich auch der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Günter Rauch, zur Verfügung.
Wer als Bürger fachkundige Informationen aus erster Hand zum Thema Abwasser bekommen möchte, findet hier also eine wunderbare Gelegenheit, Fragen und Kommentare loszuwerden.
Praktischer Hinweis: Da es am Abend keine Bewirtung gibt, wird empfohlen, dass jeder sich selbst etwas zum Trinken mitbringt.
Einige Stichworte vorab
Aus dem Alltag weiß jeder, dass wir unser Wasser aus dem Wasserhahn bekommen, und dann entschwindet es in diversen Abflüssen und ward nicht mehr gesehen …. aber — das werden wir an diesem Abend fachkundig erfahren — ab dem Abfluss in den Rohren unter der Erde und dann später in der Kläranlage beginnt ein ganz neues Leben für das Wasser. Hier einige Fragen vorab:
Wird Trinkwasser aus Abwasser hergestellt?
Was sollte nicht in den Ausguss kommen?
Was kann man aus Abwasser gewinnen?
Wird Abwasser ungeklärt in Bäche geleitet?
Wie funktioniert eine Kläranlage?
Was kann jeder einzelne für den Umweltschutz im Zusammenhang mit Abwasser tun?
Was kostet solch eine Anlage der Gemeinde jährlich? Was davon tragen die Bürger?
Womit wird in der Zukunft zu rechnen sein: z.B. Stichwort Starkregen?
…
Nach der Veranstaltung
Nach der Veranstaltung wird es einen Bericht über die Veranstaltung geben, HIER: https://www.oksimo.org/2024/03/27/bericht-von-big-wasser-abt-stadtplanung-schoeneck-abwasser-das-wunder-unter-unseren-fuessen-mi-10-april-2024-1900h/