Drehbuch

Format Drehbuch

In der Basis-Version muss der Benutzer den Weg von der Ausgangslage hin zum Ziel (zur Vision) beschreiben, indem er die notwendigen Veränderungsregeln selbst direkt eingibt (Bedingung, Wahrscheinlichkeit, Eplus, Eminus). Mit ein bisschen Übung ist dies nicht schwierig. Erkennbarer Nachteil: man verliert schnell den Überblick über das Ganze. Im alltäglichen Leben gehen wir Menschen anders vor; normalerweise erzählen wir uns gegenseitig eher ‚Geschichten‘, die den gewünschten Prozess beschreiben. Artikel, Bücher, Drehbücher usw. sind bekannte sprachliche Kommunikationsformen, die sich als geeignet erwiesen haben, komplexe Prozesse allgemeinverständlich zu kommunizieren. Es liegt daher nahe, in der Standard-Version diese bekannten Kommunikationsformate auch für eine oksimo Kommunikation zu benutzen. Die einzige Spezialität einer Textform für eine oksimo Kommunikation wäre, dass man den Text als eine Folge von Situationen versteht und auch so aufschreibt. Dies bedeutet nun nicht, dass man akribisch jede Situation für sich vollständig hinschreiben muss, sondern man muss ausgehend von einer Anfangssituation zumindest deutlich machen, welche Ausdrücke neu hinzukommen bzw. welche verschwinden. Dies lässt viel Spielraum. Wichtig ist nur, dass man aus dem Textverlauf die impliziten Regeln automatisch extrahieren kann. Natürlich hat der Autor jederzeit die Möglichkeit, die automatisch extrahierten Regeln direkt manuell weiter zu editieren, wenn er will. Ferner bietet ein Drehbuch im oksimo Stil die Möglichkeit, parallele Erzählstränge mittels Verzweigungen anzulegen. Verzweigungen sind mit Wahrscheinlichkeiten behaftet. Bei n-vielen möglichen Verzweigungen an einem bestimmten Punkt der Erzählung haben alle n-vielen Verzweigungen zusammen die Wahrscheinlichkeit 1. Innerhalb dieses Möglichkeitsraumes kann die Autorin die Wahrscheinlichkeit unterschiedlich gewichten. In einer Simulation auf der Basis eines oksimo Drehbuchs können also bei jedem Verlauf ganz unterschiedliche Verläufe auftreten. Im Spielmodus ist dies sowieso immer der Fall, bis dahin, dass die Spieler das Drehbuch während des Spielens abändern.


FALLBEISPIEL A

Fall-A1-Teil1HERUNTERLADEN

Ablauf

  1. Man schreibt einen Text zur Startsituation S1 und einen Text zur Vision V1.
  2. Dann schreibt man nacheinander die verschiedenen Normalsituationen N1 – N7.
  3. Beim Übergang von einer Situation (S1 oder Ni) zu einer Nachfolgesituation Ni+1 fasst oksimo automatisch alle bisherigen Ausdrücke zusammen und zeigt sie an.
  4. Will man einzelne Ausdrücke von der bisherigen Situation für die nächste Situation eliminieren, muss man sie mit einem ‚*‘-Zeichen markieren.
  5. Gewünschte neue Elemente muss man in einem neuen Absatz hinzufügen.
  6. Für jedes Paar von Situationen kann eine Veränderungsregel R automatisch generiert werden:
    1. Für den Wenn-Teil werden alle Elemente der vorausgehenden Situation ohne die neuen Elemente übernommen.
    2. Die Wahrscheinlichkeit wird standardmäßig auf 1.0 gesetzt.
    3. Für den Eplus-Teil werden alle Elemente aus dem Abschnitt mit den neuen Elementen übernommen.
    4. Für den Eminus-Teil werden alle Elemente übernommen, die mit ‚*‘ markiert sind.
  7. Nach der automatischen Generierung einer Veränderungsregel wird diese angezeigt und kann individuell editiert werden.
  8. In der Standard-Einstellung werden alle Wenn-Teile von Regeln überprüft, ob eine vorausgehende Regel eine Teilmengenbeziehung zu einer nachfolgenden Regel enthält. Falls dies der Fall ist, wird dies angezeigt.
  9. Der Text des Drehbuchs kann beliebig oft weiter editiertwerden (1) – (5).
  10. Auf Wunsch kann nach der Regelgenerierung eine Simulation durchgeführt werden, um (i) die Korrektheitund Vollständigkeit der Simulation zu testen sowie, um die Erreichung des Ziels zu evaluieren.

Orientierung

Dadurch, dass das Drehbuch als fortlaufender zusammenhängender Text angezeigt wird und bearbeitet werden kann, ist eine Orientierung normalerweise recht einfach.

Für komplexe Texte kann man sich als zusätzliche Hilfe einen Graphen anzeigen lassen, dessen Knoten die Namen von Situationen sind und dessen  Kanten die jeweiligen Veränderungsregeln repräsentieren. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn das Drehbuch aufgrund von Optionen mehr als einen Handlungsstrang (mehrere Pfade) zulässt. Im Textmodus lässt sich dies nicht gut darstellen.Autor Gerd Doeben-HenischVeröffentlicht am